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Indizes

Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed!

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Lower Manhattan als Zentrum für den US-Aktienmarkt

Die US-Fed ist die derzeit mit Abstand einflussreichste Notenbank. Als De-facto-Zentralbank der Welt gibt sie für den gesamten Dollar-Raum und alle an den US-Dollar gekoppelten Währungen den Leitzins vor. Darüber hinaus hat sie durch ihr Geldschöpfungsprivileg die Möglichkeit, so viel der Weltleitwährung zu erschaffen, wie es für notwendig erachtet und damit Kredite zu vergeben und Vermögenswerte zu erwerben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Fed auch Aktien erwirbt. Was bedeutet das für den Aktienmarkt?

Aktienmarkt, höre die Signale

Die Börse hat sich bereits daran gewöhnt, dass die US-Notenbank Fed in der Coronakrise ihr Mandat beträchtlich ausgeweitet hat. Dazu gehört neben der Nullzinsgarantie bis zum Jahresende 2022 auch die Vergabe von Krediten an Geschäftsbanken sowie der massenhafte Aufkauf von Schuldverschreibungen des US-Finanzministeriums, der halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, von US-Bundesstaaten, ETFs mit Unternehmensanleihe nun ganz neu auch Schuldpapiere von Einzelunternehmen. Davon abgesehen tritt die Fed mittlerweile unter Umgehung der Geschäftsbanken selbst als Kreditgeber für Unternehmen auf, auch für Schuldner schlechterer Bonität. Diese neuen „Aufgaben“ der Fed haben im ersten Halbjahr 2020 zu einer Rekordausweitung ihrer Bilanz um knapp 3 Billionen US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um 70 Prozent in nur 6 Monaten.

Die Ausweitung des geldpolitischen Instrumentenkastens erfolgt offiziell mit der Begründung der Wahrung der Preisstabilität, die die Fed bei 2 Prozent sieht. Die offizielle Arbeitslosenquote (U3) ist in den USA mit aktuell 13,3 Prozent weit von dem zweiten Ziel der Fed, der Vollbeschäftigung bei ca. 5 Prozent Arbeitslosenquote. Das Research-Unternehmen macrotrends weist für die weiter gefasste Arbeitslosenquote U6 sogar 21,2 Prozent aus. Damit ist die Messung der Arbeitslosenquote aktuell so hoch wie seit Datenerfassung im Jahr 1948 nicht mehr – und das trotz massiver statistischer Unsauberkeiten.

Nur noch einen Aktiencrash von Aktienkäufen entfernt

Die Entwicklung der Indizes am Aktienmarkt gehört offiziell nicht zu den Parametern, die die Fed offiziell zum Handeln zwingt. Dennoch ist auffällig, wie zeitnah einbrechende Kurse an der Wall Street und zumindest verbale Interventionen der Fed zusammenhängen. Wie der US-Präsident Donald J. Trump scheint auch die Fed den Aktienmarktbarometern mehr zu trauen als den ihnen zugearbeiteten Wirtschaftsstatistiken. Zum anderen darf nicht vergessen werden, wessen Instrument die einflussreichste der zwölf Notenbankdistrikte ist: die Federal Reserve Bank of New York Fed. Dazu muss man wissen, dass es in den USA keine Zentralbank gibt, sondern einen Verbund aus 12 unabhängigen Distrikt-Zentralbanken.

Die Federal Reserve Bank of New York ist die einflussreichste der zwölf Regionalbanken, die alle zusammen das Federal Reserve System der USA bilden. Daher ist das Fed-System keine staatliche Zentralbank, wie zum Beispiel die Deutsche Bundesbank, sondern eine Notenbank, mit dem Privileg digitale Banknoten aus dem Nichts zu erschaffen. Als heimliche Zentralbank der USA könnte man jedoch die in der Liberty Street 33 beheimatete Fed of New York bezeichnen. Deren Grundstein wurde mit der Verabschiedung des „Federal Reserve Act“ am 23. Dezember 1913 unter dem demokratischen Präsidenten Woodrow Wilson in einer quasi Nacht- und Nebel Aktion einen Tag vor Weihnachten im Weißen Haus gelegt. Viele Abgeordnete hatten sich damals bereits in die Weihnachtsferien verabschiedet. Als erste der zwölf Fed-Banken wurde am 18. Mai 1914 die Fed of New York gegründet.

Die Fed ist zwar per Gesetz dem US-Kongress gegenüber rechenschaftspflichtig, aber dem Staat gehört sie nicht. In dieser Woche richtet sich das Augenmerk der Anleger am Aktienmarkt daher auf die Ausführungen des momentan wohl einflussreichsten Geldpolitikers, dem Präsidenten der Fed Jerome Powell, der um 18:30 Uhr MESZ dem Finanzausschuss des Abgeordnetenhauses des US-Kongresses die extremen Hilfsmaßnahmen der Notenbank im Rahmen der Corona-Krise erläutern. Die Marktteilnehmer erwarten sich zudem Hinweise auf weitere Maßnahmen „unkonventionelle Maßnahmen“, wie z. B. die Deckelung der Kapitalmarktzinsen (Kontrolle der Zinsstrukturkurve durch die Fed), die zuletzt währen des Zweiten Weltkgriegs praktiziert wurde. Dabei werden die Zinsen über alle Laufzeiten gedeckelt, unabhängig von der Inflationsrate.

Zurück zur Fed of New York, die quasi eine Fed in der Fed ist – mit einer Besonderheit: Sie ist eine Privatbank im Besitz von Investmentbanken und Kreditinstituten. Deren Interesse gilt sehr wohl den eigenen Geschäftsinteressen, die immer dann gewahrt sind, wenn es dem Aktienmarkt gut geht. Und es ist auch kein Zufall, dass abgesehen vorn der geografischen Nähe zur Wall Street und den „guten Kontakten“ zu den Händlern eben jene Fed of New York für alle Offenmarktgeschäfte des Federal Reserve Systems zuständig ist – also für das Erschaffen und Ausgeben des Notenbankgeldes.

Dabei entscheidet die Bank über die zu kaufenden Assets, die in Frage kommenden Schuldner und sogar ohne jede Ausschreibung über die Vermögensverwalter, die in den Erwerb und die Verwahrung der Vermögenswerte mit einbezogen werden, gegen Honorar der angeheuerten Privatinstitute.

Aufgrund dieser Interessenverflechtung und Machtverteilung innerhalb der US-Notenbank ist die Erweiterung des Fed-Mandats in Richtung Käufe am Aktienmarkt nur noch wenige signifikante Korrektur am Aktienmarkt entfernt. Der US-Notenbankgouverneur Steven Rosengren hat diese zusätzliche Erweiterung des Fed-Mandats bereits mehrfach in US-Medien gefordert und einen Weg vorgeschlagen, wie er in Japan bereits seit Langem beschritten wird: den Aufkauf von Aktien- und REIT-ETFs. Im zweiten Schritt wäre dann auch der direkte Kauf von Aktien am Sekundärmarkt denkbar, wie sie aktuell bereits die Schweizerische Nationalbank (SNB) betreibt. Während des jüngsten Corona-Crashs trat die SNB sogar ungewöhnlich aggressiv am Aktienmarkt als Käufer auf. Das ist eine geldpolitische Steilvorlage für die Fed. Denn was die relativ kleine SNB mit einer Bilanzsumme von 843 Mrd. Franken kann, dass kann die mächtigste Notenbank der Welt schon lange.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Einfluss des US-Präsidenten auf den Fed-Präsidenten Jerome Powell, den Donald Trump persönlich ins Amt gehoben hat, in der Coronakrise gewachsen ist, dann sollte man die Fed in Zukunft nicht nur als Gläubiger der letzten Instanz mit ins Kalkül ziehen, sondern auch als Käufer der letzten Instanz am Aktienmarkt. Schließlich stehen Wahlen bevor und es sieht nicht gut aus für den Amtsinhaber. Die nächste heftige Korrektur der nur dank der Fed noch stabilen Situation am Aktienmarkt kommt, ebenso wie die Aktienkäufe der Fed. Verlassen Sie sich darauf!

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Kollapsi

    30. Juni 2020 09:44 at 09:44

    Wer haftet denn wenn die FED eine Privatbank ist, denn die muss ja nur Schrott zusammenkaufen um zu stützen.Der Unterschied zur SNB. Die SNB druckt Geld um den Franken zu schwächen.Mit dem gedruckten Geld kauft sie aber Anlagen die kaufenswert sind wie ein normaler Anleger.Das Problem ist der grosse Hebel, darum muss sie auch absichern u.irgendwann vor dem Kollaps auch verkaufen.

  2. Avatar

    jürgen

    30. Juni 2020 10:50 at 10:50

    Es kann immer etwas passieren, was auch die FED hilflos macht, blind darauf verlassen würde ich mich nicht!!!

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