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Hedgefonds: Die schlechte Jahresbilanz der Königsklasse

Was setzen die berühmt-berüchtigten Hedgefonds doch nur für pfiffige Strategien ein:Event-Driven -/ Global-Macro- / Relative Value-/ Managed Futures-/ Long-Short-Strategien, mittels Leerverkäufen, im Hochgeschwindigkeitshandel und vieles mehr. Um eine Performance zu erzielen, die über der Benchmark liegt. Es gelingt manchmal, aber in Summa nicht. Ein Beispiel dafür ist die Bilanz des letzten Jahres.

Die Jahresbilanz der Hedgefonds

Nach Angaben des Researchunternehmens eVestment entzogen Anleger den Hedgefonds 2019 rund 100 Milliarden Dollar, es war der größte Kapitalabfluss seit 2016. Ein Grund dafür: Der S&P 500 legte 2019 31 Prozent zu, Hedgefonds blieben gemäß dem Bloomberg Equity Hedge Fund Index mit 9,2 Prozent deutlich darunter.

Dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen für eine Branche, die damit wirbt, in jeder Börsenphase Gewinne machen zu können – ein frommer Wunsch.

Die Konsequenzen: In den letzten fünf Jahren wurden über 4000 Fonds liquidiert. Dass selbst Superinvestoren wie Ray Dalio, die über exzellente Wirtschafts- und Börsenkenntnisse verfügen, nicht allmächtig sind, beweist die Bilanz einiger seiner Fonds im letzten Jahr. Dazu hatte ich bereits in der Vorwoche berichtet:

„Wie aus der Publikation durch das US-Fachblatt „Institutional Investor“ zu entnehmen ist, konnte der Starinvestor 2019 mit seiner Pure-Alpha-Strategie keine Gewinne erzielen. Mit der stärker gehebelten Variante kam ein Verlust von 0,5 Prozent zustande, bei der weniger stark gehebelten Variante war es gerade mal ein Gewinn von 0,5 Prozent. Und das in einem Börsenjahr, in dem man mit einem einfachen ETF auf die US-Märkte über 30 Prozent Gewinn erzielen konnte, bei erheblich niedrigeren Kosten, die in dieser „Königsklasse“ in opulentem Umfang verlangt werden. Sein bester Fonds, der All Weather Fund, der nur eine Longstrategie verfolgen kann, kam immerhin auf ein Plus von 16 Prozent.“

Fazit

Die Branche der Hedgefonds ist geheimnisumwittert, dafür sorgen schon die astronomischen Gewinne, die die ganz Großen in der Branche zu gewissen Zeiten eingefahren haben. Was dabei immer vergessen wird ist die Tatsache, wie diese Gewinne erreicht wurden. In der Summe waren es für die Manager nämlich die üppigen Gewinnbeteiligungen sowie die Verwaltungsgebühren, die früher schon bis zu 20 Prozent betragen haben. Bei milliardenschweren Fonds wird dieser Zusammenhang rasch klar.

Was aber immer unterschlagen wird, ist die durchschnittliche Lebensdauer der Hedgefonds, die in den letzten Jahrzehnten nur um die fünf Jahre betragen hat. Man liest und hört immer nur von den Großen wie Bridgewater oder Blackstone -, die Stürme überlebt und in große Dimensionen gewachsen sind und dies aus gutem Grund:

Survivorship-Bias oder – Ungleichgewicht zugunsten der Überlebenden – bezeichnet die Finanzwissenschaft diese Art der Beschönigung von Ergebnissen. Eine Studie des HFR Hedge Fund Research ergab für die Jahre 1998 bis 2016 eine in Euro gerechnete jährliche Rendite der Hedgefonds von 3,2 Prozent. Aber darüber wird wenig berichtet.

Kurzum: Nicht täuschen lassen, auch diese Manager haben keine Glaskugel (manchmal etwas mehr Insiderwissen) und kochen auch nur mit Wasser. Wo ist denn die Überlegenheit der Algos oder des Hochfrequenzhandels? Wenn dem so wäre, müssten die Erfolgsbilanzen ganz anders aussehen.

Hedgefonds performten schwach und mussten Mittelabflüsse hinnehmen nim Jahr 2019



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