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Kommt nach dem Boom der Knall? Australien und Kanada die Länder mit größten Risiken wegen Immobilienblase

Die Privathaushalte in Australien und Kanada sind wegen der immens gestigenen Immobilienpreise höher verschuldet als in allen anderen Ländern der Welt. Nun gibt es erste Anzeichen dafür, dass die hochgehebelten Konsumenten Probleme bekommen werden, weil die Preise fallen – so etwa in Sydney. Blasen wachsen, bis sie platzen..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Eines muß man Kanada und Australien lassen: trotz immens hoher Preise platzte die Blase an den Immobilienmärkten beider Länder nicht, ganz im Gegensatz zu den USA. Die Preise für Immobilien stiegen immer weiter, damit auch die Verschuldung der Kanadier und Australier – aber wehe, wenn der Zug in die andere Richtung fahren sollte!

Und dafür gibt es konkrete Anzeichen: während in Australien insgesamt die Immobilienpreise nach einem gefühlt ewigen Anstieg derzeit stagnieren, verzeichnete Sydney – die Stadt mit den zweithöchsten Immobilienpreisen der Welt und auch die Stadt mit den mit Abstand meisten Baukränen im Stadtbild (mehr als alle US-Großstädte zusammen; selbst die 2,2 Millionen-Stadt Brisbane hat mehr Baukräne als New York und Los Angeles zusammen) – erstmals seit zwei Monaten Preisrückgänge. Die immens zahlreichen Baukräne wiederum bedeuten: es kommt immer mehr Angebot auf den Markt, was die Preise belasten dürfte. In Brisbane etwa stieg die Zahl der Appartments in den letzten drei Jahren jeweils um 30%. Nun sagt die UBS: die Spitze der Preise ist erreicht, ab jetzt geht es bergab!


Die Skyline von Brisbaine
Foto: Lachlan Fearnley – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26331156

Und das ist gefährlich, denn die Australier stellen neben den Kanadiern die höchstverschuldeten Privathaushalte der Welt, die vergebenen Kredite sind durch die Immobilien abgesichert, die immer mehr an Wert gewannen. Sollten die Preise weiter fallen, verschwinden gewissermaßen die Kredit-Sicherheiten für die Banken, die dann weitere Sicherheiten verlangen müssten (in Australien können die Banken nahezu unbegrenzt ins Eigentum der Kreditnehmer pfänden) mit der Folge, dass viele Australier Privatinsolvenz anmelden müssten.

In keinem anderen Land der Welt liegt der Wert der Immobilien mit dem Faktor vier so hoch über dem BIP wie in Australien – das ist mehr als in den USA am Hochpunkt der Immobilienblase. Wer eine Immobilie in den australischen Ballungsgebieten besitzt, nutzt diese als „Kreditmaschine“ für den Kauf anderer Immobilien oder anderer Güter. Die australische Politik wiederum tut mittels Steuervergünstigungen alles, um zum Kauf anzureizen, in TV-Shows werden Immobilienbesitzer, die ihr Haus renovieren und damit wertsteigern, wie Sport-Stars gepusht.

Weil der Wert der Immobilien stieg, wurden die Australier auf dem Papier immer reicher – aber die Löhne stagnieren, sodass viele nur die Zinsen bedienen und die Laufzeiten der Immobilienkredite verlängern müssen. Sollte die australische Notenbank die Zinsen erhöhen, hätte das nach Berechnungen der Macquarie Bank den dreifachen Negativ-Effekt auf die Konsumenten wie noch in den 1990er-Jahren.

Nicht viel anders ist die Situation in Kanada, wo die Verschuldung der Haushalte mit 101% nun höher ist als das BIP des Landes (dahinter folgen Südkorea mit 93%, UK mit 88%, die USA mit 80%, Deutschland und Frankrich dagegen liegen unter 60%). Die OECD warnt daher in einem Vorabbericht vor einer „schweren Rezession“ in Kanada. Dabei zeigt der OECD-Bericht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Verschuldung der Haushalte und den Immobilienpreisen: je stärker die Preise für Immobilien steigen, desto größer auch die Verschuldung der Haushalte!

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Enka Latineg

    24. November 2017 13:28 at 13:28

    Grundsätzlich wollen alle ihr Vermögen sichern. Dabei sind Immobilien insofern begehrt, als Grund und Boden nicht beliebig vermehrbar ist. Angeblich soll Bitcoin und Consorten auch nicht beliebig vermehrbar sein. Damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon umfassend beschrieben.
    Leider sind Aktien volatil und Bargeld bzw. Kontogeld wird von Inflation kombiniert mit null- oder Negativzinsen zerfressen.
    Wer spart wird enteignet und wer nicht spart meint nichts befürchten zu müssen. Vielleicht ist das eine Erklärung für exorbitant hohe Immokredite.

    • Avatar

      Auch

      2. Dezember 2017 22:43 at 22:43

      Warum ist Grund und Boden nicht vermehrbar. Also im Schwarzwald wäre viel Platz……..Nur das Gut Bauland wird künstlich knapp gehalten. Wäre es gewollt würden die Mieten schnell fallen. Wär es gewollt könnten Trabantenstädte die Immobilienblase schnell platzen lassen. Ne schnelle S-Bahn uns Umland und Bauland machen das doch interessant genug.
      Und keine Großstadtförderungen für Unternehmen.

      Aber daran verdienen die Anwälte in der Regierung nix.

  2. Avatar

    Murat Dundar

    24. November 2017 14:03 at 14:03

    wäre es nicht logisch auf diesen artikel aud und cad zu shorten. vg

    • Avatar

      Gerd

      24. November 2017 18:15 at 18:15

      Murat Dundar, meine unmaßgebliche Antwort auf Ihre Frage:
      Shorten Sie die Währungen aus allen möglichen Erwägungen heraus – mag ja durchaus goldrichtig sein. Aber nicht auf diesen Artikel hin.

      • Avatar

        Gerd

        27. November 2017 12:39 at 12:39

        Falls Sie die Begründung für meine knappe Antwort wissen möchten?

        FMW schrieb im Artikel: „Sollte die australische Notenbank die Zinsen erhöhen,…“
        Und warum sollte bei höheren Zinsen die Währung fallen (ceteris paribus)?
        Aber wie gesagt, meine Antwort sollte für Sie nicht ausschlaggebend sein.

  3. Avatar

    Beobachter

    24. November 2017 14:35 at 14:35

    Immoblasen sind neben Aktienblasen,Anleihenblasen, Kunstgegenständeblasen nur ein Teil der Nebenwirkungen der Tiefzinspolitik .
    Bei früheren Krisen war das eher regional zu beobachten.
    Heute ist das ganze Phänomen viel weiter verbreitet u.die Krise ,wann sie denn auch immer kommt, nicht mehr zu stoppen sein !!!!
    Bei früheren Krisen konnten die Chinesen oder die Saudis noch Hilfe leisten, oder der Buffet hat Grossbanken aus der Patsche geholfen.Vielleicht findet der Elon Musk auf dem Mars einen Retter der nächsten Krise, wobei er natürlich einige Mmilliarden für sich brauchen würde.

  4. Avatar

    Olaf

    24. November 2017 14:55 at 14:55

    Das ist der ganz normale Wahnsinn

  5. Avatar

    Benedikt

    27. November 2017 09:55 at 09:55

    Die Eliten in den Immo Blasenländer verdienen sicher gutes und einfaches Geld mit den Immobilien. Für die Politiker ist es auch einfacher Politik zu machen, wenn eine Großzahl gutes und einfaches Geld verdient. Gute Gründe, Fehlentwicklungen bei Immobilien nicht zu stoppen. Dazu schien der Geldfluss aus China in Ausländische Immobilien unendlich und stetig zu steigen zu sein. Vermutlich wurden aus China indirekt Geld aus Chinesischen Krediten investiert. Dürfte spannend sein, wie sich das ganze weiter entwickelt.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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