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IWF mit perfidem Vorschlag: Bei Negativzinsen Bargeld laufend entwerten!

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Warum haben Notenbanken wie die EZB mit -0,40% oder die Schweizer Nationalbank mit -0,75% den Einlagenzins für Geschäftsbanken nur relativ minimal ins Negative gesetzt? Warum nicht -10%? Das würde die Wirtschaft doch vermeintlich viel, viel stärker stimulieren? Dann würden Unternehmer doch wie die Wilden Kredite aufnehmen und neue Fabriken bauen, Mitarbeiter einstellen etc? So einfach und schön wäre doch die Notenbanker-Welt!

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Und noch ein Problem steht aktuell an. Europa hat vergessen die Zinsen wieder anzuheben, so wie es die USA getan haben. Und jetzt beginnt gerade der Konjunkturabschwung. Platz nach unten ist nicht vorhanden für Zinssenkungen, um einen neuen Stimulus für die Volkswirtschaften in Europa zu produzieren. Tja, es sei denn man senkt Leitzinsen und Einlagenzinssätze weit, weit ins Negative. Aber warum wird das nicht einfach gemacht?

Der nervige Bürger mit seinem nervigen Bargeld

Ganz einfach. Der (nervige?) Bürger, Verbraucher, Bankkunde. Wenn der nicht wäre, dann wäre doch alles viel Einfacher. Was passiert nämlich, wenn die EZB den Einlagenzins für Geschäftsbanken zum Beispiel auf -5% oder -10% senkt? Richtig, alle, wirklich alle Banken und Sparkassen müssten für ihre Kunden auf normalen Bankkonten und Sparbüchern Negativzinsen einführen. Was wäre die logische Folge? Richtig, alle ab zum Geldautomaten, Bargeld abheben, und ab damit unters Kopfkissen.

Und genau das wollen die Notenbanker ja nicht haben. Einen „Bank Run“ der nervigen Kleinsparer kann kein Notenbanker und keine Regierung gebrauchen. Also: Da gäbe es die Möglichkeit Bargeld ganz abzuschaffen. Problem gelöst, der Bankkunde ist de facto Geisel des Bankensystems, und muss die Negativzinsen über sich entgehen lassen, und wird enteignet, Monat für Monat, Tag für Tag. Aber ja, das wäre eine verdammt unpopuläre Maßnahme. Da wäre die Wiederwahl der Regierung (welche auch immer) arg gefährdet, und man triebe viele Wähler in die Hände von Populisten.

Perfider Vorschlag des IWF

Der Internationale Währungsfonds macht ganz aktuell einen hochinteressanten und perfiden Vorschlag für Notenbanken, um genau dieses Problem zu lösen (hier nachzulesen im Wortlaut). Wenn beispielsweise ein Einlagenzins der Notenbank negativ wird mit -5%, dann soll Bargeld als quasi „Parallelwährung“ zum elektronischen Geld um 5% pro Jahr entwertet werden. So hätte der Bürger keinen Vorteil mehr davon, sein Geld in bar abzuheben. Beides, elektronisches Geld auf Bankkonten und Bargeld würden pro Jahr 5% jeweils an Wert verlieren.

Teuflischer kann man es sich gar nicht ausdenken als die Damen und Herren des IWF, so möchten wir es sagen. So lautet der Titel der IWF-Denkschrift auch„Cashing In: How to Make Negative Interest Rates Work“. Also zurück mit dem Bargeld auf die Bankkonten, so bekomme man negative Zinsen zum Funktionieren. Bargeld und Banken-Buchgeld sollen quasi als zwei einzelne Währungen nebeneinander laufen. So könnten Notenbanken beide parallel abwerten.

Und kein Bankkunde hätte mehr einen Grund Geld vom Konto abzuheben, um dramatisch hohen Negativzinsen zu entfliehen. Der Weg für vielleicht zweistellige Negativzinsen wären offen. Das klingt dramatisch übertrieben, als Horrorszenario von Verschwörungstheoretikern? Nein. Bei diesem Vorschlag des IWF wäre alles möglich, wenn er in die Tat umgesetzt werden würde. Allein schon, dass sich jemand so etwas ausdenkt, ist schon mehr als unglaublich (unsere Meinung).

IWF-Idee Bargeld Höllenfeuer
Ist der IWF-Vorschlag eine perfide Idee aus dem Höllenfeuer? Foto: User: (WT-shared) Jpatokal at wts wikivoyage CC BY-SA 3.0

29 Kommentare

29 Comments

  1. morpheus

    11. Februar 2019 13:40 at 13:40

    Wie soll man das denn praktisch umsetzen? 100€ sind 100€ oder wird eine Jahreszahl auf den 100€ Zettel gedruckt?

    • verkäufer

      11. Februar 2019 15:30 at 15:30

      „Mark und Schere
      Die Finnen fürchteten den Scherenschnitt durch ihre Finnmark. 1945,
      nach dem verlorenen Krieg, hatte jeder Finne seine Banknoten zerschneiden müssen.
      Eine der Hälften durfte er behalten. Sie blieb Zahlungsmittel zum halben Nennwert.
      Die andere Hälfte mußte er dem Staat als zinsfreies Darlehen überlassen.“

      – AUS:
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46185341.html

      – ODER:
      „Somit wurde schließlich auf Vorschlag des Ministers für Finanzen
      und Verproviantierung zur Aufnahme eines Zwangskredits mittels
      der Zweiteilung der Banknoten geschritten. Die Hälfte mit dem Abbild
      des Gründers der Nationalbank, G. Stavrou, blieb in Umlauf und
      behielt 50% des anfänglichen Wertes bei. Die andere Hälfte
      – mit der Krone – wurde bei der Bank gegen Obligationen
      mit zwanzigjähriger Laufzeit eingetauscht.“

      – AUS: https://www.griechenland-blog.gr/2013/05/griechenland-hat-patent-auf-schnitt-der-guthaben/13086/

      • verkäufer

        11. Februar 2019 16:11 at 16:11

        – aber bitte sehr vorsichtig mit dem geld zerschneiden!!!!
        – es könnte eine straftat sein????

        „Dabei musst du nur eine einzige Sache beachten:
        Du darfst nicht mehr als 15.000 Euro im Klo runterspülen, verbrennen,
        zerschneiden oder sonst wie mutwillig beschädigen oder zerstören.
        Anders als etwa in den USA, wo du laut Titel 18, Sektion 333 des
        United States Code bereits für das Kaputtmachen einer einzelnen Dollarnote
        (egal mit welchem Wert) bis zu einem halben Jahr ins Gefängnis musst,
        oder in Thailand, wo du wegen Majestätsbeleidigung verurteilt werden kannst,
        wenn du auf einen Geldschein trittst, blüht dir in Österreich höchstens
        eine Strafe von 2000 Euro, wenn du die maximale zur Zerstörung freigegebene
        Menge an Geld beschädigst. Trotzdem ist nur die Nationalbank dazu befugt,
        mehr als 15.000 Euro zu vernichten. “

        – AUS:

        https://www.vice.com/de_ch/article/bnb4md/eine-frau-hat-knapp-eine-million-euro-zerschnitten-und-damit-eigentlich-eine-straftat-begangen-123

    • Uru Sig

      11. Februar 2019 18:18 at 18:18

      Das würde mich auch interessieren, wie das mit der Entwertung von Bargeld praktisch gehen soll?

    • sj

      13. Februar 2019 12:35 at 12:35

      Neu ist diese Idee ja nun wirklich nicht.

      um das 14. Jhd. war das ja möglich, da wurde das Geld einfach „abgestempelt“
      Als Ergebnis gab es damals z.B. die heutigen Kirchenreichtümer (weil die Leute Ihren überflüssigen Geldteil lieber gespendet haben als abwerten zu lassen) und Facharbeiter haben nur 3 Tage/Woche gearbeitet.

    • sj

      13. Februar 2019 12:47 at 12:47

      möglich wäre theoretisch z.B. eine Lösung über die Seriennummer(n)
      Allerdings ist die Beibehaltung von Bargeld generell problematisch und vor allem sehr aufwändig bei so was, ansonsten wäre das auch schon gekommen. Nicht umsonst sagt Draghi ja immer „Reformen müssen dringend umgesetzt werden“

    • Jürgen Kempe

      4. März 2019 09:27 at 09:27

      Dann wirst Du einfach statt 100 eben 103 oder 106 Euro bezahlen müssen…bei Barzahlung

  2. Peter Tsoi

    11. Februar 2019 13:56 at 13:56

    Ist das ironisch gemeint ????? so geil ist Dummheit 😉

  3. leftutti

    11. Februar 2019 14:04 at 14:04

    Also ich fänd’s klasse! Ich würde dann einen langfristigen Kredit über 10 Millionen aufnehmen, für den ich jährlich 3 bis 4% Zinsen von der Bank erhalten würde. Die Millionen würde ich dann strong long in die Aktienmärkte investieren, die nach so einem Notenbank-Stimulus ja pro Jahr etwa 500% steigen würden. Zusätzlich würde die globale Wirtschaft mit Ausnahme Großbritanniens nach kürzester Zeit wieder historisch boomen, sodass man nach 35 Jahren den Leitzins wieder auf ein Allzeithoch von 0% hochfahren könnte.

    • morpheus

      11. Februar 2019 16:37 at 16:37

      Long mit einem CFD und einem hohen Hebel…würde dann mal sagen. Läuft!

      • leftutti

        11. Februar 2019 17:03 at 17:03

        Na klar, wenn schon, denn schon. CFD sowieso und ich denke da an einen 500er Hebel, da man ja langfristig an den Aktienmärkten NIE verlieren kann. Solange man strong long positioniert ist, versteht sich 🙂
        Altersvorsorge mehr als gesichert, und da ich dann zu den Superreichen gehören werde, auch noch steuerfrei. Die Gewinne gehen nämlich als externe Beraterhonorare an die leftutti lave & veil Consulting in London, das sich bis dahin zur internationalen Steueroase entwickelt hat. Und wie in solchen Oasen üblich, gibt es dort auch noch tonnenweise Bargeld, welches aufgrund des seltenen globalen Vorkommens massiv aufgewertet hat 😉

    • Columbo

      11. Februar 2019 17:56 at 17:56

      @leftutti??. Sie sollten aber besser verschlüsselt kommentieren, sonst liest der IWF noch mit und dann könnte den ach so hellen Köpfen dort womöglich noch ein Licht aufgehen?.

      • leftutti

        11. Februar 2019 19:46 at 19:46

        @Columbo, wenn ich verschlüsselt kommentiere, lesen NSA und Bundestrojaner aus Gründen der nationalen Sicherheit mit.

        Unverschlüsselt mache ich mich vermutlich schon aufgrund der geheiligten EU-DSGVO strafbar, weil ich eben unverschlüsselt Internas über meine persönliche Anlagestrategien, Vermögenswerte und Steuermodelle veröffentliche. Zumindest ist mir kein Passus bekannt, der sich nur auf andere Personen und nicht auf mich selbst bezieht: Betroffene Person ist jede identifizierte oder identifizierbare natürliche Person, deren personenbezogene Daten von dem für die Verarbeitung Verantwortlichen verarbeitet werden. 😉

        Dass den Quasaren in der Hall of Fame der hellsten Lichter im Universum noch ein weiteres, zusätzliches Licht aufgehen könnte, ist zwar möglich, aber unwahrscheinlich. Falls doch, bin vielleicht ich dieses Licht und man nominiert mich zum Nachfolger von Christine Madeleine Odette, deren hell strahlende Weste nicht minder befleckt sein dürfte, wie meine eigene:
        https://www.wiwo.de/politik/europa/christine-lagarde-das-urteil-ist-eine-desastroese-botschaft/15002122-all.html

  4. Columbo

    11. Februar 2019 14:09 at 14:09

    Man müßte dann auch jeglichen Handel mit kleinteiligen Wertspeichern verbieten, sonst würden die „nervigen“ Kleinsparer alles da hineinstecken und keiner hätte mehr Geld auf dem Konto.
    Und auch dann: Nicht nur der IWF perfide Ideen, sondern auch der nervige Kleinsparer.

  5. christine schmidt

    11. Februar 2019 14:09 at 14:09

    viele menschen wurden verlacht als sie vor dem euro warnten vor dem euro fond der keienrlei rechenschaft schuldet – nicht vor der idee das europas voelker in frieden leben kommunizieren austausch betreiben . der letzte ehrliche zentralbanker prof wilhelm hanke warnte vor 4 jahren eindruecklich auch vor den sich daruas ergebenden konsequenzen
    wenn mneschen dermassen perfide enteignet werden die sich nichts zu schulden haben kommen lassen dann werden sich breite teile der bevoelkerung radikalisieren und auch davor warnte hanke vor einem vierten reich . er wurde fuer diese warnung als nazi verschriene als mitbegruender der afd deren begruender professoren waren – lucke trat aus petry trat aus und die nun die reste ihrer ehemaligen partei von npd unterwandert sehen . hoecke etcetera. auch dies ist politisch von den eleiten gewollt .
    der oestreicher kurz traf sich mit hoecke . es liess keinen aufhorchen – er traf sich vorranging mit hoecke .
    in allem was prpf hanke sagte lag eine ernste warnung – sie wurde uberhoert . fast scheitn es so als sei die ehemalige stasi politische instrumentalisiert um den weg fuer das grsse kippen bereit zu machen welches bereits stattfindet .
    was ich empfehle ist beurgerbund mitte recht ordnung udn freiheit als echte alternative udn eine partei embargo 2019 die grosszuegig den hebel dort ansetzt wo aus dem topf hart arbeitetender leute gestohlen wurde udn das geld zureckfuehrt ehe es zu spaet ist und wie im sdritten reich unschuldige trifft

    freedom

  6. Pingback: Aktuelles Meldungen und Nachrichten vom 11. Februar 2019 | das-bewegt-die-welt.de

  7. franko33

    11. Februar 2019 14:18 at 14:18

    Eine ganz banale Ergänzung zu diesem „Modell“

    Wenn man mit diesem Bargeld einkaufen geht wäre es doch zwangsläufig weniger Wert.
    Dann müßte doch der Dienstleister entprechend seine Preise erhöhen !
    Das ist doch ein guter Weg in unsere neue „bargeldlose Welt“ ! ?
    Allerdings Vorsicht vor einer galoppierenden Inflation !
    Dieses ist wohl einer der Gründe,daß dies nicht wie andere „Nettigkeiten“ über „ein Wochenende“ gemacht wird.
    Also nach wie vor eine eher auswegslose Situation ?

  8. asisi1

    11. Februar 2019 14:41 at 14:41

    Solch tolle Vorschläge kommen von den Pennern die uns den Mist eingebrockt haben!

  9. Josef

    11. Februar 2019 15:01 at 15:01

    5% Geldentwertung p.a wuerde bedeuten, dass die Loehne nochmals um 5% p.a angehoben warden muessten, also muss der Fabriksbesitzer, der jetzt noch guenstiger an Kredite kommt, mit Lohnerhoehungen derzeit um die 8% p.a. rechnen…Beginn einer gesteuerten Hyperinflation…wozu bitte? Sollten die Loehne + Renten nicht entsprechend angepasst werden kommt es zu Unruhen, da der Fabriksbesitzer nicht bereft sein wird, seine Produkte um 5% p.a. billiger zu verkaufen. Um „Demokratie“ aufrechtzuerhalten MUSS unterm Strich allies weiter wachsen, sonst funktionierte das Konstrukt schon in der Vergangenheit nicht mehr. Perfide ja, aber eben extrem undemokratisch. Uebrigens: Politiker, Parteien und Lobbys (IWF) gibts eigentlich, um das Leben von hart arbeitenden Menschen zu erleichtern….ansonsten brauchen die Menschen diese Konstrukte inkl. der „demokratischen Verhaeltnisse“ nicht mehr und werden sich was Andres ueberlegen…der IWF und so manche andere Institution saegen da massiv, ohne
    es zu bemerken, an ihrer eigenen Existenzberechtigung.

  10. Abrakadabra-001

    11. Februar 2019 17:29 at 17:29

    Da hat jemand beim IWF wohl Silvio Gesell oder das Wunder von Wörgel gegoogelt?

    • Markus Fugmann

      11. Februar 2019 17:31 at 17:31

      @Abrakadabra, richtig, das erinnert stark an Gesells „Schrumpfgeld“..

      • Abrakabra-001

        11. Februar 2019 18:00 at 18:00

        Tipp wäre noch Equilibrismus zu googeln. Dann wäre es wenigstens ein wenig aktueller

    • Martin Ebner

      11. Februar 2019 22:54 at 22:54

      Fairerweise ist da anzumerken, dass nach Gesells Vorstellungen der IWF abgeschafft werden müsste, samt Großbanken, Staaten & Planwirtschaft. Gesell, selbst ja Unternehmer, lehnte „leistungslose“ Einkommen und ungerechtfertigte Zinsen ab (also keineswegs alle Zins-Bestandteile, z.B. nicht Risikoprämien!!!).
      Gesell wollte marktwirtschaftlichen Wettbewerb (!) ohne Kapitalismus. Er hatte sich auch durchaus Gedanken gemacht, wer den Gewinn von Geldschöpfung und Negativzinsen bekommen soll – und dabei ganz bestimmt nicht an Banker und Politiker gedacht. Kurz gesagt: es gibt gute Gründe, warum Gesell zwischen allen gesellschaftlich akzeptierten Stühlen sitzt und weitestmöglich totgeschwiegen wird (da hilft nicht einmal, dass er einer der ersten Feministen war und für Mütter-Renten trommelte)…
      Das von Gesell inspirierte Not-Experiment von Wörgel wurde in Rekordzeit abgewürgt.
      http://martin-ebner.net/topics/money/waehrungsexperiment-woergl/

  11. Alex Rainer

    11. Februar 2019 18:09 at 18:09

    Artikel zu Bargeldabschaffung:
    https://www.econstor.eu/handle/10419/157906

  12. Pingback: IWF Plan: jährlich 5% Bargeldentwertung - SwissCryptoSchool.com

  13. Dagobert Duck

    15. Februar 2019 17:50 at 17:50

    So ein unfassbarer linker IWF Unsinn . Dann zieht auch die letzte friedlichste deutsche Oma die gelbe Weste an und wirft die Scheibe bei der Bank ein ! Manche „Experten“ sollten doch mal vorher nachdenken was sie nur schon mit ihrem Gebrabbel anrichten wenn sie öffentliches Brainstorming machen .

    • leftutti

      15. Februar 2019 19:07 at 19:07

      @Dagobert Duck, jetzt verorten Sie sogar schon den IWF in die linke (und somit eigentlich sozialistische) Ecke?! Manchmal beschleicht mich der Verdacht, das Sie und Ihresgleichen inzwischen so weit rechts stehen, dass aus dieser verdrehten Sichtweise fast die gesamte Restwelt (> 99,9%) linken Unsinn verkörpert.

      Ich dachte immer, der IWF verfolge eher eine sehr wirtschaftsliberale bis marktfundamentalistische Strategie, wobei die natürlich auch ganz schön link 😉 sein kann: Sie führt meist zu Massenentlassungen, Verarmung, Deregulierung des Kapitalverkehrs und Privatisierung. Sobald diese Hindernisse der freien Marktwirtschaft aus dem Weg geräumt sind, kann es dann richtig bergauf gehen. Siehe dazu z. B.
      https://www.sueddeutsche.de/geld/x-hintergrund-stichwort-internationaler-waehrungsfonds-1.1097605

      Schon eher links, aber in medias res (eine Mitte-Links-Halbsatzkombination) und somit nicht weniger wahr, geht folgende Aussage des Attac Bankentribunals von 2010 (exakte Quelle bzw. Artikel leider nicht mehr verfügbar, war mal auf http://www.attac.de zu finden):
      Zu Beginn der 1980er Jahre, mit dem Aufkommen des Monetarismus als vorherrschender ökonomischer Schule und beeinflusst von den so genannten Chicago Boys, änderte der Internationale Währungsfond (IWF) seine wirtschaftspolitische Ausrichtung und schlug einen strikt neoliberalen Wirtschaftskurs ein. Mit diesem Richtungswechsel verabschiedete sich der IWF von seinen ursprünglichen Zielen. Kredite wurden fortan nur noch in Verbindung mit massiven Auflagen, den so genannten Strukturanpassungsprogrammen (SAPs) erteilt. Mit der Durchsetzung der Prinzipien des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Wettbewerbsorientierung, vor allem aber der Deregulierung und Privatisierung öffentlicher Aufgaben, verschaffte der IWF den global agierenden Konzernen der reichen Mitgliedsländer Zugang zu neuen Märkten und wirtschaftliche Macht. Diese Politik wirkte sich überwiegend fatal auf die Lebensbedingungen großer Teile der Bevölkerung der vom IWF “geförderten” Staaten, insbesondere in den sog. Entwicklungsländern aus. Oft ist auch eine damit eine massive Zerstörung der Umwelt einhergegangen.

      Aber rechts und neongelbe Protestfantasien scheinen gut zu harmonieren. Es wäre also vielleicht eine gute Kampagnenfarbe für die nächsten Wahlen, nachdem sich das einstmals kräftige Königsblau derzeit in lilablassblauen Nebel aufspaltet.

  14. Paul

    15. Februar 2019 18:44 at 18:44

    …und ihr labert dauernd von DEMOKRATIE,warum?
    Die schleichende DIKTATUR im Finanzsektor ist doch schon lange am laufen!
    Sammelt noch schnell eure Brotkruemel auf,bevor das Licht aus geht…

    • Michael

      15. Februar 2019 19:28 at 19:28

      Also @Bauer Paul, jetzt mal im Ernst! Ich mache mir langsam Sorgen um Sie: Ist nicht eher schon lange eine schleichende Diktatur des Rinderwahnsinns oder einer irreversiblen Überdosis Gras und Weißbier in Ihrem Urteilsvermögen am Laufen? Geht es „uns“ tatsächlich soviel schlechter, als den freien und glücklichen Thai-Bürgern, dass wir schon nach Brotkrümeln bei Sonnenuntergang suchen müssen, während wir vor lauter Hunger ständig von Demokratie brabbeln?

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Mietpreis-Explosion am Ende? Zwei Charts im Vergleich

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Findet die Mietpreis-Explosion in Deutschland nun ein Ende? Ist der gerade erst in Berlin eingeführte Mietendeckel die große Wende? Möglich wäre es. Das erklärte Ziel der Aktivisten in Berlin lautet: Investoren aus Berlin vertreiben! Was das bedeutet, wird erst auf den zweiten Blick klar. Zwar könnten die Mieten in der Tat eingefroren werden und auch bundesweit weniger stark steigen. Aber das Vertreiben von Investoren bedeutet zwangsläufig auch: Es werden weniger Wohnungen gebaut!

Das bedeutet für die Demonstranten letztlich: Die Mieten verharren auf dem aktuell hohen Niveau. Aber viel schlimmer für sie ist im Alltag, dass dank fehlender Investoren der Bau neuer Wohnungen nicht mehr so stark zunehmen wird. Denn welcher Investor soll auf solch einem regulierten Markt noch investieren wollen? Also wird der Kampf um jede freie Wohnung noch weiter zunehmen, und das Überreichen von Geldumschlägen an Makler und Vermieter dürfte vor allem in Berlin Alltag werden (so vermuten wir es!).

Mietpreis-Explosion und Hauspreise

Was hat die Mietpreis-Explosion mit Hauspreisen zu tun? Ganz einfach. Der Investor, der Grundstücke oder Häuser kauft, möchte Rendite erwirtschaften! Je mehr er für ein Haus oder Grundstück ausgeben muss, desto höher muss er zwangsläufig die Miete ansetzen, um eine bestimmte Rendite erwirtschaften zu können. Also korrelieren Mietpreise und Hauspreise zwangsläufig!

Vor einigen Tagen wurde der aktuellste EUROPACE Hauspreis-Index für Deutschland veröffentlicht. Stand Mai 2019 explodieren die Hauspreise weiter! Dieser Chart zeigt die Preise für Bestandshäuser, Neubauten und Eigentumswohnungen seit dem Jahr 2011. Es geht nur bergauf!

Mietpreis-Explosion - die Hauspreise steigen weiter - noch

Deutsche Wohnen

Den Giganten am deutschen Vermietermarkt, die Deutsche Wohnen, haben wir die letzten Wochen mehrfach besprochen. Die Aktie wurde vom Mietendeckel in Berlin hart getroffen, weil das Unternehmen dort stark mit vermietetem Wohnraum engagiert ist! Wohl aus Angst vor bundesweiten Nachahmer-Aktionen des Berliner Deckels erließ die Deutsche Wohnen gerade erst eine eigene Richtlinie, dass die eigenen Mieten nicht 30% des Nettoverdienstes der Mieter übersteigen sollen.

Die Gemengelage aus Enteignungsdiskussionen und Mietendeckel in Berlin hat der Aktie massiv zugesetzt. Der Zeitraum ab 2011 im folgenden Aktienchart ist der selbe Zeitraum wie beim obigen Hauspreisindex. Beide, Index und Aktie gingen jahrelang nur nach oben. Jetzt stürzt die Aktie ab um 21% in nur drei Wochen – weil absehbar ist, dass erstmal keine großen Mietsteigerungen mehr drin sind? Das könnte eine Rückkopplung auf die Hauspreise verursachen. Weil Verkäufer wissen, dass Mietobjekte unter dem Aspekt der Rendite nicht mehr gepusht werden können, heben sie die Verkaufspreise für Häuser nicht mehr weiter an. Denn Käufer sollten nicht mehr bereit sein weiter steigende Preise zu zahlen. Es könnte demnächst (nicht muss) also auch eine Ermüdung bei den Hauspreisen geben.

Wie aktuell bekannt wird, plant die Bundesregierung offenbar für bundeseigene Mietwohnungen auch einen Mietendeckel. Ohhhh, sind inzwischen zu viele Wähler weggelaufen? Muss man endlich mal irgendwas tun?

Mietpreis-Explosion zu Ende? Deutsche Wohnen Chart

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Schweizer Franken: Große Chance für Forex-Trader

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Es ist ein relativ schlecht verstecktes Eigenlob. Wir hatten in den letzten Tagen mehrmals darüber berichtet, dass der Schweizer Franken direkt an der Klippe hängt. Und zwar an der Klippe zur weiteren Aufwertung. Die entscheidende Marke im Währungspaare Euro vs Schweizer Franken (EURCHF) ist die die 1,1150. Sie wurde in den letzten vier Handelstagen deutlich unterschritten, und derzeit ist die Tendenz weiter fallend.

Schweizer Franken mit großen Aufwertungspotenzial

Aus diversen Gründen hat der Schweizer Franken momentan weiteres Aufwertungspotenzial. Da wäre zunächst die Charttechnik. Hier nochmal der (aktualisierte) Chart, den wir die letzten Tage mehrfach gezeigt hatten. Man sieht eindeutig, dass im EURCHF das Unterstützungsniveau von 1,1150 unterschritten wurde (aktuell 1,1089). Nach unten ist optisch viel Luft. Also kann der Schweizer Franken nur bei dieser oberflächlichen charttechnischen Betrachtung noch kräftig aufwerten.

Euro vs Schweizer Franken seit 2016

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Zinsen und Krisen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tut wirklich sehr viel um eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken zu verhindern. Nur es will ihr einfach nicht gelingen. Denn die Sogwirkung des soliden Fränkli wirkt immer weiter. Ist weltweit Krise angesagt, fliehen sicherheitsbewusste Anleger in Gold und Fränkli. Die Konjunktursorgen und die Ängste um den Iran-Konflikt tun ihr Übriges! Das einzige, was momentan den Franken entlasten könnte, wären Aussagen der SNB für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Aber danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil.

Laut Schweizer Medien äußern sich der Schweizerische Finanzminister Ueli Maurer und UBS-Chef Sergio Ermotti jüngst sogar kritisch zu den Negativzinsen und Interventionen der SNB. Und die Amerikaner sind ja gerade dabei ab Ende Juli ihre Zinsen zu senken (höchst wahrscheinlich). Und auch die EZB wird den Euro wohl weiter schwächen. Denn Mario Draghi ließ jüngst durchblicken, dass man die Geldpolitik lockern könnte über neue Käufe von Staatsanleihen. Somit ist die Tendenz von Euro und US-Dollar gegen den Schweizer Franken weiter schwach, was den Franken somit automatisch stärkt.

Eine Garantie für einen steigenden Fränkli ist das natürlich nicht! Der Chart spricht aber dafür, und auch die sonstigen von uns genannten Themen. Aber man weiß ja nie! Es ist eine Chance für Forex-Trader, die auf einen steigenden Schweizer Franken setzten wollen (EURCHF Short). Betonen müssen wir natürlich bei so einem Hinweis auf eine große Chance ausdrücklich: Die Glaskugel haben auch wir nicht. Ob EURCHF jetzt schnell nach unten durchsackt (Aufwertung des Schweizer Franken), wissen wir auch nicht. Also, bilden Sie sich bitte ihr eigene Meinung.

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SNB versucht Schweizer Franken zu schwächen - mit wenig Erfolg
Direktorium der SNB. Thomas Jordan in der Mitte. Foto: SNB/P. von Ah

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Iran: Wie lange noch bis zum Krieg? Exklusiv-Interview mit einem Nahost-Experten

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Seit Anfang Mai haben die USA ihre Militärpräsenz in der Golfregion massiv ausgebaut, mit der Begründung akuter Bedrohung durch den Iran und pro-Iranische Milizen. Am 13.6 wurden die Öltanker “Kokuka Courageous“ und “Front Altair‘ im Golf von Oman vor den Küsten der Vereinigten Arabischen Emirate und dem Iran angegriffen und sind in Brand geraten! Die USA lieferten, aus ihrer Sicht, klare Beweise, dass der Iran dafür verantwortlich sei.

Iran Kriegsgefahr?

Iran schoß US-Drohne ab

Am 20.06.2019 schoss der Iran eine US Drohne ab (hier Fotos der Trümmerteile). Die USA behaupten das sich diese Drohne im internationalen Luftraum befand. Der Iran bestreitet dies: „Da sie unsere Warnungen ignorierten, mussten wir die Drohne abschießen“, sagte man in einer ersten Reaktion. Die Reaktion der USA folgte nur wenige Stunden später, in der Nacht zum Freitag den 21.6, mit dem Befehl zum Luftangriff auf den Iran von Donald Trump. Bevor aber dieser Luftangriff ausgeführt wurde, stoppte ihn Donald Trump. Die Begründung die er für seine Meinungsänderung gab veröffentlichte er, wie gewohnt, über Twitter.

Er, Donald Trump, habe sich, nachdem er für einen Kriegsangriff grünes Licht gab, informiert wie viele Leute eigentlich dabei umkommen würden. Daraufhin teilte man ihm dann mit, dass es ca 150 Menschen schon sein könnten. Vielleicht hat man hier auch eine oder zwei Nullen vergessen? Moment: Der Präsident einer Atommacht gibt grünes Licht zu einem Krieg und fragt hinterher erst, wie viele Menschen dabei sterben könnten? What the Fuck!?

Diese Frage hat sich in den Medien noch niemand gestellt, aber ich finde sie sehr wichtig.
Egal gegen wen man Krieg führt, es trifft immer mehr unschuldige Kinder, Frauen und Männer, als vermeidlich schuldige Politiker/Terroristen!

Pompeo auf Werbetour

Aktuell startet der US Außenminister Pompeo eine Werbetour für eine weltweite Koalition gegen den Iran! Diese Idee erinnert sehr stark an damalige Vorgehensweise vor dem Irak-Krieg. Hier wollte man eine “Koalition der Willigen“ zusammentrommeln. Mit damals von der USA eindeutig überbrachten Beweisen, die einen Krieg zwingend rechtfertigten. Später, nach dem Krieg, entpuppten sich diese Beweise als falsch! Im Laufe des Irak-Kriegs starben zig tausend Kinder und Frauen! Damals gab es eine europäische Opposition. Diese kritisierte vor allem:

-fehlende völkerrechtliche Legitimation,
-fehlende Nachweise für eine Bedrohung durch den Irak,
-nicht ausgeschöpfte Kontrollen der UN-Waffeninspekteure,
-mögliche Kriegsfolgen wie die Stärkung des islamischen Fundamentalismus und so auch des Terrorismus,
-Destabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens,
-Schwächung der Erfolgsaussichten im Krieg in Afghanistan, künftige Präventivkriege von atomar bewaffneten Staaten wie Nordkorea,
-hohe finanzielle Folgekosten der Besetzung und des Wiederaufbaus.

Am 15. Februar 2003 demonstrierten weltweit ca. neun Millionen Menschen in der größten Friedensdemonstration der Geschichte, die u. a. über das Europäische Sozialforum initiiert und koordiniert wurde. Vielleicht wiederholt sich auch hier die Geschichte wieder.

Was sagt der Nahost-Experte?

Am 24.6. stelle ich dem Nahost Fachmann Michael Tockuss, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Iranischen Handelskammer e.V. Hamburg, einige Fragen.

Herr Tockuss, wie schätzen Sie aus ihrer Sicht momentan die politische und die Stimmung des Volkes im Iran ein?

Im Iran steigt auch in der normalen Bevölkerung die Sorge vor einem Krieg mit den USA. Diese Sorge geht auch stark in Befürchtungen über, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten und insbesondere die Preise für Lebensmittel weiter ansteigen. Die Stimmung verändert sich aber auch politisch. Es gab zu Anfang der Präsidentschaft von Donald Trump bei liberalen Iranern durchaus die Hoffnung auf Veränderungen im Iran. Mittlerweile ist diese Stimmungslage umgeschlagen, und die Befürchtungen gelten nun der Kriegsgefahr, die ja zweifelsohne sehr akut ist.

Wie hat sich bis dato und vor allem in den letzten Wochen die wirtschaftliche Lage (Inflation etc) im Iran entwickelt?

Die Inflationsrate des Iran liegt aktuell bei ca. 40%. Diese Zahl bedeutet für die durchschnittliche iranische Familie erhebliche Einschnitte in ihr tägliches Leben. Die Menschen konzentrieren sich durch den Tag zu kommen, Restaurantbesuche gehen deutlich zurück. Und wo vorhanden, werden Rücklagen angegriffen um mit den alltäglichen Preiserhöhungen Schritt zu halten. Aber auch in den Außenbeziehungen sind die Auswirkungen der US-Sanktionen deutlich zu erkennen. Die deutschen Exporte nach Iran haben sich im ersten Quartal des Jahres 2019 halbiert. Deutschland liefert aktuell noch Waren und Dienstleistungen für rund 100 Millionen Euro pro Monat in den Iran. Somit ist die Krise auch bei deutschen Unternehmen im Iran-Geschäft deutlich zu spüren.

Trauen Sie dem Iran zu, dass sie die Tanker angriffen und aktuell eine Drohne im internationalen Luftraum über der Straße von Hormus abschossen ?

Wie alle anderen bewege auch ich mich hier im Bereich der Spekulation. Man muss die beiden Vorfälle sicher auseinander halten. Die Drohne wurde definitiv von iranischen Sicherheitskräften abgeschossen, und dies wird von iranischen Vertretern ja auch gar nicht geleugnet. Der Unterschied in der Betrachtung liegt lediglich darin, ob sich die Drohne in internationalem Luftraum befand oder in den Luftraum des Iran eingedrungen ist. Definitiv lügt hier eine Seite. Interessant ist die Tatsache, dass der Abschuss, nach allem was ich höre, nicht durch Luftabwehrsysteme erfolgte, die der Iran von Russland gekauft hat, sondern durch Systeme, die der Iran selbst entwickelt hat. Das lässt auf eine qualitative Entwicklung auf Seiten des Iranischen Militärs schließen, die sicher viele nicht für möglich gehalten haben.

Im Falle der beschädigten Tankers hilft ein genauer Blick auf die Abläufe und die einfache Frage: „Wem nützt das ?“ Bei den Abläufen fällt der Dissens auf, nachdem die USA behaupten, die Tanker seien mit Haftminen beschädigt worden. Die Besatzungsmitglieder sprachen von „fliegenden Objekten“ mit denen sie angegriffen wurden. Nur eine Version kann richtig sein. Bei den Bildern, die als angeblicher Beweis durch die USA vorgelegt wurden und die eine Gruppe von Revolutionsgardisten zeigen sollen, die eine nicht explodierte Haftmine entfernen sollen, erstaunt schon die große Anzahl an Menschen, die in dem iranischen Schnellboot gezeigt werden. Ist es wirklich realistisch, dass ein iranischer Kommandeur für so eine sensible Aufgabe rund ein Dutzend Soldaten in Uniform einsetzt ? Man sagt ja: „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“, und ich kenne fast keinen Beobachter, der bei diesen Bildern nicht sofort an die „Beweise“ der USA über Massenvernichtungswaffen im Irak gedacht hat. Wichtiger ist für mich die Frage: Wem dient es ? Dies kann klar beantwortet werden. Es dient definitiv nicht dem Iran, der keinerlei Interesse an einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den USA haben kann, da dies sowohl seine politische wie wirtschaftliche Lage nur weiter verschärfen würde.

Wie ist die Rolle der Europäer und Deutschlands in dem Konflikt ?

Die Europäer sind wirtschaftlich ein Riese und politisch höchstens eine mittlere Größe. Diese Ansicht gibt es seit Jahren und sie wird regelmäßig in politischen Diskussionen beklagt. Im Fall des Iran-Konflikts hat sich Europa auch wirtschaftlich als unfähig erwiesen, seine Verpflichtungen aus dem Atomabkommen zu erfüllen. Der Iran hat sich an das Abkommen gehalten, aber die Europäer waren nicht einen Tag in der Lage ihren Teil des „Deals“ zu erfüllen (FMW: Man sehe dazu Aussagen der EU vom 9. Mai). Von Anfang an fehlte es an Möglichkeiten Iran-Geschäfte über europäische Banken abzuwickeln. Es fehlte die Bereitschaft Großunternehmen dauerhaft zu einem Engagement im Iran zu bewegen. Aus Deutschland kamen warme Worte aus der Politik, die unterschiedlichen Wirtschaftsminister der Länder und des Bundes entdeckten Teheran als Ziel von Wirtschaftsdelegationen und sendeten schöne Bilder an die heimischen Medien. Aber einen ernsthaften Versuch, dem Iran wirtschaftlich entgegenzukommen gab es aus Europa nicht. Die Europäer und deutsche Politiker haben über Jahrzehnte große politische und diplomatische Bemühungen unternommen das Atomabkommen möglich zu machen. Aber es gab nicht einen Bruchteil solcher Bemühungen es praktisch zu retten. Verstehen Sie mich hier bitte nicht falsch. Ich rede nicht von besorgten politischen Statements, von Beratungen in europäischen Gremien. Ich rede von ernsthaften, praktischen Bemühungen dem Iran wirtschaftlich zu helfen. Hier haben wir als Deutsche, aber auch als Europäer versagt.

Was passiert, aus ihrer Sicht, wenn die USA den IRAN angreifen ?

Nun, die Gefahr besteht akut, dass es zu einem Flächenbrand im Nahen Osten kommt. Schon jetzt liegen klare Äußerungen regionaler Vertreter vor, dass sowohl die arabischen Staaten am Persischen Golf, wie auch der Libanon und die Palästinenser sicherlich in einen solchen Konflikt involviert werden. Wir müssen uns auch klar machen, dass dieser Konflikt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Europa liegt und auch deutliche Auswirkungen auf die Menschen hier haben kann. Wirtschaftlich wäre ein stark ansteigender Ölpreis etwas, was wir auch hier spüren würden. Aber wo es Krieg gibt, gibt es auch Flüchtlinge, die ihre Länder verlassen und Zuflucht in Europa suchen.

Was passiert kurzfristig nach einem Angriff der USA, und was sind die langfristigen Folgen ?

Der Iran wird einen US-Angriff sicherlich nicht tatenlos hinnehmen und ebenfalls militärisch reagieren. Was konkret passieren wird, kann auch ich Ihnen nicht sagen. Aber man darf in diesem Konflikt nicht vergessen, dass die Revolution, die im Iran 1979 stattfand, im Kern darin begründet war, dass die Menschen im Iran ausländischen Druck, Interventionen in ihre politischen Entscheidungen und eine Fremdbestimmung des Landes beenden wollten. Es gibt zwar seit Jahren heftigste innenpolitische Auseinandersetzungen im Iran, aber auch heute werden Sie noch viele Menschen im Iran finden, die ihre politischen Differenzen hinten anstellen, wenn es um die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des Landes geht. Dieser wirtschaftliche und militärische Druck führt also nicht dazu, dass es im Iran eine politische Differenzierung gibt, sondern eher zu einem „Zusammenstehen“ gegen den äußeren Feind. Langfristig hat das Beispiel des Iran verheerende Folgen für viele anderen Konflikte weltweit. Denn die Botschaft der Trump-Administration ist eindeutig. Politische und diplomatische Bemühungen, Internationale Abkommen verlieren jede Bedeutung, wenn sich die einzige verbliebene Supermacht nicht mehr daran hält. Der Atomkonflikt mit dem Iran wurde durch ein internationales Abkommen entschärft. Der Iran hat sich an dieses Abkommen gehalten, und die Internationale Atomenergiebehörde in Wien hat dies in 14 Kontrollen im Iran bestätigt. Aber mit einem Federstrich haben sich die USA einseitig aus dem Abkommen verabschiedet. Warum sollte der Iran sich nun auf neue Verhandlungen mit den USA einlassen ? Hier liegt der große langfristige Schaden, den die USA angerichtet haben, und der neben dem Iran auch auf viele anderen Konfliktregionen ausstrahlt. Die Botschaft ist so klar wie zynisch. Auf Abkommen mit den Amerikanern kann man sich nicht verlassen.

Könnte es sein, dass der Iran bei einem Angriff der USA Israel mit Raketen angreift ?

Schon Ihre Frage zeigt, welche dramatische Auswirkungen ein militärischer Angriff auf den Iran haben könnte. Ich glaube nicht an eine solche direkte Auseinandersetzung, aber es besteht natürlich die große Gefahr, dass andere Länder in diesen Konflikt gezogen werden. Weder die Amerikaner noch die Iraner sind in der aktuellen Krise ja allein. Die Unterstützung der Monarchien am Persischen Golf und Israels ist den Amerikanern sicher, und genauso hat der Iran Verbündete im Libanon, Syrien, Irak und bei den Palästinensern. Diese unübersichtliche Konfliktlage macht die Situation ja so gefährlich. In einem solchen Pulverfass kann jede scheinbar räumlich begrenzte militärische Aktion zu einem Flächenbrand führen.

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