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Globales Überangebot + China weisen dem Ölpreis die Richtung

Von Claudio Kummerfeld

Das globale Überangebot an Öl und/oder die Angst davor weist dem Ölpreis aktuell die Richtung. Auch die amerikansichen Ölförderer sind fleißig dabei sich ihr eigenes Grab zu schaufeln.

ÖlpreisNEU
Der Ölpreis (WTI) nimmt jetzt einen ganz konkreten Anlauf auf das 42er-Niveau aus März 2015.

Höhere rig Counts trotz sinkendem Ölpreis

Letzen Freitag von der Firma Baker Hughes veröffentliche Wochendaten über die Anzahl der in den USA aktiv betriebenen Öl-Bohrlöcher stiegen die zweite Woche in Folge. Es ist ein Rätsel. Bei immer niedrigeren Ölpreisen neue Bohrlöcher aufzumachen, die dann defizität betrieben werden, grenzt an Wahnsinn, aber sei es drum. Letzte Woche ging es rauf um weitere 5 auf 664. Am Freitag ging es daraufhin um 70 Cents bergab im Ölpreis.

Fördermenge in den USA

Laut aktuellen Daten der US-Behörde EIA liegt die tägliche Ölproduktion in den USA bei derzeit 9,4 Mio Barrel, und damit um 970.000 Barrel höher als vor einem Jahr.

Ölpreis abhängig von Angebot und Nachfrage EIA-Chart
Laut Daten der EIA steigen Angebot und Nachfrage relativ parallel zueinander von Jahr zu Jahr an.

OPEC

Die EIA scheint davon auszugehen, dass die OPEC ihr eigenes Förderziel von 30 Mio Barrel pro Tag auch wirklich einhält. Aber eigentlich ist es ein offenes Geheimnis, dass die Saudis und andere OPEC-Mitglieder diese Richtgröße längst überschreiten um den Amerikanern die Party zu vermiesen. Man kann locker von 33 Mio oder mehr ausgehen.

China

Was die EIA-Statistiken nicht berücksichtigt haben bzw. noch gar nicht berücksichtigen konnten, ist das Platzen der Aktienblase in China, das erst so richtig in den letzten Wochen stattgefunden hat. Die Neuverkäufe bei Autos und der Nachfragerückgang für Öl dürften die Folge sein. Auswirkungen merkt man wohl erst im jetzigen 3. und dann richtig im 4. Quartal 2015.

Iran

Viele Experten sehen die zusätzliche Ölmenge, die der Iran in den Markt pumpt, sobald die Sanktionen aufgehoben sind, als schon eingepreist an im Ölpreis. Wir sind da anderer Meinung. Wir glauben an eine öffentliche Jubelorgie im Iran, wenn die großen schon befüllten Öltanker, die auf Reede vor der Küste liegen, sofort losgemacht werden und Richtung Asien schippern.

Das wäre noch was…

Nach wie vor existiert das Öl-Exportverbot für US-Öl aus den 70er-Jahren. Man schätzt ganz allgemein, dass ein Aufheben dieses Verbots den US-Ölpreis (WTI), den wir hier fortlaufend als Referenzpreis besprechen, um 2-8 US-Dollar ansteigen lassen könnte. Denn fällt das Exportverbot, würden wahrscheinlich US-Produzenten anfangen auf dem Weltmarkt zu verkaufen, denn der Ölpreis Brent notiert seit geraumer Zeit 5 Dollar höher als WTI. Man kann es auch andersrum sagen: WTI notiert durch das Exportverbot mit einem Discountpreis von 5 Dollar gegenüber Brent, da die „Überproduktion“ in den USA den Ölpreis vor Ort drückt, weil sie ja nicht die USA verlassen und dem Weltmarkt zur Verfügung gestellt werden kann. Es kann durchaus sein, dass die Aufhebung des Verbots dem Ölpreis hilft – vielleicht 2, 3, 4 Dollar. Man wird es wohl schlagartig sehen, wenn es soweit ist. Durchaus wahrscheinlich, dass das Verbot bald aufgehoben werden könnte, denn erst letzten Donnerstag hat der Energie-Ausschuss des US-Senats eine Resolution genau hierfür verabschiedet und an den Senat zur Abstimmung weitergereicht.

Immer wieder kommt es beim Ölpreis in den letzten Tagen zu kleinen raschen Ausschlägen nach oben. Die sogenannten ALGOS (Algorithmen), speziell programmierte Computerprogramme, kaufen den Ölpreis im Future nach oben, wenn in bestimmen veröffentlichen Kennzahlen minimalste Pflänzchen einer Ölpreiserholung theoretisch erkennbar sind. Diese Ausschläge können immer wieder vorkommen, aber bisher haben die Fundamentaldaten die ALGOS noch immer wieder korrigiert, weil sie einfach stärker waren. Wir meinen: Auf Dauer kann man einfach die Fundamentaldaten (Angebotsmenge vs Nachfragemenge) nicht ignorieren.



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