Märkte

Energiekrise Kohlepreis vor großer Rally? Atomkraft knapp, Gas nicht erwünscht

Atomkraft ist in Europa gerade knapp, Gas soll durch Kohle ersetzt werden. Steht der Kohlepreis vor einer großen Rally?

Kohle-Bergbau

Steht der Kohlepreis vor der nächsten großen Rally hinauf zu neuen Allzeithochs? Für die Verbraucher wäre das in Sachen Strom- und Heizkosten natürlich schlecht. Aber es handelt sich um eine Art Austausch- oder Ersatzeffekt. Ist Gas knapp und begehrt, steigt der Gaspreis. Weicht man auf andere Brennstoffe wie Kohle aus, sinkt vielleicht der Gaspreis, dafür aber steigt dann der Kohlepreis. Würde man von Kohle wieder auf etwas anderes ausweichen, könnte der Kohlepreis fallen – dafür würde dann aber der Ersatzbrennstoff im Preis ansteigen – stark steigende Nachfrage treibt nunmal die Preise nach oben.

Aktuell sind gut die Hälfte der Atomkraftwerke in Frankreich abgeschaltet. Und noch ist nicht klar, ob die abzuschaltenden letzten drei AKWs in Deutschland doch noch weiter in Betrieb bleiben. Der politische Wille in Deutschland ist da – dieser Tage sollen immer mehr Kohlekraftwerke aus der Reserve ans Netz gehen. Für die Stromerzeugung soll nämlich deutlich mehr Kohle verfeuert werden, damit Gas gespart werden kann um in die Gasspeicher fließen zu können. Und Frankreich kauft Strom in Deutschland ein – da ist Kohle ein gefragter Brennstoff. Egal wie man es dreht und wendet – die Nachfrage nach Kohle ist groß, und der Kohlepreis könnte daher vor einer nächsten großen Rally stehen.

Chinas Kohle-Verbrauch im Juli lag 16 Prozent höher als im Vorjahr. Weltweit macht man sich in in Zeiten eines globalen Chaos bei der Versorgung mit Brennstoffen (als Folge des Ukraine-Kriegs) daran für den Winter vorzusorgen. Gas und Kohle sind gefragt. Auch heutige Berichte, dass viele Berliner Verbraucher wieder mit Kohle heizen wollen, zeigt den Nachfragedruck beim Endverbraucher. Gas ist zu teuer – vielleicht komme ich mit Kohle doch noch günstiger durch den Winter, so die Denkweise dahinter? Dies treibt dann wiederum den Kohlepreis nach oben – am Terminmarkt, und dann letztlich auch beim Endverbraucher.

Im folgenden TradingView Chart zeigen wir die prozentuale Entwicklung im europäischen Kohlepreis am Terminmarkt (Rotterdam) und für die USA. Der Rotterdam-Preis steigt seit Anfang 2021 um 416 Prozent, der US-Preis um 412 Prozent. Im zweiten Chart sieht man die Entwicklung seit Anfang 2022. Beide legen 198 Prozent zu. Gerät der Markt jetzt in eine neue Rally, könnten die Höchststände aus März 2022 überschritten werden, und auf lange Sicht würde es dann für die Verbraucher noch teurer werden.

Entwicklung im Kohlepreis seit Anfang 2021

Entwicklung im Preis für Kohle seit Anfang 2022



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

4 Kommentare

  1. Der CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde für Erdgas (182 g) ist wesentlich geringer als für Braunkohle (940 g). Deshalb ist es verwunderlich, dass die Grünen jetzt auf Kohlekraftwerke setzen. Wollten die nicht die Welt vor dem CO2-Hitzetot retten?

    1. @Walter A.
      Wollten die Grünen nicht die Welt vor dem CO2-Hitzetot retten?

      Erst einmal: Es sind nicht nur die Grünen mit ihren 118 Sitzen, sondern auch die SPD als stärkste Fraktion mit 208 Sitzen und die FDP mit 92 Sitzen, die auf Kohlekraftwerke setzen. Die CDU/CSU mit ihren 197 Sitzen hat auch nicht wirklich substanzielle Alternativen und praktikable Ideen auf Lager, trotz der mächtigen und hoch kompetenten PR- und Wahlkampftruppe, die sie als beste Regierung und beste Opposition ever verkauft. Die nicht vorhandenen Ideen und Konzepte der rechten und linken Extremflügel zu konkreten komplexen Problemen sind ebenfalls in der Praxis wenig hilfreich.

      Und dann tut das doch niemand aus Jux und Spaß, sondern weil es keine akzeptablen und praktikablen Alternativen gibt. Atomkraft funktioniert in warmen Sommern und kalten Wintern offensichtlich nicht ausreichend, wie uns Frankreich seit nunmehr 6 Jahren immer wieder vor Augen führt.
      Erneuerbare Energien dämpfen Strompreise und CO2-Ausstoß zwar zum Glück enorm, nur leider gibt es noch immer viel zu wenig davon. Die wurden und werden dauerhaft von Un-Grünen und Wohlstandsliberalen blockiert. Ohne die langjährige Kohl-Schröder-Putin-Merkl-Connection stünden wir jetzt bei mindestens 80% und müssten nicht über potenzielle Pupsgas-Wirtschaftsretter aus dem Kreml spekulieren.
      Russisches Gas über unsanktionierte, genehmigte und lange etablierte Pipelines fließt nicht mehr, weil Gazprom die seltsame, lächerliche und billige Posse mit der inzwischen weltweit bekannten Turbine abzieht. Für andere Pipelines braucht es offenbar gar keine dämliche Ausreden, die wurden einfach abgedreht und medial verschwiegen. Die Diskussion darüber wurde mit lautem Getöse der Kreml-Propaganda um Nordstream 2 schlicht und einfach plattgewalzt.

      Wollten die Grünen nicht die Welt vor dem CO2-Hitzetot retten?
      Was diese Ihre seichte Kreml-Propaganda angeht, basiert sie auf drei durchsichtigen und zynischen Narrativen: Die Grünen, die Welt retten, dem Verleugnen des Klimawandels.

      Selbst unser wirklich nicht linksgrün-versiffter und nicht wirklich rechts-quer-freier Verfassungsschutz konstatiert: Russland nutzt insbesondere Fragen der Energieversorgung Europas als hybriden Hebel. Mit der gezielten Verbreitung von Falschinformationen, etwa zu selbstverschuldeter Gasknappheit und Preissteigerungen, wird versucht, in Deutschland Angst vor einer möglicherweise existenzbedrohenden Energie- und Lebensmittelknappheit zu schüren. Russische Propaganda wird im extremistischen Milieu voraussichtlich noch zunehmen und Verschwörungsnarrative befeuern mit dem Ziel, einen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben.

      Womit wir erneut bei Ihrer Frage wären: Wollten die Grünen nicht die Welt vor dem CO2-Hitzetot retten?
      Sie wollten nicht nur, sie wollen noch immer.
      Sie sind die Einzigen, die in Regierungsverantwortung auch Verantwortung übernehmen.
      Sie sind die Einzigen, die ernsthaft, offen und nicht beschönigend mit den Wählern kommunizieren.
      Die Einzigen, die sich dem Problem stellen, eingestehen und transparent offenlegen, dass verantwortungsfreies Ablästern in der Opposition, Wahlprogramme und Regierungsverantwortung drei ganz verschiedene Welten sind.

      Die wesentlich interessanteren Fragen sind doch die: Was wollen Sie mit Ihren suggestiven und perfiden Propaganda-Fragen eigentlich bezwecken? Wie sehen Ihre Lösungsvorschläge aus? Warum sind Sie zu feige, die Antworten auch auszusprechen?
      Die sind doch sehr einfach und verständlich: Scheiß auf die Ukraine und in der Folge auch auf die anderen Staaten der ehemaligen UDSSR. Weitermachen wie bisher, zurück zu billigem Russland-Gas, zurück zur Marionette von Kremlins Gnaden. Jeder ist ist selbst der Nächste, extremer Wohlstand und Gewinnmaximierung für Wenige wirft auch die nötigen Brotkrumen für den großen Rest ab.

      Nur leider spielt das Ökosystem des Planeten da nicht mit. Aber das ignorieren und verleugnen wir mal lieber mit dämlichen Suggestiv- und Propagandafragen wie Wollten die Grünen nicht die Welt vor dem CO2-Hitzetot retten?

  2. Die Erneuerbare Energien (Wind/Sonne), sind im Moment leider auch nicht die Lösung weil Speicher fehlen.
    Mit 80% beziehen Sie sich sicher auf den Strom aber woher soll die Restliche Energie herkommen? Also für die Industrie, Heizungen bzw. Personenverkehr.
    Ein Ausbau dieser Erneuerbaren würde die Stabilität der Stromnetzte sogar weiter gefährden, weil die Spitzen zu hoch sind bzw. bei Dunkelflauten zu wenig Produziert wird.
    Egal wie man dazu steht aber bis Speicher entwickelt und produziert werden die den Strom auch in entsprechenden Mengen speichern können, muss man meiner Meinung nach weiterhin auf Fossile bzw. Nukleare Energie zurückgreifen. Hier würden auch langfristige Verträge helfen gegen die man sich aus unverständlichen Gründen weiterhin weigert.
    Auch Wasserstoff ist noch nicht die Lösung da Anlagen noch nicht Gebaut sind.

    Man sollte auch nicht die Wirtschaft in dem ganzen Chaos vergessen, was bringt ein CO2 freies Deutschland in dem kaum noch Industrie ansässig ist weil die Strompreise etc. zu hoch sind.

  3. Ja, das Wasser mit dem Frosch im Kochtopf muss langsam zum Kochen gebracht werden, sonst springt er aus dem Kochtopf.

    Energiekrise: Zweite Umlage auf Gaspreis geplant

    https://www.t-online.de/finanzen/unternehmen-verbraucher/id_100040828/energiekrise-zweite-umlage-auf-gaspreis-geplant.html

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage