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Ölpreis jetzt bei 30 Dollar – da kann einem ja Angst und Bange werden…

FMW-Redaktion

Der Ölpreis ist gestern nach weiteren negativen Kommentaren u.a. von Morgan Stanley weiter durchgesackt. Auf einmal sehen ganz ganz ganz viele Analysten den Ölpreis bei 25 oder sogar 20 Dollar. Wo waren da nochmal die Prognosen von 50 oder 60 Dollar im Jahresdurchschnitt 2016? Aber egal. Wir schreiben schon seit Monaten sehr kritisch über Öl und haben diese tiefen Niveaus immer mit dem Argument begleitet, dass das globale Überangebot schlicht und einfach zu groß ist.

Wie wir gestern berichteten, werden diese oder nächste Woche möglicherweise die westlichen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben, womit in Windeseile 500.000 zusätzliche Barrels pro Tag auf den Weltmarkt strömen. Genau das + die Dresche der Analysten knallt jetzt voll auf den Ölpreis ein, und am Tag wo der Iran tatsächlich verkündet „jetzt erhöhen wir die Exportmenge aber mal so richtig“, könnte nochmal für einen kräftigen Durchsacker nach unten sorgen. Inzwischen ist Öl (WTI) bei 30,50 Dollar angekommen, Brent bei 30,70.

Aber wir sagen so langsam: Da wird einem Angst und Bange. Besonders das Tempo des Zusammenbruchs ist atemberaubend. Wo soll das enden? Natürlich kann es wie Goldman Sachs Ende 2015 prophezeite auf 20 Dollar durchrauschen. In solch einem Markt mit so schnellen Bewegungen kann niemand mehr Voraussagen treffen. Kurzfristig werden morgen mal wieder die Öl-Lagerbestände in den USA ein wenig fundamental untermauerte Beeinflussung in den Markt bringen, aber die pure Zockerei ist im Augenblick so groß, dass selbst eine drastische Reduzierung der Lagerbestände im Ölpreis nach wenigen Augenblicken verpuffen könnte, so wie schon letzte Woche.

Es fehlt jetzt nur noch ein erneutes Statement von amerikansichen Fracking-Unternehmen, dass man auch bei einem Ölpreis von 30 Dollar profitabel arbeite, weil man seine technischen Anlagen und die Produktivität mal eben nochmal kräftig verbessert und gesteigert habe. Das würde jetzt noch fehlen als Lachnummer für die Witzeecke. Selbst der naivste Junk Bond-Investor der Fracking-Anleihen hält oder der naivste Bankmanager, der Kredite an diese Firmen herausreichte, dürfte sich fragen wie lange eine Fracking-Bude so einen Ölpreis durchhalten kann. Die Förderkosten schwanken extrem, und die Meinungen gehen weit auseinander. Es mag Fracking-Unternehmen geben, die je nach Lage ihrer Felder, Größe der Firma und Höhe der Kapitalkosten bei 40 oder 50 Dollar fördern, andere aber deutlich teurer. Einige sind schon pleite, andere schulden um, andere sind schon zum Beten übergegangen.

Die Saudis haben sich, wie sie jüngst verkündeten, dazu entschieden die Durststrecke zu überbrücken indem sie Teile ihres Tafelsilbers verkaufen. Ihr staatlicher Ölkonzern Saudi-Aramco, gleichzeitig der wertvollste Konzern der Welt, prüft derzeit einen Teil-Börsengang um gigantische Geldsummen in die saudische Staatskasse zu spülen. Die globale Realwirtschaft, die da besteht aus Transport-Industrie, Stahlindustrie, nachgelagerte Zulieferer uvm wird in 2016 wohl noch viel stärker als in 2015 von diesem Ölpreis-Desaster betroffen sein. Das erste große Opfer in Nordamerika ist die kanadische Provinz Alberta, wo die Arbeitslosigkeit und alle damit verbundenen Folgeerscheinungen derzeit massiv zunehmen.



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