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Ohne „Bail-out“ droht eine Weltwirtschaftskrise – mit ihm die Knechtschaft

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Die wachsenden Sorgen vor den Folgen des Corona-Virus (COVID-19) haben weltweit zu einem Nachfrage- und Angebotsschock geführt: Die Güter- und Dienstleistungsnachfrage kollabiert, und weil die internationalen Produktions- und Wertschöpfungsketten ebenfalls ins Stocken geraten, kann auch die bisherige Produktionsleistung nicht mehr aufrechterhalten werden.

Beides zusammen droht die Arbeitsteilung in den einzelnen Ländern und damit auch international vollends zum Stillstand zu bringen. Der Schaden wäre kolossal und bedrohlich. Die fein gegliederte Arbeitsteilung ist der Motor, der den wirtschaftlichen Wohlstand der Weltbevölkerung antreibt. Er lässt sich nicht ungestraft abschalten. Dauert der „Shut down“ an, sind Versorgungsengpässe der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern unabwendbar.

Vor allem aber das ungedeckte Papiergeldsystem, das man weltweit vorfindet, gerät unter dem Nachfrage- und Produktionseinbruch ins Wanken, und das kann für die Weltwirtschaft letztlich fatale Folgen haben; die Börsen geben bereits einen Vorgeschmack darauf (wie die nachstehende Abbildung zeigt). Ob in den USA, Europa, Asien oder Lateinamerika: Überall operiert man mit ungedeckten Papiergeldsystemen.

Das ungedeckte Papiergeldsystem

In einem ungedeckten Papiergeldsystem weiten die Zentralbanken, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, die Geldmenge per Kreditvergabe aus. Es handelt sich um ein Geldmengenvermehren aus dem Nichts („ex nihilo“): Neues Geld wird in Umlauf gegeben, das durch keinerlei „echte Ersparnis“ gedeckt ist. Dass solch ein ungedecktes Geldsystem unweigerlich für Krisen sorgt, ist Ökonomen nur zu gut bekannt.

Vor allem kann das Schuldgeldsystem eines nicht vertragen: einen Rückgang der Einkommen, einen Verfall der Güterpreise. Dann nämlich tritt die Überschuldung von Firmen, Haushalten und vor allem der Staaten zutage, fliegt der ganze Papiergeldschwindel auf. Und das ist auch der Grund, warum die Staaten mit ihren Zentralbanken jetzt stärker denn je („All in“) in das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem eingreifen.

Die Zinsen werden so weit wie noch möglich gesenkt, um die Schuldenpyramide vor dem Einsturz zu bewahren. Und strauchelnde Staaten und Banken versorgt die Zentralbank bei Bedarf mit unbegrenzten Geldspritzen. Doch anders als noch in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 steht mittlerweile auch die Privatwirtschaft im Feuer: Firmen und privaten Haushalten droht der Bankrott.

Das Verschuldungsproblem

Viele Unternehmen sind verschuldet, sie müssen daher laufend Zins- und Tilgungszahlungen leisten. Kollabieren Absatz und Gewinn, verdienen sie nichts mehr und geraten in finanzielle Bedrängnis. Werden Firmen zahlungsunfähig, gehen Arbeitsplätze verloren, und der Sturm erreicht damit letztlich auch die privaten Haushalte, die dann ebenfalls kein Geld mehr haben, um ihre Schulden zu bedienen

Die Banken treten auf die „Kreditbremse“: Sie sind nicht mehr willens oder in der Lage, schwankenden Kreditnehmern Aufschub zu geben, geschweige denn neues Geld zu leihen. Versiegt aber der Zustrom neuer Kredite in die Volkswirtschaft, geraten letztlich alle „Dauerschuldner“ in die Klemme. Sie können ihren Kredit nicht zurückzahlen, bekommen aber auch keine neuen Kredite mehr, die ihre fälligen Kredite ersetzen könnten.

Die Kreditausfälle mehren sich. Das Kreditangebot schrumpft – und verschärft das Pleiteproblem. Banken erleiden Kreditausfälle, die ihr Eigenkapital aufzehren, und sie selbst geraten in Bedrängnis. Der „Kreditboom“, der die Volkswirtschaften angetrieben und den Verschuldungsanreiz angefeuert hat, platzt. Der Boom kippt in einen Bust um.

Banken-„Bail-out“

In Deutschland hat man bereits reagiert, um die Krise zu „meistern“: beispielsweise mit einer Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, Steuerstundungen, vor allem aber mit Kreditbürgschaften, die die staatliche KfW in unbegrenzter Höhe bereitstellt. Das heißt, der Staat (also der Steuerzahler) soll im Notfall für Kreditausfälle geradestehen; der Steuerzahler muss also wieder einmal als Kreditausfallversicherer herhalten.

Wenn die Beruhigungspille wirkt, und strauchelnden Schuldner dadurch an neue Bankkredite kommen und die Kreditausfälle gering bleiben, geht die Sache glimpflich aus. Sollte aber das Manöver scheitern, und kommt es zu Zahlungsausfällen, dann wird man viel Geld brauchen. Der Staat wird dann neue Schulden machen müssen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgekauft werden. Dadurch wird neues Zentralbankgeld geschaffen.

Und das neue Geld wird an die Banken gezahlt. In ihren Bilanzen werden Kreditforderungen gegen Guthaben bei der Notenbank getauscht. Man erkennt: Es sind insbesondere die Banken, die durch die staatlichen Garantien geschützt werden. Diese Versicherung bekommen die Banken quasi frei Haus, zusätzlich zu den Sicherheiten, die ihnen die Kreditnehmer bereits gegeben haben, und aus denen sich die Banken bedienen können.

Die Verschuldung steigt

Für Kreditnehmer geht es weniger erfreulich zu. Zwar können Firmen vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden, wenn sie dank der Staatsgarantien an neue Kredite kommen. Doch ihre Verschuldung steigt an. Entweder werden die Zins- und Tilgungszahlungen zeitweise ausgesetzt und kapitalisiert – das heißt, sie werden auf den ausstehenden Kreditbetrag aufgeschlagen und sind nachfolgend zu bedienen.

Oder die neuen Kredite werden verwendet, um den Schuldendienst der Altkredite zu bezahlen. An dieser Stelle ist zu bedenken, dass viele Firmen durch die Krise einen dauerhaften Absatzausfall erleiden: Auch wenn sich irgendwann die Güternachfrage wieder normalisieren sollte, wird der entgangene Umsatz nicht aufgeholt. Das Verhältnis zwischen Verschuldung und Ertragskraft verschlechtert sich.

Im Dezember 2019 hatten die deutschen Banken Kreditforderungen in Höhe von mehr als 4.000 Mrd. Euro in ihren Bilanzen. Wenn die Banken eine Kreditbürgschaft vom Staat erhalten, die, sagen wir, 80 Prozent der Kreditforderungen besichert, ließen sich mit den von der KFW angekündigten Garantien von 553 Mrd. Euro Bankkredite in Höhe von gut 690 Mrd. Euro, also knapp 17 Prozent der ausstehenden Bankkredite, besichern.

Im Euroraum insgesamt belaufen sich die ausstehenden Bankkredite auf gewaltige etwa 18.591 Mrd. Euro. Die Euro-Regierungen müssten also, wenn sie dem deutschen Bürgschaftsbeispiel folgen, erhebliche Eventualverbindlichkeiten für ihre Haushalte eingehen. Das wiederum wird ihre Bonitätseinstufung auf den Finanzmärkten absenken – zumal alle Staaten schon jetzt finanziell völlig überdehnt sind.

Hubschraubergeld

Es wäre da nicht verwunderlich, wenn über kurz oder lang die Forderung nach der Ausgabe von Hubschraubergeld laut wird. Die USA scheinen bereits in Vorlage zu gehen: Am 17. März 2020 verkündete US-Finanzminister Steve Mnuchin, die US-Administration wolle den Bürgern Schecks per Post zukommen lassen, 1.000 US-Dollar pro Person. Doch es wird sich wohl formal um eine Steuerrückerstattung handeln, neues Geld wird dafür nicht gedruckt.

Technisch ist es recht einfach, Hubschraubergeld auszugeben: Jeder Kontoinhaber erhält ein „Geldgeschenk“ von der Zentralbank – und kann damit einkaufen gehen oder seine Kreditschulden bedienen. Allerdings ist ein solches willkürliches Ausgeben von neuem Geld politisch schwer kontrollierbar. Die Zentralbank könnte sich vor Geldgeschenkwünschen, die an sie herangetragen würden, gar nicht mehr retten.

Ungeachtet dessen ist Helikoptergeld sehr verführerisch, gerade wenn das Schuldgeldsystem zu kollabieren droht, wenn Rezession-Depression sich ankündigen, und Regierende und Regierte meinen, Güterpreisinflation sei ein Segen und die Politik des „kleinsten Übels“. Unter diesen Bedingungen ist es wahrscheinlich, dass irgendwann in der Tat Hubschraubergeld ausgeteilt wird, um den Konsum zu beleben und Schuldner zu erleichtern.

Allmächtiger Staat

Ob das ungedeckte Papiergeldsystem die aktuelle Krise übersteht, hängt in entscheidendem Maße davon ab, dass sich die Kreditmärkte wieder beruhigen, dass die Investoren Vertrauen fassen, die Kreditgarantien der Staaten werden eine Pleitewelle abwehren. Zweifelsohne hat sich eine bedrohliche Situation für das ungedeckte Geldsystem eingestellt; und die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal schiefgeht, liegt nicht bei null.

Aber ein Zusammenbruch ist nicht zwangsläufig. Die Staaten und ihre Zentralbanken können noch „neue Kaninchen aus dem Zylinder“ zaubern. Beispielsweise lassen sich schwankende Banken rekapitalisieren, indem die Staaten neues Geld, das sie von der EZB bekommen, als Eigenkapital einzahlen; oder sie finanzieren sich mit Hubschraubergeld. Fest steht jedoch eines: Ohne staatliche Eingriffe ist das ungedeckte Geldsystem nicht mehr zu halten.

Und das sollte die Bürger in allergrößte Besorgnis versetzen. Krisen führen regelmäßig einen Machtzuwachs des Staates herbei, das gilt vor allem für Finanz- und Wirtschaftskrisen. Krisenursachen werden nämlich regelmäßig fehl- und umgedeutet: Der freie Markt habe versagt, so wird gesagt, und jetzt könne nur noch der Staat helfen. Und das, obwohl doch der Staat und seine Zentralbank die Hauptübeltäter sind.

Sie sind es, die mit ihrem ungedeckten Papiergeldsystem eine Schuldenwirtschaft in Gang gesetzt haben, die früher oder später in sich zusammenbrechen muss. Der Krisenauslöser ist diesmal die Sorge vor den Folgen des Corona-Virus, und vermutlich ist hier auch sehr bedeutsam, wie rabiat die Staaten in das weltweit Markt- und Gesellschaftssystem eingreifen; wie sie die Gunst der Stunde nutzen und ihre Macht ausweiten.

In die Knechtschaft

Jede deutlicher es zutage tritt, dass das staatliche ungedeckte Geldsystem nicht funktioniert, dass es zu Krisen führt, desto größer scheint die Neigung der Menschen zu werden, die Augen vor eben dieser Wahrheit zu verschließen; und desto hemmungsloser werden kollektivistisch-sozialistische Maßnahmen als „Rettungspolitiken“ umgedeutet, von der breiten Öffentlichkeit begrüßt und für gut geheißen.

Doch jede Krise, für die das ungedeckte Papiergeldsystem sorgt, weitet die Macht der Staaten über das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben aus, und eine einmal erfolgte Staatsexpansion wird leider nicht wieder zurückgedreht. Dadurch verstricken sich die Volkswirtschaften durch Krisen und ihre „Bekämpfung“ immer tiefer im Gestrüpp staatsozialistischer Politiken.

Wenn man sich nicht abkehren will vom ungedeckten Papiergeldsystem, dann wird früher oder später alles einem Ziel untergeordnet: den Staat zu stärken, ihn mit immer mehr Befugnissen, mit immer mehr Geld auszustatten; und das heißt, dass die freien Märkte (beziehungsweise was davon noch übrig ist) und damit auch die bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten zusehends ausgeschaltet werden.

Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse ist es daher alles andere als übertrieben zu sagen: Ohne „Bail-out“ der Schuldner droht eine Weltwirtschaftskrise. Mit ihm die Knechtschaft.

Hinweis: Der Text von Thorsten Polleit erschien zunächst in der in jeder Hinsicht empfehlenswerten Website des Ludwig von Mises Institut Deutschland – die Veröffentlichung auf FMW erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors

Buchhinweis der FMW- Redaktion: Lesen Sie dazu auch von Thorsten Polleit das Buch „Mit Geld zur Weltherrschaft“

Thorsten Polleit, Jahrgang 1967, ist seit April 2012 Chefvolkswirt der Degussa. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er ist Gründungspartner und volkswirtschaftlicher Berater eines Alternative Investment Funds (AIF). Die private Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.comHier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.
Manches derzeit erinnert an die Weltwirtschaftskrise
2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Hinterfrager

    18. März 2020 13:37 at 13:37

    Schon in der Finanzkrise 2007-2009 hatten es selbst erfahrene und hartgesottene Beobachter nicht ansatzweise für möglich gehalten, was so alles (auch an Rechtsbrüchen und Systemmanipulationen) zur Rettung eines kaputten Geldsystems aufgefahren wird, nur um Zeit und gesellschaftichen Frieden zu erkaufen. 2. Durchlauf: Euro-Schuldenkrise 2010-2012. Was wird man wohl jetzt alles aufbieten müssen, um die offensichtlichen Risse im Staudamm zu kitten?

  2. Avatar

    jürgen

    18. März 2020 17:10 at 17:10

    nun ja..vielleicht läufr ja das Endspiel…wäre dann doch ziemlich schnell gegangen..

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

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Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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