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Rentenversicherung mit „Überschüssen“ – so wird das kaputte System schön gerechnet

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Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland ist kaputt, aber so richtig! Oder doch nicht? Die offiziellen Verlautbarungen sprechen von Überschüssen. Mehr Einnahmen als Ausgaben. Also alles in bester Ordnung? Wir haben zuletzt im Dezember 2018 über die große Rentenlüge berichtet. Denn in offiziellen Presseveröffentlichungen, die auch von großen Presseorganen übernommen werden, sind in den Headline-Aussagen höhere Einnahmen als Ausgaben in der Rentenversicherung erwähnt. Das ist aber falsch, wenn man es genau betrachtet.

Lage in der Rentenversicherung ist desaströs

Denn wenn der Bürger beziehungsweise Leser oder Zuschauer bei Tagesschau und Co von Berichten von Einnahmen hört, denkt er/sie automatisch an Beitragszahlungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in die Rentenkasse. Aber mit „Einnahmen“ meint die Deutsche Rentenversicherung aber Beitragseinnahmen + die Zuschüsse, die der Bundeshaushalt jedes Jahr aus den Steuereinnahmen überweist. Ohne diese Quersubventionierung auf staatlicher Ebene wäre die Rentenversicherung schon längst pleite. Und das Problem wird von Jahr zu Jahr größer, weil es immer mehr Rentner und immer weniger Beitragszahler gibt. Aktuell wird dieser Trend etwas abgebremst dank der bis vor Kurzem noch gut laufenden Konjunktur.

Alleine 2017 hat der deutsche Steuerhaushalt 67,8 Milliarden Euro an die Rentenkasse überwiesen. 293,8 Milliarden Euro Gesamteinnahmen hatte die Rentenversicherung in 2017, davon stammten 67,8 Milliarden Euro aus dem Steuerhaushalt. Demgegenüber standen 293,2 Milliarden Euro an Ausgaben. Auch wenn man Ausgaben abzieht, die nicht explizit für Rentenberechtigte aufgewendet werden, so kann die Deutsche Rentenversicherung mit den tatsächlichen Beitragseinnahmen die Rentenzahlungen nicht abdecken!

Und 2018? Auf Seite 20 des Statistikberichts der Rentenversicherung kann man sich die Detailzahlen anschauen. Die Steuerzuschüsse stiegen von 67,8 auf 69,5 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen stiegen von 224 auf 236 Milliarden Euro. Obwohl die realen Einnahmen aufgrund der guten Konjunktur also um satte 12 Milliarden Euro stiegen, musste der Bundeshaushalt seinen Zuschuss noch erhöhen, anstatt ihn zurückzufahren. Denn die Ausgaben stiegen 2018 gegenüber 2017 von 293 auf 302 Milliarden Euro.

Zuschuss in 2018 noch erhöht trotz sprudelnder Einnahmen

Und stolz (kein Witz) hat die Vorsitzende der Rentenversicherung bereits im Juni diesen Jahres für 2018 einen Überschuss in Höhe von 4 Milliarden Euro verkündet. Ja, ein Überschuss. Unglaublich. Dass man bei Zuschüssen aus dem Steuerhaushalt von fast 70 Milliarden Euro von 4 Milliarden Euro Überschuss spricht, ist schon fast grotesk. Das Problem dabei: Wer nur die Headline-Presseinfos liest, glaubt tatsächlich an eine gesunde Lage in der Rentenkasse. Läuft doch alles stabil, möchte man da meinen? Tja, die Realität ist aber schon heute desaströs. Deswegen ist es wohl auch illusorisch, dass eines Tages die gesamte Steuerlast spürbar gesenkt werden kann. Denn der Steuerhaushalt muss nun mal einen immer größeren Zuschuss zum Rentensystem leisten. Und was ist überhaupt, wenn im laufenden Jahr 2019 und vor allem in 2020 im Zuge der Rezession die Beitragseinnahmen einbrechen, während die Ausgaben weiter steigen? Dann dürfte der Steuerzuschuss für die Rentenversicherung sprunghaft ansteigen, weit über 70 Milliarden Euro pro Jahr?

Hier die Rentenversicherung im Zitat vom 27.06.2019:

Annelie Buntenbach, Vorsitzende des Bundesvorstandes, machte in ihrem Bericht an die heute in Bochum tagende Bundesvertreterversammlung deutlich, dass die gesetzliche Rentenversicherung derzeit finanziell gut aufgestellt sei. Das vergangene Jahr habe die Rentenversicherung mit einem deutlichen Plus abschließen können. „Der Überschuss der Rentenversicherung lag 2018 bei 4,4 Milliarden Euro“, so Buntenbach.

Nachträgliche Anmerkung der Redaktion:

2018 gab es „Beitragseinnahmen“ in Höhe von 235,8 Milliarden Euro, und gleichzeitig reine „Rentenausgaben“ in Höhe von 263 Milliarden Euro. Also 27,2 Milliarden Euro mehr Ausgaben als Einnahmen. Bei dieser Zahl sind zahlreiche Sonderausgaben bereits herausgerechnet worden. Genaueres kann man im oben verlinkten Bericht der Rentenversicherung nachlesen.

Beispielbild für zwei Rentner / Rentenversicherung kaputtes System
Foto: pixabay / pasja1000

15 Kommentare

15 Comments

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    Helmut Josef Weber

    30. September 2019 10:00 at 10:00

    Meine Ehefrau hatte 11,5 Jahre in der spanischen Landwirtschaft das Gewerbe angemeldet und war für etwa 180,00 Euro im Monat Kranken- und Rentenversichert; ich war bis zu meiner Altersrente kostenlos bei ihr mitversichert.
    Meine Ehefrau erhält dafür 14 x im Jahr eine spanische Rente von etwa 640,00 Euro im Monat (ca. 9.000,00 Euro im Jahr) ohne das ihre deutsche Rente verrechnet wird.
    Für die KK müssen Rentner in Spanien keine Beiträge zahlen und da meine Ehefrau Anspruch auf eine spanische Rente hat, muss sie auch keine deutschen KK-Beiträge von ihrer deutschen Rente zahlen.
    Über de Daumen gerechnet würde ich sagen, dass meine Ehefrau für die fasst 12 Jahre Beiträge in die spanische Rentenkasse, genau so viel an Nettorente erhält, wie eine Verkäuferin bei LIDL, die aber dafür (einschl. AG-Anteil) 45 Jahre lang etwa den 3 bis vierfache Beitrag in die deutsche Rentenkasse zahlen muss.
    Und das spanische System hat noch Überschüsse, die der Staat sich geliehen hat.
    Gut- im deutschen Regierungsfernsehen werden über spanische Rentner andere Berichte gezeigt; aber könnten die Meinungsmacher denn auch die Wahrheit berichten?

    Aber– jeder Arbeitnehmer und Selbstständige ist Mitglied der spanischen Sozialversicherung.
    Von der deutschen Rentenversicherung erhält meine Ehefrau (einschließlich 2 Kindererziehungszeiten) für 12 Beitragsjahre 320,00 Euro im Monat.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

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    Hesterberg

    30. September 2019 11:21 at 11:21

    Das Volk wird gezielt angelogen, um die katastrophalen Zustände zu verschleiern. Die Rentenlüge ist dabei nur eine der großen Lügen unserer Zeit. Der deutsche Physiker Georg Christoph Lichtenberg hatte es schon vor mehr als 200 Jahren auf den Punkt gebracht „Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt“. Annelie Buntenbach belügt das Volk ganz bewusst, in dem sie die „Wahrheit“ sagt. Ich wünschte mir, dass man solche „Wahrheitenlügner“ in den höchsten Ämtern ins Gefängnis stecken würde. Da gehören sie nämlich hin.

  3. Pingback: Nachrichten vom 30.09.2019 | das-bewegt-die-welt.de

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    foxxly

    30. September 2019 13:36 at 13:36

    meines wissens nach sind die versicherungsfremden leistungen höher, als der saatliche zuschuß. das sozialsystem in deutschland wird massiv benützt, um eigentlich aus steuern zu finanzierende aufgaben zu tätigen. der arbeitnehmer wird hier massiv über den tisch gezogen, – und gewerkschaft, sozialverbände, kirchen und parteien spielen hier gegen die arbeitnehmer, rentner und sonstige unterschicht. ja, ……. wir haben unsere ausbeuter selbst gewählt!!
    Bitte noch mehr ausbeuten, damit es irgenwann die letzten kapieren

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    asisi1

    30. September 2019 13:57 at 13:57

    Wie würde die Berechnung bei ehrlicher Rentenzahlung von 100% aussehen?
    Dann noch zusätzlich die widerrechtlichen Abzüge durch Steuern, KK Beiträgen und Pflegeversicherung! Wo ist das ganze Geld geblieben?

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    Roman

    30. September 2019 16:36 at 16:36

    Wer Altparteien wählt der will da so.

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      Eugen

      2. Oktober 2019 08:50 at 08:50

      Es ist erschütternd, aber das stimmt.

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    Full

    30. September 2019 17:26 at 17:26

    Deal: Rentenkasse zahlt nur noch Rente, für die tatsächlich gearbeitet wurde und keine Sonderleistungen, die der Rentenversicherung durch die Politik aufgenötigt wurden – es könnte sofort auf jegliche staatliche Zuschüsse verzichtet werden.

    Der Wikipedia Beitrag zu versicherungsfremden Leistungen bietet einen guten Einstieg in das Thema. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Versicherungsfremde_Leistungen

  8. Avatar

    Chris

    30. September 2019 18:48 at 18:48

    Also mein Vater gehört zu den wenigen Rentnern mit Höchstrente, klar bei 13 Stunden-Arbeitstagen plus Samstag bis mittags und häufig Sonntag. Ich habe samstags häufig auf der Werft gespielt.

    Für 120 Familien hat er persönlich über Jahrzehnte Verantwortung getragen.
    Ich mag ihm gar nicht mitteilen, dass ab 2020 seine Rente nochmals versteuert wird.
    Witwenrente erhält er nicht. Er war enttäuscht, meine Mutti ist gleich nach Renteneintritt an einer Berufskrankheit als Sauerstoffpatientin erkrankt. Wir haben Sie zu Hause gepflegt, die Pflegekasse hat fast nichts zahlen müssen. Meine Eltern haben über ihre Pflegebeiträge die Leistung selbst bezahlt.

    Es geht darum, dass er als Pensionär eine wesentlich höhere Pension erhalten würde, also warum wird bei Rentnern nicht über die Witwenrente aufgestockt bis zur Pensionsgrenze.

    Übrigens hätte er mit 40 Jahren noch Beamter in Leitender Funktion werden können, aber dann wären 120 Familien in unserer Kleinstadt in die Arbeitslosigkeit gerutscht und nur wenige wieder herausgekommen.

    Ich würde die deutsche Rentenversicherung als Hauptbestandteil meiden.

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    Petra Weimer

    30. September 2019 18:57 at 18:57

    Warum zahlen nicht alle in die Rente ein und bedienen sich nur daran.Man kann seine 59 Punkte voll haben und auch würde viel eingezahlt aber als Rente bekommt man nur wenig denn um das wieder zu bekommen müsste man über 100Jahre werden die behalten es ob wohl es denen gar nicht zu steht.Die sollen sich ein Beispiel an andere Länder nehmen da geht es doch auch

  10. Avatar

    Eugen

    30. September 2019 19:59 at 19:59

    Ein gerechtes Rentensystem wie in manchen anderen europäischen Ländern wird es in Deutschland nicht geben, denn dann müssten alle einzahlen, auch die Politiker – und genau die werden das weiter verhindern.
    Würden nur die eine Rente aus der Rentenkasse beziehen, die diese auch durch jahrzehntelange Einzahlungen erwirtschaftet haben, gäbe das eine fürstliche Rente.
    Kohl ist nur das berühmteste Beispiel für die Plünderung der Rentenkassen, aber bei weitem nicht das einzige.

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    Norbert Wichmann

    30. September 2019 21:03 at 21:03

    Was ist das denn für ein Blödsinn? Wenn der Staat nicht ca. 700 Milliarden Euro!!! als „Fremdentnahmen“ aus der Rentenkasse in all den Jahren entnommen hätte, könnte bequem eine höhere Rente in den nächsten Jahren geleistet werden!

    • Avatar

      Heinrich Dießelmeyer

      1. Oktober 2019 15:32 at 15:32

      2018 war die Summe der beitragsfremden Leistungen über 811.000.000 Euro.

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    Krebspatientin 29

    30. September 2019 23:37 at 23:37

    Die Zustände in der Deutschen Rentenversicherung sind nicht nur in finanzieller Hinsicht desaströs. Die Sachbearbeiter sind völlig überfordert. Man muss als als Krebspatient bei der DRV Berlin-Brandenburg fast 5 Monate auf die Bewilligung einer Reha warten, obwohl diese möglichst zeitnah nach Abschluss der Therapie erfolgen sollte. Bei der Kilinkzuweisung wird keine Rücksicht auf die medizinischen Bedürfnisse genommen und man muss Wochenlang auf die Auszahlung der Bezüge (Übergangsgeld) warten und ständig mit dem Einschalten eines Anwalts drohen, damit die Vorgänge weiter bearbeitet Werden. Man wird völlig im Stich gelassen…

  13. Avatar

    Michael

    16. Oktober 2019 21:24 at 21:24

    Wenn die Aktienmärkte auf Dauer ohnehin nur steigen können, frage ich mich, warum die Deutsche Rentenversicherung respektive die reaktionäre Christunion die utopischen Beitragssummen nicht einfach teilweise, flexibel und je nach gordischer Knotenbankpolitik dahin verschieben lässt.

    Zuviel Arbeit, zu flexibel, zu schnell? Politik ist schließlich das Machbare, wie es beim Klimaschutz so schön hieß 🙄

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Die South China Morning Post pulverisiert Trumps 50 Milliarden Dollar Agrar-Import-Traum

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Donald Trump hatte es im Weißen Haus in Anwesenheit der chinesischen Offiziellen laut verkündet. China werde seine Importe von US-Agarprodukten drastisch ausweiten, auf 50 Milliarden Dollar. Ja, das hatte dem Kapitalmarkt signalisiert, dass doch noch alles gut wird im Handelskrieg. Aber Zweifel waren sofort aufgekommen, und sie blieben die letzten Wochen konstant vorhanden. Aktuell äußert sich die „South China Morning Post“ zu dem Thema mit einer bestechenden Analyse. Wer den Text liest, dem wird klar: China kann gar nicht 50 oder 60 Milliarden Dollar für US-Agarimporte ausgeben. Die einzige Möglichkeit wäre wohl, dass man eine rein politische Entscheidung trifft – dann allerdings müsste man wohl gigantische Berge an importierten US-Argarprodukten (vor allem Sojabohnen) in Lagerhallen immer weiter auf Vorrat stapeln.

Die afrikanische Schweinepest hat in China die Hälfte des Schweinebestands dahin gerafft. Und wer frisst das ganze Soja, dass die Chinesen angeblich den Amerikanern nun in Massen abkaufen sollen? Die Schweine! Bei nur noch 50% Schweinebestand soll es drastisch mehr Soja-Importe geben? Völlig unrealistisch. Die South China Morning Post benennt zum Beispiel, dass China im letzten Jahr insgesamt Agrarprodukte im Wert von 137 Milliarden Dollar importiert hat. Aber China habe noch nie ein größeres jährliches Volumen von mehr als 25,9 Milliarden aus den USA bezogen (das war der Spitzenwert im Jahr 2012). Also, China soll diesen Wert quasi verdoppeln? Und das bei völlig weggebrochener Schweinepopulation im Reich der Mitte? Völlig unrealistisch schient dieser Deal auch zu sein, zumal die Chinesen ihn nie offiziell bestätigt haben.

Lesen Sie den ganzen Artikel gerne beim Klick an dieser Stelle.

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Tesla Fabrik in Deutschland? Mehr Schein als Sein!

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Tesla ist das Thema der Woche mit der Ankündigung von Elon Musk, dass man die erste Gigafactory in Europa nahe Berlin errichten will. Sissi Hajtmanek und Manuel Koch besprechen diese Nachricht im folgenden Video. Die beiden beleuchten das Thema kritisch, vor allem in Sachen möglicher EU-Subventionen. Lesen Sie bitte unseren Text unter dem Video weiter – wir äußern uns detailliert zu dem Thema!

Auch die hohen Kosten für die E-Autos von Tesla sind für den Massenmarkt ein Problem. Auf der Tesla-Aktie liegen hohe Short-Positionen. Es gibt also einiges zu beachten rund um die Aktie. Die Aktien von Tesla und Daimler werden im obigen Video übrigens auch mit aktuellen Handelsempfehlungen der Trading House Börsenakademie besprochen. Aber nun zu  unserer Analyse.

Tesla Motors ist sich stets der Aufmerksamkeit der Medien sicher. Ganz besonders gilt das in diesen Tagen. Mit der Ankündigung, eine Autofabrik am Stadtrand von Berlin bauen zu wollen, verblüffte Unternehmens-Chef Elon Musk am Dienstag praktisch alle. Zwar kündigte Musk in den vergangenen Jahren bereits mehrfach an, eine Fabrik in Europa bauen zu wollen. Doch dass es bereits jetzt soweit ist und die Wahl ausgerechnet auf das Hochlohnland Deutschland fällt, war nicht erwartet worden.

Tesla hat kein Geld und nicht genügend Nachfrage nach den Autos

Denn Tesla mangelt es nicht nur an Kapital, sondern auch nach einer ausreichend großen Fahrzeugnachfrage, um in naher Zukunft gleich drei Fahrzeugfabriken unterhalten zu können. Es ist erst zwei Jahre her, dass Musk öffentlich verkündete, es solle keinerlei Zweifel, und er meine Null Zweifel, daran bestehen, dass er in seiner ersten Fabrik in Fremont bereits Ende 2018 10.000 Model 3 pro Woche fertigen werde. Nun, Ende 2018 waren es nicht einmal 5.000 pro Woche und auch heute liegt die Produktionsrate eher bei 7.000 als 10.000 pro Woche. Und obwohl er in Fremont seinem für vergangenes Jahr ausgegebenen Produktionsziel 30% hinterher hinkt, beträgt die Lieferzeit für ein neu bestelltes Auto in Europa nur wenige Wochen bis maximal drei Monate. Die Preise mussten seit vergangenem Jahr zudem drastisch gesenkt werden, um auch nur eine Nachfrage auf dem aktuellen Niveau zu generieren.

30% Planuntererfüllung in Fremont und gesenkte Preise zur Nachfragebelebung hielten Tesla jedoch nicht davon ab, in diesem Jahr den Bau einer Fabrik in China zu beginnen. Dort sollen bald 150.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Bis der Maschinenpark gekauft, aufgebaut und kalibriert wurde, sollen vorerst Fahrzeuge mit Bauteilen aus Fremont zusammengeschraubt werden.

Die Investitionen in die 1. Gigafactory wurden bei 20% des Endausbaus gestoppt

Auch in der sogenannten Gigafactory 1 in Nevada ist noch Platz für zusätzliche Produktionskapazitäten. Vollmundig angekündigt wurde die Fabrik vor mehr als fünf Jahren mit einer Produktionskapazität von 35 bis 50GWh Batteriezellen pro Jahr. Wenig später revidierte Tesla diese Zahl auf bis zu 150GWh nach oben. Stand jetzt werden jedoch nur 35GWh Zellen dort produziert, der Hallenbau wurde nach wenig mehr als 50% der ursprünglich angekündigten Größe vorerst eingestellt und der Partner Panasonic, der die Batteriezellen dort für Tesla fertigt, erteilte weiteren Investitionen eine Absage.

Ob sich Tesla überhaupt den Bau und Unterhalt so vieler Fabriken leisten kann, ist zweifelhaft. Laut Bilanz sitzt Tesla zwar auf mehr als 5 Milliarden US-Dollar Barreserven. Denen stehen aber nicht nur ein beständig wachsender Berg offener Rechnungen in Milliardenhöhe entgegen. Die auffällig niedrigen Zinseinnahmen pro Quartal deuten auch noch darauf hin, dass Tesla bei der Bilanz ordentlich Window dressing betreibt und der Cashbestand nur am letzten Tag des Quartals so hoch ist. Unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Zinseinnahmen erscheint ein weniger als halb so hoher Cashbestand im Durchschnitt eines Quartals wahrscheinlicher. Übrigens: Auch als Tesla nach Aussage von Elon Musk wenige Wochen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt war, lag der Cashbestand laut Bilanz bei rund 3 Milliarden US-Dollar.

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Vermögenspreise kennen nur eine Richtung – Haushalte ohne Immobilieneigentum gehen leer aus

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Es ist wie es ist. Die Verbraucherpreise wollen nicht auf die 2% steigen, wo die EZB sie gerne sehen möchte. 2,6 Billion Euros gedruckt, Zinsen abgeschafft, und trotzdem wollen die Preise einfach nicht steigen. Aber seit Jahren steigen dafür die Vermögenspreise! Die EZB hat mit ihren gigantischen Anleihekäufen Anleger aus dem Anleihemarkt vertrieben. Und vor allem die nicht mehr vorhandenen Zinsen zwingen Anleger regelrecht in Aktien zu investieren. Geld will Rendite, und so steigen seit Jahren nicht nur Aktien, sondern auch Immobilien und sonstige Sachwerte immer weiter an. Hier ist die Inflation mehr als deutlich zu finden, während sie bei den Alltagsausgaben für die Verbraucher an der Supermarktkasse nicht zu entdecken ist.

Vermögenspreise steigen weiter an

Das Flossbach von Storch Research Institute (FvS) hat heute früh seinen aktuellsten Vermögenspreisindex für das 3. Quartal 2019 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass zum Ende des dritten Quartals die Vermögenspreise privater deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um +2,9 % angestiegen sind. Unaufhörlich steigende Preise für Immobilien sind für die Entwicklung ursächlich, so FvS. Sowohl die Entwicklung der Vermögenspreise im Vermögensquerschnitt als auch im Altersquerschnitt zeigen, dass Haushalte, die über Immobilieneigentum verfügen, am stärksten von der Vermögenspreisinflation profitieren. Haushalte ohne Immobilieneigentum hätten hingegen das Nachsehen.

Die Inflation der Vermögenspreise liegt damit, so merkt FvS an, angefacht von dauerhaften Null- und Minuszinsen ­– beinahe doppelt so hoch wie die Verbraucherpreisinflation. Immobilien verteuern sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,8 Prozent. Auch zahlreiche andere Datenanbieter können den Anstieg der Immobilienpreise untermauern (siehe hier). Niedrige Zinsen machen diese Anlageklasse laut FvS attraktiv. Bemerkenswert war auch der Goldpreis, der sich in Euro gerechnet um ein Drittel stieg. Immobilien machen einen großen Anteil des Vermögens von Senioren aus. Die Vermögenswerte der Deutschen ab dem 75. Lebensjahr verteuerten sich im dritten Quartal durchschnittlich um 4,1 Prozent. Das ist so viel wie in keiner anderen Alterskohorte.

Vermögenspreise seit 2005
Entwicklung der Vermögenspreise seit 2005.

Immobilien Top bei Sachvermögen

Der folgende Chart zeigt in der schwarzen Linie die Entwicklung der Immobilienpreise seit dem Jahr 2005. FsV im Wortlaut zu Sachvermögen:

Die Entwicklung des Sachvermögens wird maßgeblich von der Entwicklung der Preise für Immobilien getragen. Diese haben sich mit +5,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut erheblich verteuert. Ursächlich hierfür ist weiterhin die Kombination aus historisch günstigen Finanzierungskonditionen und einem knappen Immobilienangebot. Der Preis für das Betriebsvermögen deutscher Haushalte ist um -10,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. Der Preis für Betriebsvermögen wird durch den SDAX-Kursindex abgebildet, der die Veränderung des Börsenwerts von 70 gelisteten deutschen Mittelstandsunternehmen wiedergibt. Hierunter spielen klassische Industrieunternehmen und Automobilzulieferer eine wichtige Rolle, die sich zum Ende des dritten Quartals in einer Strukturkrise befinden. Der Preisverfall des Betriebsvermögens liegt schon zum vierten Mal in Folge unterhalb von ‑10 %. Langlebige Verbrauchsgüter stagnieren, da ihre Preissteigerung lediglich +0,5 % beträgt. Der Preis für Sammel- und Spekulationsgüter legte um +1,6 % zu. Insbesondere wird diese Entwicklung von steigenden Preisen für Kunstobjekte getragen.

Immobilienpreise steigen konstant weiter an

Gold treibt Finanzvermögen

Die Entwicklung der Finanzvermögen sah zuletzt nur gut aus, weil der Goldpreis im Jahresvergleich zulegen konnte. Die Preise für das Finanzvermögen deutscher Haushalte folgen laut FvS einem Aufwärtstrend. Innerhalb der Kategorie seien die Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen an Gold- und Rohstoffpreisen) mit +21,7 % am stärksten angestiegen. Verantwortlich hierfür sei der Goldpreis, der um +33,4% im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen sei. Preise für Aktien lagen hingegen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres (+0,2 %).

Gold rettet Performance der Finanzvermögen innerhalb der Vermögenspreise

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