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Globaler Kampf gegen Geldwäsche? Aber nicht doch

Redaktion

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Wie viele Treffen gab es nicht schon, wie oft haben Staaten beteuert nun aber so richtig kräftig gegen Geldwäsche vorzugehen? Wie oft haben Banken nach Strafzahlungen schon beteuert eine ganz neue „Ethik“ einzuführen? Und es wurden auch schon einige Staaten von Listen gestrichen, auf denen Länder gelistet sind, die nichts gegen Geldwäsche unternehmen.

Also könnte der geneigte Bürger doch glauben, dass der globale Kampf gegen Geldwäsche so richtig Fahrt aufgenommen hat. Denn auch im Kleinen wird ja inzwischen viel getan. In zahlreichen Ländern der EU gibt es Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen, und für sehr viele Länder gilt eine Anmeldeschwelle für das Einführen von Bargeld bei Grenzüberschreitungen. Und in Deutschland gibt es ja sogar eine spezielle Task-Force gegen Geldwäsche. Hierzu ist die Meinung in der Finanzbranche „mehr als geteilt“, wie viel diese Task Force bringt, weil die zugrunde liegenden Gesetze gegen Geldwäsche in Deutschland immer noch viel zu lasch sind.

Wir möchten an dieser Stelle zwei konkrete Beispiele aufführen, wie die Praxis in der Finanzbranche aussieht oder vor Kurzem noch aussah. Was nützt noch so viel Engagement, wenn Staaten und Banken einfach nicht mitmachen, und dann noch geschützt werden? Es werden immer wieder mal Einzelfälle publik, wo man denkt: Hey, dieses Problem wird jetzt beseitigt, dann ist wieder alles in Ordnung. Aber bei genauerem Hinsehen wirkt es eher so, dass eher durch Zufälle wie Daten-Leaks einzelne kriminelle Machenschaften ans Tageslicht kommen, während viele andere unentdeckt bleiben.

Hong Kong

Jüngst hat der Sender „Arte“ eine hochinteressante Dokumentation veröffentlicht (das Video und unseren Artikel finden Sie hier). Dabei beleuchtete man die jahrelangen Machenschaften der „HSBC“, die größte Bank in Europa und die Nummer 9 weltweit. Als die führende Bank in Hong Kong hat sie eine mehr als dubiose Vergangeneheit. Noch vor ein paar Jahren wurden ganze Lastwagenladungen voll mit Bargeld bei der HSBC vorgefahren, ohne dass die Bank sich für die Herkunft der Scheine interessiert hätte. Auch wenn man jetzt sagen kann, dass dies die Vergangenheit betrifft – interessant in der Reportage ist das Verhalten einer Aufsichtsrätin der HSBC, die gleichzeitig auch für die Finanzaufsicht in Hong Kong tätig ist (das sagt schon alles). Auch jetzt interessiere es in Hong Kong niemanden, woher das Geld der Kunden stamme, so ihre Aussage. Der Kampf gegen Geldwäsche klingt anders, und man darf annehmen, dass Hong Kong nach wie vor ein „relativ freier Marktplatz“ ist.

Dänemark und Estland

Die HSBC kassierte bei all ihren Vergehen stets Geldstrafen, die von der Größenordnung her als Trinkgelder leicht verkraftet werden konnten. Ähnlich mag die Lage ganz aktuell auch bei der „Danske Bank“ sein, der größten Bank im ach so beschaulichen Dänemark. Das Thema lautet „Systemrelevanz“ und Aufrechterhaltung des Finanzsystems, wie es bei der Deutschen Bank für Deutschland letztlich auch der Fall wäre. Die Danske Bank hat, wie nun feststeht, in ihrer estnischen Filiale von 2007-2015 gigantische Mengen Schwarzgeld entgegengenommen.

Laut Aussagen von Danske hätten gut 10.000 ausländische Kunden vor allem aus den ehemaligen Sowjet-Republiken 200 Milliarden Euro über diese kleine Außenstelle von Danke bewegt. Ein großer Teil dieser Summe sei verdächtig, so Danske. Die dänische Regierung gibt nun bekannt Danske mit einer Strafe von maximal (sensationellen?) 4 Milliarden dänischen Kronen belegen zu wollen, wenn die Schuld der Bank letztlich fest stehe.

Hinzu kommt noch: Die Danske Bank hat nun offiziell vermeldet, dass sie nicht von diesen Gewinnen der estnischen Filiale aus den betreffenden Jahren profitieren wolle, und daher nun 1,5 Milliarden Kronen an eine Einrichtung spenden wolle, die Geldwäsche bekämpft. Abzüglich dieser Zahlung kalkuliere man den Netto-Jahresgwinn der Bank für 2018 immer noch auf 16-17 Milliarden Kronen. Wenn wir jetzt nochmal die „brutale“ Strafzahlung von 4 Milliarden Kronen abziehen, wäre es immer noch ein Jahresgewinn von 12 Milliarden Kronen.

Wie dramatisch, wie schrecklich für die Bank… nein, Ironie bei Seite. Die Bank würde also nur auf einen kleinen Teil eines einmaligen Jahresgewinns verzichten, und das war es dann! Ach ja, und der Chef hat nun seinen Rücktritt verkündet. Und die Bank als Ganzes macht einfach so weiter. Ein bisschen spenden, ein bisschen Strafe zahlen, das war´s. Man darf vermuten, dass die Regierung in Kopenhagen versuchen wird die Angelegenheit so schnell wie möglich vom Tisch zu bekommen.

Denn die Danske ist wie gesagt das, was die Deutsche Bank hierzulande ist. Die systemrelevanteste aller systemrelevanten Banken muss geschützt werden, denn man will ja das Finanzsystem als Ganzes bewahren, und nach außen die Seriosität erhalten. Die Aktionäre von Danske scheinen übrigens glänzend davon zu kommen. Die Aktie steht nämlich aktuell genau auf dem selben Niveau wie vor der Verkündung der möglichen Strafe durch die Regierung. Beobachter hatten wohl mit deutlich höheren Strafzahlungen gerechnet.

Zur Spende Danske im Wortlaut:

Earlier this year, the Board of Directors and the Executive Board of Danske Bank A/S announced that Danske Bank does not wish to benefit financially from suspicious transactions that took place in the non-resident portfolio of its Estonian branch in the period from 2007 to 2015. As the bank is not able to provide an accurate estimate of the amount of suspicious transactions made by non-resident customers in Estonia during the period, the Board of Directors has decided to donate the gross income from the customers in the period from 2007 to 2015, which is estimated at DKK 1.5 billion, to an independent foundation which will be set up to support initiatives aimed at combating international financial crime, including money laundering, also in Denmark and Estonia.

Danse Bank - Geldwäsche
Danske Bank: Foto: RL0919 (CC BY-SA 4.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Börse: Chancen und Risiken – welche Anlageklassen werden boomen?

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Die Börse hat den Corona-Crash scheinbar überwunden – die Aktienmärkte handeln an Allzeithochs, den Notenbanken sei Dank! Wie aber geht es nun weiter, mittel- bis langfristig?

„Die Börse ist gut drau und geht davon aus, dass alles gut wird“, sagt der ehemalige Hedgefundmanager Florian Homm. Dieses Mantra aber sei gefährlich und risikoreich, so Homm. Angesichts der Bewertungen an der Börse seien die Perspektiven eher mau: selbst wenn die Aktienmärkte im besten Fall 4% pro Jahr weiter steigen würden, bestünde die Gefahr, dass diese Zugewinne durch eine steigende Inflation zunehmend aufgefressen würden.

Homm analysiert in folgendem Video verschiedene Anlageklassen: Edelmetalle, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kryptowährungen, Anleihen und Aktien. Was dürfte in den nächsten Jahren am besten funktionieren? So oder so: „Wir befinden uns in einer spannenden, hochriskanten Dekade“, sagt Florian Homm. Aber angesichts der finanziellen Repression gehe aber eben kein Weg an der Börse vorbei, so Homm. Dabei zeigt er fünf Szenarien auf:

An der Börse geht angesichts der finanziellen Repression kein Weg vorbei

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Aktiensplit bei Tesla – folgen andere bald nach?

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Es ist Thema in vielen Wirtschaftsteilen der Medien – der Aktiensplit von Tesla und die extreme Kursreaktion eines Automobilherstellers, der schon zuvor fast so viel wert war wie alle Autoproduzenten Europas. Passt natürlich auch ins Schema von Elon Musk, der einen gigantischen Optionsvertrag besitzt, der ihm beim Erreichen hoher Werte in punkto Marktkapitalisierung Zuteilungsrechte eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat. Zig-Millionen an Aktien in Stufen bis zu einem Unternehmenswert von 650 Milliarden Dollar, wie im Artikel vom 24. Juli dargelegt.

Der Aktiensplit zum Monatsende

Durch den exponentiellen Anstieg der Aktie von Tesla von 400 Dollar zu Jahresanfang bis auf fast 1800 Dollar, Mitte Juli und in sechseinhalb Monaten, war nicht nur ein Fahnenstangen-Chart entstanden, der nach Korrektur schreit, sondern auch ein psychologisches wie auch praktisches Problem entstanden. Für Millionen Kleinanleger, vor allem die vielen Neuen des Jahres 2020, war das Papier einfach zu teuer. Claudio Kummerfeld hat gestern die Wirkung der Fünftelung des Aktienpreises in einem Artikel beschrieben. Und es hat funktioniert. Am Tag nach der Ankündigung, einen Aktiensplit zu machen, erreichte die Aktie im New Yorker Handel 1585 Dollar und schloss bei 1554 Dollar, sagenhafte 13 Prozent im Plus, obwohl sich fundamental deshalb schon rein gar nichts geändert hat. Bei Beurteilung der Börsenreaktion von Tesla muss man aber die besondere Situation bei diesem Highflyer berücksichtigen. Einer der „meistgeshorteten“ großen Titel, bei dem die Leerverkaufsquote schon einmal 25 Prozent des Free Floats ausmachte. Zuletzt waren es immer noch über 10 Prozent oder 14 Millionen und da kann jede positive Meldung einen Pain Trade auslösen, in Form der berüchtigten Short Squeezes.

Nichtsdestotrotz gibt es Anleger, die keine Aktien mögen, weil sie optisch sehr teuer wirken. Als ob eine Deutsche Bank mit 8 Euro attraktiver wäre als eine Allianz mit 180 Euro.

So hatte kürzlich erst die Ankündigung von Apple, einen Aktiensplit von 4 zu 1 zu planen, Furore gemacht.

Ende August gibt es dann viermal so viele Papiere des wertvollsten Unternehmens der Welt. Statt etwa 455 Dollar wie am gestrigen Tag würde das Papier dann nur noch etwas mehr als 110 Dollar kosten. Die angekündigte Aktiensplit hatte selbst bei einem Wert mit einer Marktkapitalisierung von über 1,9 Billionen Dollar große Wirkung und ließ den Kurs nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe schnellen. Diese Reaktion macht Anleger neugierig und man hält Ausschau nach Titeln, die optisch teuer sind und wo sich das Management zu so einem Schritt entscheiden könnte. Nach Ansicht von Experten sollten Aktien, die für einen Aktiensplit in Frage kommen, zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssten in der letzten Zeit stark nach oben gegangen sein und die Aktien sollten über 400 Dollar kosten.

Welche Werte könnten dem Beispiel folgen?

Angesichts der „Anomalie“ einer folgenden Kurssteigerung infolge von optischen Psychotricks könnte es nicht verkehrt sein, nach Titeln Ausschau zu halten, die extrem gestiegen und extrem hohe Kurswerte aufweisen. Da fällt einem natürlich sofort Amazon ins Auge, die Online-Aktie, die es bereits zum Schnäppchenpreis von 3100 Dollar gibt. Wann wird sich Jeff Bezos zu diesem Schritt entscheiden, schließlich wurde die Aktie in diesem Jahrhundert auch noch nicht gesplittet? Immer wieder unglaublich anzusehen, die Entwicklung dieses Wertes, der im Crash des Jahres 2001 auf unter 10 Dollar gefallen war. Dann gibt es natürlich noch weitere FAANG-Aktien, die die großen Renner des Jahres waren: Alphabet mit über 1500 Dollar, Netflix mit über 450 Dollar, aber auch andere bekannte Titel wie BlackRock (580 Dollar), Adobe (450 Dollar), Nvidia (460 Dollar) oder der sehr teure und auch in Deutschland bekannte Online-Reisekonzern Booking.com mit über 1800 Dollar. An Auswahl mangelt es nicht.

Wie ist es in Deutschland?

Natürlich kennen wir hierzulande auch den Aktiensplit, vor einem Jahr war es der Sportartikelhersteller Puma, der seine Aktien gezehntelt hatte. Vor Kurzem war es die Medizintechnikfirma Eckert und Ziegler. Aber auch die großen Werte aus dem DAX wie BASF, Beiersdorf, Eon, Fresenius, SAP oder Siemens haben ihre Anteilsscheine schon geteilt, aber das ist schon viele Jahre her. Optisch richtig teure Werte gibt es derzeit nicht im Dax, aus dem MDax ragt der Küchenhersteller Rational mit seinem 600 Euro Kurswert hervor. Aber wer weiß, deutsche Unternehmen ahmen nicht selten angelsächsischen Gepfogenheiten nach und schließlich befindet sich unser Leitindex auch in seiner Mehrheit in ausländischen Händen.

Fazit

Tesla hat strategisch nachgemacht, was Apple bereits vor Monatsfrist erfolgreich vorgemacht hat: Die teuerste Firma der Welt hat bereits vier Mal einen Aktiensplit durchgeführt, der fünfte ist für Ende August angekündigt und hat zu den gewohnten (positiven) Kursreaktionen geführt. Ohne die Splits würde die Aktie des Börsengiganten Apple heute bereits 24.000 Dollar kosten. Für viele Kleinanleger unhandelbar. Dass es dennoch anders geht, zeigt die Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway.

Diese kostete bei seiner Übernahme der Firma im Jahre 1965 unter 20 Dollar und heute in der Ur-Form als A-Aktie ungesplittet etwa 318.000 Dollar, eine Performance von über 2 Millionen Prozent, allerdings in einem für Normalanleger unvorstellbar langem Zeitraum. Geschadet hat es der Performance der Aktie auf lange Sicht nicht, weil zu guter Letzt die Fundamentaldaten zählen.

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Handelskrieg, jetzt Internetkrieg zwischen USA und China?

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