Indizes

Handelskrieg – das Psychospiel und die Aktienmärkte

Es dürfte den Chinesen nicht verborgen geblieben sein, dass sich der Handelskrieg mit den Amerikanern immer mehr auf die US-Wirtschaft auswirkt. Angesichts des näher rückenden Wahltermins wird Donald Trump bei seinen Eskalationen immer vorsichtiger. Das chinesische Spiel auf Zeit geht bisher auf. War die Abreise der chinesischen Wirtschaftsdelegation für einen Besuch des mittleren Westens wieder so eine Finte?

Handelskrieg und die  Stabilität der Börsen

In der letzten Woche hätte es eigentlich krachen müssen! Zuerst die Anschläge auf die saudischen Ölförderanlagen, die einen Ausfall von über fünf Millionen Barrel Öl zur Folge hatten. Dann die Verwerfungen am Geldmarkt mit der Verteuerung der Repo-Geschäfte der Banken (cash crunch), dann eine Notenbankentscheidung, die ein paar kleine Enttäuschungen für die Investoren bereithielt. Und nicht zuletzt der Rückschlag in den sich „angeblich“ so positiv entwickelnden Verhandlungen im Handelskrieg. Am Ende der Woche noch ein komplett problemloser dreifacher Hexensabbat. Und was machen die Börsen?

Nichts: Der Dow Jones steht ganze 1,7 Prozent unter seinem Allzeithoch, beim S&P 500 sind es nur ein gutes Prozent, der Dax schloss bei 12468 Punkten, nachdem er im September schon über 1000 Punkte gestiegen ist. Woher diese Zuversicht?

Die Signale des Dax

Beginnen wir beim deutschen Leitindex. Die technische Rezession, also die kleine Schrumpfung des Wachstums in den Quartalen zwei und drei diesen Jahres, ist schon längst eingepreist. Die Meldung des Statistischen Bundesamtes Mitte November wird keine Kursturbulenzen mehr auslösen. Die Indikation blickt deutlich ins Jahr 2020 und da prognostiziert kein Wirtschaftsinstitut – von IWF bis Ifo – eine Schrumpfung der Wirtschaft (wenngleich dies für sich allein noch keine Gewähr bietet).

Man vertraut auf das billige Geld der EZB, das alles Morbide am Leben hält und die Aktienanlage (Flucht in Sachwerte) unerlässlich macht – Stichwort TINA. Hinzu kommt die Hoffnung auf fiskalische Anreizen durch den Staat, wo erste Anzeichen schon erkennbar sind, eine Forderung von Mario Draghi und seiner Nachfolgerin, der Ex-Politikerin Christine Lagarde.

Also alles in allem das bereits beschriebene Strohfeuer, denn dass eine „richtige“ Rezession kommen muss, dessen bin ich mir sicher – auch Notenbanken können nicht die ökonomische Schwerkraft außer Kraft setzen.

Natürlich können sich die Investoren, Insider und Spekulanten, irren, aber es wäre unvorsichtig fest davon auszugehen. Die Prognosequalität für den Trend des Wirtschaftswachtums lag nach meiner Erfahrung in den letzten Jahren/Jahrzehnten deutlich über 50 Prozent.

Ganz wichtig dürfte am Dienstag der Ifo-Index in seiner neuesten Veröffentlichung werden. Er besitzt aus meiner Sicht nach dem Dax die höchste Prognosequalität für die mittlere Zukunft. Sollte es nach dem August-Rückgang von 95,8 auf 94,3 Punkten – dem fünften Rückgang in Folge und der niedrigste Stand seit November 2012 – nochmals nach unten gehen, würde es wohl einen raschen Dämpfer für die Börse geben mit ihrem Optimismus.

Die US-Börsen und der Handelskrieg

Auch wenn es am Abend des vergangenen Freitags noch etwas nach unten ging, beendeten Dow Jones und S&P 500 die Woche gerade mal ein gutes Prozent unter ihren Allzeithochs. Was hält die Indizes oben?

  • Geldpolitik: Leicht hawkishe Tendenzen, aber zugleich die Versicherung von Fed-Chef Powell bei Abschwächungstenzen aggressiv gegenzusteuern, also wieder so etwas wie ein Fed-Put für die Märkte
  • Handelsstreit: Das ewige Spiel mit dem sich-gegenseitig-auf-und-abschaukeln geht weiter von Runde zu Runde.
  • Die Märkte glauben an ein Stillhalteabkommen zwischen den beiden Mächten aus wahltaktischen und konjunkturellen Gründen. Ein Spiel auf Zeit, aber keine Eskalation mehr in dem Sinne, den Gegner in die Knie zu zwingen. Laut einer Schätzung von JP Morgan könnten die neuen Zölle den durchschnittlichen US-Haushalt 1.000 US-Dollar pro Jahr kosten und das Wachstum sowohl in den USA als auch weltweit belasten. Die US-Regierung hat anscheinend mehr als 400 chinesische Produkte von den auferlegten Handelszöllen befreit (z.B. Weihnachtsbaumbeleuchtungen), die Teil des bisherigen Zollpakets waren. Sieht so die Endphase des Handelsstreits aus?

Für Irritationen sorgte die kurzfristige Absage eines Besuchs chinesischer Delegationsteilnehmer in die Bundesstaaten Montana und Nebraska, die nach den Gesprächen in Washington geplant waren. Nach Medienberichten kehrte der chinesische Vizelandwirtschaftsminister Han Jun vorzeitig nach Peking zurück.

Steht eine Korrektur an?

Auf kurze Sicht ist durchaus mit einem Rücksitzer zu rechnen. Der S&P 500 ist ein weiteres Mal an der 3025-Punkte-Marke gescheitert und die Blackout Period für die Aktienrückkäufe steht vor der Tür, angesichts der anstehenden Q3-Zahlen. Nach dem großen Verfallstag am Freitag werden sich die Großanleger neu positionieren und da ist das große Fragezeichen die Aktienquote der US-Publikumsfonds sowie der Hedgefonds. Diese war in den letzten Wochen ungewöhnlich niedrig. Sind die „Großen“ schlauer, als der Rest der Marktteilnehmer oder werden sie bei Überschreiten der genannten Marke bei neuen Allzeithochs in den Markt gezwungen?

Fazit

Es stellt sich zurzeit mehr denn je die Frage, wieso die aktuelle wirtschaftliche Lage so divergiert zu den Projektionen der Aktienindizes? Das eingepreiste Positivszenario: Rezession nein – aber Stützungsmaßnahmen ja?

Natürlich können wir jetzt einmal Gewinnmitnahmen sehen. Aber sollten sich die Konjunkturaussichten nicht weiter verschlechtern – die „conditio sine qua non“ (als Bedingung, die nicht hinweggedacht werden kann) – könnte es tatsächlich so etwas wie eine Jahresendrally geben. Die Zinsen werden weltweit (Ausnahme Norwegen) immer niedriger, so dass es für fast alle Kapitalsammelstellen der Welt immer brenzliger wird. Dazu braucht es nur ein paar weitere De-Eskalationen durch Trump im Handelskrieg und koordinierte Aktionen der Staaten bei Konjunkturprogrammen (Steuererleichterungen, Infrastruktur u.ä.) und das Strohfeuer fängt an zu lodern.

Das alles ändert nichts an der begründeten Annahme, dass dies nicht der Beginn eines neuen Aufschwungs sein kann. Die Welt ist über beide Ohren verschuldet und die Notenbanken haben ihr Zinspulver bald verschossen.

Der Handelskrieg lässt die Börsen kalt



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1 Kommentar

  1. Die Antwort ist sehr einfach. Die Aktien märkte sind keine Märkte mehr im üblichen Sinn, sondkomplett durchmanipuliert durch einige Markteilnehmer und deren Algos… Der Rest läuft einfach hinterher… Im Übrigen ähneln diese faktisch einer Religion mit irgendwelchen Ritualen und Priester n um so etwas wie Realität oder Naturgesetzlichkeit vorzutäuschen
    … Um daraus Legitomität zu ziehen…. Ein einziges Kasperltheater… Meint cp

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