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Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte

Einer der wesentlichen Gründe für das hohe Gewinnwachstum sind die kontinuierlich ausgeweiteten Gewinnverschiebungen von Unternehmen in Steueroasen

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Von “Der Bullen-Nörgler”

Teil 1: Steueroasen -Skandal

Wie erklärt man sich das Phänomen, dass die Weltbörsen trotz des geringem Wirtschaftswachstums des letzten Jahrzehnts auf historische Höchststände geklettert sind? Aus der Vogelperspektive betrachtet sind es im Wesentlichen drei Faktoren:

  • Gewinnverschiebungen von multinationalen Unternehmen in Steueroasen, die die daraus resultierenden historisch hohen Gewinne zu Aktienrückkäufen (Buybacks) genutzt haben
  • Zins- und Liquiditätsmanipulation der Notenbanken um Strukturprobleme nicht anzugehen, wodurch die Probleme auf die zukünftige Generation zu verlagert wurden
  • Konkursverschleppung von Unternehmen und Staaten durch das Tolerieren von Verschuldungsexzessen

Im ersten Teil dieser Artikelserie geht es um die im letzten Jahrzehnt sehr stark gestiegen Unternehmensgewinne. Obwohl im Vergleich zu vorangegangen Wirtschaftsphasen nur geringe Produktivitätszuwächse und moderate BIP-Steigerungen zu beobachten waren, stiegen die Gewinnmargen der US-Unternehmen auf ein Rekordniveau und die DAX-Unternehmen schütteten z.B. für letztes Jahr 57 Milliarden Euro an Dividenden aus. Einen Wert, den es noch nie zuvor gegeben hat.

Einer der wesentlichen Gründe für das hohe Gewinnwachstum sind die seit Jahrzehnten kontinuierlich ausgeweiteten Gewinnverschiebungen von multinationalen Unternehmen in Steueroasen, wo dann nur geringe Steuern anfallen. Eurodad, ein NGO-Netzwerk welches sich für ein gerechteres Finanzsystem einsetzt, kommt in der Studie „Tax Game- the Race to the Bottom“ (https://eurodad.org/files/pdf/1546849-tax-games-the-race-to-the-bottom.pdf ) zu dem Schluss, dass der Abwärtsweg der Steuern vorgezeichnet ist und die durchschnittlichen Steuersätze für multinationale Unternehmen bis 2052 auf Null fallen könnten.

Wie extrem die Situation schon jetzt ist, zeigen zwei nachfolgende Grafiken von Brad Setser, einen ehemaligen Mitarbeiter des US-Finanzministerium.

Die erste Grafik zeigt die Gewinne der US-Unternehmen in sieben sehr kleinen Märkten (Luxemburg, Irland, Bermuda-Inseln, Singapur, Schweiz und UK-Karibik). Dort leben insgesamt weniger als 40 Millionen Menschen, in denen aber ca. 306 Milliarden Dollar versteuert wurden.

Die zweite Grafik zeigt die Gewinne von US-Unternehmen in sieben Märkten (Frankreich, Deutschland, Italien, China, Japan und Indien) mit mehr als drei Milliarden Verbrauchern. Dies sind also die Länder, in denen die US-Konzerne ihre Gewinne erwirtschaften. Im Jahr 2018 wurden aber kumuliert nur ca. 44 Milliarden Dollar der Unternehmensgewinne auch besteuert.

Die in den “Steuerparadiesen” versteuerten ca. 306 Milliarden Dollar bedeuten, dass dort pro Einwohner mehr als 7.600 Dollar Unternehmensgewinne anfallen, die dann so gut wie gar nicht besteuert werden. In den Ländern, in denen die US-Konzerne ihre Gewinne erwirtschaften, fallen nur ca. 44 Milliarden Dollar Gewinne an. Das bedeutet, dass dort nur etwas weniger als 15 Dollar pro Einwohner versteuert werden. Der Unterschied zwischen diesen beiden Ländergruppen beträgt also mehr als das 500fache!

 

Den 2.Teil der Serie “Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte” mit dem Titel “Buyback-Manipulation” lesen Sie hier

 

“Der Bullennörgler ist ausgebildeter Wirtschaftsingenieur sowie selbständiger Unternehmer und als solcher ein unabhängiger Beobachter der Weltwirtschaft. Seit Jahrzehnten verwaltet der Bullennörgler sehr erfolgreich sein Vermögen. Als aktiver Anleger hat er den Japan-Boom und Crash, die Flash Crashs 1987 und 1989, den Dotcom Boom und Crash, die Finanzkrise und die Eurokrise miterlebt. Nur bei einem dieser Crashs war er mit einer hohen Aktienquote investiert. In allen anderen Fällen war sein Portfolio von den Aktienkurseinbrüchen nicht betroffen, da er die Warnsignale bzgl. der jeweiligen Schieflagen richtig gedeutet hat. Sein Credo ist unabhängiges selber Denken und rumnörgeln an intransparenten und interessengesteuerten Nachrichten und Medien.”

 

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USA: Auf dem Weg in eine chaotische Bananenrepublik? Marktgeflüster (Video)

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Sind die USA auf dem Weg in eine chaotische Bananenrepublik? Die schockierenden Bilder von den Ausschreitungen in zahlreichen amerikanischen Städten reißen nicht ab, viele dieser Städte haben nun den Ausnahmezustand verhängt – New York sogar bis Sonntag (was sogar die nicht unbedingt empathische Wall Street beeindruckt hat!). Damit schlittern die USA nach der Coronakrise gleich in die nächste Krise – ein bürgerkriegsähnlicher Zustand, der nicht so schnell aufhören dürfte. Im Stile einer Bananenrepublik agiert übrigens auch die US-Notenbank Fed in ihrem Verhältnis zur Finanz-Krake Blackrock. Keine Frage: die USA haben schon bessere Zeiten gesehen – der relative Abstieg von der Supermacht schlechthin zu einem zerissenen Land wird immer offensichtlicher. Gewinner des amerikanischen Abstiegs ist wohl China..

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Dax: Wo bleibt der zweite große Crash? Blick auf die versteckten Probleme

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Der Dax hängt derzeit an der Marke von 12.000 Punkten. Es geht im großen Bild gesehen weiter bergauf. Es wirkt so, als blicke man stramm in die weit entfernte Zukunft nach der Coronakrise, ohne Massenunruhen in den USA, ohne Rezession etc. Es wird schon alles werden? Im Chart sehen wir den Dax-Verlauf seit November 2019. Am 20. Februar noch bei 13.800 Punkten, ging es im März brutal runter auf 8.200 Punkte. Bis jetzt haben wir mit 12.000 Punkten einen großen Teil der Verluste wieder aufgeholt. Das ist ein beeindruckender Turnaround. Aber ist er gerechtfertigt, vor allem aus fundamentaler Sicht? Dass die Wirtschaft jetzt gerade abstürzt, ist kein Geheimnis. Aber in einigen Monaten? Da preist der Dax ein, dass demnächst alles wieder halbwegs laufen wird.

Insolvenzen und vieles andere nur aufgeschoben

Man schaue bitte auf unseren Artikel vom 14. Mai an dieser Stelle. Hier nur in Kurzform. Bis zum 30. September 2020 ist offiziell für Unternehmen die Pflicht ausgesetzt eine Insolvenz anmelden zu müssen! Bis zum 30. Juni 2020 dürfen Vermieter das Mietverhältnis nicht kündigen, sofern die Mietschulden auf den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beruhen. Und es gibt Bundesländer, bei denen derzeit Zwangsvollstreckungen nicht durchgeführt werden. Und ja, auch die Banken sind erst einmal total entlastet. Bei Stundungen von Kreditraten, weil Schuldner wegen der Coronakrise nicht zahlen können, müssen die Banken erst einmal keine Abschreibungen vornehmen. Denn normalerweise müssten solch “wertlose” Vermögenswerte bilanziell als Verluste verbucht werden.

All das zusammengenommen bedeutet: Die Krise ist da, aber niemand sieht sie. Sie ist zeitlich nur aufgeschoben. Vor allem die Erlaubnis nicht Insolvenz anmelden zu müssen bis Ende September, das könnte ein wichtiges Datum sein. Ab  Oktober könnte die Krise und ihre Folgen öffentlich viel sichtbarer werden, wenn reihenweise Restaurants und vor allem gewerbliche Betriebe, aber auch Dienstleister dicht machen. Denn die Geschäftsführer müssen darauf achten, sich nicht wegen Insolvenzveschleppung strafbar zu machen. Aktuell tun sie das nicht, auch wenn die Betriebe längst pleite sind. Wird diese Frist vom Gesetzgeber verlängert, liegt die Deadline hierfür bei Ende September. Aber man könnte es auch anders sehen. Die großen Konzerne, die nun mal den Dax ausmachen, werden derzeit kräftig gefüttert mit Staatskohle (siehe Lufthansa), und die Deutsche Bank ebenfalls als Dax-Mitglied muss die derzeit gestundeten Kredite nicht als wertlos abschreiben. Auch andere Konzerne können derzeit gut weitermachen dank günstigen KfW-Krediten.

Dax sieht die Zukunft rosig?

Die Börse handelt die Zukunft, wie es viele Börsenkommentatoren immer so schön sagen. Und zum Beispiel ein Dauer-Optimist wie Heiko Thieme sprach im April von einer raschen Erholung im Dax. Wird es so kommen und wir sehen wieder die 13.800 Punkte vom 20. Februar? Wenn man an die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft denkt, dann womöglich ja auch an die vorhin angesprochenen Faktoren – nämlich einen optisch verschobenen konjunkturellen Absturz, weil zum Beispiel die Zahl der Insolvenzen erst ab Oktober so richtig Fahrt aufnehmen dürfte. Müsste der deutsche Leitindex deswegen nicht eher pessimistisch Richtung Herbst oder Jahresende blicken?

Tja, man kann Argumente finden, warum der Dax jetzt steigt. Zum Beispiel schaut er in die Zukunft der deutschen Exportindustrie? Weltweit werden deutsche Exportgüter bald wieder öfter nachgefragt. China zum Beispiel ist wirtschaftlich wieder gut in Fahrt! Und weil der Dax nun mal stark exportlastig ist, juckt es den Index auch nicht, wenn die deutsche Binnenkonjunktur bald verstärkt schwächeln könnte, ohne Erholung in V- oder U-Form? Es gäbe auch noch ein weiteres Szenario. Es könnte sein, dass der Markt die aufgeschobenen und verdeckten Probleme einfach nicht sehen will, und nun ganz simpel an den Aufschwung nach dem Absturz glaubt. Fertig aus. Ach ja… und da bliebe noch die Angst der Börsianer, die in den letzten Wochen auf viel Cash saßen. Die Angst auf dem Weg nach oben nicht investiert zu sein, und somit fette Gewinne zu verpassen, dürfte verdammt groß sein und viele Anleger zurück in die Märkte treiben. Ist man nicht dabei bei der kräftigen Kurserholung, müsste man sich als Fondsmanager oder Vermögensverwalter gegenüber seiner Kundschaft rechtfertigen.

Dax auf CFD-Basis seit November 2019

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Rüdiger Born: Dax und Dow steigen – gibt es Zeichen für eine Wende?

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Dax, Dow und Co laufen weiter gut nach oben. Geht es so weiter? Mögliche Anzeichen für fallende Kurse will ich im folgenden Video ansprechen. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service “Trade to Go” (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

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