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Katalonien: das nächste „große Ding“ in Europa nach Griechenland?

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Am Sonntag finden in Katalonien die Regionalwahlen statt – und ein klarer Sieg der Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens könnte zu Ereignissen führen, die an die Grexit-Debatte im Sommer erinnern dürften. Umfragen zeigen, dass die Befürworter der Unabhängigkeit mit einer Mehrheit im Parlament rechnen können (angeführt von einer zwei Parteien-Koalition unter Führung des katalonischen Präsidenten Artur Mas).

Barcelona
Barcelona, Zentrum Kataloniens
Foto: Canaan, Wikipedia Creative Commons 3.0

Warum will Katalonien die Unabhängigkeit? Um das zu verstehen, ein kurzer Blick in die Geschichte:

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1700-1713) entbrennt ein Kampf um die Herrschaft zwischen den Königshäusern Bourbon und Habsburg. Kastilien, also die Region mit Zentrum Madrid, steht auf der Seite der Bourbonen, Katalonien mit Zentrum Barcelona auf Seiten der Habsburger. Die Bourbonen setzen sich durch, mit der Einverleibung Kataloniens gründet sich faktisch der moderen Staat Spanien. Für Madrid, und das ist zentral, ist der Sieg über die Katalanen der Gründungsakt ihres Staates – und kann und darf daher keineswegs rückgängig gemacht werden.

Katalonien besitzt eine eigene Sprache, die eher dem Italienischen als dem Spanischen ähnelt (angereichert mit französischen Elementen). Die einverleibte Region wurde insbesondere in der Franco-Zeit unterdrückt, als das Sprechen des Katalanischen in der Öffentlichkeit verboten war. Nach dem Tod Francos und der Demokratisierung Spaniens entspannte sich die Situation: Katalonien bekam Autonomierechte, es gab praktisch keine Unterstützung für die Unabhängigkeit von Spanien.

Das änderte sich schlagartig mit einer Verfassungsänderung im Jahr 2010, die viele der Autonomierechte Kataloniens wieder einkassierte und die Zentralisierung Spaniens vorantrieb. Die Verfassungsänderung war zustande gekommen auf Druck des Partido Popular, der Partei des derzeitigen Ministerpräsidenten Rajoy. Der Partido Popular ist in vielerlei Hinsicht ein Erbe Francos – viele Funktionsträger der Partei sind direkte Nachkommen von wichtigen politischen Figuren der Franco-Zeit. Sie halten verbissen an der unverbrüchlichen Einheit Spaniens fest: der spanische Verteidungsminister etwa drohte kürzlich indirekt sogar mit einem Einmarsch des Militärs im Falle einer Unabhängigkeitserklärung, Notenbankchef Linde, ein Vertrauter Rajoys, drohte mit dem sofortigen Euro-Rausschmiss. Warum dieser Eifer?

Katalonien umfaßt 15% der Bevölkerung Spaniens, trägt aber 20% zum BIP des Landes bei, ist also bei weitem die stärkste Wirtschaftsregion in Spanien. Die katalonische Wirtschaft ist größer als die Wirtschaft Portugals – und das gibt der Unabhängigkeitsfrage ihren explosiven Charakter: wäre Spanien ohne Katalonien überlebensfähig? In einem ersten Schritt etwa könne Katalonien sich weigern, die eingenommenen Steuern nach Madrid abzuführen – das wäre ein herber Schlag für die finanzielle Lage Spaniens.

Katalonien fühlt sich von Madrid gegeängelt, ausgepresst. Es gibt nur wenig Investionen der Zentralregierung in der Region, umgekehrt müssen die Katalanen andere Regionen Spaniens über eine Art Länderfinanzausgleich finanzieren. Mit einem Wort: die Katalanen dürfen bezahlen, während gleichzeitig ihre Autonomierechte seit 2010 drastisch beschnitten wurden. Die Konservativen in Spanien hingegen lassen jede Kompromißfähigkeit vermissen – eben unter Verweis auf die 2010 geänderte Verfassung.

Was wollen die Befürworter der Unabhängigkeit? Nachdem Versuche einer größeren Autonmie am Widerstand vor allem des Partido Popular immer wieder scheitern, haben sie ihre Hoffnungen auf eine Lösung aufgegeben – und wollen nun ihr Schicksal durch eine Unabhängigkkeit in die eigene Hand nehmen. Sie sind extrem proeuropäisch, Bürger Kataloniens kann sein, wer sich zugehörig fühlt – unabhängig von der Herkunft, Sprache etc. Es sind also Modernisten, denen die extrem konservativen Regierungsvertreter Spaniens gegenüberstehen, die eine völlig andere gesellschaftspolitische Vision vertreten. Es geht letztlich auch um Grundwerte, die für Europa insgesamt prägend sein sollen – Moderne gegen Vertreter einer historisch belasteten Tradition (Franco). Hierin vor allem liegt die Bedeutung dieser Auseinandersetzung jenseits Spaniens. Es geht um das Europa, wie wir es uns vorstellen – und das geht daher auch uns in Deutschland etwas an!

Am 11.September – dem Nationalfeiertag Kataloniens in Erinnerung an die Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg – demonstrierten in Barcelona zwei Millionen Menschen für die Unabhängikeit. Das war die größte politische Demonstration in der europäischen Geschichte!

https://twitter.com/raf_jaime/status/642375451348992000/photo/1

Und die Befürworter erhalten weiteren Zulauf, weil die Regierung in Madrid Fehler nach Fehler begeht: so machte Ministerpräsident Rajoy in einem Radiointerview in dieser Woche eine denkbar ungünstige Figur. Madrid entsandte zu einer Diskussion im katalanischen Fernsehen den Aussenminister – warum nicht den Innenminster? So gibt Madrid den Katalanen das Gefühl, letztlich als Ausland wahrgenommen zu werden, während Madrid alles unternimmt, um jede Form der Unabhängigkeit im Keim zu ersticken. In dieser Woche hat die spanische Post auf Geheiß der Regierung Rajoy alle Post-Mitarbeiter angewiesen, dass keine Überstunden gemacht werden dürfen – wohl in der Hoffnung, dass dann viele Stimmen von im Ausland lebenden Katalanen nicht mehr rechtzeitig eintreffen.

Und dann der Skandal, den man als „Translation-leaks“ bezeichnen könnte: ein Abgeordneter des Partido Popular bat EU-Kommissionspräsident Juncker um eine Stellungnahme zur Katalonien-Frage. Juncker antwortete nur knapp: da mischen wir uns nicht ein. Doch der Abgeordnete des Partido Popular präsentierte der Öffentlichkeit ein Dokument, das die Aussagen Junckers geradezu verfälscht: hier ist plötzlich die Rede von der unabänderlichen Einheit Spaniens, die nicht von einem Regionalparlament (also vom katalonischen Parlament) in Frage gestellt werden dürfe:

Traslation-leaks
(Links der Originaltext Junckers, rechts die vom Abgeordneten des Partido Popular präsentierte Version)

Madrid greift also tief in die Trickkiste, um die Abspaltung Kataloniens zu verhindern. Doch läßt man sich bei diesen Tricks ungeschickterweise erwischen – und sorgt so für weiteren Zulauf der Unabhängikeitsbewegung.

In deutschen Medien kommt das Thema Katalonien praktisch nicht vor. Es ist jetzt aber hohe Zeit, dass wir uns mit diesem Thema intensiver befassen. Sollten die Befürworter der Unanhängigkeit nicht nur die Mehrheit im katalonischen Parlament bekommen, sondern mehr als 50% der Gesamtstimmen (ländliche Regionen werden im Wahlrecht bei der Entsendung von Abgeordneten etwas bevorzugt, um die Dominanz Barcelonas nicht zu drückend werden zu lassen) bekommen, droht ab Montag ein politisches Erdbeben in Europa. Denn Spanien hat ein anderes Gewicht als Griechenland – wenn Katalonien sich abspaltet oder die Konfrontation mit Madrid sich zuspitzt, wird das auch an den Finanzmärkten nicht gerade spurlos vorbei gehen!

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    Jörg

    25. September 2015 13:26 at 13:26

    Ein sehr erhellender Artikel! Ich hatte zuvor überhaupt keine richtige Vorstellung der Lage in Spanien.
    Danke!

    • Avatar

      Siegfried Linden

      25. September 2015 21:33 at 21:33

      Rajoy wird auch nicht davor zurückschrecken, das Militär einzusetzen.

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    joah

    25. September 2015 13:37 at 13:37

    Wo ein Wille, da ein Weg. Wo eine Gemeinschaft, da eine Bewegung.

  3. Avatar

    Oliver

    25. September 2015 14:38 at 14:38

    Warum kommt es in den Mainstream Medien nicht vor ? Wie leider so vieles … Das Volk darf nur das Wissen , was es wissen soll !!!!
    Danke für den TOP Artikel ….

    VG und schönes WE

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    Stefan

    25. September 2015 15:11 at 15:11

    Danke für den aufschlussreichen Artikel!
    Wieder eine Wissenslücke geschlossen…
    Wenn wir hier vernünftige Journalisten hätten und keine transatlantischen Mietmäuler, dann würde man auch mal über die Zusammenhänge und Hintergründe in den Nachbarländern informiert.

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    Selbstschutz hat Priorität

    25. September 2015 17:05 at 17:05

    Da wünsche ich den Kataloniern einen vollen Erfolg.
    Ja, es ist ein wohlweislich verschwiegenes Thema in unseren Medien und das hat auch seinen Grund.

    Was wäre, wenn in der BRD solche Gedanken plötzlich anstünden oder zur Nahrung zu intensiveren Wut-Bürger-Protesten würde?

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    aLf

    25. September 2015 18:03 at 18:03

    Mehrere Millionen Deutsche demonstrieren – das wäre cool!

    “The people have the power, all we have to do is awaken that power in the people. The people are unaware. They’re not educated to realize that they have power. The system is so geared that everyone believes the government will fix everything. We are the government.”—John Lennon

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    Paco

    25. September 2015 19:18 at 19:18

    Wie würde denn Berlin reagieren, wenn z.B. Bayern die Unabhängikeit von Deutschland wollte?

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    Jordi

    26. September 2015 08:36 at 08:36

    Diese Artikel erzählt nur lügen, Spanien ist viel mehr als was da steht, und Cataluña region ist viel weniger als hier erzählt, Ich bin der Meinung jemanden sollte sich erstmal informieren vor so ein Artikel zu schreiben. Cataluña verkauft viel mehr zum Aragon (region daneben) als ganze Frankreich zum Beispiel, eigene Sprache? wieder Falsch… diese Sprache ist in 4 regionen gesprochen Aragonien, Katalonien, Valencia und Balearen (Mallorca usw) die waren nie unabhängig und die sind nicht von weit die grosste economie, haben viele Industrie einfach weil eine Grosse stadt ist aber wenn in Rest von Spanien diese Produkte (die viele aus Internationale Firmas sind) nicht mehr kaufen würden die noch kleiner sein und noch mehr arbeitslosichkeit usw… Alles ist ein Teather und diese Zeitung sollte besser sich informieren

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      Siggi50

      26. September 2015 11:14 at 11:14

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      Pere Grau

      26. September 2015 15:42 at 15:42

      Leider, Jordi, wer absolut nicht informiert ist, sind Sie. Natürlich ist Katalanisch nicht nur die Sprache Kataloniens sondern aller Länder die von Katalonien aus, von den Mauren zurückerobert wurden. Eigene Sprache heißt, dass sie kein Dialekt einer anderen ist. Katalonien verkauft nur ein 19 % seiner Produktion in Restspanien. und ein spanischer Boykott würde sehr wenige Schaden anrichten. Und Katalonien, Valencia und Mallorca waren wohl bis 1714 unabhängig als mit Kastilien konföderierte Königreiche. Der Artikel ist sehr wohl gut recherchiert, während Sie, leider auf die ultranationalistische Propaganda der spanische Politik hereingefallen sind.

    • Avatar

      Joanet

      29. April 2017 19:47 at 19:47

      Ich finde, dass hier viel mit irgendwelchen Pseudo-Fakten herumgeworfen wird, besonders von Jordi (que per cert, t’escau més el nom Jorge que no pas Jordi, pel que escrius eh!). Katalonien war vielleicht kein unabhängiger Staat, aber sehr vor ein Teilstaat der Krone von Aragonien, die mit „Spanien“ nichts zu tun hatte. Selbst nach der Vereinigung der Kronen von Aragonien und Kastilien, behielt Katalonien seine Eigenständigkeit bei. Seit 1714 unterdrückt die Zentralregierung in Madrid sowohl Katalonien, als auch die anderen ehemaligen Teilreiche der Krone Aragoniens (besonders Valencia und Balearen). Wie kommt’s, dass ausgerechnet der „Arco Mediterráneo“ (Mittelmeer-Bogen), als Katalonien, Balearen und Valencia (und in geringerem Maße Murcia) die am stärksten ausgebeutete Region Spaniens ist? Es ist unglaublich, wie du die Propaganda vom ABC, El Mundo, La Razón, 13 TV und dem PP einfach so nachplapperst. Du hast in einem Punkt recht, bis 2005 wollten nur 13% der Katalanen die Unabhängigkeit. Aber es hat sich was geändert, amic meu. Nachdem der PP über 4 Mio. Unterschriften gegen das katalanische Statut gesammelt hatte, auf einem Meeting mit über 200.000 Teilnehmern gegen Katalonien wetterte, Spanien als unteilbare Nation etc. darstellte und mit „España, España“ Rufen belohnt wurde und daraufhin alles unternahm, um das ohnehin schon stark beschnittene Statut noch weiter zu beschneiden, ist nach dem Urteil des Verfassungsgericht im Jahr 2010 vielen Katalanen der Kragen geplatzt. Wenn dieses Statut nicht in Spanien passte, dann passte Katalonien auch nicht länger in Spanien. Selbst die Versuche, ein neues Finanzierungsmodell zu finden, wurde von der PP immer verhindert. 16 Milliarden Euro verliert Katalonien jedes Jahr an Spanien, das ist ein angehäuftes Defizit von fast 300 Milliarden € in der Zeit von 1986 und 2012. 8% des BIP zahlt Katalonien in den Länderfinanzausgleich, normal wären um die 4% (Bayern, Baden-Würtenberg, etc.). Von den versprochenen Infrastrukturen kommt nichts an. Seit Jahrzehnten verspricht die Zentralregierung den Corredor del Mediterráneo, bis heute ist er nicht fertig gestellt. Mehr noch, Madrid wollte den Mittelmeer-Korredor sogar erst durch die aragonesischen Pyrenäen bis nach Madrid leiten, anstatt ihn am Mittelmeer zu errichten. In 20 Jahren sind in Madrid 800 km Autobahn (autovías) entstanden, in Barcelona bloß 20km. Madrid boykottiert ganz bewusst, um so die Wettbewerbsfähigkeit Kataloniens zu senken (hier siehst du den Vergleich https://blogaldeaglobal.files.wordpress.com/2012/06/carreteras.png).
      Und zu Peter Müller…ja, Unternehmen sind abgewandert, warum? Weil Madrid mittlerweile eine viel bessere Infrastruktur hat (und man in alle Regionen Spaniens kommt, ohne Maut zu bezahlen, während man in Katalonien überall Maut bezahlen muss). Außerdem kommt man mit dem AVE (Hochgeschwindigkeitszug) von Madrid aus ÜBERALL hin, von Katalonien aus kommt man nur nach Madrid. Spanien ist nach China das Land mit den meisten km an Hochgeschwindigkeitsnetzen (warum?!) und es gibt nicht einen einzigen Km, nicht einmal zwischen Barcelona-Madrid, der rentabel ist…jeder Km AVE macht Verluste. Warum erwähnst du nicht auch die ganzen Unternehmen, die sich in derselben Zeit in Katalonien niedergelassen haben? Der spanische Staat schuldet Katalonien 8 Mrd. €, doch anstatt diese Schulden zu bezahlen, muss die katalanische Regierung Kredite vom Staat anfordern, um die Rechnungen zu bezahlen, Kredite mit Zinsen…Es wurde x-mal versucht, mit Madrid ein neues Finanzierungsmodell für Katalonien zu verhandeln, Madrid hat IMMER abgelehnt. Man kann seine reichste Region aber nicht ewig ausbeuten…Ich selbst bin nicht für die Unabhängigkeit. Anders als viele Katalanen habe ich noch die Hoffnung, dass Spanien einlenkt…Katalonien als Nation anerkennt, Spanien als einen plurinationalen Staat anerkennt und ein richtiges föderatives System einführt, in dem es natürlich auch Solidarität zwischen den Teilstaaten gibt, aber mit Prozentsätzen, die die reichste Region Spaniens (nach dem BIP) nicht plötzlich auf den 4. oder 5. Platz rutschen lässt, wenn es um das BIP pro Einwohner geht. Diese Hoffnung haben mittlerweile wieder mehr Katalanen, besonders seitdem bei den Parlamentswahlen 2016 Podemos, die ein bindendes Referendum für Katalonien im Wahlprogramm hatten, über 20% der Stimmen bekam. Denn das wollen fast alle Katalanen, egal ob sie die Unabhängigkeit wollen oder nicht: ein Referendum. Sie wollen endlich legal befragt werden. Deshalb ist dieser Prozess zutiefst demokratisch, und erschreckt die politischen und wirtschaftlichen Eliten Spaniens. Denn jeder weiß, dass die Demokratie in Spanien, heute mehr noch als vor 40 Jahren, eine Fars ist und eher ein Deckmantel für die Korruption ist, als die Rechte der Bürger zu garantieren.

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    Jörg

    26. September 2015 12:15 at 12:15

    @Jordi
    Ihre pauschale Behauptung: „Diese Artikel erzählt nur lügen, ist selbst unwahr – zumindest aber unglaubhaft. Diese schon wegen des Wortes „nur„.
    Daß die katalanische Sprache auch anderswo gesprochen wird, widerlegt nicht wirklich die Tatsache einer eigenständigen Sprache in Katalonien – anders als die von Madrid bzw. Andalusien usw. Auch die BRD hat eine eigene Sprache („Deutsch“) – obwohl diese auch in der Schweiz, in und in Luxemburg gesprochen wird – und vor ein paar Jahrzehnten sogar noch in Siebenbürgen (Rumänien).

    Auch ob „Cataluña mehr zum Aragon verkauft als Frankreich“ (oder das riesige Indien? Oder die Mongolische Volksrepublik?), widerlegt nicht die hier aufgestellte Behauptung über die herausragende Wirtschaftkraft Kataloniens.

    Fasziniert hatte mich an dem Artikel hier, die Ausführungen über die (mir leider nicht ausreichend bekannten) politischen Hintergründe und insbesondere über den heutigen Franco-faschistischen Hintergrund. Wenn Sie, user Jordi, dazu noch – ergänzende oder bestreitende – Ausführungen machen könnten, würde das hier von den Lesern sicherlich mit großem Interesse verfolgt werden.

    • Avatar

      Jordi

      26. September 2015 23:57 at 23:57

      @Jörg Natürlich gibt es viele Gründen zu bestätigen dass diese Wahl einfach ein Teather ist. Hier kann man sehen dass sehr abhängig von die anderen Regionen sind weil einfach zu eine Land gehört, die exportieren nicht mehr als die anderen oder die sind nicht mit der Schweiz vergleichbar (so sagen die) nur als Ausrede zu gründen dass diese unabhängigkeit möglich wäre, die sind alle Blind, sogar TV3 ist so was wie Maduro in Venezuela, die haben der mehr angesehende TV gekauft und nur independant parteis dürfen da sprechen. Das in alle Länder heisst diktatur und Manipulation. Hier Daten von Cataluña Wirtschaftmarkt: (es gibt auch andere Webseiten mit gleiche Ergebnis)

      http://www.libremercado.com/2015-09-17/el-riesgo-comercial-que-mas-oculta-cataluna-vende-mas-a-cantabria-que-a-eeuu-1276557199/

      Wenn die mehr zu Aragon verkaufen als ganze Frankeich ist sehr lustig wenn die sagen dass die nicht abhängig zu Rest aus Spanien sind, die verkaufen mehr zum Cantabria als zum USA, auch schöne Beispiel.

      2- Die wollen eine Unabhänhigkeit a la Karte, das heisst, die haben kein Geld um die Rente zu bezahlen oder sogar die Social Security und natürlich wollen das Spanien das weiter zahlt. Natürlich wollen die Euro halten und natürlich dass Barsa anstatt mit dem bekanntesten Katalonische Teams wie Llangostera oder Girona , mit Spanische Liga immer weiter spielt. und so weiter und sofort. Wir sind nicht so blöd wie die denken, wir waren immer ohne Stimmung und jetzt können wir auch laut sagen dass alles was die sagen falsch ist. Du kannst einfach die Flage von Aragonien und Katalonien in internet raus suchen. Du werdest sehen dass die Katalonien hat absolut keine Persönlichket, ist einfach eine Kopie von die Aragonische aber ohne Wappen, die Wappen mit eine Kröne, die Kröne aus Aragonien wo Katalonien immer datu war. Es gibt viele manipulierte Gesichte die die selbst schreiben aber ist alles Betrug, nur wircklich die Flage sagt alles. Die haben auch viele Sachen von die Geschichte geklaut, Beispiele sind die Papieren aus die Aragonische Königreich wo stehen alle die Geschichte aus Valencia, Mallorca oder Zaragoza und die liegen jetzt da, die waren in der Nacht geklaut von die Castellianische Stadt von Salamanca und die sind seit lange beantrag von Stadten wie Valencia , Mallorca oder Zaragoza, bis jetzt ohne Erfolg, einfach weil die mehr sind. Die haben auch geklaut Religiosche Kunst von Huesca und wollen die nicht zurück geben obwohl der Vatikan häufig durch dennen Rechtanwälde bestätigt hat dass die müssen zurück zu die originale Kirchen und Katedralen. Mit solche Feinheiten und betrügen kann man von dennen nicht mehr glauben.
      Anderes Thema ist das in jedes Land es gibt eine Konstitution, und regeln, das passiert überall in ersten Welt. (auch in Deutschland) wenn die ein Referendum wollen müssen das zum Spanische regierung anmelden und rest von Bundesländer zustimmen, so funktioniert die Konstitution und demokratie, die haben es nicht nur so was nicht verschut sondern haben das einfach selbst entschieden ohne fragen das zu machen, deswegen ist mehr ein Zirkus als einen echten Wahl.

      Anderes Thema früher waren Katalaner nicht so, Spanien gehört zu die Spaniards und diese Stück ist Spanien, dass jetzt haben die Geschichte manipulliert und die Meinung von diese Menschen gekauft und langam geändert kann nich sein. Viele von diese Menschen kommen von anderen Spanische regionen, genau wie in Deutschland passiert die leute bewegen sich einfach. Kannst du dich vorstellen dass jemanden der in Sevilla aufgewachsen ist, der gleich der da zum Beispiel 30 Jahren in Sevilla gewohnen hat und seine Familie da ist kann nach 3 Jahren sagen wir sind anders und wollen unabhängig sein? Blöd oder? so passiert, so gross ist diese Brainwash, ist echt unmöglich die etwas zu erzählen , die wollen nicht anhören weil die wissen die genau wie die anderen sind, und klingt natürlich cool wenn du sagst dass du bessere als die anderen bist. In Spanien jede Region ist besonderes mit starke persönlichkeiten nicht nur dennen, Galizien, Asturien, Vasquenland, Andalusien, Aragonien, Valencia usw egal an die Ecke die du sehen möchtest. Spanien sind alle zusammen ohne jemanden würde keine Spanien mehr und alle würde zerbrochen sein genau wie in Frankreich oder Deutschland oder Belgien oder Italien wenn diese Bundesländer von sich selbst ohne die Regeln zu verfolgen unabhängig selbst sich proklamieren. Sowas sagt den Artikel nicht und wäre es sehr wichtig um neutral zu sein. Alles diesen Wahl ist einfach ein Zirkus die alle die Politiker erlaubt haben.

      VG

  10. Avatar

    Jörg

    27. September 2015 17:23 at 17:23

    @Jordi
    1.) Die Frage der völkerrechtlichen Rechtmäßigkeit der Abspaltung einer Region von einer Zentralregierung hängt nicht von so etwas wie einer „kulturellen Identität“ ab.
    Wir dürfen auch nicht vergessen, daß es gerade (auch) die spanische Zentralregierung in Madrid war, die die gezielte und mehrfache Zerschlagung der „Bundesrepublik Jugoslawien“ betrieb. Zunächst wurde von den Nato-Ländern – insoweit auch: Spanien – der Kosovo von Serbien abgespalten. Dies obwohl die Bevölkerungsmehrheit im Kosovo serbisch war und sich „kulturell“ oder „ethnisch“ nicht von restlichen Serbien unterschied. Erst durch die systematische Vertreibung der Serbischethnischen (gerade auch durch die Bundeswehr!) waren die kulturell wie religiös deutlich anderes geprägten Albaner dort plötzlich in der Mehrheit. Der Staat „Bundesrepublik Jugoslawien“ nannte sich (unter einem von der Nato in Belgrad an die Macht gehievten Präsidenten) dann um in „Union von Serbien und Montenegro“. Darauf wurde die (ebenfalls völlig rechtswidrige) Abspaltung Montenegros von Serbien betrieben – wiederum unter Beteiligung Madrids! Erneut mußte der Staat umbenannt werden und heißt heute „Republik Serbien“.

    Was ich sagen will: Gerade ‚die Spanier‘ und die Zentralregierung in Madrid haben seit der verbrecherischen Mißhandlung der Bundesrepublik Jugoslawien m. E. (= „meines Erachtens“ – viel besser als das engl. „imho“) jedes Recht verloren, Abspaltungen von eigenen Landesteilen zu widersprechen.

    2.) Dessen ungeachtet ist Spanien erneut eine Diktatur. Siehe dazu:
    a) http://blog.fefe.de/?ts=ab6bea0d
    b) http://www.thelocal.es/20150701/the-ten-most-repressive-aspects-of-spains-new-gag-law
    c) http://www.hintergrund.de/201507023597/politik/politik-eu/spanien-fuehrt-polizeistaat-ein.html
    d) http://www.heise.de/tp/artikel/45/45321/1.html

    Die – vollständige oder auch nur partielle – Wiedererrichtung eines francofaschistischen Staatswesens in Spanien gibt selbstverständlich das Recht zum Widerstand. Und „Widerstand“ kann auch in einer vorrübergehenden oder sogar endgültigen Abspaltung bestehen.

    3.) Trotz des Vorstehenden würde ich eine Abspaltung Kataloniens allerdings durchaus nicht begrüßen! Statt dessen würde ich mir wünschen, daß alle(!) Spanier sich gegen die jüngste und beunruhigende Entwicklung wenden. Dasselbe würde ich mir allerdings auch für die BRD wünschen – aber ich mache mir da keine Illusionen!

    Hinzukommt, daß ich immer das US-israelische Imperium (zur beherrschenden Macht nicht nur der USA sondern auch gerade Israels in der BRD siehe z. B.: http://www.welt.de/politik/ausland/article140774811/Israel-kauft-vier-deutsche-Kriegsschiffe.html ).wittere, wenn Nationen zerschlagen werden. Letzteres gilt auch für die völlig schwachsinnige Aufspaltung der Tschechoslowakei vor ca. 20 Jahren.

  11. Avatar

    Udoli 59

    27. September 2015 21:12 at 21:12

    Wenn bei einem Sieg der Katalogen Europa mit Pauken und Trompeten krachen geht hat man einen Schuldigen gefunden. Und weil man den sucht um das eigene Unvermögen zu vertuschen und man mit solchen Auswirkungen nicht gerechnet hat, wird man sagen, hört man bis
    jetzt nichts davon. Sie hoffen noch, das es wie in Schottland
    nicht funktioniert. Schade für den Rest der Spanier !

  12. Avatar

    Peter Müller

    17. Mai 2016 23:54 at 23:54

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin Deutsch-Spanier mit Studium in WiWi in Deutschland, UK und Spanien (Madrid und Barcelona) und habe noch nie so viel Unsinn gelesen. Wirtschaftsstärkste Region nach dem Pro-Kopf-Einkommen ist die kleine Provinz Madrid. Sie erwirtschaftet etwa das Gleiche wie die gesamte Region Katalonien. Auch wandern immer mehr Unternehmen von Katalonien nach Madrid ab. Die modernen und innovativen Unternehmen, vor allem im Bereich Informatik und Internet befinden sich nahezu alle in Madrid. Mandanten von mir sind in den letzten Jahren von Barecelona nach Madrid abgewandert. Weitere werden folgen.

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Tesla-Quartalszahlen: Erwartungen übertroffen, Aktie steigt nachbörslich

Claudio Kummerfeld

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Ein Tesla-Auto von innen

Die Tesla-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 8,77 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 6,3/zweites Quartal 2020 6,04/erwartet für heute 8,26).

Der Gewinn liegt bei 0,76 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal +1,91/zweites Quartal 2020 +2,18/erwartet für heute +0,56).

Die „Automotive gross margin“ steigt im Jahresvergleich von 22,8 Prozent auf 27,7 Prozent.

Der Sonderumsatzposten „regulatory credits“ trägt 397 Millionen Dollar zum Autoumsatz bei, im Vorquartal waren es 428 Millionen Dollar.

Der Free Cash Flow steigt im von 418 Millionen Dollar im Vorquartal auf 1,395 Milliarden Dollar.

Die Aktie von Tesla reagiert nachbörslich mit +3,2 Prozent.

Datenblatt zeigt aktuelle Tesla-Quartalszahlen

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Tesla-Quartalszahlen heute Abend – hier eine kurze Vorschau

Claudio Kummerfeld

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Ein Tesla-Auto

Tesla meldet heute Abend seine Quartalszahlen. Wir werden dann umgehend berichten. Hier eine kurze Vorschau. Vor genau einem Jahr lag der Quartalsumsatz noch bei 6,3 Milliarden Dollar, im zweiten Quartal 2020 waren es 6,04 Milliarden Dollar. Für heute liegen die durchschnittlichen Erwartungen von 15 Analysten bei 8,26 Milliarden Dollar.

Gewinnerwartung für Tesla

Beim Gewinn pro Aktie lag Tesla bei seinen Quartalszahlen vor einem Jahr bei +1,91 Dollar, und im zweiten Quartal 2020 bei +2,18 Dollar. Für heute Abend liegen die Erwartungen für das 3. Quartal bei 0,56 Dollar. Bei Tesla kommt es oft zu Überraschungen. Kann Elon Musk diese 0,56 Dollar Erwartung auch dieses Mal sensationell nach oben toppen? (mit welcher buchhalterischen Kreativität auch immer)

Auslieferungen und Steuergutschriften

Die Auslieferungszahlen für das 3. Quartal hatte Tesla bereits am 2. Oktober veröffentlicht, und die Schätzungen von 137.000 Autos für diese drei Monate übertroffen mit 139.300 Stück. Analysten erwarten auch einen weiteren kräftigen Beitrag zum Gewinn durch „regulatorische Steuergutschriften“, die Tesla an andere Autohersteller verkauft. In den letzten Quartalen haben diese Verkäufe einen netten Teil, und manchmal sogar den gesamten Quartalsgewinn ausgemacht.

Im Chart sehen wir die Tesla-Aktie im Verlauf der letzten zwölf Monate. Nach dem Aktiensplit wirkt die Aktie optisch viel günstiger, aber der reale Kursgewinn ist ja der selbe geblieben. Im Februar direkt vor Ausbruch des großen Börsencrash notierte die Aktie (Aktiensplit schon berücksichtigt) noch bei 185 Dollar, jetzt sind es 427 Dollar.

Chart zeigt Kursverlauf der Tesla-Aktie in den letzten zwölf Monaten

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Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?

Das Thema ist so alt wie die Aktienmärkte selbst: sollten man Aktien kaufen und liegen lassen – oder viel aktiver kaufen oder verkaufen? Ein Blick in die Geschichte

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Das Thema ist so alt wie die Aktienmärkte selbst: Man wählt einen Korb aussichtsreicher Aktien aus und handelt diese aktiv, indem man sie bei Unterschreiten von Limits verkauft, um bei den immer wieder auftretenden Korrekturen nicht dabei zu sein. Das Problem ist, dass zwar die Zahl der Korrekturen der Aktienmärkte zugenommen hat – aber eben auch die raschen, gegenläufigen Bewegungen, was ein grundsätzliches Problem darstellt. Man ist vielleicht rechtzeitig ausgestiegen, aber nicht mehr rechtzeitig zurückgekehrt. Der Corona-Crash lässt grüßen. Hierzu ein paar Fakten.

Aktienmärkte: Der langfristige Anlagestil

Buy and hold, als Strategie, dies wurde jahrzehntelang von Warren Buffett zelebriert, der seine Aktien im Schnitt 11 Jahre gehalten hat. Und vom unvergessenen André Kostolany – zumindest gilt dieses Adjektiv für die etwas ältere Anlegergeneration, schließlich ist der aus Ungarn stammende Spekulant bereits im Jahre 1993 verstorben. Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und dann reich werden, über diesen Spruch schmunzelt man noch heute.

Aber kann man im Zeitalter des fast gebührenfreien Daytradings und der ständig verfügbaren Information da noch mit den Märkten mithalten? Spontan könnte man mit einem „niemals“ antworten, aber ganz so einfach gestaltet sich die Sache nicht.

Der immerwährende Versuch des Markttimings

Es gibt heutzutage keine Wirtschafts- und Börsenpublikation, in der nicht die langen Zeitreihen (Charts) von Aktien und Indizes abgebildet sind. Mit den tiefen Einbrüchen und den ständig unterbrochenen Aufwärtstrends der Aktienmärkte. Da muss es doch möglich sein, ein paar Zusatzprozente zu ergattern. Tatsächlich wird dies auch ständig versucht: lag die Haltedauer von Aktien vor 30 Jahren noch bei circa zwei Jahren, so hat sich dies in der heutigen Welt der Onlinebroker im Schnitt mindestens geviertelt. Dies gilt weltweit.

Klar, dass damit die Ausschläge (Volatilität) der Aktienmärkte zugenommen haben.

Statistiken zeigen, dass von den 20 größten Verlusttagen seit dem Beginn des Wirtschaftswunders in Deutschland allein zehn seit der Jahrtausendwende stattgefunden haben. Der größte Einbruch der Aktienmärkte war merkwürdigerweise nicht der schwarze Montag, am 19. Oktober 1987, mit dem Kursmassaker an der Wall Street. Der 9,39 Prozent-Tagesverlust rangieren nur an vierter Stelle, Nummer eins ist der 16. Oktober 1989 mit minus 12,81 Prozent, gefolgt von einem aktuellen Coronacrash-Tag, dem 12. März 2020, mit minus 12,24 Prozent.

Dass diese Kurskapriolen aber auch ihr Gegenstück haben, beweist die Auflistung der besten 20 Dax-Tage seit über 60 Jahren, von denen allein zwölf seit der Dotcom-Blase geschehen sind. Fünf Tage mit Kursavancen von über 10 Prozent plus, der letzte war am 24. März mit plus 10,98 Prozent. Die Wende bei der Coronakrise, wer nur den ersten Wendetag verpasste, hat bereits einen Teil der Erholung der Aktienmärkte verpasst. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, so wird auf dramatische Art und Weise klar, was gewisse Abstinenzen vom Markt für Performanceeinbrüche verursachen können.

Lutz Neumann, Leiter der Vermögensverwaltung der Sutor Bank in Hamburg, hat die Dax-Historie im Hinblick auf die Bedeutung des Investitionszeitraums untersucht. Erste Feststellung: In sechs von zehn Fällen an großen Kurseinbrüchen gibt es bereits innerhalb der nächsten zwei Wochen die besten Tage für die Aktienmärkte. Eine Erklärung dafür ist stets sicher auch die rasche Absicherung von Anlegern, die – von der Intensität des Abschwungs geschockt – ihr Depot mit Putspekulationen absichern. Oftmalige Folge: Eine kleine Eindeckungsrally.

Die Auswertung der Dax-Historie ergab ein ernüchterndes Bild für Timingversuche: Die durchschnittliche Rendite seit der Gründung vor 33 Jahren beträgt gute sieben Prozent, gleichbedeutend mit einer Verdoppelung des Index, jeweils in weniger als 10 Jahren. Wer die besten zehn Tage versäumte, reduzierte seine Performance auf 4,32 Prozent, bei 20 Tagen auf 2,21 Prozent und ab 30 Tagen hätte er sich bereits ein renditeloses Indexdepot einfangen.
Jetzt könnte man einwenden, dass man nicht in den Index zu investieren brauche, bei Einzelaktien könnte man doch viele Krücken außen vor lassen.

Auch hier hat ein Fondsmanager, Sven Lehmann, vom Vermögensverwalter HQ Trust, nachgerechnet. Und zwar gleich beim derzeit sehr beliebten MSCI World:

Innerhalb von 30 Jahren schlugen ein Drittel der 1200 Aktien in ihrer Performance den Index, zwei Drittel blieben hinter der Benchmark zurück. Allerdings benötigten einige dieser Siegeraktien oft viele Jahre, um sich von zwischenzeitlichen Einbrüchen zu erholen. Das Paradebeispiel ist für mich die Kursentwicklung von Amazon, dem Highflyer der Aktienmärkte schlechthin: Im Jahr 1997 mit einem Tief von 1,32 Euro bis zum Jahr 2000 auf sagenhafte 85,50 Euro gestiegen, um dann in der Dotcom-Krise um über 90 Prozent auf 6,40 Euro abzustürzen. Was dann folgte war das Kursspektakel schlechthin, ein Anstieg auf 2979 Euro in der Spitze oder eine Performance von über 43.000 Prozent. Allerdings wiederum mit mehr als einer Kurshalbierung während der Finanzkrise.

Es ist nicht nur schwer, die richtigen Aktien herauszufiltern, auch diese entsprechend lange zu halten, ist eine weitere Hürde für unser von Gier und Angst geflutetes Gehirnarreal.

Viele kleine Korrekturen seit der Finanzkrise

Aktienmärkte und das Timing-Problem

War nicht so einfach, seit der Finanzkrise mit Short-Spekulationen auf ide Aktienmärkte Geld zu verdienen. Nicht einmal in der Coronakrise, bei dem schnellen Einbruch und der sehr schnellen Gegenreaktion. Gerade im April während des Lockdowns kamen die ganz schlimmen Prophezeiungen.

Fazit

Es klingt immer wieder verlockend, wenn die Vertreter der aktiven Fondsbranche behaupten, dass man in Krisenzeiten nur die richtigen Aktien im Depot haben müsse, um diese Phasen zu überstehen. Nur gibt es dabei ein großes Problem: Auf diese Weisheit sind schon Tausende andere Anleger auch gestoßen, dementsprechend teuer sind diese Titel zumeist und natürlich gibt es auch die Schwierigkeit genau diese Titel zu identifizieren. Warum liegen die großen Indizes (MSCI World, S&P 500) in ihrer Performance auf längere Sicht weit vor den Produkten der Finanzindustrie?

Weil diese neben den zahlreichen Underperformern auch immer die Gewinner der jeweiligen Periode im Depot haben. Und was das Timing betrifft, also das rechtzeitige Aus- und Wiedereinsteigen iin die Aktienmärkte, darüber gibt es schon seit Jahrzehnten viele Untersuchungen – besonders aussagekräftig die des legendären Fondsmanagers von Fidelity, David Lynch: „Anleger haben mit der Vorbereitung auf oder dem Antizipieren von Marktkorrekturen viel mehr Geld verloren als in den Marktkorrekturen selbst.”

Dieses klappt nicht, weil man in schöner Regelmäßigkeit die Tage auslässt, in denen es völlig überraschend und ganz dramatisch nach oben geht.

Istv buy and hold die richtige Strategie für die Aktienmärkte?

 

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