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Börse: Wall Street mit Einbruch- ist die Rally am Ende?

Kommt jetzt die große Korrektur der Börse im dafür prädestinierten Börsenmonat September?

Es war wie immer mehr als deutlich, dass eine scharfe Korrektur der Börse kommen muss – und dennoch konnte niemand seriös den Zeitpunkt des Ereignisse vorhersehen. Und wie so oft bedurfte es keinen konkreten Anlasses: Das Fass musste nur irgendwie überlaufen, der berühmte Schmetterlingsschlag.

Börse: Die Übertreibungen an der Wall Street

Sicherlich haben wir in letzter Zeit eine extrem ungesunde Entwicklung an der amerikanischen Börse erlebt. Mit einem Anstieg der Tech-Aktien, die den Nasdaq bis auf 34 Prozent über seinen 200-Tagesdurchschnitt gehievt hatten, Apple sogar mit 65 Prozent – von Tesla gar nicht zu reden. Die ungesunde Entwicklung an den Optionsmärkten, die fehlende Marktbreite, bei der allein fünf bis zehn Werte einen ganzen Weltindex, wie den S&P 500, nach oben gezogen haben. Alles schon oft beschrieben – und zweifelsohne erleb(t)en wir die Ausbildung einer Fahnenstange, die die Kursanstiege immer schneller werden ließ. Betrachtet man den Chart des S&P 500, so sieht man einen Anstieg wie an der Schnur gezogen, von Ende Juni bis gestern – von 3000 Punkten bis auf 3580 Punkte, also eine Beschleunigung der Kursentwicklung seit den Märztiefs. Das rief nach einer Korrektur der Börse – aber das hätte man auch schon vor vier Wochen sagen können. Das Ausmaß der Übertreibung war wieder einmal nicht vorhersehbar.

Die Manipulationen der Notenbanken und die Reaktion der Börse

Der Hauptgrund für die Kursentwicklung der Börse und besonders an der Wall Street ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Verhalten der Federal Reserve, mit ihren exzessiven Kaufen von Anleihen aller Art. Der Ausweitung der Bilanz von 4 auf 7 Billionen Dollar binnen eines halben Jahres und der Senkung der Leitzinsen fast auf null: die Basis für eine Hausse an den Aktienmärkten war gelegt.

Aber die Investoren differenzierten dennoch noch „einigermaßen“ nach ökonomischen Gesichtspunkten (mit Übertreibungen): neue Industrien wurden gekauft, die alten links liegen gelassen. Der Sektor der früher immer so dominanten US-Energiewerte liegt aktuell sogar noch unter seinen Tiefs der Finanzkrise von 2009, die Banken rennen dem Markt deutlich hinterher, in Europa befinden sich die Bankenwerte in ihrer Gesamtheit sogar auch noch unter ihren 2009-er-Tiefs.

Hier können die Notenbanken mit ihren vielen Milliarden anscheinend nicht gegen ankommen mit ihrer Manipulation – die Börse ist anscheinend doch noch nicht ganz kaputt. In den USA liegt der marktbreite Russel 2000 noch deutlich hinter seinen Februar-Hochs. Auch der Bereich der Industrials ist noch ein Stück entfernt von seinen Hochs des Jahres 2018.

Die Börse hat eine Neubewertung diverser Geschäftsmodelle vorgenommen und ist dabei über das Ziel hinausgeschossen, auch durch eine absolute Sondersituation: Die US-Notenbank unternimmt alles, um die Konjunktur zu stützen (offiziell den Arbeitsmarkt). Die Regierung wiederum hält wegen der Wahlchancen den Konsum am Laufen, sogar mit Helikoptergeld. Und man hat eine Pandemie, in der sich die (Finanz-)Welt anscheinend einig ist: Man muss die Geldschleusen öffnen, um den im April noch im Extremen erwarteten völligen Einbruch der Weltwirtschaft zu verhindern.

Ich habe bereits am 22. April einen Artikel verfasst, warum sich die Notenbanken derzeit anders verhalten, als bei der Weltwirtschaftskrise von 1929:
Was waren die Ursachen für die große Wirtschaftskrise nach 1929 – neben der zügellosen Kreditaufnahme zu jener Zeit von Unternehmern und Verbrauchern und der Aktienspekulation auf Pump? Es war auch eine Notenbank, die inmitten der Krise die Zinsen anhob, das Geld verknappte (um 30 Prozent) und zahllose Unternehmen in den Bankrott trieb. „Liquidate, liquidate“, war das Schlagwort des damaligen US-Finanzministers Andrew Mellon, mit unseligen Folgen für die Arbeitnehmer.
Durch den folgenden Zusammenbruch der Wirtschaft waren bis 1932 rund 25 Prozent aller werktätigen US-Amerikaner arbeitslos geworden, in etwa 15 Millionen Menschen. Ein Großteil arbeitete in schlecht bezahlten, prekären Arbeitsplätzen – und die Durchschnittslöhne für die Arbeiter, die zu einem großen Teil in schlecht bezahlten Arbeitsplätzen beschäftigt waren, fielen nochmals um 60 Prozent. Bis ins Jahr 1932 gingen 9.000 Banken und 100.000 Unternehmen pleite. Das Nationaleinkommen halbierte sich von 80 auf 40 Milliarden Dollar, aus Entlassenen wurden Dauerarbeitslose.
Diese Vorgänge sind im Bewusstsein der US-Notenbank, Ex-Notenbankchef Ben Bernanke hat über dieses Thema sogar promoviert. Und gleichzeitig haben die Notenbanken auch imemr die Börse im Blick.

Der Blick nach Europa

Obwohl die europäische Zentralbank mit aller Macht gegen die Wirtschaftskrise ankämpft und sich die EU-Regierungen sogar auf einen 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds geeinigt haben, ist hier von einer Blase der Börse streng genommen noch wenig zu erkennen. Der Euro Stoxx befindet sich nicht nur unter seine Hochs der Jahre 2014 und 2018, sondern auch noch weit unter seinem Höchststand des Jahres 2007. Unser Leitindex Dax war zwar am Donnerstag bis auf drei Prozent an sein Allzeithoch herangeklettert. Aber dies ist streng genommen auch nur eine schiefe Wahrnehmung. Denn der (relevante) Dax-Kursindex (ohne Dividenden) hat noch nicht einmal seine Hochs von 2014 oder 2018 erreicht, gegenüber dem Jahr 2000 liegt er mit seinen aktuellen 5656 Punkten noch weit zurück (6250 Punkte).

Wie könnte es weitergehen?

Natürlich war die Korrektur des gestrigen Tages so etwas wie ein Tropfen auf den heißen Stein, bei bestimmten Aktien. Eine Korrektur der Börse um bis zu 10 Prozent im Gesamtmarkt wäre nicht ungewöhnlich, sondern sogar mehr als gesund. Nur könnte spätestes dann das alte Prozedere wieder greifen: „Whatever it takes“ seitens der Notenbank und für die US-Regierung inklusive der Opposition wüchse der Zwang zu einer Einigung hinsichtlich des fünften Konjunkturpakets. Es kann keinem daran gelegen sein, den essenziellen US-Konsum „absaufen“ zu lassen in einer 70 Prozent Konsumökonomie. Ein essenzieller Mosaikstein dafür ist der Aktienmarkt. Jetzt wird es natürlich spannend. Heute kommen die großen Arbeitslosenzahlen und am Montag ist in den USA Feiertag (Labor Day). Wie werden sich die Investoren positionieren, angesichts vieler „Pain Trades“ des gestrigen Tages?

Fazit

Man sollte meiner Meinung nach etwas vorsichtig sein, bei der Hypothese, die Notenbanken sowie die Regierungen wären dabei den Kapitalismus abzuschaffen. Man manipuliert „was das Zeug hält“, aber was wäre denn die Alternative – Sozialismus? Wie viele Beispiele des Scheiterns will man noch haben? Der Kapitalismus befindet sich derzeit wieder in einer seiner extremen Phasen des Auswuchses (manch einer spricht von den periodisch immer wieder auftretenden Ausbrüchen des Wahnsinns), aber die Gesetze des Marktes lassen sich nicht aushebeln. „Survival of the fittest“ gilt nicht nur in der Natur, sondern auch im Wirtschaftsleben. Die Zombiefirmen werden irgendwann aufgeben müssen und Übertreibungen der Börse werden durch „Mean Reversion“ korrigiert werden.

Gestern bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack. Die Krise des Jahres 2020 ist aber mit keiner Situation der Vergangenheit vergleichbar, aus Sicht der Pandemie, der Wirtschaft oder aus Sicht der Politik – vor dem großen Stichtag, dem 3. November.

Gestern wurden Übertreibungen der Börse korrigiert



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