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OPEC vs Öl-Reserven – einfache Rechnung – Blick auf nächste Woche

Öl-Pumpe vor Sonnenuntergang

Nächste Woche Donnerstag wird die OPEC zusammen mit ihren externen Partnern wie Russland verkünden, ob man wie in den Vormonaten auch ab Januar seine Fördermenge wie in den letzten Monaten um 400.000 Barrels pro Tag je Monat anhebt. Das ist aber zuletzt weniger wahrscheinlich geworden, nachdem die USA vorgestern ein global koordiniertes Anzapfen von staatlichen Öl-Reserven verkündet hatten.

Experte mit einfacher Rechnung

Der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank hat eine einfache Rechnung aufgemacht. Die USA wollen insgesamt 50 Millionen Barrels Öl aus ihrer strategischen Reserve auf den Markt werfen. Dies entspreche einer Erhöhung des Ölangebots um 1,6 Millionen Barrels pro Tag für einen Monat und damit dem Vierfachen dessen, was die OPEC+ im kommenden Monat zusätzlich in den Markt geben will. Die OPEC+ könnte seiner Meinung nach daher sogar die geplanten Produktionserhöhungen für zweieinhalb Monate aussetzen, ohne dass es zu einer Verknappung am Ölmarkt kommt.

Ob die OPEC+ nun wie angedeutet ihre Produktion tatsächlich weniger stark erhöht, werde sich beim Treffen in der nächsten Woche zeigen. Es bleibe allerdings abzuwarten, ob die USA die gesamte Menge von 50 Millionen Barrels überhaupt auf den Markt werfen werden. Schließlich muss das von der Regierung angebotene Öl von den privaten Ölunternehmen zunächst abgenommen und dann zu einem späteren Zeitpunkt zuzüglich Zinszahlungen wieder eingeliefert werden. Wenn kein akuter Angebotsengpass besteht, werden die angesprochenen Unternehmen laut Carsten Fritsch ohne einen zusätzlichen Anreiz von dieser Möglichkeit kaum Gebrauch machen. Es ist daher gut möglich, dass die angestrebten 50 Millionen Barrels bei weitem nicht ausgeschöpft werden.

Bestandsaufnahme der OPEC nächste Woche

Die letzten Monate wurde die Öl-Fördermenge von der OPEC und ihren externen Partnern (OPEC+) wie gesagt jeweils um 400.000 Barrels pro Tag erhöht. Im Juli hatte man beschlossen, dass man im Dezember eine Bestandsaufnahme machen würde – also wie sich Nachfrage und Angebot verändert haben, und ob eine Anpassung dieser stufenweise Anhebung der Fördermenge notwendig ist. Hätte man nächste Woche so oder so auf eine weitere Anhebung der eigenen Fördermengen verzichtet?

Laut den Experten der Commerzbank deutet sich im nächsten Jahr auf Basis der aktuellen Produktionspläne eine Überversorgung an. Besonders groß soll der Angebotsüberschuss im ersten Quartal sein, wo die Nachfrage saisonal schwächer ist. Nun kommen perspektivisch noch die rund 60 Millionen Barrels aus den Lagern der großen Verbrauchsländern hinzu. Laut einem Beratungsgremium der OPEC könnte der Überschuss im Januar und Februar um jeweils 1,1 Mio. auf 2,3 Mio. bzw. 3,7 Mio. Barrels pro Tag anschwellen, wenn die strategischen Ölreserven in diesen beiden Monaten freigegeben werden. Die OPEC+ könne daher in Erwägung ziehen die für Januar geplante Produktionserhöhung auszusetzen oder zumindest zu reduzieren.

Der Ölpreis reagierte auf das vorgestern angekündigte Anzapfen von Öl-Reserven in Verbrauchsländern mit einem Anstieg um gut 2 Dollar, also entgegen der eigentlichen Erwartung. Aber der Preis für Öl war bereits vorher in Erwartung dieses Ereignisses gefallen, und außerdem waren die angekündigten Mengen doch eher enttäuschend. Verzichtet die OPEC auf eine weitere Anhebung ihrer Fördermenge, könnte dies positiv auf den Ölpreis wirken.



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