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Quartalszahlen der Tech-Riesen: Machtübernahme über den Gesamtmarkt!

Gestern war es endlich so weit, die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen der Tech-Schwergewichte – Apple, Amazon, Alphabet und Facebook – wurden allesamt an einem Tag veröffentlicht. Und sie haben alles andere als enttäuscht. Ganz im Gegenteil, insbesondere konnten Apple, Amazon und Facebook sogar die Optimisten in Erstaunen versetzen. Trotz Corona-Pandemie oder wahrscheinlich gerade deswegen konnten die Tech-Riesen überraschend gut abschneiden. An einem Tag an dem ein katastrophales US-BIP veröffentlicht wird, schaffen es vier Techwerte den Gesamtmarkt nach oben zu ziehen. Da muss man sich schon fragen, ob die Machtstellung der paar Schwergewichte noch gesund ist.

Zusammenfassung Amazon

Besonders Amazon konnte von der weltweiten Pandemie profitieren, die Quartalszahlen spiegeln den Trend hin zum Onlinehandel wider. Während überall der Einzelhandel schließen musste und bis heute unter den Folgen leidet, konnte Amazon in der Zeit viele neue Kunden generieren. Der Online-Handel hat zudem einen regelrechten Boom erfahren. Mitten in der historischen US-Wirtschaftskrise (BIP -32,9 %) wies der Internet-Riese Amazon den höchsten Gewinn seiner langjährigen Firmengeschichte aus. Der Gewinn verdoppelte sich und die Nettoerlöse stiegen um fast 40 % auf 88,9 Milliarden Dollar. Auch der Gewinn je Aktie hat sich zum starken Vorjahr zufolge fast verdoppelt. Dieser liegt aktuell bei 10,30 Dollar, im Vorjahresquartal immerhin bei 5,22 Dollar. Dadurch hat die Aktie innerhalb eines Jahres einen Zugewinn von knapp 50 % erzielt und das trotz Wirtschaftskrise. Ob ein KGV von 144,94 (Stand 30.07.) deswegen gerechtfertigt ist, kann jeder für sich selbst einschätzen.

Quartalszahlen von Apple

Nicht nur Amazon, sondern auch Apple konnte mit dem Quartalsbericht überzeugen. Die weltweite Wirtschaftskrise aufgrund der Pandemie hat nicht so stark wie erwartet auf den Absatz von Mobilgeräten gedrückt. Alle Segmente, ob iPhones, Macs, iPads oder Services legen beim Umsatz zu.  Alles in allem hat Apple erneut ein Umsatzwachstum zum Vorjahr hingelegt – aktuell bei 59,7 Milliarden Dollar, Vorjahresquartal 53,8. Auch beim Gewinn geht es stetig aufwärts, dieser liegt aktuell bei 2,58 Dollar je Aktie (Vorjahr 2,18 Dollar). Die Fokussierung auf den Ausbau der Produkt-Diversifizierung stellt das Unternehmen auch für die Zukunft gut auf. Zwar sind Gewinn und Umsatz zum Vorjahr leicht gestiegen, aber der Aktienkurs hat sich in derselben Zeit fast verdoppelt. Auch das KGV notiert mittlerweile bei fast 30. Man muss sich schon fragen, ob das noch den wahren Wert widerspiegelt. Großaktionär Warren Buffett und alle anderen Investoren wird es trotzdem freuen.

Zusammenfassung Facebook

Wie bei den beiden Vorgängern sind auch die Facebook Quartalszahlen besser als erwartet ausgefallen. Der Social-Media-Gigant hat die Kritiker auf dem falschen Fuß erwischt und konnte sogar Optimisten überraschen. Facebook steigerte den Umsatz im zweiten Quartal deutlich, dieser lag ein Jahr zuvor noch bei 16,89 Milliarden Dollar und aktuell bei 18,69 Milliarden. Wegen eines Werbeboykotts von mehreren bekannten Unternehmen lagen die Analysteneinschätzungen bei 17,4 Milliarden. Aber auch das konnte einen Sprung von zehn Prozent bei den Werbeeinnahmen nicht verhindern.

Ebenso wie der Umsatz wurde auch der Gewinn je Aktie von 0,91 Dollar auf 1,80 Dollar gesteigert. Zudem hat sich die Marge von 27 % auf 32 % erhöht. Trotz größer werdender Konkurrenz im Social-Media Segment ist die Zahl der aktiven Nutzer leicht angewachsen. Die Bewertung liegt trotzdem schon hoch – das KGV hat sich im Vergleich zum letzten Jahr um fast 10 Punkte erhöht (von 22,85 auf 32). Der Aktienkurs hat sich zum Vorjahr von 192 Dollar auf aktuell 234 Dollar entwickelt.

Quartalszahlen von Alphabet

Bei Alphabet sieht die Situation ein wenig anders aus. Hier konnten die Quartalszahlen nicht gänzlich überzeugen. Zwar wurden die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn ebenfalls übertroffen, aber bei der Marge gab es einbüßen. Auch bei den Werbeeinnahmen kam es aufgrund der Corona-Krise zu einem Rückgang, da viele große Kunden aus der Tourismusbranche ihre Ausgaben senken mussten. Insgesamt wurde ein geringfügiger Umsatzrückgang von 38,9 Milliarden Dollar im Jahr zuvor auf nun 38,3 Milliarden Dollar vermeldet. Der Gewinn je Aktie konnte dennoch die Erwartungen übertreffen, liegt im Vergleich zum Vorjahresquartal aber ungefähr vier Dollar niedriger – aktuell 10,13 Dollar, Vorjahresquartal 14,21 Dollar. Sogar die operative Marge ist in dem gleichen Zeitraum von 24 % auf 17 % gefallen.

Alphabet ist ein gutes Beispiel dafür, dass die niedrige Messlatte der Analysten dabei hilft die Erwartungen zu übertreffen – hier ein Artikel zu dem Thema. Trotz alledem konnte der Aktienkurs innerhalb des gleichen Zeitraums um 27 % zulegen. Indessen ist auch das KGV von 23,4 auf aktuell 30,75 angestiegen. Auch hier könnte man von einer Überbewertung sprechen, aber das betrifft ja inzwischen den Gesamtmarkt.

Fazit

Die Tech-Riesen boomen ordentlich. Alle von ihnen konnten die Erwartungen übertreffen und haben top Quartalszahlen vorgelegt. Nicht mal die Pandemie konnte den Siegeszug der Schwergewichte unterbrechen. ABER, die Anhörung vor dem US-Kongress war schon berechtigt, die Marktmacht der Tech-Riesen nimmt stetig zu. Es würde definitiv Sinn ergeben die gebündelte Macht zu beschränken und Regulierungspläne durchzusetzen. Im S&P 500 machen diese vier Unternehmen plus Microsoft mittlerweile 25 % der Marktkapitalisierung aus, im Nasdaq sind es sogar circa 50 %. Dadurch ist eine Klumpenbildung entstanden, die über Wohl und Leid des Gesamtmarktes entscheidet.

Quartalszahlen Apple, Amazon, Alphabet, Facebook: Zusammenfassung



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2 Kommentare

  1. Brauche ich Apple? (Ich hab ein Haufen Zeugs von denen, ja sind tolle Geräte). Nein! Gibt auch andere Hersteller.
    Brauch ich Amazon? Nein, ich Kauf da grundsätzlich nix, lieber beim Fachgeschäft vor Ort, der soll auch leben können.
    Brauch ich Facebook? Nein, ich hab nicht mal nen Account (außer WhatsApp, das könnte ich mir zur Not auch verkneifen, und durch SMS ersetzen)
    Brauch ich Google? Jein.
    Brauch ich Microsoft? Jein.

    Also, die letzten 2 sind mMn von der Bewertung her gerechtfertigt.
    Die erstgenannten 3 nicht.
    Warum werden diese Werte dann so gehypt?
    Klar freu ich mich über die Kursgewinne — aber erkläre man mir wieso diese Techaktien alle da stehen, wo sie gerade sind.(Und kommt mir nicht mit der immer gleichen Story vom billigen Geld, das kann es nicht alleine sein)

    Schönen Tag euch allen,
    Bleibt Gesund.

  2. Na, das sollte einfach sein…

    Alles ausgelöst hat ein Herr namens Steven „Steve“ Paul Jobs.

    Ein Herr Jobs hat es geschafft, die „Computerwelt“ in die „reale Welt“ zu transformieren. Punkt !

    Da hatte ein Konzern wie beispielsweise Samsung vorher so seine Probleme…

    Corana ist ein Sinnbild für die digitale Transformation unseres Lebens.

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