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Warum globale Rekordverschuldung und höhere Zinsen so gefährlich sind

Global sieht man eine Rekordverschuldung. Dazu kommen noch höhere Zinsen. Hier eine Analyse, warum das so gefährlich ist.

Geldscheine im USA-Umriß

Die globalen Schulden stiegen im ersten Quartal 2022, und brachten eine neue Rekordverschuldung, hauptsächlich getrieben durch China und die USA. Gleichzeitig steigen die Kreditkosten weiter an. Wie lange ist diese ungute Kombination noch durchzuhalten?

Rekordverschuldung steigt in atemberaubendem Tempo

Auf breiter Front sieht man in nahezu allen Ländern der Welt eine Rekordverschuldung. Ganz vorn mit dabei befinden sich die USA und China, also die beiden mit Abstand größten Volkswirtschaften, die im Jahr 2021 ca. 34 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung stemmten, das berichtete in dieser Woche die internationale Banken-Vereinigung Institut of International Finance (IIF).

Grafik zeigt die 20 Länder mit dem größten Bruttoinlandsprodukt

Die globale Gesamtverschuldung stieg im ersten Quartal dieses Jahres demnach auf einen neuen Rekordwert von über 305 Billionen US-Dollar an. Dabei berücksichtigt werden alle Verbindlichkeiten der privaten Haushalte, der nichtfinanziellen Unternehmen, der Banken sowie der öffentlichen Haushalte.

Trotz der Schuldenexzesse fallen die beiden wichtigsten globalen Wachstumstreiber, China und die USA, wegen der Corona-Pandemie im Reich der Mitte und wegen auslaufender Stimuli bei gleichzeitig emporschnellender Inflation konjunkturell immer weiter zurück. Das Bruttoinlandsprodukt in den USA schrumpfte bereits im Auftaktquartal 2022 und die April-Daten für China sehen besorgniserregend aus. Dabei steht das schlimmste offenbar noch bevor, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), basierend auf einer Befragung unter 25.000 deutschen Unternehmen zeigt. Das Handelsblatt zitiert den Hauptgeschäftsführer des DIHK, Martin Wansleben, wie folgt: „Einen solchen Stimmungseinbruch haben wir in der Industrie bislang nur während der Finanzkrise und beim ersten Lockdown 2020 erlebt“.

Ohne neue Rekordverschuldung geht nichts mehr

In den Vereinigten Staaten erhöhten sich die Schulden in den ersten drei Monaten dieses Jahres um weitere 1,5 Billionen US-Dollar – eine Rekordverschuldung. Damit beläuft sich die Gesamtverschuldung mittlerweile auf über 90 Billionen US-Dollar (90,62 Bio. US$) bzw. 391 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die in der folgenden Grafik dargestellten Schulden-Daten aus der Quelle der Fed of St. Louis zeigen den Gesamtschuldenstand bis zum Ende des vierten Quartals 2021 mit damals noch 88,3 Billionen US-Dollar (roter Bereich).

US-Konsumentenkredite

Chinas Schulden stiegen im ersten Quartal 2022 um 2,5 Billionen US-Dollar an. Damit avanciert das Reich der Mitte mit 365 Prozent Gesamtschulden gemessen am BIP zu einem der am höchsten verschuldeten Schwellenländer der Welt. Der mit Abstand größte Teil der Verbindlichkeiten fällt dabei auf die Unternehmen außerhalb des Bankensektors, v. a. auf die staatlich Kontrollierten. In diesem Bereich lag das Verhältnis zuletzt bei knapp 170 Prozent Schulden zum BIP.

Dank der temporären Post-Corona-Erholung ging das Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt weltweit leicht zurück. Sollte es jedoch, wie von vielen Volkswirten prognostiziert, wegen der Lockdowns in China, der historisch hohen Inflationsraten und der restriktiveren Geldpolitik in den USA zu einer globalen Stagnation kommen, könnte sich dieses Verhältnis schnell wieder verschlechtern.

Der Mythos, dass Regierungen, Unternehmen und Privathaushalte automatisch von starker Inflation durch höhere Steuereinnahmen, steigende Gewinne und Lohnsteigerungen profitieren, wäre dann erneut widerlegt, wenn die Schulden schneller explodieren, z. B. um den Lebensstandard auf privater Ebene aufrecht zu erhalten, als höhere Einkommen oder Margen durchsetzbar sind. In der Folge würden sowohl die Konzerngewinne als auch die privaten und die öffentlichen Einnahmen (v. a. die Körperschaftssteuern) real, also nach Abzug der Teuerungsrate deutlich schrumpfen und der Schuldendienst gleichzeitig real steigen.

Eine Trendumkehr bei der Rekordverschuldung ist nicht erkennbar. Bis zum Ende der Dekade könnten die weltweiten Verbindlichkeiten nach Berechnungen des IIF die Marke von 360 Billionen US-Dollar erreichen.

Globale Rekordverschuldung steigt immer weiter an

Auch deshalb, weil zur Bedienung der steigenden Kreditkosten neue Schulden aufgenommen werden müssen und sich somit eine sich selbst verstärkende Kreditspirale in Gang gesetzt hat. Der Gedanke an Netto-Tilgungen ist somit utopisch.

Staatsbudgets bleiben defizitär – Zinsbelastungen steigen

Im Gegenteil steigen die Staatsdefizite und damit die öffentlichen Schulden immer weiter. Eine Entwicklung, die sich gemäß den Prognosen des IIF auch in diesem und im nächsten Jahr wegen der mannigfaltigen geopolitischen, pandemischen und ökonomischen Herausforderungen fortsetzt.

Grafik zeigt Budgetdefizite, die die Rekordverschuldung vorantreiben

Problematisch und für die Stabilität des Finanzsystems gefährlich ist die Kombination aus Rekordverschuldung und steigenden Zinsen bzw. Renditen am Kapitalmarkt.

Immer höhere Rekordverschuldung treibt Zinsbelastungen in die Höhe

Aber nicht nur für den Staat werden die Kreditkosten höher, auch für Unternehmen, Konsumenten und Hypothekenschuldner wird die Kombination aus steigenden Schulden und steigenden Kreditkosten zu einer Schlinge, die sich immer weiter zuzieht.

Fazit und Ausblick

Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis es bei weiter steigenden Zinsen zu systemrelevanten Verwerfungen durch den Ausfall von Schuldnern kommt, die schnell einen Dominoeffekt á la Lehman-Krise auslösen können. Vor allem dann, wenn auf der anderen Seite die zur Kreditbesicherung dienenden Vermögenswerte (Aktien, Anleihen, Häuser, etc.) gleichzeitig an Wert verlieren.

Die globale Rekordverschuldung wird aktuell von den weltweiten Zentral- und Notenbanken kaum thematisiert, haben sie diese doch selbst durch billige Liquidität und den Ankauf von Schuldpapieren selbst zum Teil Jahrzehnte lang mit befeuert. Dabei gleicht diese Rekordverschuldung einer Atombombe im internationalen Finanzsystem, an deren Zünder vor allem die US-Fed gerade herumwerkelt.



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2 Kommentare

  1. Wie immer sehr, sehr informativ. Allerdings wird er mir den Schlaf rauben.
    Betrachten wir noch die u.a. von dem Ukraine-krieg ausgehende Hungersnot wird es sehr ungemütlich.

  2. Pingback: *** Top-Artikel mit vielen Zahlen und Grafiken! *** | das-bewegt-die-welt.de

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