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Zinsentscheid der EZB und Fed Gold: Die Lage ist kritisch – es droht der nächste Absturz

Gold: Die Lage ist kritisch - es droht der nächste Absturz

Der Goldpreis befindet sich seit Monaten im Abwärtsstrudel. Belastet durch einen starken US-Dollar und steigenden Anleiherenditen, fiel Gold zuletzt unter 1.700 USD. Damit bewegt sich das gelbe Edelmetall aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit fast einem Jahr. Angesichts der geopolitischen Krise sowie einer Inflation von 9,1 Prozent in den USA mag manch ein Goldanleger verwundert auf den fallenden Goldpreis blicken. Sollte Gold nicht als Krisenwährung und Inflationsschutz herhalten? Grundsätzlich ist das richtig, aber derzeit belasten drei Faktoren, die toxisch auf das Edelmetall wirken. Seit dem Hoch bei 2.070 USD nach Ausbruch des Ukraine-Krieges hat der Goldpreis in der Spitze 18,5 Prozent nachgegeben, was nicht gerade für eine Krisenfestigkeit spricht.

Der erste Faktor für die Gold-Schwäche ist die harte Zinswende der US-Notenbank Fed. Durch die steigenden Renditen auf Staatsanleihen gibt es wieder eine Alternative zum gelben Edelmetall. Viele konservative Anleger setzen demnach auf Staatsanleihen oder andere Zinspapiere, anstatt ihr Kapital an das zinslose Gold zu binden. Der zweite Faktor ist die hohe Inflation, diese verstärkt nämlich die Sorgen, dass die Notenbanken weitere Zinsschritte vornehmen müssen. Als Drittes ist der US-Dollar zu nennen, dieser hat zuletzt kräftig zugelegt. Die fest etablierte negative Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem US-Dollar macht sich aktuell deutlich bemerkbar.

Gold: Zinsentscheidungen der EZB und Fed bergen Risiken

Die kurzfristige Marschroute des Goldpreises hängt auch von den Entscheidungen der Notenbanken in dieser und der kommenden Woche ab. Mit Spannung warten die Marktteilnehmer auf den Zinsentscheid der EZB um 14:15 Uhr. Dann fällt die Entscheidung, ob die Leitzinsen um 25 Basispunkte steigen oder womöglich ein Zinsschritt um 50 Basispunkte ansteht. Ein großer Zinsschritt dürfte das Gold wohl weiter unter Druck bringen.

Es hat immerhin elf Jahre gedauert, bis die EZB wieder eine Zinsanhebung vornimmt. Im Gegensatz zu anderen westlichen Notenbanken, die bereits allesamt Zinsanhebungen durchgeführt haben, besteht Nachholbedarf. Vorreiter ist zum Beispiel die Fed, die in der kommenden Woche die nächste Zinsentscheidung fällt. Laut dem FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit bei 66,8 Prozent, dass die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte steigen, die restlichen 33,2 Prozent deuten sogar auf eine Anhebung von einem vollen Prozentpunkt. Je höher die Zinsschritte ausfallen, desto größer die Belastung für Gold. Die Zinserhöhungen und der starke US-Dollar vermiesen derzeit die Performance. Doch das könnte sich in naher Zukunft ändern.

Zum einen dann, wenn sich eine mögliche Rezession bestätigt. Die langfristigen Zinserwartungen sind bisher noch positiv für Gold. Der Markt geht aktuell nämlich von einem Soft Landing bzw. einer milden Rezession aus. Das bedeutet, dass die Fed bald wieder über Zinssenkungen nachdenken könnte. Voraussetzung wäre jedoch eine Abschwächung der Inflation in den nächsten Monaten.

Goldpreis an einer kritischen Marke

Die charttechnische Lage beim Goldpreis ist ziemlich kritisch. Seit Monaten befindet sich Gold im Abwärtstrend und bisher ist auch noch kein Ende in Sicht. Es besteht aber noch eine kleine Hoffnung, dass es zumindest kurzfristig zu einer Gegenbewegung kommt. Im Zuge des Ausverkaufs hat der Goldpreis sowohl eine wichtige horizontale Unterstützung (1.680) als auch die trendgebende 200-Wochen-Linie erreicht (1.685 USD). Hier stellt sich nun die Frage, ob die Zeit für einen Rebound gekommen ist oder der nächste Absturz droht?

Aktuell überwiegen die Risiken, eine zügige Rückeroberung der 1.700er Marke könnte die Lage jedoch kurzfristig aufhellen. Der Blick richtet sich heute auf die enorm wichtige Unterstützungszone zwischen 1.685 und 1.677 Dollar. Mit einem Relative-Stärke-Index (RSI) auf Tagesbasis von nur noch 21 befindet sich Gold bereits in einem überverkauften Bereich. Rutscht der Goldpreis allerdings unter die massive Unterstützung, dann könnte es zu einem schnellen Dip in Richtung der SMA200 bei 1.655 USD kommen, bevor wir eine Gegenbewegung sehen. Bei einem nachhaltigen Rutsch unter 1.677 USD, könnte der Goldpreis bis auf 1.600 USD fallen – es ist also Vorsicht geboten.

Kann sich der Goldpreis dagegen im Bereich von 1.685/77 stabilisieren, wäre eine Erholung möglich. Ein erster Anlaufpunkt wäre bei 1.723 USD. Darüber rückt die Zone bei 1.753 USD in den Fokus.

Gold Dollar-Stärke: EZB- und Fed-Zinsentscheid weisen die Richtung

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7 Kommentare

  1. In die Tonne mit dem nutzlosen Zeug. Nicht einen Cent investiere ich noch in EM. Hat nix mehr mit sicherem Hafen zu tun !

  2. Ja, ja das liebe Gold. Zuerst rutscht es ein wenig, dann etwas mehr und dann so richtig, wasserfallartig in sehr tiefe Tiefen und ruht sich dort gelegentlich für längere Zeit aus.
    Macht aber nichts, denn schön anzuschauen ist es immer.

    1. Vom österreichischen Ökonom Ludwig von Mises stammt ein sehr wahrscheinlicher Ausblick auf das Ende des Finanzsystems: „Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion, oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.“

      Nach der Schlacht werden die Toten gezählt!

  3. Naja, wenn ich so sehe, dass die FANG Aktien etwa 30 bis 47 % gefallen sind in 12 Monaten, und selbst die Deutsche Bank hatte etwa 20 % Kursverluste, dann bin ich mit den nur etwa 9% steuerfreien Kursgewinn (in Euro in den letzten 12 Monaten bei Gold) noch ganz zufrieden.
    Selbst der MSCI hat in den letzten 12 Monaten etwa 13 % verloren.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Goldlarifari.
    Warum, weshalb, wieso?
    Bestandsaufnahme.
    2000 bis 2004 FEDZINS VON 6,..% auf 1%. Von 2004 bis 2008 FEDZINS VON 1% AUF 5%.
    2000 bis 2004 GOLDKURS VON 200 DOLLARES auf 400 Dollares.
    2004 bis 2008 GOLDKURS VON 400 DOLLARES AUF 1000 DOLLARES.
    Dann Knick nach unten und bla blabla……nach oben……….
    Damals langsamer kontinuierlicher Aufstieg, und das trotz steigenden FEDZINS.
    MAN HAT DEN BRATEN NICHT GETRAUT.
    Heute gibt’s einen einfachen Grund.
    Der Russ hat Gold gehäufelt.
    Aber wir bestimmen, den Dollares, den GOLDKURS und der Vasall Brittanien.
    Erklärung blöd?
    Zu mindestens gibt’s keine EINDEUTIGE ERKLÄRUNG.
    WARUM, WESHALB, WIESO.
    Quantentheorie ist leichter, als der Mensch.

  5. Als die Fed die Zinsen auf 20 % angehoben hat, hat sich der Goldpreis verdoppelt.
    Jeder der Gold hatte, konnte somit die höheren Zinsen locker zahlen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  6. Hallo Columbo,
    ich habe noch mal nachgesehen.
    Am 23.7.21 stand der Goldpreis in Euro bei 1.534,9.
    Heute am 23.7.22 steht er bei 1.691,5.
    Das sind ziemlich genau 10,2% steuerfreien Kapitalertrag in 12 Monaten.
    Ich denke, da sollte man nicht meckern.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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