Folgen Sie uns

Allgemein

Panama Papers: Neues zu Politikern und Funktionären: Island, Cameron, FIFA

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Gestern trat Islands Ministerpräsident Gunnlaugsson nun doch zurück. Wo er kurz vorher noch sagte, er werde nicht zurücktreten, erfolgte wenige Stunden später die Kehrtwende. Nach dem Bekanntwerden seiner Briefkastenfirma auf den British Virgin Islands im Zuge der Veröffentlichung der „Panama Papers“ bat Gunnlaugsson gestern den Präsidenten darum das Parlament aufzulösen – der Präsident verweigerte dies aber mit dem Hinweis, ein Ministerpräsident könne das nicht alleine durchziehen – dazu müsse er als Präsident erst den Koalitionspartner von Gunnlaugsson´s Partei befragen.

Nachdem der Ministerpräsident Gunnlaugsson dann feststellte, dass der Koalitionspartner ihn im Regen stehen lässt, trat er lieber schnell zurück. Denn das ist immer noch tausendmal angenehmer als bei einem von der Opposition geforderten Misstrauensvotum im Parlament brutal und peinlich aus dem Amt gejagt zu werden. Wie wir gestern berichteten, klang das noch Stunden zuvor alles ganz anders. Er müsse im Amt bleiben um seine erfolgreiche Arbeit fortzusetzen, es liege kein Fehlverhalten vor. Auch seine Frau, an die er die millionenschwere Briefkastenfirma für 1 Dollar verkaufte, habe immer ihre Steuern gezahlt. Sie habe auch stets Interessenkonflikte vermieden. Auch ginge es nicht um Steuervermeidung o.ä. Mag sein, dass ihm oder seiner Frau am Ende sogar kein Vorteil entstanden ist durch diese Briefkastenfirma – aber der Vertrauensverlust ist nicht gut zu machen beim Verschweigen so einer Firma, beim Verkauf für 1 Dollar, und dann noch zu behaupten er habe damit ja nichts mehr zu tun, weil die Firma ja jetzt seiner Frau gehöre…

David Cameron

Auch war bereits bekannt geworden, dass Großbritanniens Premierminister David Cameron´s verstorbener Vater eine Briefkastenfirma besaß, die in den Panama Papers auftaucht. Auf Nachfrage sagte Cameron öffentlich klipp und klar er beziehe sein Gehalt als Premierminister, habe Ersparnisse und ein Haus, sonst nichts, keine Offshorefirmen oder ähnliches. Noch am Montag hieß es in einem Presse-Statement aus der Downing Street, das sei eine rein private Angelegenheit. Gestern dann nochmal als Info auf Nachfrage der Medien: Auch die Frau und die Kinder von David Cameron halten keine Anteile an Offshorefirmen.

Der Vorsitzende der Labor-Partei Jeremy Corbyn sagte, jetzt es sei an der Zeit für ein großes Aufräumen bei den britischen Überseegebieten wie z.B. den British Virgin Islands, wo gut die Hälfte aller in den Panama Papers erwähnten Firman ihren Sitz haben, aber auch die Cayman Islands gehörten zu den Probleminseln. Das Interessante daran ist vor allem: Diese Überseegebiete sind offiziell eigenständige Staaten, ihre Außenpolitik und ihre Verteidigungspolitik wird aber in London gemacht. Sie sind also quasi durch Großbritannien geschützt, können aber rein steuerlich gesehen machen was sie wollen. Würde Großbritannien diese de facto winzigen Inselstaaten aus der britischen Staatenfamilie „entlassen“, könnten USA und EU z.B. umfassende Sanktionen erlassen, was sie de facto regelrecht isolieren würde. Das fällt uns dazu ganz spontan ein.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

FIFA

Der frisch gewählte FIFA-Präsident Gianni Infantino, der ja angetreten ist mit dem alten Filz aufzuräumen, taucht auch in den Panama Papers auf, aber anders als man denkt. In seiner vorigen Zeit als Leiter der UEFA-Rechtsabteilung schloss er für die UEFA 2006 einen Vertrag mit der Firma „Cross Trading S.A.“, einer Briefkastenfirma auf der Südseeinsel Niue. Diese Firma kaufte Champions League-Ausstrahlungsrechte für die Ausstrahlung in Ecuador von der UEFA, und verkaufte sie dann an einen TV-Sender in Ecuador weiter mit einem satten Aufschlag von dem 3 bis 4fachen. Der Gewinn soll mehrere hunderttausend Dollar betragen haben. Klingt nicht nach viel, aber es geht hier ja um Champions League-Rechte für den TV-Markt Ecuador!

Wirtschaftlich berechtigt an dem Konto in der Südsee ist die Familie Jinkis, die bereits Teil des großen FIFA-Skandals ist. Von daher nichts Neues, aber nur ist hier eben auch der neue FIFA-Chef involviert. Der ließ gestern sofort alles dementieren. Nachdem die UEFA zunächst sagte sie habe mit dem Namen Jinkis nie etwas zu tun gehabt, musste sie dies jetzt einräumen. Auch der neue „saubere“ FIFA-Boss Infantino wies alle Vorwürfe zurück. Er hat nachweislich den Vertrag mit dem Briefkasten in der Südsee unterschrieben. Sein Sprecher erklärte erst er habe mit Jinkis nie etwas zu tun gehabt. Zuletzt heißt es man habe bei der UEFA nachgefragt, und sich auf deren Information bzgl. Jinkis verlassen. Na dann, die neue Transparenzwelle von Herrn Infantino kann die FIFA jetzt in eine neue Ära führen!

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    KARL MÜLLER

    6. April 2016 12:57 at 12:57

    Gunni ist nicht zurückgetreten. Laut einer E-Mail von ihm ist er nur “ … für unbestimmte Zeite BEISEITEGETRETEN…“. Nunja … von was für erbärmlichen Gestalten wird die Welt eigentlich „regiert“ ;-)

    VG KARL

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    6. April 2016 16:28 at 16:28

    Zu Cameron.
    Ich denke Sippenstrafen wird es auch in GB nicht mehr geben.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. Avatar

    jobi

    6. April 2016 18:42 at 18:42

    Es war einmal das Jahr 1618.Ja ,das waren noch Zeiten.Da wurde aber auch alles aus dem Fenster geworfen.
    Den Rest könnt ihr euch wohl denken.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage