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Ohne „Bail-out“ droht eine Weltwirtschaftskrise – mit ihm die Knechtschaft

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Die wachsenden Sorgen vor den Folgen des Corona-Virus (COVID-19) haben weltweit zu einem Nachfrage- und Angebotsschock geführt: Die Güter- und Dienstleistungsnachfrage kollabiert, und weil die internationalen Produktions- und Wertschöpfungsketten ebenfalls ins Stocken geraten, kann auch die bisherige Produktionsleistung nicht mehr aufrechterhalten werden.

Beides zusammen droht die Arbeitsteilung in den einzelnen Ländern und damit auch international vollends zum Stillstand zu bringen. Der Schaden wäre kolossal und bedrohlich. Die fein gegliederte Arbeitsteilung ist der Motor, der den wirtschaftlichen Wohlstand der Weltbevölkerung antreibt. Er lässt sich nicht ungestraft abschalten. Dauert der „Shut down“ an, sind Versorgungsengpässe der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern unabwendbar.

Vor allem aber das ungedeckte Papiergeldsystem, das man weltweit vorfindet, gerät unter dem Nachfrage- und Produktionseinbruch ins Wanken, und das kann für die Weltwirtschaft letztlich fatale Folgen haben; die Börsen geben bereits einen Vorgeschmack darauf (wie die nachstehende Abbildung zeigt). Ob in den USA, Europa, Asien oder Lateinamerika: Überall operiert man mit ungedeckten Papiergeldsystemen.

Das ungedeckte Papiergeldsystem

In einem ungedeckten Papiergeldsystem weiten die Zentralbanken, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, die Geldmenge per Kreditvergabe aus. Es handelt sich um ein Geldmengenvermehren aus dem Nichts („ex nihilo“): Neues Geld wird in Umlauf gegeben, das durch keinerlei „echte Ersparnis“ gedeckt ist. Dass solch ein ungedecktes Geldsystem unweigerlich für Krisen sorgt, ist Ökonomen nur zu gut bekannt.

Vor allem kann das Schuldgeldsystem eines nicht vertragen: einen Rückgang der Einkommen, einen Verfall der Güterpreise. Dann nämlich tritt die Überschuldung von Firmen, Haushalten und vor allem der Staaten zutage, fliegt der ganze Papiergeldschwindel auf. Und das ist auch der Grund, warum die Staaten mit ihren Zentralbanken jetzt stärker denn je („All in“) in das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem eingreifen.

Die Zinsen werden so weit wie noch möglich gesenkt, um die Schuldenpyramide vor dem Einsturz zu bewahren. Und strauchelnde Staaten und Banken versorgt die Zentralbank bei Bedarf mit unbegrenzten Geldspritzen. Doch anders als noch in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 steht mittlerweile auch die Privatwirtschaft im Feuer: Firmen und privaten Haushalten droht der Bankrott.

Das Verschuldungsproblem

Viele Unternehmen sind verschuldet, sie müssen daher laufend Zins- und Tilgungszahlungen leisten. Kollabieren Absatz und Gewinn, verdienen sie nichts mehr und geraten in finanzielle Bedrängnis. Werden Firmen zahlungsunfähig, gehen Arbeitsplätze verloren, und der Sturm erreicht damit letztlich auch die privaten Haushalte, die dann ebenfalls kein Geld mehr haben, um ihre Schulden zu bedienen

Die Banken treten auf die „Kreditbremse“: Sie sind nicht mehr willens oder in der Lage, schwankenden Kreditnehmern Aufschub zu geben, geschweige denn neues Geld zu leihen. Versiegt aber der Zustrom neuer Kredite in die Volkswirtschaft, geraten letztlich alle „Dauerschuldner“ in die Klemme. Sie können ihren Kredit nicht zurückzahlen, bekommen aber auch keine neuen Kredite mehr, die ihre fälligen Kredite ersetzen könnten.

Die Kreditausfälle mehren sich. Das Kreditangebot schrumpft – und verschärft das Pleiteproblem. Banken erleiden Kreditausfälle, die ihr Eigenkapital aufzehren, und sie selbst geraten in Bedrängnis. Der „Kreditboom“, der die Volkswirtschaften angetrieben und den Verschuldungsanreiz angefeuert hat, platzt. Der Boom kippt in einen Bust um.

Banken-„Bail-out“

In Deutschland hat man bereits reagiert, um die Krise zu „meistern“: beispielsweise mit einer Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, Steuerstundungen, vor allem aber mit Kreditbürgschaften, die die staatliche KfW in unbegrenzter Höhe bereitstellt. Das heißt, der Staat (also der Steuerzahler) soll im Notfall für Kreditausfälle geradestehen; der Steuerzahler muss also wieder einmal als Kreditausfallversicherer herhalten.

Wenn die Beruhigungspille wirkt, und strauchelnden Schuldner dadurch an neue Bankkredite kommen und die Kreditausfälle gering bleiben, geht die Sache glimpflich aus. Sollte aber das Manöver scheitern, und kommt es zu Zahlungsausfällen, dann wird man viel Geld brauchen. Der Staat wird dann neue Schulden machen müssen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgekauft werden. Dadurch wird neues Zentralbankgeld geschaffen.

Und das neue Geld wird an die Banken gezahlt. In ihren Bilanzen werden Kreditforderungen gegen Guthaben bei der Notenbank getauscht. Man erkennt: Es sind insbesondere die Banken, die durch die staatlichen Garantien geschützt werden. Diese Versicherung bekommen die Banken quasi frei Haus, zusätzlich zu den Sicherheiten, die ihnen die Kreditnehmer bereits gegeben haben, und aus denen sich die Banken bedienen können.

Die Verschuldung steigt

Für Kreditnehmer geht es weniger erfreulich zu. Zwar können Firmen vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden, wenn sie dank der Staatsgarantien an neue Kredite kommen. Doch ihre Verschuldung steigt an. Entweder werden die Zins- und Tilgungszahlungen zeitweise ausgesetzt und kapitalisiert – das heißt, sie werden auf den ausstehenden Kreditbetrag aufgeschlagen und sind nachfolgend zu bedienen.

Oder die neuen Kredite werden verwendet, um den Schuldendienst der Altkredite zu bezahlen. An dieser Stelle ist zu bedenken, dass viele Firmen durch die Krise einen dauerhaften Absatzausfall erleiden: Auch wenn sich irgendwann die Güternachfrage wieder normalisieren sollte, wird der entgangene Umsatz nicht aufgeholt. Das Verhältnis zwischen Verschuldung und Ertragskraft verschlechtert sich.

Im Dezember 2019 hatten die deutschen Banken Kreditforderungen in Höhe von mehr als 4.000 Mrd. Euro in ihren Bilanzen. Wenn die Banken eine Kreditbürgschaft vom Staat erhalten, die, sagen wir, 80 Prozent der Kreditforderungen besichert, ließen sich mit den von der KFW angekündigten Garantien von 553 Mrd. Euro Bankkredite in Höhe von gut 690 Mrd. Euro, also knapp 17 Prozent der ausstehenden Bankkredite, besichern.

Im Euroraum insgesamt belaufen sich die ausstehenden Bankkredite auf gewaltige etwa 18.591 Mrd. Euro. Die Euro-Regierungen müssten also, wenn sie dem deutschen Bürgschaftsbeispiel folgen, erhebliche Eventualverbindlichkeiten für ihre Haushalte eingehen. Das wiederum wird ihre Bonitätseinstufung auf den Finanzmärkten absenken – zumal alle Staaten schon jetzt finanziell völlig überdehnt sind.

Hubschraubergeld

Es wäre da nicht verwunderlich, wenn über kurz oder lang die Forderung nach der Ausgabe von Hubschraubergeld laut wird. Die USA scheinen bereits in Vorlage zu gehen: Am 17. März 2020 verkündete US-Finanzminister Steve Mnuchin, die US-Administration wolle den Bürgern Schecks per Post zukommen lassen, 1.000 US-Dollar pro Person. Doch es wird sich wohl formal um eine Steuerrückerstattung handeln, neues Geld wird dafür nicht gedruckt.

Technisch ist es recht einfach, Hubschraubergeld auszugeben: Jeder Kontoinhaber erhält ein „Geldgeschenk“ von der Zentralbank – und kann damit einkaufen gehen oder seine Kreditschulden bedienen. Allerdings ist ein solches willkürliches Ausgeben von neuem Geld politisch schwer kontrollierbar. Die Zentralbank könnte sich vor Geldgeschenkwünschen, die an sie herangetragen würden, gar nicht mehr retten.

Ungeachtet dessen ist Helikoptergeld sehr verführerisch, gerade wenn das Schuldgeldsystem zu kollabieren droht, wenn Rezession-Depression sich ankündigen, und Regierende und Regierte meinen, Güterpreisinflation sei ein Segen und die Politik des „kleinsten Übels“. Unter diesen Bedingungen ist es wahrscheinlich, dass irgendwann in der Tat Hubschraubergeld ausgeteilt wird, um den Konsum zu beleben und Schuldner zu erleichtern.

Allmächtiger Staat

Ob das ungedeckte Papiergeldsystem die aktuelle Krise übersteht, hängt in entscheidendem Maße davon ab, dass sich die Kreditmärkte wieder beruhigen, dass die Investoren Vertrauen fassen, die Kreditgarantien der Staaten werden eine Pleitewelle abwehren. Zweifelsohne hat sich eine bedrohliche Situation für das ungedeckte Geldsystem eingestellt; und die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal schiefgeht, liegt nicht bei null.

Aber ein Zusammenbruch ist nicht zwangsläufig. Die Staaten und ihre Zentralbanken können noch „neue Kaninchen aus dem Zylinder“ zaubern. Beispielsweise lassen sich schwankende Banken rekapitalisieren, indem die Staaten neues Geld, das sie von der EZB bekommen, als Eigenkapital einzahlen; oder sie finanzieren sich mit Hubschraubergeld. Fest steht jedoch eines: Ohne staatliche Eingriffe ist das ungedeckte Geldsystem nicht mehr zu halten.

Und das sollte die Bürger in allergrößte Besorgnis versetzen. Krisen führen regelmäßig einen Machtzuwachs des Staates herbei, das gilt vor allem für Finanz- und Wirtschaftskrisen. Krisenursachen werden nämlich regelmäßig fehl- und umgedeutet: Der freie Markt habe versagt, so wird gesagt, und jetzt könne nur noch der Staat helfen. Und das, obwohl doch der Staat und seine Zentralbank die Hauptübeltäter sind.

Sie sind es, die mit ihrem ungedeckten Papiergeldsystem eine Schuldenwirtschaft in Gang gesetzt haben, die früher oder später in sich zusammenbrechen muss. Der Krisenauslöser ist diesmal die Sorge vor den Folgen des Corona-Virus, und vermutlich ist hier auch sehr bedeutsam, wie rabiat die Staaten in das weltweit Markt- und Gesellschaftssystem eingreifen; wie sie die Gunst der Stunde nutzen und ihre Macht ausweiten.

In die Knechtschaft

Jede deutlicher es zutage tritt, dass das staatliche ungedeckte Geldsystem nicht funktioniert, dass es zu Krisen führt, desto größer scheint die Neigung der Menschen zu werden, die Augen vor eben dieser Wahrheit zu verschließen; und desto hemmungsloser werden kollektivistisch-sozialistische Maßnahmen als „Rettungspolitiken“ umgedeutet, von der breiten Öffentlichkeit begrüßt und für gut geheißen.

Doch jede Krise, für die das ungedeckte Papiergeldsystem sorgt, weitet die Macht der Staaten über das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben aus, und eine einmal erfolgte Staatsexpansion wird leider nicht wieder zurückgedreht. Dadurch verstricken sich die Volkswirtschaften durch Krisen und ihre „Bekämpfung“ immer tiefer im Gestrüpp staatsozialistischer Politiken.

Wenn man sich nicht abkehren will vom ungedeckten Papiergeldsystem, dann wird früher oder später alles einem Ziel untergeordnet: den Staat zu stärken, ihn mit immer mehr Befugnissen, mit immer mehr Geld auszustatten; und das heißt, dass die freien Märkte (beziehungsweise was davon noch übrig ist) und damit auch die bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten zusehends ausgeschaltet werden.

Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse ist es daher alles andere als übertrieben zu sagen: Ohne „Bail-out“ der Schuldner droht eine Weltwirtschaftskrise. Mit ihm die Knechtschaft.

Hinweis: Der Text von Thorsten Polleit erschien zunächst in der in jeder Hinsicht empfehlenswerten Website des Ludwig von Mises Institut Deutschland – die Veröffentlichung auf FMW erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors

Buchhinweis der FMW- Redaktion: Lesen Sie dazu auch von Thorsten Polleit das Buch „Mit Geld zur Weltherrschaft“

Thorsten Polleit, Jahrgang 1967, ist seit April 2012 Chefvolkswirt der Degussa. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er ist Gründungspartner und volkswirtschaftlicher Berater eines Alternative Investment Funds (AIF). Die private Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.comHier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.
Manches derzeit erinnert an die Weltwirtschaftskrise
2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Hinterfrager

    18. März 2020 13:37 at 13:37

    Schon in der Finanzkrise 2007-2009 hatten es selbst erfahrene und hartgesottene Beobachter nicht ansatzweise für möglich gehalten, was so alles (auch an Rechtsbrüchen und Systemmanipulationen) zur Rettung eines kaputten Geldsystems aufgefahren wird, nur um Zeit und gesellschaftichen Frieden zu erkaufen. 2. Durchlauf: Euro-Schuldenkrise 2010-2012. Was wird man wohl jetzt alles aufbieten müssen, um die offensichtlichen Risse im Staudamm zu kitten?

  2. Avatar

    jürgen

    18. März 2020 17:10 at 17:10

    nun ja..vielleicht läufr ja das Endspiel…wäre dann doch ziemlich schnell gegangen..

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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