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Indien: Warum sich die drittgrößte Ökonomie der Welt im freien Fall befindet

Hannes Zipfel

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Das Taj Mahal ist das artchitektonische Symbol für Indien

Die nach Kaufkraftparität drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wird besonders hart von den Folgen der Pandemie getroffen und bricht im Sommer um fast ein Viertel ein. Indien liegt mit insgesamt knapp vier Millionen Fällen auch bei den Corona-Zahlen aktuell weltweit hinter den USA und Brasilien auf Platz drei. Das Land steckt noch mitten in der ersten Welle der Grippe-Epidemie mit täglich neuen Rekorden bei den Neuansteckungen.

Indien erlebt den heftigsten Wirtschaftseinbruch seiner Geschichte

Mit 2,94 Billionen US-Dollar war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des südasiatischen Landes im Jahr 2019 erstmals höher als das BIP Frankreichs. Bereinigt um die Kaufkraft lag das Land sogar an dritter Stelle der größten Volkswirtschaften weltweit – noch vor Japan und Deutschland. Daher ist der Einbruch des indischen BIP im zweiten Quartal 2020 um 23,9 Prozent für die Weltwirtschaft ein Alarmsignal. Vor allem deshalb, weil sich das bevölkerungsreiche Land mit seinen 1,38 Milliarden Einwohnern noch mitten in der ersten Corona-Welle befindet und mit zuletzt 82.860 neuen Fällen innerhalb von nur 24 Stunden die weltweit höchste Expansionsdynamik aufwies.

 

Indien in der Weltrangliste der Wirtschaftsleistungen

Die Wirtschaft in Indien schrumpfte im zweiten Quartal 2020 auf Jahresbasis um fast ein Viertel, nachdem die Regierung von Premierminister Narendra Modi am 24. März die weltweit als am striktesten geltenden Eindämmungsmaßnahmen gegen die Seuche umsetzte. Der jüngst vermeldete Rückgang des Bruttoinlandsprodukts war weitaus tiefer, als die Prognosen der meisten Ökonomen dies vorhersagten. Der Wirtschaftseinbruch ist auch die Folge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, bei der u. a. Unternehmen gezwungen wurden, über Nacht zu schließen, was zu einem geschätzten Verlust von 140 Millionen Arbeitsplätzen in Indien allein im zweiten Quartal führte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert in seinem Update zum „World Economic Outlook“ für Indien einen starken Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 4,5 Prozent – ein „historisches Tief“. Als Begründung für den unter Bankenökonomen immer noch als zu optimistisch geltenden Rückgang gibt der IWF die länger als erwartet andauernden Gegenmaßnahmen und eine anschließend nur zäh verlaufende Erholung der indischen Wirtschaft an.

Grafik zur Veränderungsrate des indischen BIP

Die fiskalischen Hilfsprogramme für die Unternehmen und die Bevölkerung des Landes galten von Beginn an als zu gering, um die Folgen der Beschränkungen auch nur ansatzweise kompensieren zu können.

Gegenmaßnahmen konnten die Pandemie in Indien nicht stoppen

Ein soziales Netz wie in Deutschland gibt es in Indien nicht. Ganzen Familien ist über Nacht das komplette Einkommen weggebrochen. Armut und Hunger konterkarieren die Bemühungen der Regierung in Mumbai, die Ausbreitung der Krankheit im Land zu stoppen. Zwei Drittel der Menschen in Indien leben in Armut. Fast 940.000 Millionen Menschen müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Über 30 Prozent der Inder haben sogar weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung und gelten somit nach internationalen Standards als extrem arm.

Gemäß der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer sterben in Indien jedes Jahr 1,4 Millionen Kinder noch vor ihrem fünften Geburtstag. Neben Nigeria, Pakistan, der Demokratischen Republik Kongo und China zählt Indien damit zu den Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeit weltweit. Bereits vor dem Ausbruch der Pandemie waren Lungenentzündungen maßgeblich mit dafür verantwortlich.

Durch Mangelernährung, schlechte hygienische Verhältnisse und fehlende medizinische Versorgung sind vor allem die Armen in Indien von der Corona-Krise bedroht und die Gegenmaßnahmen der Regierung oft unwirksam. Selbst Mund-Nase-Masken sind für viele Inder unerschwinglich. Während der Lockdown die Wirtschaft in historischer Dimension einbrechen lässt, konnte die Ausbreitung des Covid-19 Erregers daher unter den 1,38 Milliarden Indern bisher auch nicht gestoppt werden.

Indien wurde Anfang April erst relativ spät von der Pandemie erfasst – dafür droht die Lage nun außer Kontrolle zu geraten: Bei dem gegenwärtigen Tempo der Ausbreitung des Virus in Indien wird erwartet, dass das Land Brasilien und die USA in Bezug auf die Gesamtzahl der Covid-19-Fälle bald übertreffen wird und an die erste Stelle der weltweiten Corona-Statistik vorrückt.

Die Zahl der gemeldeten Neuansteckungen lag am 2. September bei 82.860. Zum Vergleich: In den USA lag die höchste Zahl der Neuansteckungen am 24. Juli 2020 bei 78.619 und in Brasilien am 29. Juli 2020 bei 70.869. Da Indien über viermal mehr Einwohner als die USA verfügt und das Gesundheitssystem signifikant weniger gut ausgebaut ist, befürchten die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Indien den Rekord bei der Gesamtzahl der Fälle in den USA noch im Laufe dieses Jahres einstellen wird.

Am Montagabend war auch der in Indien prominente Pranab Mukherjee, der 84-jährige ehemalige Präsident und ehemalige Finanzminister des Landes, an den Folgen des Corona-Virus verstorben. Damit gehört er zu den bislang 68.000 Todesopfern im Land. Zum Vergleich: Die Pandemie forderte in den USA bislang mehr als 190.000 Menschenleben und in Brasilien mehr als 120.000 Todesopfer.

Grippewelle versetzt dem Land den Knockout

Die indische Wirtschaft geriet bereits vor der Pandemie ins Stocken. Das BIP-Wachstum verlangsamte sich von 2015 bis 2019 vier Jahre in Folge (siehe BIP-Grafik oben). Im ersten Quartal 2020 verlangsamte sich die Wachstumsdynamik auf Jahresbasis bereits auf nur noch 3,1 Prozent. Die Ende März verhängten Maßnahmen gegen das Coronavirus wirken jedoch verheerend. Von April bis Juni ging der private Verbrauch gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent zurück und die Investitionen gar um 47,5 Prozent. Dabei sollten gerade die Auslandsinvestitionen in diesem Jahr die Wachstumsdynamik wieder ankurbeln.

Fazit und Ausblick

Ein Ende der Corona-Krise ist für Indien noch nicht in Sicht. Wie Brasilien kommen zu den auch im Westen bekannten Herausforderungen bei der Eindämmung der Pandemie noch spezifische Probleme hinzu. Ein Großteil der Bevölkerung kann sich gar nicht adäquat schützen oder verhalten, wie es eigentlich notwendig wäre. Oft mangelt es schon an ausreichender Ernährung, um die Immunkräfte zu stärken.

Für die deutsche Politik sollte Indien eine Mahnung sein, die Erwartung an eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland nicht allzu hoch zu schrauben. Das stark von der Weltwirtschaft abhängige Deutschland ist auch von der geringeren Nachfrage aus Indien, z. B. im Bereich Automobilzulieferer, negativ betroffen. Das Land reiht sich damit in eine lange Schlange von bisher dynamisch wachsenden Schwellenländern ein, die deutschen Unternehmen nun das internationale Geschäft verhageln.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    retniw

    4. September 2020 12:36 at 12:36

    Mir ein Rätsel , wenn fast 70% kein Zugang zum Gesundheitswesen hat, wie dann die Infektionszahlen zustande kommen – wird da nur geschätzt?

  2. Avatar

    retniw

    4. September 2020 12:47 at 12:47

    Wo ist denn mein Kommentar hin?

    • Avatar

      Hannes Zipfel

      4. September 2020 13:58 at 13:58

      @RETNIW: Die Zahlen spiegeln die tatsächlich erfassten Fälle wieder. Aber es gibt in Indien eine sehr große Dunkelziffer, die deutlich höher ausfällt als zum Beispiel in Deutschland.

  3. Avatar

    asyoulike

    4. September 2020 14:07 at 14:07

    Moin, moin,

    irgendwie stößt man bei Artikel über bspw. Indien immer auf die Frage, wieso diese Länder so eine hohe Zahl von Bevölkerung brauchen. Wofür, wozu? Es gibt natürliche Ressourcen, wie bspw. Trinkwasser, bebaubare Fläche, landwirtschaftliche Fläche etc. . Wozu nicht weniger Leute und dafür eine bessere Versorgung für den Rest.

  4. Avatar

    Tino

    4. September 2020 14:12 at 14:12

    Für Indien sind die Massnahmen ein weitaus grösseres Problem als der Virus.Allein durch die Demographie. Das sollte eigentlich ein blinder mit Krückstock erkennen. In dem Land ist Armut ein weitaus grösseres Problem welche jetzt durch die Massnahmen multipliziert wird.

    • Avatar

      sabine

      4. September 2020 16:13 at 16:13

      Hier ist das Rechenbeispiel, was wir in Deutschland schon mal hatten, noch genauer:
      Man schützt die Bevölkerung von 0,004% Toten, und es sterben durch Verhungern 5%. (Bei uns war es das Verschieben von wichtigen OPs und Behandlungen, und das Sterben (bzw. sich Aufgeben) der alten Leute im einsamen Altersheim.)

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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