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Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?



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3 Kommentare

  1. „Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück.“
    Hören Sie auf Herr Müller. Ich befürchte Zwerchfellrisse.

    Aber jetzt zum Inhalt: Natürlich sind die USA daran interessiert den Dollar möglichst unangespitzt in den Boden zu rammen. Das hat nämlich eine Reihe großer Vorteile.

    1. Es vernichtet die Auslandsschulden der USA die über permanente Handlungsdefizite aufgehäuft werden.
    2. Es stützt die eigene Wirtschaft, indem es Importe verteuert.

    Da die USA Rohstoffe kaum mehr importieren müssen stört das auch nicht (mehr).

    Schon Trump hat ein Basisdefizit von 1,5 Billionen im Haushalt gefahren (übrigens ist dor der Sozialstaatsanteil genau so hoch wie im Bundeshaushalt, also für Demokraten schon gar nicht kürzbar). Dieses Defizit wird (nicht nur wegen der politisch angerichteten Krise) nun weiter massiv steigen. Würde mich überhaupt nicht wundern, wenn 3 Billionen im Jahr hier das neue Normal werden.

    Übrigens: Steuern für Superreiche wird es auch in Zukunft nicht geben, da die die Demokraten finanzieren. Aber der Mittelstand wird wahrscheinlich bluten müssen, was die USA dann entgültig in den wirtschaftlichen Untergang treibt.

    Wann und wie das System dann kolabiert ist allerdings nicht vorhersagbar, da es sich hierbei um einen chaotischen Prozess handelt. Vielleicht wird es auch ein dauerhafter, stetiger Niedergang. Auf dem Territorium Westroms hat dieser Proezss fast 400 Jahre gedauert und 2000 Jarhe zivilisatorische Entwicklung ausradiert.

  2. @Thinkself. Hallo, um bei Ihnen keinen Zwergfellriss zu verursachen. Glauben Sie tatsächlich, dass sich unter Biden die Vorgänge der letzten Jahre fortsetzen, als der Beraterstab Trumps stets beschäftigt war, um Kollateralschäden zu verhindern, die aus dem impulsiven Verhalten des US-Präsidenten hätten entstehen können. Nach seinen Twittermeldungen zu nachtschlafender Zeit, oder als er im letzten Jahr spontan die Zölle gegen China verdoppeln wollte, da diese es gewagt hatten Gegenzölle zu erheben. Wenn er Maßnahmen gegen befreundete Staaten verhängte, ohne diese vorher zu informieren, oder als er vor ein paar Tagen noch schnell einmal den Iran bombardieren lassen wollte. Es gibt so viele Beispiele für unüberlegte Aktionen, die nur durch gutes Zureden verhindert werden konnten. Alles das soll unter Biden weitergehen, Ausstiege aus supranationalen Vereinbarungen, Missachtung von jahrelangen Gepflogenheiten, auch wenn Vieles antiquiert war? Vertragspartner werden nicht in Nacht-und-Nebel-Entscheidungen vor den Kopf gestoßen, das meinte ich unter Berechenbarkeit. Nicht das grundsätzliche US-Thema: The Dollar is our currency and your problem – und weiteres Anspruchsdenken der „Supermacht“. Oder die weitere Verschuldungsthematik.
    Viele Grüße

  3. Joe Biden und Janet Yellen stehen beide für noch mehr Deficit-Spending höhere Schulden. Ich erwarte keine wirkliche Umkehr was die Haushaltspolitik betrifft, des weiteren wird man die Fed noch mehr einspannen um das Staatsdefizit zu monetarisieren. Ich muss @Thinkself dahin gehend Recht geben wenn er sagt das auch unter Biden keine Steuererhöhungen für Reiche bzw. Superreiche oder große Kartellverfahren zu erwarten sind. Gerade das Silicon Valley oder auch Firmen wie Microsoft und Amazon sind seit ewigen Zeiten Großspender der Demokratischen Partei, und die werden kaum in die Hand beißen die sie füttert…

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