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Ölimporte gehen deutlich zurück, Tiefststand seit 1992 – Saudis unwichtig

Am Montag direkt nach den Angriffen auf saudische Öl-Anlagen waren wir in einem Artikel (hier einsehbar) der Frage nachgegangen, ob die deutschen Ölimporte gefährdet sind, wenn die saudische Produktion zu großen Teilen ausfällt. Denn von knapp 10 Millionen Barrels pro Tag fielen am letzten Wochenende immerhin 5,7 Millionen Barrels pro Tag aus! Die Saudis konnten am Dienstag durch eine PK den Ölmarkt in gewissem Umfang beruhigen. Denn man sagte, dass die zerstörten Anlagen bis Ende September repariert seien, und dass man bis dahin ausreichend Reserven habe.

Aber zurück zum Hauptthema. Wie abhängig ist Deutschland von saudischem Öl? Am Montag hatten wir die aktuellsten Daten besprochen, die vorlagen, nämlich für das Jahr 2017. Die Ölimporte aus Saudi-Arabien lagen bei 1,02 Millionen Tonnen oder 1,1%. Heute hat das Statistische Bundesamt ganz frisch die deutschen Importdaten für das Jahr 2018 veröffentlicht. Nach 90,7 Millionen importierten Tonnen an Rohöl 2017 waren es 2018 insgesamt 84,8 Millionen Tonnen. Davon entfielen 1,44 Millionen Tonnen (1,7%) auf Saudi-Arabien. Ob nun 1,1% oder 1,7%. Der saudische Anteil fällt nicht wirklich ins Gewicht.

Deutsche Ölimporte nicht abhängig von den Saudis

Würden die Saudis ausfallen, könnte die deutsche Nachfrage nach Rohöl leicht von anderen Lieferanten befriedigt werden. Auch sonst spielen die Nachbarn der Saudis für die deutschen Ölimporte keine bedeutende Rolle. Probleme in der Region würden aber den Weltmarktpreis für Öl steigen lassen, was auch Deutschland betreffen würde. Also: Versorgungsengpässe durch Probleme bei den Saudis gäbe es nicht, dafür aber steigende Benzinpreise. Russland ist zwar mit 29 von 84 Millionen Tonnen der deutschen Ölimporte der Hauptlieferant. Aber auch Norwegen, Libyen und Kasachstan sind mit 7,5, 7,2 und 6,9 Millionen Tonnen deutlich bedeutendere Lieferanten als die Saudis. Selbst Großbritannien mit seinem Nordsee-Öl lieferte letztes Jahr mit 3,7 Millionen Tonnen deutlich mehr Öl nach Deutschland als Saudi-Arabien!

Interessant ist auch, was die Statistiker über die Importmengen im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten sagen. Die Importmenge von Rohöl nach Deutschland war im Jahr 2018 niedriger als in allen vorherigen Jahren seit 1992. Sie betrug noch 84,8 Millionen Tonnen. 1992 waren es 97,3 Millionen Tonnen gewesen, im Spitzenjahr dieses Zeitraumes 2005 sogar 114,5 Millionen Tonnen.

Zu den Saudis merken die Statistiker noch an, Zitat:

Saudi-Arabien trägt der Einfuhrstatistik zufolge einen immer geringeren Anteil zu den deutschen Importen bei. 2018 lag es in der Rangliste der mengenmäßig wichtigsten Lieferländer nur noch auf Platz 10. Auf den ersten Rängen lagen Russland, Norwegen, Libyen, Kasachstan, Nigeria und Großbritannien. Auch ein Vergleich mit der Liste der wichtigsten Rohöl-Handelspartner des Jahres 2006 zeigt die schwindende Bedeutung Saudi-Arabiens. Damals lag es noch auf Platz 7 der Rangliste.

Die folgende Grafik zeigt den Vergleich von 2006 zu 2018. Deutschland importiert deutlich weniger Öl, und aus allen Importländern sinken die Ölimporte deutlich.

Deutsche Ölimporte Statistik



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