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Kurz vor dem finalen Kollaps: Venezuelas Währung mit größtem Monats-Verlust der Geschichte!

Venezuela pumpt massiv Geld ins System und reagiert damit auf die Stärke des US-Dollar. Die Folge: der Bolivar erleidet im November den größten Wertverlust der Geschichte - und wenn die OPEC nächste Woche nicht liefert, droht der ökonomische Kollaps..

FMW-Redaktion

Die Verhältnisse in Venezuela sind bekannt: anstehen für elementare Lebensmittel, leere Regale, fast alles ist Mangelware. Dazu eine dreistellige Inflation und eine kollabierende Währung – der Bolivar hat in den letzten fünf Jahren 99,6% seines Wertes verloren auf dem Schwarzmarkt.

Dabei schien noch vor einigen Jahren die Welt in Ordnung zu sein für Venezuela: viele Grundgüter subventioniert, der hohe Ölpreis machte es möglich. Mit dem Ende der Öl-Hausse aber ist alles anders geworden – und jetzt wird es immer schlimmer. Sichtbar ist das besonders beim Bolivar – nicht bei dem offiziellen, sondern bei dem realeren, inoffiziellen Wechselkurs (dem „strong bolivar“), wie ihn etwa die Seite dolartoday.com stets aktuell darstellt. Demnach hat der „strong bolivar“ im November bislang 45% an Wert verloren – das ist der größte Monatsverlust in der Geschichte!

Was ist der Grund? Die Regierung Maduro, innenpolitisch schwer unter Druck, hat in diesem Monat viel frisch gedrucktes Geld ins venuzuelanische Finanzsystem gepumpt, um die Folgen des extrem starken US-Dollars abzumildern. Und diese Flutung entwertet den einzelnen Bolivar naturgemäß weiter. Und die Menschen in Venezuela stehen vor der Frage: was tun? Die Inflation, das ist sonnenklar, wird weiter steigen (Schätzungen gehen von 400% in 2016 aus), also muß das Geld möglichst schnell ausgegeben werden. Und dabei gibt es zwei Alternativen: entweder man kauft (die ohnehin knappen) Güter, oder man kauft US-Dollars, um sich gegen die weitere Inflation zu schützen. Und wenn der (inoffizielle) Bolivar wie jetzt im November seinen größten Monatsverlust der Geschichte erleidet, dann ist die Antwort auf diese Frage eindeutig: die Leute kaufen US-Dollar!

Derzeit ist Venezuela in einer geradezu ausweglosen Lage: neben dem Ölpreis-Verfall eben jetzt auch die Dollar-Stärke – die Dollars, die einst durch die ultralaxe Geldpolitik der Fed aus den USA in die Welt flossen, fließen jetzt wieder zurück in die USA (erwartete Zinswende in den USA, Steueramnestie Trumps für Dollar-Guthaben im Ausland). Es ist diese Kombination zwischen fortgesetzt niedrigem Ölpreis und Dollar-Stärke seit dem Trump-Sieg, die nun ein giftiger, vielleicht tödlicher Cocktail ist für das südamerikanische Land.

Und deshalb blickt man in Caracas mit großer Nervosität auf das Treffen der OPEC in Wien am 30.November: sollte die OPEC (zu dessen Gründungsmitgliedern Venezuela gehört) erneut die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen und sich nicht auf eine Produktionskürzung (oder zumindest Einfrierung) einigen kann, gehen Prognosen davon aus, dass der Öl-Preis sogar auf 30 Dollar fallen könnte. Und sollte es so kommen, ist Venezuela absehbar endgültig und auch offiziell bankrott!

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Caracas vom Osten aus gesehen
Foto: Gemeinfrei



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9 Kommentare

  1. ….ist Venezuela absehbar endgültig und auch offiziell bankrott!
    Wirklich?
    Eine Blaupause für USA und EU?
    Beobachtet man hier die gesellschafftlichen Auswirkungen wie unter einem Mikroskop?
    Wann stehen dort endgültig die Räder still? Oder entscheidet letztendlich wieder der Blickwinkel wann ein Land oder deren Bürgen wirklich bankrott sind?
    Und wie geht das ganze dann weiter,…alla Argentinien, Griechenland oder demnächst Italien ?

  2. Was ist die Haupteinnahmequelle Venezuelas?
    ÖL

    Und welche Währung bekommt das Land für das verkaufte Öl?
    Dollar.

    Wenn das Öl schon im Preis nicht so recht nach oben will, können die doch froh sein, wenn wenigstens ihre eingenommenen Dollar immer mehr wert werden.

    1. … wenn doch letztendlich mehr Investorendollars durch Steueramnestie abgezogen werden als Dollars durch den Verkauf von Öl reinkommen ist man doch irgendwann auch bankrott,oder? Das wußte schon Oma Tüttelbeck;-)

      1. Ich denke mal, dass es dann liquiditätsmäßig eng wird. Ist natürlich auch nicht schön
        Aber da die eingenommenen Dollar dem Staat zukommen und nicht Privatuntenehmen (die sie auch wieder außer Landes bringen könnten), bleiben die schon mal im Land.
        Und da alle anderen Produktionsfaktoren und Wohnungen udgl. auch im Land bleiben, muss das Land nicht per se bankrott gehen.

        Nicht mal falls es aufgrund fehlender flüssiger Mittel etwaige Auslandschulden nicht pünktlich bezahlen kann. Ich verweise mal auf die UKRAINE.

  3. „..entweder man kauft (die ohnehin knappen) Güter, oder man kauft US-Dollars, …“
    „…, dann ist die Antwort auf diese Frage eindeutig: die Leute kaufen US-Dollar!“

    Ob es da nicht auch noch ein paar Durchschnittsbürger gibt, welche die ohnehin knappen Güter kaufen?
    Z.Bsp Lebensmittel?

    Oder gibts da nur reiche Leute, die Angst um ihr Geld haben und es deshalb panisch in Dollar anlegen?

    1. @Gerd, letztlich ist das eine Frage der Vorsorge: wenn ich weiß, dass das Geld immer wertloser wird, versuche ich, weil die Zeiten immer härter werden, mir Dinge zu beschaffen, die eine dauerhaftere Wertigkeit als die Landeswährung haben; also verzichte ich so weit es geht auf Konsum, weil ich Angst vor der Zukunft habe; das gilt für reiche und arme Leute gleichermaßen, nur können die wenigen Reichen in Venezuela eben mehr Dollars kaufen – das sind vorwiegend die Herrschenden selbst (Beamte etc.)..

      1. Warum kaufen die dann keinen Kuchen, statt Brot?
        Wollte sagen, warum kaufen die denn kein Gold, statt Dollar.
        Aber das machen sie vielleicht ja auch noch nebenbei.

  4. Bei so einer Hyperinflation wird vermutlich eh nur noch gegen USD oder EUR od. andere stabile Währungen verkauft. Oder halt gegen Zigaretten und andere werthaltige Waren. Man kann auch nicht alles auf den niedrigen Ölpreis schieben. So niedrig ist der gar nicht. Die Sozialisten haben Venezuela heruntergewirtschaftet. Lange wird sich das die Bevölkerung nicht mehr gefallen lassen.

    1. „Lange wird sich das die Bevölkerung nicht mehr gefallen lassen.“
      Doch wird Sie!
      Die Venezuelaner werden genau das machen was die meisten Menschen machen, jemand anderes für das eigene versagen verantwortlich machen und Amerikanische Flaggen verbrennen.

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