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EZB – stürzt sie Europas Banken ins Verderben?

Die schwerste Krise an den Kapitalmärkten ist eine Bankenkrise, mit Bankrun und ähnlich hässlichen Begleiterscheinungen. Sollte ausgerechnet Madame Lagarde

Wolfgang Müller

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Die EZB hat bekanntlich erneut die Einlagezinsen gesenkt auf nun -0,50%. Gespannt verfolgen viele Investoren die Entwicklung der deutschen und europäischen Banken – wurde denn von dem ausgewiesenen Bankenkenner, Dr. Markus Krall, nicht weniger als das Ende des Geschäftsmodells deutscher Banken für Ende 2020 vorhergesagt?

Mit großen Folgen für die Wirtschaft im Euroraum und für die Gemeinschaftswährung. Einer der Hauptgründe ist natürlich die Zinspolitik der EZB, die die Hauptverdienstquelle der Institute (Stichwort Fristentransformation) zerstört. Bei der letzten Zinsentscheidung der EZB wurde nahezu jede Hoffnung pulverisiert, dass sich in absehbarer Zeit wieder positive Zinsvorzeichen ergeben werden. Denkbar ungünstige Voraussetzungen für europäische Geldinstitute, die allein im letzten Jahr 2,3 Milliarden Euro durch den Einlagezinssatz von minus 0,40 Prozent an die EZB überweisen mussten. Vor allem, weil die US-Banken hier mit Milliardenüberschüssen kalkulieren können.

Wie es mit den europäischen Bankinstituten im Vergleich zu ihren amerikanischen Konkurrenten aussieht, zeigt eine Studie von Ernst & Young.

 

Der Niedergang von Europas Banken in Zahlen und die EZB

Betrachtet man den Abstieg der europäischen Institute, so kommt man nicht umhin, sich die Kursentwicklung der Deutschen Bank zu betrachten. Im vergangenen Jahrzehnt hat die einst viertgrößte Bank um 80 Prozent an Kurwert verloren, während der US-Branchenprimus JP Morgan um 250 Prozent zulegen konnte. Jetzt könnte man annehmen, dass es sich dabei um ein spezielles bankeninternes Problem handeln könnte, aber dass dem nicht so ist, zeigt eine Studie von Ernst & Young, die europäische und amerikanische Institute gegenüberstellt:

Im ersten Halbjahr 2019 verdienten die 10 größten US-Banken zweieinhalb mal soviel wie deren 10 größten europäischen Konkurrenten. Der US-Riese JP Morgan mit seiner Marktkapitalisierung von über 350 Milliarden Dollar verdiente dabei 16,6 Milliarden Dollar, während man sich diesseits des Atlantiks mit 26,4 Milliarden Euro zufrieden geben musste – für alle 10 Banken akkumuliert, versteht sich. Immer wieder schockierend der Blick auf die Marktkapitalisierung des deutschen Branchenprimus, der Deutschen Bank (14,7 Mrd.€), die unter Josef Ackermann auf Augenhöhe mit diesem Institut mitmischen wollte.

Von der kaum mehr vorhandenen Eigenkapitalrendite erst gar nicht zu reden. Hier kamen die US-Banken auf 13 Prozent, die europäischen Häuser auf 6,5 Prozent. Vor 10 Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt: Europa 9,2 Prozent Eigenkapitalredite, USA 3,1 Prozent.
Ingesamt repräsentieren die 10 US-Topinstitute einen Wert von 1,2 Billionen Dollar (in etwa der Wert des gesamten Dax). Das ist laut Studie circa das Dreifache der 10 größten europäischen Banken.

Hierzu ein paar Statements von einem weiteren Kenner der Europäischen Bankenverhältnisse, Dr. Thomas Mayer, ehemaliger IWF-Ökonom, Chefvolkswirt der Deutschen Bank und heute Leiter des Flossbach von Storch Research Institute, aus einem Interview mit Gabor Steingart:

Das Grundproblem sei natürlich die Zinspolitik der EZB. Diese sei deshalb so fatal, weil sich die europäischen Geldhäuser mehr im Kredit- als im Kapitalmarktgeschäft engagieren würden. Hier gebe es keine wirkliche Zinsspanne mehr, um Geld zu verdienen.
Dazu habe man in den letzten Jahren viele Fehler in den Vorstandsetagen gemacht. Exemplarisch einmal mehr die Deutsche Bank, die die letzten sieben Jahre nach Josef Ackermanns Abgang schlichtweg verschlafen habe. Die Bank sei dem Größenwahn erlegen gewesen.
Alles in allem eine vielfache Kongruenz mit den Analysen von Dr. Markus Krall.

 

Fazit

Das Thema Banken ist zweifelsohne sehr spannend. Vor allem, weil es von Dr. Krall so stringent begründen wurde, warum die Erträge der deutschen Banken im nächsten Jahr ins Bodenlose fallen müssen. Zumal der scheidende EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen weiter in der Tiefe sehen möchte, mit einem offenen Ende, auch wenn ein zukünftiger Staffelzins für etwas Erleichterung sorgen könnte.

Aber wird seine Nachfolgerin an der Spitze der EZB, Christine Lagarde, die Bankenlandschaft ins Verderben stürzen?

Die schwerste Krise an den Kapitalmärkten ist eine Bankenkrise, mit Bankrun und ähnlich hässlichen Begleiterscheinungen. Sollte ausgerechnet Madame Lagarde, die Politikerin, die in den letzten Jahren Jahren als IWF-Chefin vielen bankrotten Staaten mit Krediten aus der Klemme half, das Spiel bis zum bitteren Ende weitertreiben? Schwer vorstellbar.

Denn eine Bankenkrise würde zugleich das Ende der Gemeinschaftswährung bedeuten – die „Whatever it takes“-Aktion wäre krachend gescheitert. Aber wie für auskömmliche Zinsen sorgen, der Basis für das Bankengeschäft, ohne die Schuldenstaaten in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen? Mario Draghi hat jahrelang Zeit herausgeholt, in der Hoffnung auf Reformen in den betreffenden Ländern. So viel Zeit wird Madame Lagarde bestimmt nicht mehr bekommen, um den großen Knall zu verhindern. Die Krallˋsche Zeitschiene für den Bankenknall scheint mir auch unter Berücksichtigung der aktuellen Zahlen aus der Studie jedoch sehr gewagt – nur noch gut 12 Monate!

 

Die EZB stürzt Europas Banken immer tiefer in die Krise

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    20. September 2019 10:43 at 10:43

    Ja und was am meisten daran zu bemängeln ist: was Prominent in den Medien geistert wird auch det Aufsicht und der EZB nicht ganz entgehen und diese werden kaum zuschauen wie die Banken absaufen, die Folgen davo würde die EZsb direkt betreffen als hat sie auch allen grund zunintervenieren.

    Och würde schon sehr staunen wenn tatsächlich eine solche von langer Hand erzählte Voraussage dann wirklich eintrifft und die Krise dann auslöst, das kann ich mir nicht vorstellen, diese kritik haben aber andere auch schon geäussert….

    Ich glaube auch den Währungshütern ist das Problem durchaus bekannt, die Schweiz hat Ihre Freigrenzen gerade dynamisiert mit der Folge das weniger betroffen sind, womit die Notenbanken auf der anderen Seite sich natürlich wieder selbst ins Bein schiessen….

    Es bringt halt wenig wenn ich Versuche Druck auszuüben um die kreditvergabe anzukurbeln um dann gleichzeitig diesen Druck mit höheren Freigrenzen wieder löse unter dem Strich ist das dann eine endgültige Eunuchenpolitik, was soll es bringen den Satz zu erhöhen und gleichzeitig Freigrenzen einzuführen? Dann hätte man auch den Satz einfach weniger erhöhen können, die Politik (auch die Finanzpolitik) läuft ad absurdum einfach weiter und löst sich mehrheitlich in sich selbst auf….

    Dort wo es kreditwachstum gibt, bei dem Immobilien steht die Aufssicht wieder auf der Bremse wegen Blasenbildung….ja es wird kein expansives kreditwachstum geben können (welches fie Inföation anheitzen könnte) ohne das es auch da und dort zu überbewertungen kommen wird….

    Die Ziele der verschiedenen Aufsichten und Akteure sind so unterschiedlich das am Schluss der Grossteil im Sande verläuft da man sich Gegenseitig mit Massnahmen wieder aufhebt….

    Das einzige was bleibt sind viele gut bezahlte Beamte, die Ihr Salär nach Hause tragen.

    Mich würde ja interessieren was passieren würde wenn man mal aufhört zu versuchen Planwirtschaft zu betreiben und den Markt mal wieder spielen lässt…

  2. Avatar

    Übelkeit

    20. September 2019 11:24 at 11:24

    Das Zeitfenster ist durchaus realistisch. Stichwort Eurostoxx Banks, fallendes Dreieck

  3. Avatar

    Leviathan

    20. September 2019 11:36 at 11:36

    Viele können sich diese Szenarien nicht vorstellen weil sie der Mantel des Wohlstandes umgibt.Doch unverhofft kommt oft. Und schau ich mir so die REPO Entwicklungen an dann bin ich mir nicht sicher ob das noch all zu lange ohne Wirkung bleibt.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Netflix und Tesla bringen gute Laune

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Netflix hat gestern Abend tolle Zahlen geliefert, und bei Tesla gibt es ein neues hohes Kursziel.

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Börse: Die Stimulus-Schecks und der große Börsen-Hype

Wiederholt sich das Muster an der Börse aus der ersten Corona-Welle? Damals stiegen Kleininvestoren ein, und nun kommen neue Schecks!

Wolfgang Müller

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Was sich im letzten Sommer durch die großzügigen Schecks der US-Regierung zur Unterstützung der Arbeitslosen an der Börse gezeigt hat, wiederholt sich mit den 600 Dollar-Schecks seit Jahresanfang in verschärfter Form. Man zockt mit dem staatlichen Geld immer zügelloser, in Pennystocks und in Optionen. Jetzt kommt bald die Aufstockung auf 2000 Dollar durch die Biden-Regierung – wird dies der Höhepunkt der Manie der Börse?

Börse: Corona und die Generation RobinHood

Es war ein großes Thema im Coronajahr 2020, die allein schon beim Neobroker RobinHood auf 13 Millionen, vorwiegend junger Anleger angewachsene Schar neuer und junger Investoren, die ihre Freizeit genutzt haben, um nahezu gebührenfrei an der Börse zu zocken. Zunächst mit den großen Aktien aus dem „Stay-at-Home-Umfeld“, Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Nvidia, oder Zoom und natürlich Tesla. Aber da dies so gut geklappt hatte, dann auch mit Hebelprodukten aus dem Optionsbereich. Was die Stillhalter dazu genötigt hatte, teure Aktien zur Absicherung auch noch nachzukaufen, Stichwort Gamma-Absicherung. Die Hausse nährte ständig die Hausse. Dies ist natürlich den großen Häusern in den USA nicht verborgen geblieben. Goldman Sachs holte sich die Liste der meist nachgefragten Aktien bei den Billigbrokern und bei den Favoriten der Hedgefonds – und siehe da, die Lieblinge der RobinHoodies schlugen die Benchmark und die Profis um Längen.

2020: S&P 500, plus 16 Prozent – Hedgefonds plus 40 Prozent – und die RobinHooder plus 80 Prozent. Dies ist natürlich nicht die Performance der Depots, sondern die Berechnung der Performance der Favoriten.

Das neue Thema Pennystocks

Das Jahr 2021 entwickelt sich in Teilbereichen noch extremer als das Jahr 2020. Die jungen Spekulanten hatten bemerkt, dass sich nach den Wahlen im November und der großen Impfstoffstory ein Favoritenwechsel ergeben hat, weg von Big Growth und Value, hin zu kleinen Nebenwerten. Überaus deutlich ersichtlich an der Performance des Russel 2000, der allein von Anfang November bis dato von 1520 auf 2150 Punkte gestiegen ist. Ein Index, wohlgemerkt, in dem sich so viele Titel befinden, die gar keine Gewinne machen, seit Jahren „Zombies“ genannt. Manch erfahrener Börsianer wird sich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben, angesichts der Kurssprünge einiger kleiner und eigentlich unbekannter Aktien aus dem Feld der Pennystocks.

Das extremste und am meisten zitierte Beispiel ist eine Firma aus der Medizintechnik, Signal Advance. Infolge einer Verwechslung aufgrund eines Musk-Tweets: „Buy Signal“ hatte sich der Pennystocks schlicht verdreiundzwanzigfacht. Nicht ganz so extrem, aber immerhin auch schon mit 120 Prozent plus, notierte GameStop, eine Firma aus der Videobranche. Ob Energiesektor, Elektromobilität, Wasserstofftechnologie, Solar oder sogar Aktien, die sich der Pleite genähert haben, Hauptsache billig, dann wird damit herumgezockt.

Das Volumen der gehandelten Billigaktien hatte bereits im Dezember die Billionengrenze erreicht.

Stimuli, oder die staatliche Quelle für das Zocken

Wie bereits angedeutet, viele Anleger hatten anscheinend nur darauf gewartet, dass der Staat ihnen endlich die lange erwartete Unterstützung mittels der 600 Dollar-Schecks zusandte. Der Beweis für diese Annahme ist der Anstieg des Handelsvolumens bei Pennystocks – Over the counter (OTC), also außerbörslich, der sich nach dem Erhalt der Schecks glatt fast versechfacht hatte.

Was bedeutet dies für die nahe Zukunft? Der neue US-Präsident hat letzte Woche sein 1,9 Billionen Dollar schweres Stimulusprogramm angekündigt, welches noch der Billigung durch den Kongress bedarf.

Eine Aufstockung um 1400 Dollar und es könnten weit über 100 Millionen Amerikaner in den Genuss der staatlichen Stimulus-Schecks geraten.

Wird sich das Verhalten der neuen Generation Anleger ein weiteres Mal wiederholen und das Geld unmittelbar wieder an der Börse landen, bei Werten, von denen unsereins noch gar nichts gehört hat?

Ein nochmaliger kurzfristiger Boom?

Daran sieht man einmal mehr, warum statistische und saisonale Annahmen stets mit Vorsicht zu genießen sind. Jedes Jahr, jeder Zyklus ist anders und bietet ständig Überraschungen. Wer hätte vor einem Jahr daran gedacht, dass kleinste Anlegergruppen mit staatlicher Stütze einen Einfluss auf die Kurse an der Börse ausüben können?

Fazit

Wieder ein Zeichen für eine Bubble an der Börse, die aber wie immer erst dann festgestellt wird, wenn sie geplatzt ist? Jede Übertreibung ist anders als die vorherige und die aktuelle Phase ist durch Umstände befördert worden, die es in dieser Kombination auch noch nicht gegeben hat. Die Notenbanken haben durch ihre Marginalisierung des Zinses den Aktienmarkt zu einer dominanten Anlageklasse gemacht, dann haben die neuen Broker die Handelsgebühren abgeschafft und das Handeln mit ganz niedrigen Beträgen möglich gemacht und zuletzt hat Vater Staat auch noch das nötige Spielgeld zur Verfügung gestellt, ungewollt. 2020 war es die Arbeitslosenunterstützung, die in manchen Staaten über 4000 Dollar pro Monat betragen hat, mehr als der Arbeitnehmer mit seiner Arbeit verdienen konnte. Dann kamen die 600 Dollar-Schecks und jetzt die nochmalige Aufstockung durch die neue US-Regierung.

Was mich wieder einmal in meiner These bestätigt, wann der Rally an der Börse sehr deutlich der Stecker gezogen werden könnte: Wenn die Wirtschaft ohne staatliche (Not-)Versorgung läuft, das Zinsniveau nur ein wenig weiter ansteigt und zusätzlich den jungen Zockern die staatlichen Schecks verwehrt werden.

Der Einfluß der Stimulus-Schecks auf die Börse

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Netflix-Quartalszahlen: Nutzerwachstum deutlich besser als gedacht, Aktie +11 Prozent

Claudio Kummerfeld

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Netflix auf Computer schauen - Beispielbild

Soeben wurden die Netflix-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier zeigen wir die wichtigsten Eckdaten.

Der Umsatz liegt bei 6,64 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 5,47/Erwartungen 6,6). Im aktuell laufenden Quartal soll der Umsatz bei 7,1 Milliarden Dollar liegen.

Der Gewinn liegt bei 1,19 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,30/Erwartungen 1,39). Im laufenden Quartal erwartet man 2,97 Dollar.

Die Zahl neuer Abonnenten liegt bei 8,51 Millionen (erwartet 6,5). Für das laufende Quartal gibt man ganz aktuell die Zielmarke von 6 Millionen neuen Abonnenten aus.

Netflix sagt aktuell, dass man keine externe Finanzierung mehr benötige, und über Aktienrückkäufe nachdenke. Das und das Nutzerwachstum lassen die Aktie gut da stehen. Sie steigt aktuell nachbörslich um 11 Prozent!

Grafik zeigt Netflix-Quartalszahlen im Detail

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