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Märkte

Ölpreis steigt aus diesen Gründen – Achtung, Vorsicht!

Claudio Kummerfeld

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am

Öl-Pumpe Beispielfoto

Der Ölpreis steigt aktuell. Die Lage scheint vordergründig gut zu sein, und es gibt für die Öl-Bullen aktuell auch gute Argumente. Aber Vorsicht! Wir gehen gleich noch auf Probleme ein, die man beachten sollte. Aktuell notiert der Ölpreis (WTI) bei 26,59 Dollar, nachdem gestern Niveaus von um die 25,50 Dollar tagsüber das Durschnittsniveau darstellten. Damit kann der Markt Phasen von zwei Hochs von gestern und vorgestern aktuell überschreiten. Man siehe den Chart am Ende dieses Artikels, der den Kursverlauf seit dem 8. Mai zeigt.

Gründe für aktuell steigenden Ölpreis

Ganz aktuell gibt es einen sehr guten Grund  als Trader Öl zu kaufen (dies ist natürlich keine Handelsempfehlung!) Denn die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat vor wenigen Minuten ihren Mai-Bericht veröffentlicht. Eine wichtige Aussage darin ist, dass eine nun höhere Mobilität in vielen Ländern der OECD (nach Lockerungen in Folge der Coronakrise) zu einer Aufwärtsrevision geführt hat bei der Erwartung, wie viel Öl im aktuell laufenden Quartal nachgefragt wird. Man glaube an eine um 3,2 Millionen Barrels pro Tag gestiegene Nachfrage. Dies seit zwar immer noch dramatisch weniger als im Vorjahr (-19,9 Millionen Barrels pro Tag). Aber wichtig ist eben, dass es eine aktuelle Aufwärtsrevision der Erwartungen ist. Dies ist natürlich gut für diejenigen, die auf einen steigenden Ölpreis hoffen. Das globale Angebot für Öl soll laut IEA im Mai um spektakuläre 12 Millionen Barrels pro Tag zurückgehen, auf ein Neunjahrestief von 88 Millionen Barrels pro Tag. Die Fördermengenkürzungen der OPEC und in anderen Staaten würden nun umgesetzt werden, so die IEA. Also, konsequente Senkung des Angebots, und ein nicht mehr ganz so schlimmer Einbruch auf der Nachfrageseite? Steigender Ölpreis? Aktuell läuft dieser Trade, wenn auch der Kurs noch nicht durch die Decke knallt.

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Auch positiv zu werten ist, dass Förderländer wie Russland und Saudi-Arabien erneut Aussagen veröffentlichen, dass sie sich strikt an die Kürzungszusagen der Öl-Mengen halten. Soll das den Ölpreis etwa weiter nach oben pushen? Klar, so eine Aussage stärkt das Vertrauen in den Zusammenhalt der als „OPEC+“ bezeichneten Gruppe, wenn auch nur oberflächlich. Und am Montag verkündeten die Saudis, dass man in Eigenregie 1 Million Barrels pro Tag zusätzlich bei seiner Fördermenge kürzt. VAE und Kuwait folgten. Das hilft natürlich die Angebotsmenge zu senken!

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Ein wichtiger Faktor für den aktuell steigenden Ölpreis sind auch die gestern von offizieller Stelle in den USA veröffentlichten Lagerbestände für Rohöl. 15 Wochen in Folge waren sie immer wieder kräftig angestiegen. Klar, weltweit gab es viel zu viel Öl, und viel zu wenig reale Nachfrage. Also musste das überschüssige Öl in den Lagertanks verschwinden. Aber dann gestern Nachmittag um 16:30 Uhr (hier die Details). Die Lagerbestände sinken völlig überraschend um 0,7 Millionen Barrels im Wochenvergleich, und die Öl-Produktion sinkt in den USA vorab geschätzt von 11,9 auf 11,6 Millionen Barrels pro Tag. Das gibt den Öl-Bullen ein weiteres Argument an die Hand.

Vorsicht ist geboten

Warum schießt der Ölpreis nicht durch die Decke bei solch einer Lawine toller Nachrichten? Schauen wir uns mal die Probleme an, die im Hintergrund schlummern. Robert Zach von investing.com berichtete jüngst darüber. Die zahlreichen Mega-Tanker aus Saudi-Arabien, die dieser Tage an der Golfküste der USA ankommen um deutlich mehr Öl als üblich zu entladen, können dies aktuell offenbar nicht bewerkstelligen. Grund dafür sei der Mangel an kleinen Schiffen, die die auflaufenden Tanker entladen sollen, um das Öl dann letztlich an Land zu bringen. Offenbar wollen zu viele Mega-Tanker gleichzeitig ihr Öl umladen. Kommt daher die große Öl-Schwemme für die Lagertanks in Cushing und anderen Orten in den USA erst in ein oder zwei Wochen?

Auch beobachtet man derzeit zum Beispiel in China ein Wiederaufflammen der Coronavirus-Infektionen. Nach 21 neuen Fällen wurde eine Millionenstadt abgeriegelt. Die Angst vor der zweiten Welle der Coronavirus-Verbreitung könnte umgehen. Gibt es neue Shut Downs, wäre das ein Debakel für die Öl-Nachfrage, die gerade dabei ist sind ganz vorsichtig zu erholen.

Und da wäre noch der kurz bevorstehende Wechsel an der Terminbörse vom Juni-Kontrakt auf den Juli-Kontrakt. Am 19. Mai ist für den Kontrakt mit Liefertermin Juni letzter Handelstag. Aktuell gibt es zwischen Juni und Juli einen Preisabstand von 40 Cents (hier eine Übersicht). Das ist ziemlich wenig im Vergleich zu den Vorkommnissen vor dem Wechsel vor einem Monat. Aber zum Beispiel der Experte John Kemp weist aktuell darauf hin, dass beim aktuellen Front-Monat Juni noch 138 Millionen offene Barrels an Öl zur Lieferung anstünden, wobei es nur noch vier Handelssitzungen bis zum Ablauf des Kontrakts gibt. Die Liquidationsrate werde sich bald deutlich beschleunigen müssen, um eine Wiederholung der Volatilität zu vermeiden, die den vorherigen Verfall kennzeichnete, so seine Aussage! Also, kann es in Kürze zu Turbulenzen im Ölpreis kommen? Achtung, Augen auf!

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Aktuelle Analystenmeinungen zu Öl

Ipek Ozkardeskaya von Swissquote spricht heute vom wiedererwachten Pessimismus bezüglich der globalen Erholung. Es gehe um das bestehende Problem einer austrocknenden globalen Nachfrage. Es halte die Ölbullen davon ab, im Vorfeld des Kontrakt-Endes für die Juni-Lieferung mehr zu kaufen. Die derzeitige Konsolidierung im Ölpreis könne die Ruhe vor dem Sturm sein. Sollte sich der Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten verstärken, könnte Öl in Kürze nachgeben, so Ipek Ozkardeskaya. Naeem Aslam von Avatrade ist heute der Meinung, dass man bei Öl zweifelsohne eine fulminante Rallye erlebt habe. Aber die langfristigen Aussichten hätten sich nicht wesentlich verändert. Die Gleichung für die Nachfrage ist nach wie vor unklar. Auf der Angebotsseite spielen jedoch trotz allem positivere Faktoren eine Rolle, die wahrscheinlich die Rückständigkeit der Ölkurve beenden werden. Die Spanne zwischen dem aktuellen Kontrakt und zukünftigen Laufzeiten habe begonnen sich zu verringern. Dennoch sei es nach wie vor schwierig sich ein Szenario auszumalen, das den Ölpreis bis Ende dieses Jahres über die 30-Dollar-Marke führen könnte. Ich denke, der neue Widerstand für den Ölpreis liegt bei 30 bis 35 Dollar, und die Preise werden die 40 Dollar vielleicht nicht so bald erreichen, so Naeem Aslam.

Ölpreis Kursverlauf seit dem 8. Mai
WTI-Ölpreis seit dem 8. Mai.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    14. Mai 2020 13:55 at 13:55

    Ich finde es ja immer mal interessant in die Vergangenheit zu schauen. Vor der ersten sogenannten Ölpreiskrise 1975 (daran erinnern sich nur noch die Boomer und die ganz Alten) lag der Ölpreis bei ca. 8$ pro Barrel.

    Inflationsbereinigt entspricht das einem aktuell Preis von 41$. Bezieht man dann noch den Währungsverlust Doller/Euro(DM) ein, dann ist der reale Preis heute ziemlich genau 50$.
    Wir kriegen den Stoff also aktuell zum halben Preis wie vor 45 Jahren.

  2. Avatar

    Ranzentier

    18. Mai 2020 17:15 at 17:15

    …seit diesem Bericht und jetzt ist der Ölpreis um ca. 30% gestiegen…Vorsicht vor fallenden Kursen ist da wohl doch nicht geboten…es ist eigentlich lustig wie die „Fachleute“ Angst schüren vor dem nächsten Rolleffekt und vor wieder fallenden Ölpreisen und dann schwups sind 30 % dazu gekommen…was’n Zufall

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Bitcoin

Dow 30.000 Punkte, Bitcoin mit Aussicht auf 20.000 – Ideen für Pfund und Hewlett Packard

Redaktion

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Der Dow Jones ist diese Woche über 30.000 Punkte geklettert, ein Rekordhoch! Die aktuelle Lage und die Aussichten bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einem Experten. Ebenfalls ein wichtiges Thema im Video ist die seit Wochen vorhandene Euphorie im Bitcoin, auch wenn die Volatilität groß ist. Hier sei die Chance auf einen Anstieg Richtung 20.000 Dollar vorhanden (aktuell 17.192 Dollar). Aber dann könne es bei dieser runden Marke aus psychologischen Gründen zu Gewinnmitnahmen kommen.

Auch im Video besprochen werden aktuelle Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Das britische Pfund könne man gegen den US-Dollar kaufen über das Vehikel einer Stop-Buy-Order. Ebenso könne man derzeit über eine Stop-Buy-Order auf steigende Kurse in der Hewlett Packard-Aktie setzen. Beide Ideen werde im Video konkret begründet.

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Aktien

Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

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Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

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Aktien

Aktienmärkte: Die 8-Billionen-Dollar Bombe – 20%-Korrektur voraus

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der USA haben ein Klumpenrisiko – sie sind eine Bombe, die entschärft werde auf Kosten einer heftigen Korrektur. Das sagt nicht ein sogenannter „Crash-Prophet“, sondern der eher als „Dauer-Bulle“ bekannte Hans. A. Bernecker. Alle Indizes der amerikanischen Aktienmärkte seien extrem überkauft, getrieben vor allem in den letzten Monaten durch die Tech-Werte. Bevor dann ab dem 09.November mit der Pfizer/BioNTech-Meldung über den Impfstoff eine gewaltige Rotation erfolgte – raus aus Tech, rein in die sogenannten Value-Werte (die jedoch in vielen Fällen eigentlich alles andere als „value“ sind). Man wechselt also von einer Überbewertung in die andere, und dabei entfernen sich die Aktienmärkte immer mehr von der ökonomischen Realität.

Aktienmärkte: Nach dem Entschärfen der Bombe kommt die Erholung

Der Hype der Aktienmärkte, so Hans Bernecker, sei vor allem von Kleininvestoren getragen gewesen (die sogenannten „Robinhooder“). Das alles erinnert an die Euphorie des Jahres 1987, der dann im Oktober diesen Jahres ein gewaltiger, wenn auch nur kurzfristiger Absturz folgte. Nun aber gebe es eine Schwachstelle: das seien extrem überbewertete Aktien wie eine Tesla mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden Dollar, die nun ein großer Hedgefonds-Manager geshortet habe. Es werde nun, so Bernecker, bald eine heftige Marktbereinigung geben bei den großen und marktschweren Titel der amerikanischen Aktienmärkte, die alleine acht Billionen Dollar auf die Waage bringen.

Wann kommmt der Einbruch? Eher zeitnah, meint Bernecker. Es handele sich dabei um eine Markt-Bereinigung, der dann jedoch wieder eine Aufwärtsbewegung folgen werde. Sehen Sie hier die Aussagen des „Altmeisters“ Bernecker:

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Die überbewrteten Aktienmärkte der USA als Bombe, die bald entschärft wird

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