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Öl-Verknappung wegen Saudi-Absturz? Warum das für Deutschland kein Problem darstellt

Claudio Kummerfeld

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Wird es in Deutschland zu einer Öl-Verknappung kommen? Durch die Huthi-Angriffe auf die wichtigste saudische Öl-Anlage fehlen den Saudis von ihren gut 10 Millionen Barrels Fördermenge pro Tag jetzt erst einmal 5,7 Millionen Barrels pro Tag. Das ist ein enormes Problem. Der Ölpreis ist bereits seit heute früh 0 Uhr dramatisch nach oben geschossen. Eines kann man daher wohl sagen: Demnächst dürften die Benzinpreise auch an deutschen Tankstellen wohl ansteigen, weil die Weltmarktpreise am Terminmarkt (WTI und vor allem Brent) viel höher liegen, und damit auch die deutschen Importeure deutlich mehr für Öl bezahlen müssen, wenn der Ölpreis länger auf dem jetzt höheren Preisniveau bleibt, oder sogar weiter ansteigt.

Öl-Verknappung in Deutschland?

Aber zurück zur Kernfrage, welche deutsche Autofahrer, Spediteure und Industrie interessieren dürfte. Wird es in Deutschland zu einer Öl-Verknappung kommen? Wird es an Tankstellen zu wenig Benzin geben? Wird die Wirtschaft still stehen, Chaos etc? Laut aktuellen Äußerungen des deutschen „Mineralölwirtschaftsverband e.V.“ sollten sich die Auswirkungen des Fördermengeneinbruchs in Saudi-Arabien für Deutschland „in Grenzen“ halten. Die Gefahr eines Engpasses bestehe nicht, da letztes Jahr nur 1% des in Deutschland importierten Öls aus Saudi-Arabien stammte.

Wir haben uns die Statistik des Verbandes mal angeschaut. Die aktuellsten Zahlen (aufbereitet in einem Jahresbericht) gibt es für das Jahr 2017. Und sie bestätigen auch die 2018-er Zahl (einsehbar hier auf Seite 60). 90,7 Millionen Tonnen Rohöl importierte Deutschland 2017. Davon stammten nur 1,02 Millionen Tonnen aus Saudi-Arabien, also gerade mal 1,1%. In dieser Größenordnung schwankte die Menge auch in den beiden Vorjahren, und laut der aktuellen Verbandsaussage ja auch im Jahr 2018. Interessant ist, wer die großen Lieferanten für Deutschland sind.

Wer Deutschland beliefert

33 von 90 Millionen Tonnen stammen aus Russland, 10 Millionen aus Norwegen, und 8 Millionen aus Kasachstan. Wer hat Kasachstan jemals im Blick gehabt als viel wichtigeren Öl-Lieferanten für Deutschland als Saudi-Arabien? Aber natürlich, für den Weltmarkt (vor allem für China) sind die Saudis viel wichtiger als Kasachstan. Aber zurück zu den deutschen Importen. Mit 4,6 Millionen Tonnen ist der Irak zumindest in 2017 ein deutlich wichtigerer Lieferant für Deutschland gewesen als Saudi-Arabien.

Libyen und Nigeria sind mit 6,9 und 4,9 Millionen Tonnen auch deutlich wichtiger. Mit 8,5 Millionen Tonnen ist Großbritannien mit seinem Nordseeöl auch ein deutlich bedeutender Lieferant als die Saudis. Man sieht: Abgesehen vom großen Lieferanten Russland, der 1/3 der deutschen Öl-Lieferungen stellt, ist Deutschland breit aufgestellt bei, und nicht auf die Saudis angewiesen. Die beliefern eher schwerpunktmäßig Asien. In Deutschland wird es wohl also so schnell keine Öl-Verknappung geben. Aber auch wenn die Fördermenge erst einmal deutlich sinkt, dürfte es auch weltweit keine Öl-Verknappung geben. Denn die USA und auch Saudi-Arabien haben schon angekündigt die Öl-Reserven auf den Markt werfen zu wollen. Aber dennoch, der Ölpreis ist heute früh schon kräftig gestiegen.

Öl-Verknappung in Deutschland? Terminal in Wilhelmshaven
Raffinerie in Wilhelmshaven mit Terminal für Öl-Tanker. Foto: Bin im Garten CC BY-SA 3.0

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    16. September 2019 11:33 at 11:33

    Die Preise dürften sich sowieso wieder stabilisieren, sprich abfallen. Wir reden hier von lächerlichen 5% des gesamten Ölbedarfs,das wird überhaupt keine signifikanten Auswirkungen haben. Beim Ölpreis war klar das der jetzt erstmal nach oben schießen wird, weil vermutlich auch viele kurzfristige Spekulanten auf den Zug aufspringen.

    Aber an den Börsen wird ja eher Psychologie als tatsächliche Fakten gehandelt…

    • Avatar

      Columbo

      16. September 2019 12:14 at 12:14

      Willkommene Gelegenheit, die Benzinpreise zu erhöhen und dort eine (lange) Weile zu belassen.

      • Avatar

        Marcus

        16. September 2019 12:45 at 12:45

        Das wird vermutlich sowieso passieren. Hat man gleich einen Grund zum abkassieren gefunden, so wie immer.

      • Avatar

        Michael

        16. September 2019 14:03 at 14:03

        Und dabei natürlich die gestiegenen Energiekosten neben den Mieten aus der Inflation heraus- oder zumindest im Warenkorb schönrechnen. Nicht, dass man noch die Zinsen erhöhen müsste.

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Allgemein

Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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Rüdiger Born: Aktuelle Lage im Dow, mögliche Idee für den Yen

Rüdiger Born

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Devisen

Warum sich der Goldpreis vor dem Wochenende gestärkt zeigt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis zeigt sich auch heute gestärkt. Wir hatten es gestern bereits angesprochen. Der diese Woche gelaufene Aufwärtstrend im Gold scheint noch nicht nachhaltig zu sein, weil in den letzten Tagen die Anlegergelder weiterhin aus Gold-ETF abflossen. Von daher sollte man dem Aufwärtstrend bei Gold noch nicht blind vertrauen. Aber es ist ein ordentlicher Anstieg.

Der Goldpreis stürzte in den letzten Wochen fast 200 Dollar in den Keller, weil die Kapitalmärkte deutlich mehr Hoffnung auf die Corona-Imfpungen hatten, und daher bereit waren in riskantere Geldanlagen zu investieren. Gold war weniger interessant. Seit dieser Woche ist aber (wir erwähnten es gestern) die wichtige negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar wieder angesprungen. Der Dollar fiel immer weiter, und der Goldpreis stieg. Auch heute sehen wir eine weitere Dollar-Abwertung, und Gold (Montag noch bei 1.764 Dollar) konnte sich bis vorhin noch robust bei 1.840 Dollar behaupten (aktuell 1.836 Dollar).

Den Vergleichschart von gestern zwischen Gold und US-Dollar setzten wir hiermit aktualisiert fort. Die Trends sind weiterhin intakt – zumindest in diesem Augenblick. Wir sehen den gegenläufigen Verlauf seit Anfang der Woche. Auch wenn der Goldpreis ganz aktuell ein paar Dollar fällt, so ist die gegenläufige Bewegung im Gesamtbild der Woche erkennbar. Der US-Dollar befindet sich aktuell am tiefsten Punkt seit Frühjahr 2018. Diese Talfahrt hatten wir heute in einem separaten Artikel besprochen (mehr dazu hier).

Chart zeigt Goldpreis gegen US-Dollar seit Anfang der Woche

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