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IWF-Chefin Lagarde kurios: Mehr Gerechtigkeit schaffen, damit der Freihandel nicht eingeschränkt wird

Einmal mehr zeigt sich, dass der IWF zumindest in seiner Außendarstellung eher einem seltsamen Plauder-Club für Ökonomen gleicht, als einer globalen Finanzinstitution. IWF-Chefin Lagarde lässt die…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Einmal mehr zeigt sich, dass der IWF zumindest in seiner Außendarstellung eher einem seltsamen Plauder-Club für Ökonomen gleicht, als einer globalen Finanzinstitution. IWF-Chefin Lagarde lässt die Handelsblatt-Leser heute teilhaben an ihren wirtschaftstheoretischen Ideen. Ihr gehe es darum mehr Gerechtigkeit zu schaffen, eine bessere Vermögensverteilung usw – also das, was ja eh alle wollen. So weit, so gut. Aber warum fordert Sie das? Für die armen Menschen, damit die mehr zum Beißen haben? Nein. Zunehmend würden immer mehr Menschen weltweit ihre Hoffnung in verstärktem Protektionismus sehen. Eine Abkehr vom Freihandel aber würde den Wohlstand noch viel mehr gefährden, und in erster Linie die unteren Schichten treffen, so Lagarde.

iwf-lagarde
IWF-Präsidentin Christine Lagarde weiß ganz sicher, was sie da tut? Foto: Fonds monétaire international / Gemeinfrei

Also nochmal: Gerechtigkeit muss hergestellt werden, damit der (dumme?) Bürger endlich aufhört gegen Freihandel zu protestieren? Und dann noch die merkwürdige Logik die Einschränkung von Freihandel würde zu aller erst die Ärmsten treffen. Moment mal. Was passiert denn umgekehrt? Bei immer mehr Freihandel werden immer mehr billige Jobs im Niedriglohnsektor in Länder mit deutlich niedrigeren Löhnen verlagert. Also verlieren doch gerade die Niedriglohnempfänger in Industrieländern als Erste, wenn der Freihandel konsequent gelebt wird. Aber wie kommt Frau Lagarde zu genau dieser gegenteiligen Logik?

Es verstärkt sich der Eindruck, dass Lagarde eine schlichte wirtschaftstheoretische Annahme verinnerlich hat, ohne diese zu hinterfragen: Je mehr Freihandel, desto besser geht es allen… das ist die klassische FDP-Lehre, oder wie nennt man das nochmal? Fakt ist: Freihanel bringt erstens Unternehmern, Unternehmenseigentümern höhere Gewinne aufgrund niedriger Produktionskosten. Und er bringt den Endverbrauchern in den Industrienationen günstige Preise für Elektronik, Kleidung etc. Verlieren tut aber der Geringverdiener, dessen einfache Tätigkeit in Billiglohnländer verlagert wird.

Lagarde scheint aber für diese Logik blind zu sein, und ist stumpf Anhänger der Lehre des Freihandels als Allheilmittel. Mit fast allen Mitteln hätte die Politik nun abgehängte Menschen in Industrienationen ruhig zu stellen, damit diese sich nicht mehr über den Freihandel als Konzept aufregen, so darf man ihre Äußerungen wohl verstehen. So empfiehlt Lagarde unter anderem, dass Staaten ihre sozialen Sicherungsnetze für Geringqualifizierte stärken sollten. Hierbei ginge es vor allem um Betroffene von Automatisierung und Produktionsverlagerung. So könnten Staaten ihre Investitionen in Bildung und Gesundheit erhöhen. Rechtlich bindende Mindestlöhne und Steuerreformen seien ebenfalls notwendig.

In den letzten 20 Jahren habe die weltweite Ungleichheit bei Einkommen weiter zugenommen. Während die obersten 10% Einkommenszuwächse von 40% erlebt hätten, seien bei den unteren Schichten fast gar keine Zuwächse erzielt worden. Eine bessere Einkommensverteilung sei neben guter Sozialpolitik auch gute Wirtschaftspolitik, so Lagarde. Denn (die von „Abgehängten“ geforderte?) Abkehr vom Freihandel würde den Wohlstand erst recht gefährden.

Das muss man erst mal sacken lassen. Also sollen quasi alle Beitragszahler über Steuerhaushalt und Sozialkassen den Schaden auffangen, den der Freihandel und die damit einhergehende Verlagerung von Arbeitsplätzen mit sich bringt? Wie geht gleich nochmal der Spruch? Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren? Die durch Freihandel größere Gewinnspanne bei großen Unternehmen verbleibt bei den Eigentümern. Extrem schrumpfende oder ganz wegfallende Einkommen bei Arbeitnehmern sollen also nach Lagarde´s Ansicht noch mehr als eh schon durch den Staat kompensiert werden, damit der Schmerz nicht ganz so stark zu fühlen ist!??!

So verstehen wir jedenfalls die Aussage von Frau Lagarde. Und nochmal im Klartext: Nein, wir bei FMW sind nicht grundsätzlich gegen den weltweiten Warenaustausch und unproblematische Im- und Exporte zwischen Ländern und Kontinenten. Aber totaler Freihandel als Allheilmittel, möglichst ohne jegliche Zölle und sonstige Beschränkungen, führt wie man es jetzt schon in Ansätzen sieht zu enormen Problemen in den Hochlohn-Ländern, wenn es in Relation zu den Niedriglohnländern ein großen Lohngefälle gibt. Es verwundert eigentlich schon sehr, dass gerade eine Frau Lagarde im Freihandel gar kein Problem erkennt, sondern ihn als Lösung des Problems ansieht. Dabei ist er einer der Hauptverursacher des Problems. Schon witzig, dass man den Bock zum Gärtner macht, und ihn auch noch als gefährdeten Gärtner präsentiert, denn es zu schützen gilt.

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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