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Ölpreis-Rally – Mittwoch OPEC – warum keine Öl-Flut zu erwarten ist

Öl-Bohrturm

Die Rally im Ölpreis läuft. Alleine in den letzten 30 Tagen ist WTI-Öl von 76 auf über 87 Dollar angestiegen. Mit 88,79 Dollar sahen wir erst letzten Freitag das höchste Kursniveau am Terminmarkt für Öl seit acht Jahren. Der Markt hält sich aktuell auf diesem hohen Niveau.

Ukraine-Krise hält Ölpreis hoch

Wie auch letzte Woche, so hält die Angst um eine Eskalation um den Ukraine-Konflikt den Ölpreis auf hohem Niveau. Greift Russland an, und wird russisches Öl und Gas dann zu einer Art Sanktionswaffe Russlands gegen Europa? Diese Angst vor einer Verknappung des schwarzen Goldes wurde seit Tagen im Ölpreis eingepreist. Und diese Angst-Rally kann auch noch weiter laufen. Sichtbar wird die Angst in der Backwardation – also in höheren Terminmarktpreisen für den aktuellsten Liefermonat, als für weiter entfernt liegende Termine. Dies ist eine absolut unübliche Situation.

Laut den Experten der Commerzbank liegt beispielsweise die Backwardation beim europäischen Brent-Terminkontrakt bei einer Differenz von 6 Dollar zwischen dem nächst fälligen und dem in sechs Monaten fälligen Terminkontrakt – vor einer Woche seien es noch 4 Dollar Aufschlag gewesen. Daran erkenne man die kurzfristige Angst vor Angebotsausfällen. Wie ich letzte Woche bereits schrieb: Zwar kann diese Rally noch weiter laufen. Aber kommen plötzlich klare deeskalierende Signale aus Moskau, kann der Ölpreis auch aus dem Stand kräftig fallen.

OPEC am Mittwoch – trotz mehr Fördermenge keine Panik am Ölmarkt

Bereits vor vier Wochen hatte die OPEC mit ihren Partnern (Gesamtgruppe OPEC+) bei ihrer turnusmäßigen monatlichen Entscheidung erneut die Fördermenge im Monatsvergleich um 400.000 Barrels pro Tag angehoben. Dennoch rauschte der Ölpreis nicht in den Keller, sondern stieg kräftig an. Diese entspannte Haltung könnte auch am Mittwoch vorherrschen, wenn die OPEC+ ihre Fördermenge für März vereinbaren wird. Denn obwohl mehr Angebotsmenge eigentlich negativ auf den Ölpreis wirken sollte, gilt aktuell offenbar das selbe wie vor vier Wochen. Wir berichteten bereits am 6. Januar. Auch im Vormonat wurde ein Ausbau der offiziellen Fördermenge von 400.000 Barrels pro Tag beschlossen. Aber zehn der an der Produktionserhöhung teilnehmenden OPEC-Länder konnten ihre tägliche Produktion nur um 150.000 Barrels pro Tag steigern konnten, statt wie eigentlich geplant um 250.000 Barrels.

Insgesamt wurden somit pro Tag im Dezember 430.000 Öl-Barrels weniger gefördert als geplant. Abseits der offiziellen kontinuierlichen Anhebung der Öl-Fördermenge wird in der Realität also weniger Öl bei der OPEC gefördert – was an den Kapazitäten und Förderproblemen einiger Mitgliedsländer liegen dürfte. Laut den Experten der Commerzbank dürften heute anstehende Prognosen eine geringere Fördermenge der OPEC aufzeigen, als es das erweiterte Kartell vereinbart hat. Der Beschluss einer weiteren Erhöhung der Produktionsmenge um 400.000 Barrels pro Tag dürfte laut den Experten zwar eine reine Formsache sein. Allerdings schaffe es die OPEC+ schon seit Monaten nicht mehr die vereinbarte Produktionserhöhung tatsächlich umzusetzen.

Also, an der OPEC-Front herrscht vermutlich Entwarnung für die Bullen, die auf einen weiter ansteigenden Ölpreis wetten. Hauptthema bleibt aktuell die Ukraine-Angst. Wie viel davon ist schon eingepreist, und wie stark kann die Kriegsangst den Ölpreis weiter hoch pushen? Das sind aktuell die wichtigsten Fragen rund ums Öl. Und vor allem – man vergesse bitte nie die Möglichkeit einer plötzlichen Entspannung der Ukraine-Krise, und damit die Möglichkeit, dass der Ölpreis überraschend absackt.

Chart zeigt WTI-Ölpreis im Kursverlauf der letzten 30 Tage WTI-Ölpreis im Kursverlauf der letzten 30 Tage.



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1 Kommentar

  1. Die OPEC+-Mitgliedsländer/Ölstaaten dürfen nicht mehr vereinzelt sanktioniert werden. Sie müssen in der Lage sein, ihre technisch möglichen Ölfördermengen grundsätzlich auszuschöpfen.

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