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Ölpreis steigt aus diesen Gründen – Achtung, Vorsicht!

Öl-Pumpe Beispielfoto

Der Ölpreis steigt aktuell. Die Lage scheint vordergründig gut zu sein, und es gibt für die Öl-Bullen aktuell auch gute Argumente. Aber Vorsicht! Wir gehen gleich noch auf Probleme ein, die man beachten sollte. Aktuell notiert der Ölpreis (WTI) bei 26,59 Dollar, nachdem gestern Niveaus von um die 25,50 Dollar tagsüber das Durschnittsniveau darstellten. Damit kann der Markt Phasen von zwei Hochs von gestern und vorgestern aktuell überschreiten. Man siehe den Chart am Ende dieses Artikels, der den Kursverlauf seit dem 8. Mai zeigt.

Gründe für aktuell steigenden Ölpreis

Ganz aktuell gibt es einen sehr guten Grund  als Trader Öl zu kaufen (dies ist natürlich keine Handelsempfehlung!) Denn die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat vor wenigen Minuten ihren Mai-Bericht veröffentlicht. Eine wichtige Aussage darin ist, dass eine nun höhere Mobilität in vielen Ländern der OECD (nach Lockerungen in Folge der Coronakrise) zu einer Aufwärtsrevision geführt hat bei der Erwartung, wie viel Öl im aktuell laufenden Quartal nachgefragt wird. Man glaube an eine um 3,2 Millionen Barrels pro Tag gestiegene Nachfrage. Dies seit zwar immer noch dramatisch weniger als im Vorjahr (-19,9 Millionen Barrels pro Tag). Aber wichtig ist eben, dass es eine aktuelle Aufwärtsrevision der Erwartungen ist. Dies ist natürlich gut für diejenigen, die auf einen steigenden Ölpreis hoffen. Das globale Angebot für Öl soll laut IEA im Mai um spektakuläre 12 Millionen Barrels pro Tag zurückgehen, auf ein Neunjahrestief von 88 Millionen Barrels pro Tag. Die Fördermengenkürzungen der OPEC und in anderen Staaten würden nun umgesetzt werden, so die IEA. Also, konsequente Senkung des Angebots, und ein nicht mehr ganz so schlimmer Einbruch auf der Nachfrageseite? Steigender Ölpreis? Aktuell läuft dieser Trade, wenn auch der Kurs noch nicht durch die Decke knallt.

Auch positiv zu werten ist, dass Förderländer wie Russland und Saudi-Arabien erneut Aussagen veröffentlichen, dass sie sich strikt an die Kürzungszusagen der Öl-Mengen halten. Soll das den Ölpreis etwa weiter nach oben pushen? Klar, so eine Aussage stärkt das Vertrauen in den Zusammenhalt der als „OPEC+“ bezeichneten Gruppe, wenn auch nur oberflächlich. Und am Montag verkündeten die Saudis, dass man in Eigenregie 1 Million Barrels pro Tag zusätzlich bei seiner Fördermenge kürzt. VAE und Kuwait folgten. Das hilft natürlich die Angebotsmenge zu senken!

Ein wichtiger Faktor für den aktuell steigenden Ölpreis sind auch die gestern von offizieller Stelle in den USA veröffentlichten Lagerbestände für Rohöl. 15 Wochen in Folge waren sie immer wieder kräftig angestiegen. Klar, weltweit gab es viel zu viel Öl, und viel zu wenig reale Nachfrage. Also musste das überschüssige Öl in den Lagertanks verschwinden. Aber dann gestern Nachmittag um 16:30 Uhr (hier die Details). Die Lagerbestände sinken völlig überraschend um 0,7 Millionen Barrels im Wochenvergleich, und die Öl-Produktion sinkt in den USA vorab geschätzt von 11,9 auf 11,6 Millionen Barrels pro Tag. Das gibt den Öl-Bullen ein weiteres Argument an die Hand.

Vorsicht ist geboten

Warum schießt der Ölpreis nicht durch die Decke bei solch einer Lawine toller Nachrichten? Schauen wir uns mal die Probleme an, die im Hintergrund schlummern. Robert Zach von investing.com berichtete jüngst darüber. Die zahlreichen Mega-Tanker aus Saudi-Arabien, die dieser Tage an der Golfküste der USA ankommen um deutlich mehr Öl als üblich zu entladen, können dies aktuell offenbar nicht bewerkstelligen. Grund dafür sei der Mangel an kleinen Schiffen, die die auflaufenden Tanker entladen sollen, um das Öl dann letztlich an Land zu bringen. Offenbar wollen zu viele Mega-Tanker gleichzeitig ihr Öl umladen. Kommt daher die große Öl-Schwemme für die Lagertanks in Cushing und anderen Orten in den USA erst in ein oder zwei Wochen?

Auch beobachtet man derzeit zum Beispiel in China ein Wiederaufflammen der Coronavirus-Infektionen. Nach 21 neuen Fällen wurde eine Millionenstadt abgeriegelt. Die Angst vor der zweiten Welle der Coronavirus-Verbreitung könnte umgehen. Gibt es neue Shut Downs, wäre das ein Debakel für die Öl-Nachfrage, die gerade dabei ist sind ganz vorsichtig zu erholen.

Und da wäre noch der kurz bevorstehende Wechsel an der Terminbörse vom Juni-Kontrakt auf den Juli-Kontrakt. Am 19. Mai ist für den Kontrakt mit Liefertermin Juni letzter Handelstag. Aktuell gibt es zwischen Juni und Juli einen Preisabstand von 40 Cents (hier eine Übersicht). Das ist ziemlich wenig im Vergleich zu den Vorkommnissen vor dem Wechsel vor einem Monat. Aber zum Beispiel der Experte John Kemp weist aktuell darauf hin, dass beim aktuellen Front-Monat Juni noch 138 Millionen offene Barrels an Öl zur Lieferung anstünden, wobei es nur noch vier Handelssitzungen bis zum Ablauf des Kontrakts gibt. Die Liquidationsrate werde sich bald deutlich beschleunigen müssen, um eine Wiederholung der Volatilität zu vermeiden, die den vorherigen Verfall kennzeichnete, so seine Aussage! Also, kann es in Kürze zu Turbulenzen im Ölpreis kommen? Achtung, Augen auf!

Aktuelle Analystenmeinungen zu Öl

Ipek Ozkardeskaya von Swissquote spricht heute vom wiedererwachten Pessimismus bezüglich der globalen Erholung. Es gehe um das bestehende Problem einer austrocknenden globalen Nachfrage. Es halte die Ölbullen davon ab, im Vorfeld des Kontrakt-Endes für die Juni-Lieferung mehr zu kaufen. Die derzeitige Konsolidierung im Ölpreis könne die Ruhe vor dem Sturm sein. Sollte sich der Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten verstärken, könnte Öl in Kürze nachgeben, so Ipek Ozkardeskaya. Naeem Aslam von Avatrade ist heute der Meinung, dass man bei Öl zweifelsohne eine fulminante Rallye erlebt habe. Aber die langfristigen Aussichten hätten sich nicht wesentlich verändert. Die Gleichung für die Nachfrage ist nach wie vor unklar. Auf der Angebotsseite spielen jedoch trotz allem positivere Faktoren eine Rolle, die wahrscheinlich die Rückständigkeit der Ölkurve beenden werden. Die Spanne zwischen dem aktuellen Kontrakt und zukünftigen Laufzeiten habe begonnen sich zu verringern. Dennoch sei es nach wie vor schwierig sich ein Szenario auszumalen, das den Ölpreis bis Ende dieses Jahres über die 30-Dollar-Marke führen könnte. Ich denke, der neue Widerstand für den Ölpreis liegt bei 30 bis 35 Dollar, und die Preise werden die 40 Dollar vielleicht nicht so bald erreichen, so Naeem Aslam.

Ölpreis Kursverlauf seit dem 8. Mai
WTI-Ölpreis seit dem 8. Mai.



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2 Kommentare

  1. Ich finde es ja immer mal interessant in die Vergangenheit zu schauen. Vor der ersten sogenannten Ölpreiskrise 1975 (daran erinnern sich nur noch die Boomer und die ganz Alten) lag der Ölpreis bei ca. 8$ pro Barrel.

    Inflationsbereinigt entspricht das einem aktuell Preis von 41$. Bezieht man dann noch den Währungsverlust Doller/Euro(DM) ein, dann ist der reale Preis heute ziemlich genau 50$.
    Wir kriegen den Stoff also aktuell zum halben Preis wie vor 45 Jahren.

  2. …seit diesem Bericht und jetzt ist der Ölpreis um ca. 30% gestiegen…Vorsicht vor fallenden Kursen ist da wohl doch nicht geboten…es ist eigentlich lustig wie die „Fachleute“ Angst schüren vor dem nächsten Rolleffekt und vor wieder fallenden Ölpreisen und dann schwups sind 30 % dazu gekommen…was’n Zufall

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