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Jeff Gundlach warnt vor Folgen der Negativzinsen

FMW-Redaktion

Jeff Gundlach gilt als einer der besten Strategen der Wall Street. Er verwaltet mit seiner Firma DoubleLine Capital 95 Milliarden Dollar und ist seit Jahren in allen Performance-Ranglisten ganz weit oben. Sein Wort hat also Gewicht, weil seine Prognosen in der Vergangenheit eine überragende Trefferquote hatten: so 2014, als er die totale Außenseiter-Meinung vertrat, dass die Renditen für US-Staatsanleihen fallen würden. Und vor allem 2015, als er – auch hier wieder alleine auf weiter Flur – den Absturz der Ölpreise prognostizierte.

Gestern war es wieder so weit: Gundlach veranstaltete einen Webcast, um seine Ansichten zu den Märkten mitzuteilen – ein event, das inzwischen Kult-Status hat. Darin vertrat er die Auffassung, dass die Fed so schnell keine weitere Zinsanhebung mehr vornehmen werde, die Zinsanhebung im Dezember sei mit zunehmender Wahrscheinlichkeit ein „one and done“-Szenario gewesen. Und wenn die Fed die Füsse still halte, habe sie dafür sehr gute Gründe: das BIP der USA sei klar unter Abwärtsdruck, wie auch der von der Atlanta Fed ermittelte GDPNow Indikator zeige, wonach das BIP im ersten Quartal unter 1% gelegen haben dürfte. Dazu habe Janet Yellen praktisch klar gemacht, dass die Fed „konservativ“ bleibe, schon weil Zinsanhebungen in einem Wahljahr grundsätzlich problematisch seien.

Für den Leitindex S&P prognostiziert Gundlach bestenfalls eine Seitwärtsbewegung, weil die Zahlen der US-Unternehmen zunehmend schwächer würden. Auch die Zeit des „einfachen Geldes“ an den Junk-Bond-Märkten sei nun vorbei – die Rating-Abstufungen in diesem Sektor erinnerten ihn stark an die Entwicklungen 1998 und 2007/2008 – bevor es dann zur Krise kam.

Nun zeige sich, so Gundlach, dass die Negativzinsen „zurückschlagen“ („backfire“) – das könne man am besten in der extremen Entwicklung beim Dollar-Yen mit der Yen-Stärke sehen. Entgegen der Absicht der Notenbanken werde damit nicht die Deflation bekämpft: negative Zinsen seien nicht deflationär, sie seien die Deflation selbst – weil Millionen Menschen Geld dadurch verlören.



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2 Kommentare

  1. Ein klasse Zitat:
    „negative Zinsen seien nicht deflationär, sie seien die Deflation selbst“

  2. Letztendlich sieht es so aus, als ob man wohl eher die Quadratur des Kreises versuchen wollen wird: Deflation und Inflation gleichzeitig. In dem Glauben daran, daß sich beides aufhöbe und man währenddessen die Schulden abbauen könne, nur daß das so eben nicht funktionieren wird (mit dem Rest, der davon ab- und zusammenhängt).

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