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Leiharbeit +43% in 10 Jahren – das dürfte es eigentlich gar nicht geben!

Redaktion

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Die Zahlen sind desaströs, und belegen einen Trend, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Geht man nach der allgemein gültigen Wirtschaftslehre, dann versuchen Arbeitgeber ihre vorhandenen Arbeitnehmer an sich zu binden, und möglichst neue Arbeitnehmer fest hinzu zu bekommen, wenn es eine Hochkonjunktur gibt und Arbeitskräfte Mangelware sind.

Es ist das klassische Prinzip von Angebot und Nachfrage. Die Wirtschaft brummt stärker denn je, die Auftragsbücher sind voll. Vor allem das produzierende Gewerbe ist aktuell froh über jede aufzutreibende Arbeitskraft – Hauptsache man kann seine offenen Stellen überhaupt irgendwie besetzen – so kann man die Aussagen von Arbeitgebern und Verbänden dieser Tage verstehen.

Da widersprechen die aktuellen Zahlen zur Leiharbeit diesem Logik-Muster völlig. Die Bundesregierung hat der Fraktion der Linken im Bundestag auf eine Anfrage zum Thema Leiharbeit geantwortet. Binnen zehn Jahren stieg die Zahl der Leiharbeiter um 43% auf 1,03 Millionen Ende 2017 (2007 noch 721.345). Von 2016 auf 2017 stieg ihre Zahl um 39.000 Personen.

Bei dieser immensen Arbeitkräftenachfrage müssten die Arbeitgeber doch eigentlich bemüht sein so viele Leiharbeiter wie möglich umgehend in eine feste Anstellung zu übernehmen? Das wäre nur logisch. Aber nein – gerade einmal 33 Prozent der Leiharbeiter finden 90 Tage nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, mehr als jeder dritte (40%) bleibt arbeitslos.

Auch die Bedingungen für Leiharbeiter sind desaströs. Mehr als jeder zweite Leiharbeitnehmer (63%) arbeitete trotz Vollzeit zu einem Niedriglohn. Bei Leiharbeitnehmern unter 25 Prozent sind es sogar über 80 Prozent. Leiharbeitnehmer verdienen im Bundesschnitt 1.300 EURO weniger als ihre festangestellten Kolleginnen und Kollegen. Ein Drittel der Leiharbeiternehmer (36%) wird spätestens nach neun Monaten entlassen. In der Branche Arbeitnehmerüberlassung mussten insgesamt 43.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte ihren Lohn mit Arbeitslosengeld II aufstocken.

Hier finden Sie das gesamte Zahlenwerk basierend auf der Antwort der Bundesregierung im Detail.

Hier die aktuelle Meinung der Linken zu dem Thema im Wortlaut. Auch wenn das Wort Sklaverei etwas übertrieben erscheinen mag, so kann man die sonstige Meinung durchaus teilen.

„Leiharbeiter sind Beschäftigte zweiter Klasse und zurecht kann von moderner Sklaverei gesprochen werden. Leiharbeit ist keine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt, sie bietet keine Zukunftsperspektive und macht arm. Wenn zwei Menschen im gleichen Betrieb dasselbe tun und der eine 1300 Euro weniger bekommt, dann ist das politisch verordnete Lohndrückerei. Der Einsatz von Leiharbeitern führt zur Spaltung der Belegschaften. Leiharbeit ist ein Disziplinierungsinstrument um Arbeitnehmer gefügig und eine offene Drohung gegenüber den Stammbelegschaften ihre Lohnforderungen niedrig zu halten. Beschäftigte haben ein Recht auf sichere und gut bezahlte Arbeit. Solche Lohndrücker- und Spaltungsinstrumente haben in unseren Betrieben nichts zu suchen und gehören abgeschafft.“

Leiharbeit - Beispielfoto Industriearbeiter
Beispielfoto eines Industriearbeiters. Foto: Siemens (CC BY-SA 3.0)

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    pigeon

    11. September 2018 15:35 at 15:35

    Aus meiner Sicht auch ein Hinweis darauf, dass die deutschen Chefetagen der Konjunktur mittelfristig nicht trauen.

  2. Avatar

    ex- Diskriminierter

    11. September 2018 15:53 at 15:53

    Man ist anscheinend nicht fähig brauchbare Leute in der Hochkonjunktur von der Leiharbeit in den normalen Arbeitsmarkt zu integrieren, dagegen beklagt man immer den FACHKRÄFTEMANGEL.
    Für die Betroffenen ist das eine bodenlose Diskriminierung u. viel schlimmer als der täglich kommunizierte Fremdenhass.

  3. Avatar

    Bernd Schneider

    11. September 2018 18:37 at 18:37

    Der ganze Mist ist Dreck. Ich glaube, in Frankreich bekommt ein Leiharbeiter mehr als ein Festangestellter. So muss das sein, sonst gibt es Missbrauch

  4. Avatar

    Kritisch

    11. September 2018 20:00 at 20:00

    Ein kleiner gedanklicher Einwurf aus Sicht eines Unternehmers hinsichtlich Verwendung von Leiharbeitskräften:
    1. Man deckt damit Kapazitätsspitzen.
    2. Man hat keinerlei gesetzliche, arbeitsrechtliche Vorgaben, wie Kündigungsschutz, Kündigungszeit, Lohnfortzahlung bei Krankheit, etc. zu erfüllen. Man zahlt an den Dienstleister (Arbeitsvermittler) den vereinbarten Satz je Stunde und das wars.
    3. Zusätzlicher Aufbau von Stammpersonal wird wohl oder übel erst dann durchgeführt wenn es absehbar ist, dass Kapazitäten längerfristig ausgeweitet werden müssen – in unsicheren Zeiten wie diesen (drohender Handelskrieg mit nicht absehbaren Ausgang, Eurozone in wirtschaftlich sehr fragiler Situation)
    Es sind diese zugegebendermaßen unbefriedigenden Zustände in der Arbeitswelt in einem hohen Ausmaß das Ergebnis der jahrzentelangen, völlig überzogenen, gewerkschaftlich organisierten Einschränkungen des freien Unternehmertums. Glück auf!

    • Avatar

      Michael

      11. September 2018 22:42 at 22:42

      @Kritisch, Es sind diese zugegebendermaßen unbefriedigenden Zustände in der Arbeitswelt in einem hohen Ausmaß das Ergebnis der jahrzentelangen, völlig überzogenen, gewerkschaftlich organisierten Einschränkungen des freien Unternehmertums. Glück auf!
      Das ist aber nun wohl schon mindestens eine Generation lang Geschichte, „gewerkschaftlich organisiert“ habe ich zuletzt irgendwann in den frühen 90er Jahren gehört und erlebt. Seitdem regieren doch eher der Superkapitalismus made in USA, Globalisierung, Gewinnmaximierung, Rekordzahlungen an für gar nichts verantwortliche Vorstände, Manager und Lobbyisten, die Narrenfreiheit von Börsen und Finanzen. Die Nivellierung und Aufweichung der Gewaltentrennung von Judikative, Legislative und Exekutive. Die Interessenkonvergenz von Konzernen, Politikern und sog. Rechtssprechern bis hin zur fast peinlich offensichtlichen Fokussierung, welche selbst dem letzten Deppen langsam wie ein Brennglas in den Verstand leuchtet. Auch wenn der (noch) seine fehlgeleiteten Ursache-Wut-Schlüsse zieht und auf falsche Feindbilder kanalisiert.
      Seit den frühern 1990er Jahren sind die Reallöhne gesunken, trotz überproportionalen Anstiegen bei den o.g. privilegierten Gruppen. Was nicht zuletzt auch den exklusiven milliardenschweren Steuerertricks für das geschundene freie Unternehmertum zuzuschreiben ist, von denen wir die letzten Jahre regelmäßig lesen durften.

  5. Avatar

    Sabine

    11. September 2018 20:02 at 20:02

    Das ist doch nichts neues.
    – Ich war 2 Jahre in Zeitarbeit, bin dann übernommen worden und verdiene dabei genausoviel. Auf meine erstaunte Nachfrage hieß es, man achte auf Lohngleichheit. Da gibt es irgendetwas vom Betriebsrat, das der durchsetzen kann.
    – Somit ist nur der schlafende Deutsche wieder schuld und nicht Kapitalismus, oder fehlende Gesetze und Regulierungen.
    – Sieht man doch beim Superregulierer DDR, denn dieser hatte eine 2-Klassengesellschaft, die mit Parteibuch und die ohne. Und dann ging ja dieser Staat bankrott bzw. wurde vorher heimlich und jahrelang vom linken Westen mit Milliarden am Leben gehalten. Seit 1970! 16 Jahre musste man dort durchschnittlich auf ein Auto warten, 25 Jahre auf ein Telefon. Das ist sozialistischer Wohlstand für alle. Aber SED immer die größte Klappe. Noch heute.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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