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HSH Nordbank: Private Equity-Investor bietet 700 Millionen Euro – wer letztlich die Zeche zahlt, und wie die Zukunft der Bank aussehen könnte

In den nächsten sechs Wochen muss die Unterschrift unter den Kaufvertrag stehen. Bis Ende Februar muss die HSH Nordbank einen privaten Käufer gefunden haben, oder sie wird auf Anordnung der EU-Kommission...

FMW-Redaktion

In den nächsten sechs Wochen muss die Unterschrift unter den Kaufvertrag stehen. Bis Ende Februar muss die HSH Nordbank einen privaten Käufer gefunden haben, oder sie wird auf Anordnung der EU-Kommission zwangsweise abgewickelt. Weil die HSH massiv staatlich unterstützt wurde, hat die EU-Kommission dieses Entscheidungsrecht! Aktuell hat die Welt erfahren, dass verschiedene Private Equity-Investoren um die HSH Nordbank buhlen. Darunter soll der Investor Cerberus sein, der 700 Millionen Euro bieten soll.

Wer die Zeche tatsächlich zahlt

Das ist deutlich mehr als die mögliche Summe von 1 symbolischen Euro, die anfangs schon befürchtet wurde. Aber wer jetzt denkt, dass die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein als bisherige Eigentümer damit aus dem Schneider wären, der täuscht sich. Um die HSH Nordbank überhaupt verkaufsfähig machen zu können, hatten die beiden Bundesländer im Jahr 2016 eine eigene Gesellschaft gegründet. Diese Gesellschaft kaufte der HSH Nordbank Nominalforderungen aus dem Schiffskreditgeschäft in Höhe von 4,1 Milliarden Euro ab für einen tatsächlichen Preis von 2,4 Milliarden Euro.

Die Bundesländer machten also 2,4 Milliarden Euro Schulden, und erhielten im Gegensatz offizielle Forderungen über 4,1 Milliarden Euro, die tatsächlich 2,4 Milliarden Euro wert sein sollten. Inzwischen wurden diese 2,4 Milliarden Euro im Wert schon kräftig nach unten korrigiert um 500 Millionen Euro. Und da sich der Schiffsmarkt immer noch nicht erholt, dürften die Verluste nur aus diesem Geschäft für die Steuerzahler der beiden Nordländer noch größer werden.

Durch dieses Herauskaufen der größten Schrottkredite wurde die HSH Nordbank ordentlich entlastet, und wurde nun für potenzielle Käufer deutlich interessanter. Denn wer will schon wertlosen Schrott kaufen? Nicht vergessen sollte man die Bürgschaft der beiden Bundesländer über satte 10 Milliarden Euro, die schon seit Jahren für die HSH Nordbank läuft. Die HSH selbst bestätigte schon vor einem Jahr durch ihren damaligen Chef Stefan Ermisch, dass die HSH wohl in vollem Umfang auf diese Bürgschaft zurückgreifen müsse.

Das heißt: Auch wenn die HSH Nordbank in Kürze einen rein privaten Eigentümer hat, gilt die Bürgschaft durch die Länder natürlich weiter, und wird auch voll greifen. Also werden die Steuerzahlen der beiden Nordländer auch nach der Privatisierung wohl mit einem Schaden von ca 11 Milliarden Euro da stehen (grobe Schätzung, Kombination aus Bürgschaft und den vorher herausgekauften Krediten). Die Inanspruchnahme der Bürgschaft hat übrigens bereits begonnen!

Die HSH Nordbank nach der Übernahme

Wenn dann im laufenden Jahr 2018 die Übernahme durch so einen Private Equity-Investor abgeschlossen sein wird – wie geht es dann weiter? Solche Investoren haben nie ein strategisches Interesse daran langfristig eine Industrie zu entwickeln, einen Konzern weiter zu entwickeln, etwas zu planen oder Ähnliches. Bevor sie etwas kaufen, überlegen sie sich, in wie vielen Jahren sie wie viel Geld rauspressen können, damit sie den Krempel schnellstmöglich wieder mit Gewinn verhökern können.

Also, so überlegen wir jetzt mal: Wenn Cerberus oder wer auch immer beispielsweise 700 Millionen Euro für die HSH Nordbank zahlt, wird man sich im Rahmen der durchgeführten Prüfung der Bankunterlagen genau angeschaut haben, wie werthaltig die Außenstände im Schiffsfinanzierungsgeschäft denn wirklich sind. Die Frage lautet: Für welchen tatsächlichen Wert können wir (der neue Eigentümer) die noch in den HSH-Büchern stehenden Kredite losschlagen? Und diese Summe muss so hoch sein, dass man in vielleicht zwei, drei oder vier Jahren auch nach dem Kaufpreis von 700 Millionen Euro einen vielfachen Gewinn machen kann.

Denn solche Investoren machen solche Geschäfte nicht um in Relation zum Kaufpreis 10% oder 20% Gewinn  zu machen. Es muss richtig was dabei rumkommen! Hat man satte Gewinne aus dem Resterampfenverkauf erzielt, und sich die Gewinne aus der HSH als Dividende entnommen, kann man die Restbank im Sinne der Resteverwertung in diesen zwei, drei oder vier Jahren an irgendwen weiter verscherbeln, der für ein bisschen langweiliges Restgeschäft tatsächlich langfristiges Interesse hat. Vielleicht eine chinesische Bank, die in Deutschland Fuß fassen will? Die HSH dürfte als ausgepresste kleine Firmenkundenbank an irgendeine andere Bank weitergereicht werden, und dann endgültig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, vielleicht mit nur noch einer kleinen Restbelegschaft. So weit unser (wir geben zu sehr vereinfacht dargestelltes) Szenario.


Durch Cointainerschiffe verpulferisieren sich Milliarden an Steuergeldern. Beispielbild von Containerschiffen. Gemeinfreies Foto



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