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Saudis zerstören Hoffnungen auf Oil Freeze – da kann nur ein Wunder helfen

Übermorgen trifft sich die OPEC zum lange erwarteten turnusmäßigen Meeting in Wien um endlich die lange erwartete Einfrierung und sogar Kürzung der Öl-Fördermenge (Oil Freeze) zu beschließen…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Übermorgen trifft sich die OPEC zum lange erwarteten turnusmäßigen Meeting in Wien um endlich die lange erwartete Einfrierung und sogar Kürzung der Öl-Fördermenge (Oil Freeze) zu beschließen. Wir haben dies immer wieder bezweifelt, und selbst bis jetzt ist völlig unklar, welche Länder wie viel kürzen wollen. Ebenfalls ist es mehr als problematisch, dass die großen Förderer Iran und Irak gar nicht mitmachen wollen.

Aber dann ganz aktuell zerstört der große Fürsprecher für den Oil Freeze die Hoffnungen der Öl-Bullen. Saudi-Arabien hat über seinen Energieminister Khalid Al-Falih gestern laut der saudischen Zeitung Asharq Al Awsat wissen lassen, dass man davon ausgehe, das der weltweite Öl-Konsum in 2017 anziehen werde – besonders auf mehr Nachfrage aus den USA werde man sich verlassen können. Daher würde sich der Ölpreis in 2017 auch ganz ohne Eingreifen durch die OPEC stabilisieren (also steigen).

Es gäbe (für die Stabilisierung des Ölpreises) eben nicht nur den einen Weg der Einfrierung der Fördermenge, so Al-Falih. Damit möchte er schon mal freundlich darauf hinweisen, dass es mit der Einfrierung der Fördermenge am Mittwoch wohl nichts werden wird. Mit dem Verweis auf die weltweit höhere Nachfrage nächstes Jahr will er schon mal vorher ablenken vom völligen Versagen der OPEC als Institution, und der völligen Zerstrittenheit der Mitglieder. Und dann noch explizit die höhere Nachfrage in den USA anzusprechen, ist umso mehr kurios.

Denn wie wir alle in den letzten zwei Jahren gelernt haben: Zu aller erst werden bei stark steigender US-Nachfrage nach Öl und dem dann steigenden Ölpreis die US-Fracker ihrer Bohrlöcher wieder hochfahren. Und genau deren Aktivität war ja erst der Anlass für die Saudis mit hohen Fördermengen vor zwei Jahren den US-Frackern den Öl-Krieg zu erklären.

Am Freitag hatten die Saudis für alle überraschend ihre Teilnahme an einem Vorbereitungstreffen für den heutigen Montag abgesagt. Damit war das ganze Treffen sinnlos. Laut saudischen Aussagen sei es halt einfach nicht notwendig an solchen Vorbereitungstreffen teilzunehmen (laue Ausrede). Daraufhin stürzte der Ölpreis am Freitag ab. Die nun ganz aktuelle Äußerung der Saudis werten wir als de facto Eingeständnis, dass es mit einer Einigung am Mittwoch in Wien gar nichts werden wird. Wie der Ölpreis darauf heute reagieren wird? Eigentlich müsste er weiter fallen, aber wie immer ist Vorsicht angesagt. Der Ölpreis ist unberechenbar!

Angeblich, so besagen es Gerüchte, sollen Offizielle aus Algerien und Venezuela heute im Flieger Richtung Moskau sitzen, um in einer Art Sonderaktion die Russen zu einer schönen kräftigen Mengen-Reduzierung zu bewegen – sozusagen als großen Start-Bonus für die OPEC-Gespräche am Mittwoch, bei denen die Russen als Nicht OPEC-Mitglieder gar nicht anwesend sein werden.

Wo ist das Problem? Es wird das selbe sein wie beim ersten Oil Freeze im April. Einige Mitglieder wollen gar nicht einfrieren, und machen damit die ganze Sache sinnlos. Darüber hinaus dürfte vielen Teilnehmern klar sein, dass eine potenzielle Einfrierung ihrerseits und der darauf folgende Anstieg des Ölpreises nur dazu führen wird, dass die US-Fracker in die Rentabilitätszone rutschen, und ihre Förderanlagen wieder hochfahren. Ein Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Verlieren tun die Staatshaushalte und die Geldvermögen der Golfstaaten!

Aber es soll ja Wunder geben, und gerade am Ölmarkt geschieht ja immer wieder Überraschendes. Basierend auf diesem aktuellsten Stand wird es nichts mit der Einfrierung und Kürzung der Fördermenge am Mittwoch in Wien. Aber warten wir es ab, ob man wieder eine schöne plakative Gesamtaussage für die Öffentlichkeit hinbekommt wie Ende September in Algier. Die half dem Ölpreis damals auch gut ein paar Dollar nach oben zu kommen!

oil-freeze
Der WTI-Ölpreis seit Donnerstag Abend.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    frank.trg

    28. November 2016 10:04 at 10:04

    Danke für den Beitrag, die anderen deutschsprachigen Wirtschaftsmedien haben über die jüngsten Kursstürze und Aussagen der Saudis gar nicht berichtet. De Facto verliert die OPEC enorm an Macht. Trump hat sich schon mehrmals für eine Zerschlagung der OPEC ausgesprochen. Allerdings brauchen gerade die Amerikansichen Ölförderer einen Ölpreis von mdst. 40 bis 50 USD um kostendeckend zu sein. Wenn die OPEC zerfällt, fällt auch die wichtigste Stütze für den Ölpreis aber tiefer als auf 30 USD wird er vermutlich nicht fallen, aber wer weiß das schon… Dann könnte man nur konstatieren dass die Verbraucher die letzten 20 Jahre mit horrenden Ölpreisen abgezockt wurden

  2. Avatar

    Daniel Berg

    28. November 2016 10:39 at 10:39

    Ich glaube, die Dividendenzahler Chevron, Exxon, BP und Royal Dutch brauchen Kurse ueber 50 Dollar (WTI), da sie seit einiger Zeit die Dividenden „auf Kredit“ bezahlen.

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Quartalssaison: Hier die wichtigsten Termine

Claudio Kummerfeld

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Wall Street Schild

Die Quartalssaison hat begonnen. Letzte Woche meldeten bereits die großen US-Banken und Netflix. Aber nun geht es so richtig los. Hier eine Übersicht der wichtigsten Termine von deutschen und US-Konzernen für die nächsten Tage. Wichtig: Diese Termine haben wir direkt aus den Finanzkalendern der Unternehmen entnommen. Denn manchmal sind Webportale mit ihren Terminübersichten zu den Quartalszahlen unzuverlässig, da hier zukünftige Termine zu Finanzkennzahlen manchmal einfach nur basierend auf den Terminen vergangener Quartale von einer Computersoftware abgeschätzt werden, und daher fehlerhaft sein können.

Microsoft: 26. Januar

General Electric: 26. Januar

BASF: 26. Februar

Facebook: 27. Januar

Boeing: 27. Januar

Apple: 27. Januar

Caterpillar: 29. Januar

SAP: 29. Januar

Alphabet (Google): 2. Februar

Amazon: 2. Februar

Exxon: 2. Februar

Deutsche Bank: 4. Februar

Twitter: 9. Februar

Delivery Hero: 10. Februar

Commerzbank: 11. Februar

Daimler 18. Februar

Walmart: 18. Februar

Bayer: 25. Februar

Deutsche Telekom: 26. Februar

Volkswagen: Ende Februar

Zalando: 2. März

Lufthansa: 4. März

Adidas: 10. März

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Rüdiger Born: Charttechnik bei Nasdaq und Gold

Rüdiger Born

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Dax: Der deutsche Leitindex und die deutsche Wirtschaft

Wie kann es sein, dass der deutsche Leitindex Dax auf Rekordständen notiert, obwohl es einem Teil der Wirtschaft doch so schlecht geht?

Wolfgang Müller

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Derzeit wird viel darüber gerätselt, warum es sein kann, dass der deutsche Leitindex Dax auf Rekordständen notiert, obwohl es einem Teil der Wirtschaft doch so schlecht geht? Im Bereich der Gastronomie und in vielen Dienstleistungsbranchen herrscht große Not und viele Firmen können sich nur knapp über Wasser halten. Woher also diese Divergenz, spielen die Börse komplett verrückt?

Der Dax und Deutschlands geschrumpfte Wirtschaft

Vor Kurzem wurde die erste Berechnung für das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands des Jahres 2020 veröffentlicht. Es ist um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, von 3,44 auf 3,329 Billionen Euro, macht pro Bürger 40.033 Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Das Verarbeitende Gewerbe war besonders durch den Totaleinbruch im zweiten Quartal 2020 um 10,4 Prozent gefallen. Der Dienstleistungsbereich mit Handel, Verkehr und Gastgewerbe um 6,4 Prozent, allerdings nur deshalb vergleichsweise wenig, weil der Onlinehandel einen gewaltigen Boom erlebt hat. Die Bauausgaben hingegen nahmen gegenüber dem Vorjahr sogar um 1,4 Prozent zu.

Die Konsumausgaben der Bürger erlebten mit minus 6 Prozent den größten Rückgang seit Jahrzehnten, allerdings wirkten die Ausgaben des Staates mit plus 3,4 Prozent dagegen stabilisierend.

Der Außenhandel mit seinen Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen ging im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders stark natürlich der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

„Die staatlichen Haushalte beendeten das Jahr 2020 nach vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsdefizit von 158,2 Milliarden Euro. Das war das erste Defizit seit 2011 und das zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekorddefizit des Jahres 1995, in dem die Treuhandschulden in den Staatshaushalt übernommen wurden.“ So das Statistische Bundesamt.

Wieso steht der deutsche Leitindex nun knapp über seinem Stand vom Februar 2020, dem Beginn der Corona-Krise?

Die Besonderheit des Dax

Warum also steht der deutsche Leitindex Dax höher als vor der Krise, trotz der schlechten Wirtschaftsdaten? Dafür dürfte es mehrere Ursachen geben.

Zum einen blickt der Index bereits weit in das Jahr 2021, also auf die Zeit, in der man glaubt das Virus eingedämmt zu haben und zum anderen ist er kein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft mit seinen vielen exportorientierten Titeln. Dies wird allein schon aus seiner Marktkapitalisierung ersichtlich. Diese beträgt aktuell 1,265 Billionen Euro, im Vergleich zum deutschen Bruttoinlandsprodukt von 3,329 Billionen Euro. Ganz anders die USA, wo allein der S&P 500 mit seiner 40-Billionen-Marktkapitalisierung fast schon das Doppelte der US-Wirtschaftsleistung ausmacht (20,8 Billionen Dollar).

Viele der Branchen, die das deutsche BIP ausmachen, sind gar nicht im Dax repräsentiert, oder gar nicht börsennotiert. Etwa der Mittelstand, oder die derzeit so gebeutelten Dienstleistungsbranchen, wie das Gastgewerbe, oder auch Tourismus und Kultur. Betrachtet man die vielen Pleiten und schmerzhaften Einschnitte in diesen Bereichen, so wird erkennbar, dass diese (zunächst) nicht den deutschen Leitindex tangieren. Beispielsweise Karstadt, Kaufhof, Douglas, Adler, Klier, Arko, Eiles u.v.m.

Die Unternehmen im Dax legen zum Teil schon wieder starke Unternehmensergebnisse vor. Sei es die deutsche Post, die die große Paketflut kaum bewältigen kann, der Spezialchemiekonzern Covestro, oder jüngst der größte Chemiekonzern Europas, BASF. Besonders bedeutsam, weil dieser weltweite Lieferant von Grundprodukten so etwas wie ein Frühindikator der Weltwirtschaft gilt. Die Ludwigshafener sind in nicht weniger als 90 Ländern dieser Erde präsent. Abertausende von Firmeninsidern haben dafür gesorgt, dass der Aktienkurs seit dem Coronatief bereits wieder um 75 Prozent gestiegen ist.

Was wird erst demnächst Infineon für Zahlen liefern, angesichts der großen Nachfrage nach Chips (Automobilbau)?

Unsere Automobilindustrie zeigt deutlich, wo die Corona-Krise bereits überwunden ist, in Fernost. BMW, Daimler und Volkswagen haben sehr von der Erholung der chinesischen Wirtschaft profitiert. Diese Firmen verkaufen bereits 30 bis 40 Prozent ihrer Fahrzeuge in China. Dort gibt es nach Jahren der Schrumpfung wieder einen richtigen Boom im Automobilsektor. Nicht zu vergessen der US-Markt, wo es zumindest 2021 einen schuldenfinanzierten Aufschwung geben sollte. Über die Pläne der neuen US-Administration wurde schon ausführlich berichtet.

So bleibt festzustellen: Die Kurs/Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen des Dax liegen bei 20 von 30 Unternehmen für das Jahr 2021 gleich oder besser als der 10-Jahresdurchschnitt.

Fazit

Laut der deutschen Börse ergibt sich für den Dax in den vergangenen 30 Jahren ein durchschnittliches Kurs/Gewinn-Verhältnis von 19, längerfristig von 15. Das aktuelle KGV für das Jahr 2021 wird mit 19 angegeben, sollte es mit der deutschen Wirtschaftserholung tatsächlich so klappen, wie erwartet. Die ersten Ergebnisse der Unternehmen deuten daraufhin, dass es tatsächlich der Fall sein könnte, wenn Volkswagen selbst im Corona-Jahr noch einen Gewinn von 10 Milliarden Euro ausgewiesen hat. Der deutsche Leitindex ist zweifelsohne hoch bewertet, aber seine Kennziffern zeigen kein völliges Auseinanderdriften zur Wirtschaft, wie es zum Beispiel in den USA bei vielen Werten der Fall ist. Aber hier liegen auch die Probleme des deutschen „Performance-Index“. Er ist abhängig von der Entwicklung der großen Volkswirtschaften von China und den USA und von der Wall Street. Wenn dort die Kurse einbrechen, tun es unsere auch, zumal sich der Dax auch noch in Summa in den Händen ausländischer Investoren befindet, zumeist angelsächsischen (Beispiel BlackRock). Aber eines ist er gewiss nicht: Ein Abbild der deutschen Volkswirtschaft.

Spiegelt der Dax die deutsche Wirtschaft wider?

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