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In Neuseeland läuft die Zinswende schon auf Hochtouren – Blaupause für die Fed?

Blick auf Auckland, die größte Stadt in Neuseeland

Mit Ausbruch der Coronakrise wurde der Leitzins in Neuseeland sofort von 1,00 Prozent auf 0,25 Prozent gesenkt. Am 6. Oktober und heute früh wurde er von der neuseeländischen Notenbank jeweils um 25 Basispunkte auf jetzt 0,75 Prozent angehoben. Damit ist die Zinswende in Neuseeland in vollem Gange, und man liegt weit vor den großen westlichen Notenbanken wie Fed oder Bank of England – ganz abgesehen von der EZB, bei der vor 2023 noch nicht mal über Zinsanhebungen gesprochen wird. Im Chart sehen wir den Verlauf im neuseeländischen Leitzins seit dem Jahr 2017.


source: tradingeconomics.com

Laut heutiger Aussage der neuseeländischen Notenbank hat sich der Kapazitätsdruck weiter verschärft. So liege beispielsweise die Beschäftigung jetzt über ihrem maximal tragbaren Niveau. Eine breite Palette von Wirtschaftsindikatoren zeige, dass die Wirtschaft in Neuseeland weiterhin über ihrem derzeitigen Potenzial liegt.

Notenbank in Neuseeland warnt Kreditnehmer vor steigenden Zinsen

Die Notenbank erwartet, dass die Inflation in Neuseeland in nächster Zeit über 5 Prozent liegen wird, bevor sie sich in den nächsten zwei Jahren wieder auf den mittleren Wert von 2 Prozent zubewegt. Der kurzfristige Anstieg der Inflation werde durch höhere Ölpreise, steigende Transportkosten und die Auswirkungen von Versorgungsengpässen noch verstärkt. Diese unmittelbaren relativen Preisschocks könnten angesichts der derzeitigen inländischen Kapazitätsengpässe zu einem allgemeineren Preisanstieg führen. Die Notenbank stellt in ihrem Statement zur Zinsanhebung fest, dass angesichts der mittelfristigen Inflations- und Beschäftigungsaussichten im Laufe der Zeit mit einer weiteren Rücknahme der geldpolitischen Impulse zu rechnen ist.

Im Klartext: Es wird noch weitere Zinsanhebungen geben. Laut Guardian deuten die Aussagen der Notenbank von Neuseeland auf einen aggressiveren Straffungszyklus hin, der bis 2023 einen Zinssatz von 2,5 Prozent erreichen könnte – und bis Dezember 2024 könnte es noch weiter bergauf gehen. Der Notenbankchef Adrian Orr warnte, dass sich Hausbesitzer auf dem glühend heißen neuseeländischen Immobilienmarkt auf härtere Zeiten einstellen müssten. Hauseigentümer, die gerade erst mit einem extrem hohen Verschuldungsgrad in den Markt eingetreten sind, sollten sehr vorsichtig sein und verstehen, dass sie die höheren Zinsen überstehen müssen.

Blaupause für die Fed?

Meine Meinung: Das klingt wie eine Blaupause für die USA und das, was die Federal Reserve nächstes Jahr machen sollte oder müsste – höhere Zinsen und der Blick auf höher denn je verschuldete Konsumenten, für die steigende Zinsen zu einem echten Problem werden. Die EZB sollte diesen Weg steigender Zinsen eigentlich auch gehen. Aber wir sehen es ja seit Monaten – die EZB-Offiziellen reden ständig von einer nur vorübergehend hohen Inflation. Man tut in Europa alles dafür um die Zinsen nicht anheben zu müssen – denn wie sollten sich die Südländer sonst günstig neu verschulden?



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