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Kommt nach dem Boom der Knall? Australien und Kanada die Länder mit größten Risiken wegen Immobilienblase

Die Privathaushalte in Australien und Kanada sind wegen der immens gestigenen Immobilienpreise höher verschuldet als in allen anderen Ländern der Welt. Nun gibt es erste Anzeichen dafür, dass die hochgehebelten Konsumenten Probleme bekommen werden, weil die Preise fallen – so etwa in Sydney. Blasen wachsen, bis sie platzen..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Eines muß man Kanada und Australien lassen: trotz immens hoher Preise platzte die Blase an den Immobilienmärkten beider Länder nicht, ganz im Gegensatz zu den USA. Die Preise für Immobilien stiegen immer weiter, damit auch die Verschuldung der Kanadier und Australier – aber wehe, wenn der Zug in die andere Richtung fahren sollte!

Und dafür gibt es konkrete Anzeichen: während in Australien insgesamt die Immobilienpreise nach einem gefühlt ewigen Anstieg derzeit stagnieren, verzeichnete Sydney – die Stadt mit den zweithöchsten Immobilienpreisen der Welt und auch die Stadt mit den mit Abstand meisten Baukränen im Stadtbild (mehr als alle US-Großstädte zusammen; selbst die 2,2 Millionen-Stadt Brisbane hat mehr Baukräne als New York und Los Angeles zusammen) – erstmals seit zwei Monaten Preisrückgänge. Die immens zahlreichen Baukräne wiederum bedeuten: es kommt immer mehr Angebot auf den Markt, was die Preise belasten dürfte. In Brisbane etwa stieg die Zahl der Appartments in den letzten drei Jahren jeweils um 30%. Nun sagt die UBS: die Spitze der Preise ist erreicht, ab jetzt geht es bergab!


Die Skyline von Brisbaine
Foto: Lachlan Fearnley – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26331156

Und das ist gefährlich, denn die Australier stellen neben den Kanadiern die höchstverschuldeten Privathaushalte der Welt, die vergebenen Kredite sind durch die Immobilien abgesichert, die immer mehr an Wert gewannen. Sollten die Preise weiter fallen, verschwinden gewissermaßen die Kredit-Sicherheiten für die Banken, die dann weitere Sicherheiten verlangen müssten (in Australien können die Banken nahezu unbegrenzt ins Eigentum der Kreditnehmer pfänden) mit der Folge, dass viele Australier Privatinsolvenz anmelden müssten.

In keinem anderen Land der Welt liegt der Wert der Immobilien mit dem Faktor vier so hoch über dem BIP wie in Australien – das ist mehr als in den USA am Hochpunkt der Immobilienblase. Wer eine Immobilie in den australischen Ballungsgebieten besitzt, nutzt diese als „Kreditmaschine“ für den Kauf anderer Immobilien oder anderer Güter. Die australische Politik wiederum tut mittels Steuervergünstigungen alles, um zum Kauf anzureizen, in TV-Shows werden Immobilienbesitzer, die ihr Haus renovieren und damit wertsteigern, wie Sport-Stars gepusht.

Weil der Wert der Immobilien stieg, wurden die Australier auf dem Papier immer reicher – aber die Löhne stagnieren, sodass viele nur die Zinsen bedienen und die Laufzeiten der Immobilienkredite verlängern müssen. Sollte die australische Notenbank die Zinsen erhöhen, hätte das nach Berechnungen der Macquarie Bank den dreifachen Negativ-Effekt auf die Konsumenten wie noch in den 1990er-Jahren.

Nicht viel anders ist die Situation in Kanada, wo die Verschuldung der Haushalte mit 101% nun höher ist als das BIP des Landes (dahinter folgen Südkorea mit 93%, UK mit 88%, die USA mit 80%, Deutschland und Frankrich dagegen liegen unter 60%). Die OECD warnt daher in einem Vorabbericht vor einer „schweren Rezession“ in Kanada. Dabei zeigt der OECD-Bericht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Verschuldung der Haushalte und den Immobilienpreisen: je stärker die Preise für Immobilien steigen, desto größer auch die Verschuldung der Haushalte!

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Enka Latineg

    24. November 2017 13:28 at 13:28

    Grundsätzlich wollen alle ihr Vermögen sichern. Dabei sind Immobilien insofern begehrt, als Grund und Boden nicht beliebig vermehrbar ist. Angeblich soll Bitcoin und Consorten auch nicht beliebig vermehrbar sein. Damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon umfassend beschrieben.
    Leider sind Aktien volatil und Bargeld bzw. Kontogeld wird von Inflation kombiniert mit null- oder Negativzinsen zerfressen.
    Wer spart wird enteignet und wer nicht spart meint nichts befürchten zu müssen. Vielleicht ist das eine Erklärung für exorbitant hohe Immokredite.

    • Avatar

      Auch

      2. Dezember 2017 22:43 at 22:43

      Warum ist Grund und Boden nicht vermehrbar. Also im Schwarzwald wäre viel Platz……..Nur das Gut Bauland wird künstlich knapp gehalten. Wäre es gewollt würden die Mieten schnell fallen. Wär es gewollt könnten Trabantenstädte die Immobilienblase schnell platzen lassen. Ne schnelle S-Bahn uns Umland und Bauland machen das doch interessant genug.
      Und keine Großstadtförderungen für Unternehmen.

      Aber daran verdienen die Anwälte in der Regierung nix.

  2. Avatar

    Murat Dundar

    24. November 2017 14:03 at 14:03

    wäre es nicht logisch auf diesen artikel aud und cad zu shorten. vg

    • Avatar

      Gerd

      24. November 2017 18:15 at 18:15

      Murat Dundar, meine unmaßgebliche Antwort auf Ihre Frage:
      Shorten Sie die Währungen aus allen möglichen Erwägungen heraus – mag ja durchaus goldrichtig sein. Aber nicht auf diesen Artikel hin.

      • Avatar

        Gerd

        27. November 2017 12:39 at 12:39

        Falls Sie die Begründung für meine knappe Antwort wissen möchten?

        FMW schrieb im Artikel: „Sollte die australische Notenbank die Zinsen erhöhen,…“
        Und warum sollte bei höheren Zinsen die Währung fallen (ceteris paribus)?
        Aber wie gesagt, meine Antwort sollte für Sie nicht ausschlaggebend sein.

  3. Avatar

    Beobachter

    24. November 2017 14:35 at 14:35

    Immoblasen sind neben Aktienblasen,Anleihenblasen, Kunstgegenständeblasen nur ein Teil der Nebenwirkungen der Tiefzinspolitik .
    Bei früheren Krisen war das eher regional zu beobachten.
    Heute ist das ganze Phänomen viel weiter verbreitet u.die Krise ,wann sie denn auch immer kommt, nicht mehr zu stoppen sein !!!!
    Bei früheren Krisen konnten die Chinesen oder die Saudis noch Hilfe leisten, oder der Buffet hat Grossbanken aus der Patsche geholfen.Vielleicht findet der Elon Musk auf dem Mars einen Retter der nächsten Krise, wobei er natürlich einige Mmilliarden für sich brauchen würde.

  4. Avatar

    Olaf

    24. November 2017 14:55 at 14:55

    Das ist der ganz normale Wahnsinn

  5. Avatar

    Benedikt

    27. November 2017 09:55 at 09:55

    Die Eliten in den Immo Blasenländer verdienen sicher gutes und einfaches Geld mit den Immobilien. Für die Politiker ist es auch einfacher Politik zu machen, wenn eine Großzahl gutes und einfaches Geld verdient. Gute Gründe, Fehlentwicklungen bei Immobilien nicht zu stoppen. Dazu schien der Geldfluss aus China in Ausländische Immobilien unendlich und stetig zu steigen zu sein. Vermutlich wurden aus China indirekt Geld aus Chinesischen Krediten investiert. Dürfte spannend sein, wie sich das ganze weiter entwickelt.

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

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