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Max Otte über die „Zwangs- und Illusionswirtschaft“ (Video)

Der Ökonom Max Otte wurde bekannt durch sein Buch „Der Crash kommt“, in dem er das Platzen der US-Immobilienblase vorhersah. Nun sagt Otte: wir sind im postfaktischen Zeitalter, wie die Dinge in der Finanzwirtschaft laufen. So etwa risikolose Geschäfte für Private Equity-Firmen, nach wie vor absurde Ratings von Ratingagenturen..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Ökonom Max Otte wurde bekannt durch sein Buch „Der Crash kommt“, in dem er das Platzen der US-Immobilienblase vorhersah (Otte lebte lange in den USA und hatte daher einen guten Einblick in die damalige Lage der US-Wirtschaft). Nun sagt Otte: wir sind im postfaktischen Zeitalter, wie die Dinge in der Finanzwirtschaft laufen. So etwa risikolose Geschäfte für Private Equity-Firmen, nach wie vor absurde Ratings von Ratingagenturen etc. etc. Otte verweist in dem Interview auch auf das Buch von Daniel Stelter (der auch bei FMW immer wieder vorkommt) „Eiszeit in der Weltwirtschaft“ – eine Empfehlung, der wir uns anschließen!

https://youtube.com/watch?v=nA36R0mvMb0%3Fecver%3D1


Max Otte
Foto: IFVE – Bild aus Unternehmensarchiv, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15184669

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    PK

    28. April 2017 11:25 at 11:25

    schönes Beispiel für jemanden, der lauter sehr richtige und schlaue Sachen sagt (bin in fast allem seiner Meinung), aber einfach nicht opportunistisch genug ist, die richtigen Schlussfolgerungen für seine Anlage zu ziehen.
    Daher bildet sein Fonds auch eines der Schlusslichter und liegt gegen die Benchmark schon sehr weit hinten.
    https://www.fondsdiscount.de/fonds/de000a1j3am3/chart/
    Wenn es lauter so kluge Menschen wie Otte gäbe, würde das Finanzsystem in seiner jetzigen Form ja gar nicht mehr existieren (keiner würde den Staaten mehr sein Geld leihen).

  2. Avatar

    leser

    28. April 2017 12:11 at 12:11

    Otte hält einerseits den Dax mit einem KGV von 15-16 und einer Dividenrendite von > 3% für nicht zu teuer. Gleichzeitig hält er die Zinsen für planwirtschaftlich bepreist und viel zu niedrig. Er fordert eine Abkehr von dieser planwirtschaftlichen Steuerung und damit einhergehnd höhere Zinsen.
    Liegt da nicht ein Widerspruch? Wie sähe denn das KGV im Dax bei einem Normalzins von 3-4 Prozent aus? Die herkömmlichen Bewertungsmaßstäbe machen doch nur dann Sinn, wenn ich sie in das herkömmliche System einpasse.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      28. April 2017 13:16 at 13:16

      Seit Prof. Max Otte sich im Fernsehen dazu bekannt hatte, dass er als Deutscher mit amerikanischer Zweitbürgerschaft Trump als Präsident gewählt hätte, bin ich von ihm maßlos enttäuscht. Er hatte dies auch noch minutenlang in einer Talkshow gegenüber Politikern und Wisenschaftlern verteidigt. Ein VWL-Professor, der auf die platten Sprüche von Trump hereinfällt. Da fehlen mir die Worte.

    • Avatar

      gerd

      28. April 2017 13:31 at 13:31

      @Leser
      „…Wie sähe denn das KGV im Dax bei einem Normalzins von 3-4 Prozent aus? “

      Das läge dann (ceteris paribus) natürlich immer noch bei 15-16. Aber das „sähe“ dann im Vergleich zur Anleiherendite optisch nicht mehr so gut aus wie heute – falls Sie das mit „aussehen“ meinten.
      Was aber für sich genommen letztlich trotzdem überhaupt noch keine Aussagekraft hat.

      Läge nämlich die Inflation z.B. bei 5-6%, somit Realzins wie heute leider üblich bei -2%, würde ich Aktien – als Sachwerte – mit den angenommenen mehr als 3% Dividendenrendite den alsdann nur unmerklich besser verzinslichen Anleihen immer noch krass vorziehen.

      Nebenbei: Auch bei dem unterstellten ZIns von 3-4% läge das KGV der Anleihen mit 25-33 immer noch deutlich höher als die genannten 15-16 bei Aktien.
      Somit würden Aktien mit einem Risikoabschlag gegenüber als risikolos eingestuften Anlagen von mehr als 50% bewertet.

      Ich kann mich nicht dran erinnern, dass wir jemals in Zeiten, da die Zinsen bei rund 5% lagen, eine derart hohe Risikokomponente in der Aktienbewertung hatten.
      Es galt über Jahrzehnte nämlich ein Realzins von +4% als Marke, die durchschnittlich immer wieder angesteuert wurde.

      FAZIT in einem Satz:
      Heute ist eben ALLES anders – und man kann aktuelle Bewertungen nicht mit einem hypothetischen
      „was wäre wenn“ infrage stellen.

      • Avatar

        leser

        28. April 2017 14:07 at 14:07

        @ Gerd
        Höhere Zinsen bedeuten höheren Zinsaufwand > niedrigere Gewinne > steigendes KGV

        Im Vergleich zu den Alternativen ist die Aktie wie Sie und Jens Erhardt sagen, der Einäugige unter den Blinden, http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/geldmanager-jens-ehrhardt-aktien-sind-der-einaeugige-unter-den-blinden/9993444-2.html

        Da aber alle Anlagen im Boot mit einem berauschten EZB-Kapitän sitzen, wird auch der Einäugige vermutlich nasse Hosen bekommen. Chris Martensen weiss warum, http://www.goldseiten.de/artikel/326035–Warum-es-zum-Crash-kommen-muss—und-wird.html

        • Avatar

          gerd

          28. April 2017 14:47 at 14:47

          „…Höhere Zinsen bedeuten höheren Zinsaufwand > niedrigere Gewinne > steigendes KGV…“
          Solche Veränderungen der Parameter darf man nicht machen, weil das nur eine weitere der ersten hinzugefügten unterstellende Annahme wäre, nach dem Motto „wenn, dann“.

          Ich könnte sonst nämlich ebenso gut vermuten, dass die EZB ein derart hohes Zinsniveau nur deshalb zulässt, weil die Wirtschaft derart was von am Brummen ist und die Unternehmen noch viel, viel mehr als heute verdienen. Was den höheren ZInsaufwand locker ausgleicht.
          Ich könnte dann sogar weiter unterstellen, dass die Unternehmen aufgrund des enormen Gewinnwachstums gar nicht mehr auf Fremdkapital angewiesen sein werden – und Aktienrückkäufe mehr noch als heute zur Gewohnheit werden, weil die Unternehmen nicht wissen wo hin mit der Liquidität. So, dass sie die höheren Zinsen gar nicht spüren – außer sogar positiv bei der Anlage ihrer Liquidität.
          Diese zusätzlich unterstellten Erwartungen führen aber viel zu weit in einen Bereich, der nicht mehr überschaubar ist, weil es sich um nur noch um eine multiple Spekulation handeln würde.

          Also, man kann gerne von der Annahme ausgehen, dass die Zinsen bei 3-4% liegen, aber dann müssen die anderen Parameter in Gedanken stabil gehalten werden. Selbst meine Unterstellung einer gleichzeitigen Inflation von 5-6% war schon sehr gewagt. Das traute ich mich nur deshalb, damit der Parameter „negativer Realzins“ von -2% – wie wir ihn aktuell leider haben – auch konstant bleibt.

          • Avatar

            gerd

            28. April 2017 14:58 at 14:58

            Ganz wichtig noch – falls man bei höheren Zinsen partout die Auswirkung auf den Gewinn nicht aus dem Hinterkopf rauskriegen sollte.
            Dann bitte, dass die DAX-Unternehmen ihre Rückstellungen für Betriebsrenten wieder runterfahren können – und das ist nicht mal nur Annahme, sondern finanzmathematischer Fakt.
            Und das erhöht sogar den Gewinn.

        • Avatar

          vogel

          29. April 2017 17:12 at 17:12

          @ Leser: Danke für den interessanten Link zu J. Ehrhardt.
          Es hat einen Grund, weshalb Anleger wie Erhardt erfolgreicher sind als der Rest: Sie erkennen in dem hirnrissigen Daten-Bullshit die entscheidenden Stellgrößen für die Entwicklung der Börsen.
          Zitat Ehrhardt:
          „…das Wachstum der Geldmenge M1…ist einer der besten Börsenindikatoren, die ich kenne. Es läuft den Kursen um sechs Monate voraus.“
          Hier ist die M1 (USA) einschließlich März 2017:
          http://de.tradingeconomics.com/united-states/money-supply-m1
          Jeder darf seine eigenen Schlussfolgerungen draus ziehen und diesen M1-Indikator an der zukünftigen Entwicklung der Börsen überprüfen ;-).

  3. Avatar

    Columbo

    28. April 2017 14:09 at 14:09

    Interessant der Hinweis auf Daniel Stelter, der nicht den großen Crash sieht, sondern ein „Einfrieren“ der Märkte.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

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