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Massive EU-Importzölle auf chinesischen Stahl: Darum sind sie mit Trumps Importzöllen nicht zu vergleichen

Die EU hat schon seit Jahren nach eigenen aktuellen Angaben diverse Importbeschränkungen am Laufen. Aus dem Bereich Stahl und Eisen sind es derzeit 53 einzelne Beschränkungen, darunter 27 gegen Importe aus China. Heute verkündet die…

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FMW-Redaktion

Donald Trump hat jüngst verkündet, dass die USA für alle aus dem Ausland importierten Stahlerzeugnisse 25% Strafzoll erheben werden, und 10% auf alle Aluminiumerzeugnisse. Begründen tut Trump dies mit der Nationalen Sicherheit der USA. In seinen Tweets und mündlichen Aussagen wird er klarer. Es geht schlicht und einfach darum, dass in seinen Augen die Schwerindustrie in den USA in den letzten Jahrzehnten den Bach runterging, und dass viele ausländische Importe auf den US-Markt kamen. Sie machten die armen US-Arbeiter und Betriebe kaputt.

Somit sind seine Importzölle eine generelle, grundsätzliche und pauschale Abschottung gegen alle ausländischen Hersteller, egal ob sie Dumping betreiben (unterm Herstellungspreis verkaufen), egal aus welchem Land sie kommen, egal ob sie teilweise in den USA produzieren. Alles egal – entscheidend ist, dass es ausländische Produzenten sind, die etwas in die USA importieren. Das schadet US-Arbeitern und erhöht das US-Handelsbilanzdefizit. Also blockt Trump grundsätzlich diese Importe ab.

EU-Importzölle

Die EU hat schon seit Jahren nach eigenen aktuellen Angaben diverse Importbeschränkungen am Laufen. Aus dem Bereich Stahl und Eisen sind es derzeit 53 einzelne Beschränkungen, darunter 27 gegen Importe aus China. Heute verkündet die EU-Kommission ganz frisch, dass man die bereits bestehenden Importzölle auf nahtlosen Edelstahl aus China (Rohre für die petrochemische Industrie) um weitere fünf Jahre verlängern werde. Der Importzoll liegt somit weiterhin zwischen 48,3% und 71,9% auf den Importpreis oben drauf.

Also könnte man doch sagen, dass die EU auch protektionistisch handelt, und auch nicht besser ist als Donald Trump? Dem ist nicht so! Denn der entscheidende Unterschied ist, dass die EU sehr selektiv einzelne Maßnahmen gegen einzelne Länder und Produkte verhängt, und dass sie diese einzelnen Maßnahmen auch einzeln begründet! Im Fall der nahtlosen Stahlrohre aus China hatte die Prüfung der EU-Kommission nach ihren Angaben ergeben, dass genau diese chinesischen Produkte weiterhin zu Dumpingpreisen auf den Markt kommen, und damit vor allem Hersteller aus Frankreich, Schweden und Spanien benachteiligten.

Das bedeutet: Die Chinesen verkaufen ihren Stahl in Europa unter ihren Herstellungskosen. Das macht man entweder um auf Halde produzierte Überschüsse abzubauen, oder wohl eher um die ausländische Konkurrenz vom Markt zu fegen. Hat man dieses Ziel erreicht, kann man die Preise schön raufsetzen. Und genau aus diesem Grund, dem fairen Wettbewerb, will die EU ihre heimischen Hersteller ganz selektiv auf diesen Einzelfall bezogen schützen vor Konkurrenten, die ganz konkret in diesem Einzelfall offenbar unfair agieren. Die EU-Kommission führt dazu heute aus, Zitat:

Die EU-Kommission schützt mit den Strafzöllen die europäischen Stahlhersteller vor unfairen Handelspraktiken und schafft faire Wettbewerbsbedingungen in der Stahlbranche. Der Stahlsektor leidet unter einer weltweiten Überkapazität. Um diese Überkapazität besser angehen zu können, steht die EU in engem Kontakt mit dem im Dezember 2016 gegründeten Globalen Forum zu Stahlüberkapazitäten.

Der Unterschied

Bei Donald Trumps anstehenden Importzöllen liegen solche differenzierten Gründe oder Einzelfallprüfungen nicht vor. Er spricht ganz offen darüber, dass es ihm um einen generellen Handelskrieg gehe, den er gedenke zu gewinnen. Daher kann man seine Importzölle nicht mit diesen EU-Importzöllen vergleichen.


© European Union, 2015 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Christophe Maout

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Jan

    6. März 2018 18:31 at 18:31

    Hört sich an als Ausrede. Nur wegen dieser Begründung soll es keine „Sünde“ sein?
    Der Unterschied liegt glaube ich darin das Trump sich mit dem kleinkram jeden einzelne Röhrchen nicht beschäftigt. Dicke Gießkanne fertig.
    Und meckert jemanden in Europa über die Importzölle die wir haben? Ich höre nichts.
    Damit bin ich nicht für oder gegen Trump oder Zoll.
    Ich bin Mensch wie alle und versuche vorrängig für mich zu sorgen.
    Er auch.
    Regt euch nicht so auf.

  2. Avatar

    frank

    6. März 2018 18:52 at 18:52

    Danke für die Aufklärung FMW.

  3. Avatar

    Dieter G.

    6. März 2018 19:14 at 19:14

    Keine Ahnung was Ihr für ein know-how habt. Ich bin im Augenblick sprachlos über diesen Artikel.

    Die EU, ja, die ist so fair, so gut, nein, die will nix böses. Aber Trump, ja, dass ist ein Halunke, hängt ihn höher, der hat doch keine Ahnung. Werdet Ihr für das Bashing eigentlich bezahlt?

    Sagt mal, habt Ihr überhaupt eine Vorstellung davon, was auf dem Stahlmarkt los ist? Wir verarbeiten in unserem Werk Stahl, und natürlich hat Trump recht. Stahl ist die Basis für viele Investitionsgüter, und wenn die heimische Produktion ausfällt, dann sind Preiserhöhungen von mind. 30% noch am unteren Limit.

    Die Chinesen kauften den Stahlmarkt vor einigen Jahren fast komplett auf, und schoben dann ihren Schrott nach. Anders kann man das nicht bezeichnen. Könnt ja mal bei OBI eine Bandsäge kaufen. Die Teile kommen nämlich aus China. Warum wohl? Weil deutsche Produzenten (angeblich) zu teuer wären. Ach, wie das?

    Zudem wird ausländischer Stahl über dubiose Firmenkonstellationen in die EU OHNE Strafzoll eingeführt. Da wird aus „Made in China“ plötzlich „Made in Ungarn“.

  4. Avatar

    Gerd

    9. März 2018 12:30 at 12:30

    Veröffentlichung der Commerzbank:
    EU protektionistischer als USA

    Die EU täte nach Einschätzung der Commerzbank gut daran, den USA im Streit um Einfuhrzölle entgegenzukommen. „Sie ist protektionistischer als die USA, wie Daten der Welthandelsorganisation (WTO) zeigen“, so Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Analyse. Die EU lasse nur 26 Prozent ihrer Nicht-Agrar-Importe zollfrei ins Land, die USA aber 48 Prozent. „Außerdem erhebt die EU durchschnittlich höhere Zollsätze als die USA“, merkt Krämer an. Der Commerzbank-Chefvolkswirt schlägt der EU vor, ihre Einfuhrzölle auf US-Autos von 10,0 auf 2,5 Prozent senken – so viel wie die USA auf die Einfuhr von EU-Autos erheben.
    Quelle: Guidants News http://news.guidants.com

    Man beachte auch insbesonderer den letzten Satz bezüglich Autos.

  5. Avatar

    L. Günter

    9. März 2018 13:52 at 13:52

    Gegen Mr. Trumpf 25% Strafzzoll wird berichtet. – und wer berichtet über EU-Strafzoll von 50% für Stahl aus China.
    Und die Gründe hierfür !
    Ist das fair ?
    Für mich als unbedachten simpler Bürger unverständlich. Gü.

  6. Avatar

    Klaus

    9. März 2018 14:11 at 14:11

    Auch in die USA haben die Chinesen seit Jahren ihren Stahl unter Herstellungskosten verkauft. Leichte Änderung der von Ihnen genannten EU Rechtfertigung:
    Die (EU)USA schützt mit den Strafzöllen die (europäischen) amerikanischen Stahlhersteller vor unfairen Handelspraktiken und schaffen faire Wettbewerbsbedingungen in der Stahlbranche. Der Stahlsektor leidet unter einer weltweiten Überkapazität. Um diese Überkapazität besser angehen zu können, nimmt die EU seit langem 50% und jetzt auch die USA 25% Importsteuer.
    Der in Ihrem Artikel heraufbeschworene Handelskrieg ist also von der EU eingeleitet worden und die USA schließen sich jetzt diesem von der EU inititierten Krieg an. Nur weil die EU ihre doppelt so hohen Betrafungen (50%) mit Schweißnähten auf Artikelebene begründet, bleibt der Strafzoll der EU doppelt so hoch wie der US-Importzoll. Nur nebenbei 50% > 25%! Völlig unbrauchbarer Artikel.

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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