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Fracking: Die Pleitewelle rollt, die Geier warten

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FMW-Redaktion

Wenn der Tod kurz bevorsteht, warten schon die Geier. Das ist beim Fracking nicht anders als in der freien Natur. Durch den niedrigen Ölpreis sind bereits viele kleine Fracking-Buden in den USA pleite gegangen, und viele werden wohl in 2016 folgen. Gestern Abend hat der Ölpreis sogar kurzzeitig die 30 Dollar unterschritten. Das enorme Tempo des Ölpreis-Einbruchs beschleunigt nochmal die Entwicklung, die nur eine logische Folge dieses tiefen Preisniveaus ist. Kleine Fracking-Firmen, die im Boom der letzten 5 Jahre neu aus dem Boden gestampft wurden, haben sich oft komplett mit Hochzinsanleihen (Junk Bonds) finanziert.

Im seit mehr als einem Jahr andauernden Ölpreis-Absturz sind laut der Anwaltskanzlei Haynes & Boone schon mehr als 30 Firmen pleite gegangen, wobei es um 13 Milliarden Dollar offener Kreditlinien ging. Viele andere Firmen dürften in 2016 folgen, denn die Höhe des Verlusts, der pro gefördertem Barrel entsteht, nimmt immer weiter zu, je stärker der Ölpreis fällt. Das paradoxe daran ist: Eigentlich müssten die unrentablen Fracking-Firmen ihre Förderung drastisch reduzieren oder ganz einstellen um nicht noch mehr Verluste anzuhäufen. Aber trotzdem wird nach wie vor auf sehr hohem Niveau gefördert, und es gibt keine Anzeichen für eine Reduzierung. Branchenkenner bestätigen, dass Produzenten deswegen weiterfördern um ihren Gläubigern zu zeigen, dass überhaupt noch Umsätze generiert werden. Von diesen Umsätzen fließt ein immer größerer Teil direkt in die Zins- und Schuldentilgung, was sich inzwischen auf 30-50% der Umsätze belaufen kann.

Das „WSJ“ zitierte erst vor Kurzem einen Analysten, der die bevorstehende Leichenfledderei bestätigte. Warum soll man als Private Equity-Investor oder potenzieller Käufer von neu ausgegebenen Aktien jetzt einsteigen bei Fracking-Firmen? Wenn man noch ein paar Wochen oder Monate wartet, rutschen einige Firmen in die Pleite, wodurch die Anleihen dieser Firmen wertlos werden und man aus der Zwangsversteigerung heraus Fördergebiete zu Spottpreisen aufkaufen kann. Ohne die Schulden an der Backe kann man dann zu einem extrem niedrigen Break Even die Öl-Förderung fortsetzen. Laut WSJ sollen Private Equity-Firmen eine Summe von gut 100 Milliarden Dollar in Cash vorhalten um nach der Pleite solcher Firmen Assets spottbillig aufkaufen zu können. Wer zahlt letztlich die Zeche? Diejenigen, die den Fracking-Unternehmen über die Hochzinanleihen usprünglich mal Geld geliehen haben. Ihre Forderungen (Vermögenswerte) werden durch eine Pleite wertlos, sie sind die Verlierer in diesem Spiel. Gut möglich, dass einige Chefs der bankrotten Firmen direkt zu den Nachfolgefirmen wechseln und dort das direkte Geschäft weiterbetreiben – so sieht Entschuldung aus.

Laut einer Vorabmeldung der Beratungsfirma Alix Partners verlieren amerikanische Öl- und Gasproduzenten derzeit pro Woche gut 2 Milliarden Dollar! Das Problem: Viele Produzenten, ihre kreditgebenden Banken wie auch Anleihe-Analysten und Investoren haben noch vor wenigen Wochen mit durchschnittlichen Ölpreisen von 50-60 Dollar für das Jahr 2016 gerechnet. Das hätte für einen Break Even auch für die kaputtesten Fracking-Buden gereicht. Aber quasi über Nacht haben es jetzt alle besser gewusst und sehen auf einmal Ölpreise von unter 30 Dollar in den nächsten Monaten voraus. Merkwürdig. Damit ist die Basis für weitere Durchhalteparolen nicht mehr gegeben. Wie vorher schon geschrieben: Die Zeche zahlen die Anleihekäufer. Viele davon sind auch Fondsinvestoren, die nach hochverzinsten Geldanlagen für ihre Kunden suchten mangels Verzinsung bei Staatsanleihen – und von wem stammen ganz am Ende der Kette die Gelder? Wohl vom braven Kleinanleger, der sein Geld den Profis anvertraute, in dem er „Dachfonds“ oder „Mischfonds“ kaufte oder in Versicherungsverträge einzahlte.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    joah

    13. Januar 2016 10:06 at 10:06

    Die spannendere Frage wäre ja, ob hierzulande schon spezifische Fonds für derartige Anlagen bekannt sind. Eventuell lebt es nur dadurch weiter, weil eben der Rest nichts davon weis, aber besser täte.

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Bei Infineon gibt’s jetzt die nächste Abwärtsbewegung: Verkaufen! – Werbung

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Lieber Börsianer,

heute endete die Glückssträhne der Perma-Bullen am Aktienmarkt. Nach etlichen ausgesprochen positiven Tagen an der Börse gab es heute, wie von mir vor drei Tagen prognostiziert, den ersten ungewöhnlich negativen Tag. In den USA ist der Handel schon wieder auf dem besten Wege, nach der Limit-down Regel unterbrochen zu werden. Zeit also, nach ein paar Short-Kandidaten Ausschau zu halten, in die Sie einsteigen und die Position eng oberhalb wichtiger Widerstände absichern können. Zum Beispiel Infineon.

Die Aktie des Chipherstellers hat sich seit dem Hoch im Jahr 2018 schon fast halbiert. Am Tief lagen wir sogar schon beinahe bei einer Drittelung. Binnen weniger Tage erholte sich das Papier um mehr als 40%, scheiterte jedoch in der vergangenen Woche am Widerstand bei 14 Euro. Mit der heute gestarteten neuen Abverkaufsbewegung ist das eine hervorragende Chance, um unterhalb dieses Widerstands eine Short-Position aufzubauen.

Absichern so eng wie möglich, so weit entfernt wie nötig!

Absichern können Sie diese Position oberhalb des Widerstands, der derzeit keine 3% vom aktuellen Kurs entfernt ist. Ich empfehle Ihnen jedoch, den Stopp nicht zu eng zu setzen. Die durchschnittliche Tagesschwankung in den vergangenen zwei Handelswochen betrug bei Infineon volle 1,52 Euro oder mehr als 10% des aktuellen Kurses! Wenn Sie nicht Gefahr laufen wollen, bei einer durchschnittlichen Schwankung ausgestoppt zu werden, sollte der Stopp weiter als diese 1,52 Euro entfernt liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie jetzt noch einmal so weit über den Widerstand steigen könnte, ohne dass es sich um eine längerfristigere Aufwärtsbewegung handelt, ist meiner Ansicht nach…..

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Mit Börsianer-Grüßen,
Thomas Kallwaß
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Warum Uber und Lyft ihre Fahrer und Geschäftsgrundlagen verlieren könnten!

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Symbolbild für Uber und Lyft

Anfang März berichtete ich bereits über Uber, Lyft und andere Ride Sharing Dienste. Ich war damals der Ansicht, deren Lage würde sich verschlechtern, wenngleich es auch Stimmen gab, im Angesicht eines Ansteckungsrisikos in öffentlichen Verkehrsmitteln könnten diese Dienste profitieren. Nun zeigen erste Daten, dass sich die Lage für die Ridesharing-Dienste nicht aufhellte, sondern in der Tat verschlechterte. Für die chronisch defizitären Dienste kommt das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Uber und Lyft sind zwar bereits an die Börse gegangen und haben damit rechtzeitig vor dem Ausbruch der Krise den Absprung geschafft. Anderen gehypten Unternehmen wie WeWork oder AirBNB geht es da schlechter. Sie haben es nicht mehr als öffentlich gehandelte Aktiengesellschaft an den Markt geschafft. Damit steht ihnen weniger Kapital sofort zur Verfügung und die Neuaufnahme von Kapital als Kredit oder Eigenkapital ist als nicht börsengehandeltes Unternehmen auch schwieriger.

Gewinne rücken bei Uber und Lyft in weite Ferne

Für Aktionäre waren Uber und Lyft jedoch keine Erfolgsgeschichten. Beide Aktien verloren seit dem Börsengang drastisch an Wert. Das mindert naturgemäß die Neigung der Aktionäre, noch einmal Kapital nachzuschießen. Gleichwohl sind Aktionäre in der Regel bereit, bei einem vernünftigen Sanierungsplan noch einmal Kapital ins Unternehmen zu stecken. Ob Uber und Lyft, die eigentlich für 2020 und 2021 zumindest einen non-GAAP-Gewinn ankündigten, so einen Plan jetzt vorlegen könnten, ist jedoch zweifelhaft. Denn beide Unternehmen sind schon vor der Krise massiv unprofitabel gewesen. Und die angekündigten Gewinne sollten nicht nach dem vorgeschriebenen Buchführungsstandard GAAP ermittelt werden. Beim non-GAAP-Gewinn können die Unternehmen beliebig Kosten heraus- und Umsätze hereinrechnen, Abschreibungen modifizieren… sprich alles tun, um einen Gewinn auszuweisen. Es gibt schließlich keine Regeln, nach denen ein nicht regelkonformer Gewinn zu berechnen sei.

Doch nun kommt das Coronavirus den ohnehin nicht sonderlich ambitionierten Plänen in den Weg. In den ersten drei Wochen im März sanken die durchschnittlichen Preise bei Uber und Lyft bereits um 21%. Nun können Preise auf zwei Wegen fallen. Das Angebot kann stärker steigen als die Nachfrage oder die Nachfrage stärker fallen als das Angebot. Wie auch immer: Keine der beiden Wege ist für die Ridesharing-Dienste positiv. Denn auf jeden Fall ist das Angebot jetzt geringer als die Nachfrage.

Die Ausgangsbeschränkungen gingen in den USA jedoch in der vergangenen Woche erst so richtig los. Wie Daten und Bilder zum Beispiel aus New York nahelegen, ist der Verkehr in vielen Metropolen inzwischen praktisch zum Erliegen gekommen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Umsatzrückgang in der vierten Märzwoche nicht 21% beträgt wie der Preisrückgang, sondern eher auf 80% und mehr stiege. Davon geht auch die Investmentbank Morgan Stanley aus. Sie kalkuliert mit 60% bis 65% geringeren Umsätzen für die Ridesharing-Dienste im 2. Quartal. Und Morgan Stanley rechnet nicht mit einer V-förmigen, schnellen Erholung. Für 2020 sollen die Buchungen um 35% zurückgehen.

Irgendwann im kommenden Jahr ist bei Uber und Lyft das Geld womöglich alle

Mit Sicherheit werden die Unternehmen durch Massenentlassungen die Kosten massiv herunterfahren. Wie stark die Kosten gesenkt werden können, ist noch offen. Uber dürfte die Krise dabei deutlich besser durchstehen können als Lyft, denn Uber hatte Ende 2019 10,9 Milliarden US-Dollar Cash in der Bilanz. Gelingt es, die Verwaltungs- und Marketingkosten sowie die Kosten für die Fahrer um die gleichen 35% zu reduzieren, wie die Umsätze sinken, könnte Uber die enormen Entwicklungskosten von 4,8 Milliarden US-Dollar pro Jahr beibehalten und hätte am Jahresende immer noch genügend Geld, um ein weiteres halbes Jahr mit unveränderter Kostenstruktur weiterzuarbeiten. Die Forschungs- und Entwicklungskosten sollte Uber nicht allzu stark zurückfahren, um nicht die Story des schnell wachsenden Tech-Konzerns, der auf dem Weg zu selbstfahrenden Autos ist, zu zerstören.

Das deutlich kleinere Lyft hatte Ende 2019 2,85 Milliarden US-Dollar Cash. Bei gleichen Annahmen wie bei Uber würde das Unternehmen 2020 knapp 2,2 Milliarden US-Dollar davon verlieren und irgendwann kommenden März würde das Licht ausgehen.

Schlimmer noch als der Umsatzrückgang ist jedoch die drohende Pleite zahlloser Uber-Fahrer. Wer jetzt zahlungsunfähig wird und sein Auto verliert, steht nach der Krise nicht mehr als Fahrer zur Verfügung. Uber und Lyft haben weder angestellte Fahrer noch eigene Autos und sind darauf angewiesen, dass ein Heer Scheinselbständiger als Subunternehmer bereitsteht. Doch eine Armee nicht kreditwürdiger Fahrer ohne Auto kann nach der Krise nicht mehr für die Dienste arbeiten. Ein Angebotsschock mit nach oben schießenden Preisen wäre die Folge. Sind Uber und Lyfts Preise nicht mehr wettbewerbsfähig, wäre die Wachstumsstory dahin – und die hohen Unternehmensbewertungen, die die bis heute verlustträchtigen Geschäfte überhaupt erst ermöglichen, auch.

Uber lobbyiert daher bereits in den USA, damit der Staat die Pleite der ausgebeuteten Fahrer abwendet.

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Markus Koch LIVE zum Handelsstart in New York – „Too Far, Too Fast“

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE zum Handelsstart in New York. „Too Far, Too Fast“ ist die Headline seines heutigen Videos. Es geht um die aktuelle Bärenmarktrally, in der der Dow, Nasdaq und Co zu schnell zu weit gestiegen seien.

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