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Großbritannien: Ist das Panik? Immobilienfonds stoppen Auszahlungen

Gestern haben drei britische Immobilienfonds die Auszahlungen an Kunden gestoppt – Anfang einer Panik-Welle?

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FMW-Redaktion

Heute Nacht ist das britische Pfund auf den tiefsten Stand seit 1985 gefallen. Und gestern hatte Bank of England-Chef gesagt, dass die Investments im Immobiliensektor stark zurück gegangen seien zuletzt. Aber wie stark?

Offenkundig sehr stark. So haben alleine gestern drei britische Immobilienfonds die Auszahlungen an Kunden gestoppt: es handelt sich um Fonds von Standard Life Investments, M&G Investments und Aviva Investors. Insgesamt sind in diesen Fonds Gelder im Volumen von 9,1 Milliarden Pfund geparkt, also kein kleiner Pappenstiel. Aviva begründet den Schritt mit mangelnder Liquidität, M&G wiederum verweist auf den hohen Grad an Unsicherheit über die weiteren Aussichten.

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Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es vorwiegend nicht-britische Investoren waren, die aus diesen Fonds geflohen sind – schließlich bringt der Fall des Pfunds eben diesen Investoren Währungsverluste, die auch durch (doch eher unwahrscheinliche) Anstiege des Werts der Fonds kaum ausgeglichen werden können. Wenn nun Gelder nicht mehr ausgezahlt werden, dann erinnert das doch ziemlich fatal an das erste Wetterleuchten der Finanzkrise, als damals Bear Stearns die Auszahlungen von Fonds stoppte! Wenn die Fonds nicht die Auszahlung stoppen würden, müßten sie Immobilien aus dem Portfolio verkaufen, was wiederum die Preise für Immobilien noch weiter unter Druck brächte.

Britische Immobilienexperten hatten schon vor der Brexit-Abstimmung gewarnt, dass im Falle eines Brexit die Immobilienpreise in London um 20% einbrechen könnten in den nächsten drei Jahren. Zwar werden Immobilien für Ausländer durch den Pfund-Kollaps natürlich günstiger, aber niemand greift gerne in ein fallendes Messer – viele werden erst einmal abwarten und versuchen, noch günstiger einzusteigen. Dazu kommt die Erwartung, dass das Pfund noch weiter abwerten könnten, was ein Zuwarten noch ratsamer erscheinen läßt.

Besonders gefährdet scheint dabei derzeit vor allem der Bereich der Gewerbeimmobilien zu sein, weil davon auszugehen ist, dass perspektivisch die Preise steigen werden in UK vor allem für importierte Waren. Und wenn Preise teurer werden, wird weniger konsumiert. Dazu weniger Investments vor allem durch die pessimistischer gewordenen britische Firmen selbst (Umfrage von YouGov gestern) – manches deutet auf eine kommende Rezession in Großbritannien. Gestern hatten Daten auch gezeigt, dass der Bau-Sektor in UK so stark eingebrochen ist wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr – und die Daten stammen überwiegend noch aus der Zeit vor dem Brexit-Votum!

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Marcus

    6. Juli 2016 12:07 at 12:07

    An Bear Stearns habe ich gestern auch gleich gedacht… Tatsache ist, das die Finanzmarktaufsicht und die BoE dieses Problem so schnell wie möglich angehen müssen! Die Fonds könne auch nicht ewig geschlossen bleiben, denn letztendlich ruiniert das ihre Existenz da ihnen niemand mehr Geld anvertrauen wird.

    Andererseits dürfte es dann aufgrund mangelnder Liquidität zu einem massiven Abverkauf von Immobilien kommen, was wiederum eine Kettenreaktion an Verkäufen nach sich zieht. Die Gefahr einer neuen Krise auf dem Immobilienmarkt ist meiner Ansicht nach durchaus sehr hoch. Diesmal ist der Ausgangspunkt eben Europa selber.

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