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Ganze neun Jahre nach der Finanzkrise: EU-Partner wollen sich um notleidende Kredite kümmern

Notleidende Kredite (Non Performing Loans / NPL) sind das mit Abstand größte Problem, das den ganzen Mittelmeerraum lähmt, von Spanien über Italien bis nach Griechenland. Darunter versteht man…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Notleidende Kredite (Non Performing Loans / NPL) sind das mit Abstand größte Problem, das den ganzen Mittelmeerraum lähmt, von Spanien über Italien bis nach Griechenland. Darunter versteht man Kredite vergeben an Privatkunden und Unternehmen, bei denen der Kreditnehmer die Raten seit einiger Zeit nicht mehr zahlt. Der Kreditnehmer ist vielleicht offiziell noch nicht insolvent, von daher besteht immer noch die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Ratenzahlungen. Aber letztlich schlummert so ein notleidender Kredit vor sich hin. Er wird nicht aus der Bankbilanz ausgebucht als ausgefallener Kredit, sondern bleibt als „Vermögensgegenstand“ (Forderung gegen einen Kunden) in der Bilanz.


Das heutige Treffen des Europäischen Rates. Foto Copyright: European Union

Der Nachteil ist aber, dass die Banken dadurch seit Jahren wie gelähmt sind. Sie können daher keine neuen Kredite an Unternehmer und Konsumenten vergeben, was die jeweiligen Volkswirtschaften ankurbeln könnte. Dieser Zustand lähmt seit Jahren die drei genannten Länder – der Zustand von hohen NPL´s trat erst richtig zu Tage durch die Finanzkrise vor neun Jahren. Umso erstaunlicher ist es, dass die EU-Partner erst jetzt neun Jahre später nach ihrem heutigen Treffen eine Erklärung veröffentlichen, dass sie sich des Problems so richtig annehmen wollen.

Diese Ansicht kommt reichlich spät, möchten wir meinen. Bisher glaubte die große Politik nämlich die EZB müsse nur die Zinsen tief genug senken und genug Geld drucken. Dass aber die Geschäftsbanken vor Ort so marode sind und keine neuen Kredite ausgeben, ignorierte man jahrelang. So ist vor allem die eigentlich gesunde und wettbewerbsfähige Industrie in Norditalien gelähmt. Laut einer Aufstellung des EU-Parlaments meldete Griechenland für das Jahr 2016 einen Anteil von notleidenden Krediten in Höhe von 46%, ein Wahnsinn! In Italien liegt der Anteil bei 15,3%. Als Vergleich: Der EU-Schnitt liegt bei 5,1%, in Deutschland sind es 2,5%.

Heute nun hat der Europäische Rat einen „Aktionsplan“ verabschiedet, der sich dieses Dilemmas annehmen will. Das Volumen der NPL´s liege in der EU bei gut 1 Billion Euro, und damit 6,7% des Bruttoinlandsprodukts der EU. Heute verkündete man relativ dürr, dass folgende Maßnahmen notwendig seien:

  • Mehr Bankenaufsicht.
  • Eine Reform der Rahmenbedingungen für Insolvenzen und Schuldenerleichterungen.
  • Die Entwicklung von Sekundärmärkten für notleidende Kredite.
  • Die Restrukturierung der Bankenindustrie.

Dazu möchten wir anmerken: Das klingt recht lau und unverbindlich. Beim Verkauf von NPL´s an Investoren bleiben immer noch die Lücken zwischen dem Nominalwert der Schulden und dem letztlichen Verkaufspreis. Diese Lücke müsste so oder so geschlossen werden. Hier und jetzt gäbe es nur zwei Wege, wie in diesen Ländern eine Investitionsoffensive mit frischen Krediten starten könnte. Entweder man bereinigt die Märkte mit einer richtigen Bankenrettung, bei der bisherige Gläubiger der Banken massive Vermögensverluste erleiden. Oder man pumpt massiv Steuergelder in die Banken. Beide Modelle wurden nach der Finanzkrise in den USA parallel umgesetzt. Auch eine gleichzeitige Umsetzung beider Wege wäre in Europa möglich.

Aber nur so ein paar lauwarme allgemeine Punkte aufzulisten, führt zu nichts. Die Banken bräuchten hier und jetzt irgendeine klare Lösung des Dilemmas. Denn wenn man die NPL´s realistisch bewerten würde, wären viele Banken wohl eh längst pleite. Ein großer Knall müsste her – den gibt es aber auch mit so ein paar hohlen Phrasen nicht. Wahrscheinlich dauert es noch Jahre, bis man sich in den EU-Gremien mal auf irgendwas Konkretes einigt. Bis dahin siechen die Volkswirtschaften vor allem in Italien und Griechenland weiter vor sich hin.

Aus Kreisen der EU-Kommission (also nicht EU-Rat) hört man übrigens, dass es erst einmal darum gehe Regeln für den Umgang mit NPL´s zu erarbeiten, was bei der EU-Bankenbehörde EBA und der EZB geschehen solle. Die EU-Kommission fängt nun womöglich an bis Jahresende eine Art Entwurf zu erarbeiten, wie zukünftig die Etablierung nationaler „Bad Banks“ in der EU ablaufen soll. Das hört sich nach unserer Meinung wieder verdammt stark an nach „Steuergeldern“. Jetzt bis Jahresende erst mal Entwürfe. Dann vielleicht bis 2019 ein konkreter Aktionsplan, der vielleicht 2020 umgesetzt wird? Das wären wieder drei verlorene Jahre.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    walter

    11. Juli 2017 15:52 at 15:52

    EU-Partner wollen sich um bla bla kuemmern?
    LOL…Da darf DEUTSCHLAND nat.nicht fehlen!…
    …aber vorher noch den Marshall-Plan fuer Afrika durchziehen,bitte…
    Entbindet die Welt von den Schulden und alles auf NULL!
    Dann Goldstandart und Lohntuete wieder einfuehren…..so einfach ist es.
    Draghi und Konsorten der Welt in den Kerker und eine Aufsicht dazu stellen,dass sie brav im Loch sitzen bleiben,bis zum letzten Atemzug,basta.

    • Avatar

      walter

      11. Juli 2017 15:59 at 15:59

      Das wichtigste habe ich glatt vergessen:
      Wer braucht denn die Banken?
      Einstampfen,denn im Zeitalter Diditalitaet sind Banken fuer den Buerger unrentabel geworden.

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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