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Schäuble zu Draghi und Trump: Wir können nichts dafür, wenn der Euro zu schwach ist für Deutschland

Finanzminister Schäuble über Mario Draghi, den für Deutschland zu schwachen Euro, Mario Draghi und Donald Trump..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Heute wird es zu einer denkwürdigen Rede von Mario Draghi vor dem Europa-Parlament kommen (15Uhr)! Darin wird er erklären, warum die EZB nun eine neue Definition entwickelt hat, wie man die Inflation als Richtschnur für die EZB-Politik sieht: sie müsse „dauerhaft“, also mittelfristig sein, dazu müsse die Inflation stabil und „selbsttragend“ („self-sustained“) bleiben, auch wenn die EZB ihre Stimulus-Poltitik beendet oder reduziert. Gleichzeitig müsse die Inflation in der ganzen Eurozone anziehen, nicht nur etwa in Deutschland, und sie müsse breit gefächert sein, also nicht nur durch den Anstieg der Energiepreise ausgelöst sein. Also wird die Latte durch Draghi und die Seinen extrem hoch gelegt, um das QE nicht reduzieren oder gar beenden zu müssen – all das hatte Draghi auf der Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung im Dezember klar gemacht.

Draghi kommt nun in eine paradoxe Situation: er will die vermeintlichen Erfolge der EZB-Geldpolitik wie steigende Inflation hervorheben, um dann eigentlich eingestehen zu müssen, dass eben diese gestiegene Inflation ja gar nichts mit der EZB-Politik, sondern eben mit den Energiepreisen zu tun hat. Schon dieser Widerspruch zeigt, dass Draghi lavieren muß, um die ultralaxe Geldpolitik zu rechtfertigen – faktisch geht es nicht also gar nicht mehr um Inflation bzw. das Mandat der EZB (Preisstabilität), sondern um die Unterstützung der Euro-Peripherie angesichts politischer Risiken im Umfeld der Wahlen in Frankreich, Holland und Deutschland. Draghi selbst hat das klar gemacht und eingestanden!

Nun hat sich am Wochenende Wolfgang Schäuble in einem Interview im „Tagesspiegel“ zu Wort gemeldet. Wenn der Euro zu schwach für Deutschland sei, liege das eben nicht an Deutschland, sondern an der EZB:

„Die EZB muss eine Politik machen, die für Europa insgesamt passt. Die ist für Deutschland zu locker. Der Euro-Kurs ist genau betrachtet für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu niedrig. Als EZB-Chef Mario Draghi mit der expansiven Geldpolitik anfing, habe ich ihm gesagt, dass er damit den deutschen Exportüberschuss nach oben treiben wird. Ich habe damals versprochen, diesen Kurs nicht offen zu kritisieren. Aber ich will dann für die Folgen dieser Politik auch nicht kritisiert werden.“


Foto: European People’s Party

Nunja, mit Kritik an dieser Politik der EZB hat sich Schäuble dann doch eher nicht zurück gehalten, aber sei´s drum. Auch die Amerikaner wüssten, so Schäuble in Anspielung auf die Aussagen von Peter Navarro, dem Wirtschaftsberater Trumps, dass er kein Fan dieser Politik sei. Und in Anspielung auf Trumps geplantes Infrastrukturprogramm sagte Schäuble:

„Wenn man durch starke öffentliche Nachfrage das Wachstum kurzfristig steigern will, kann man in der heutigen Situation schwer den Zins nach unten drücken, ohne erhebliche Inflationsrisiken einzugehen. Das würde für die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA nicht günstig sein.“

Und zu Trumps Protektionismus:

„Wir, die Deutschen, die Europäer, die G-20 sind der Überzeugung dass diese Welt für ihre gemeinsamen Probleme mehr multilaterale Lösungen braucht, ob einem das gefällt oder nicht. Für globale Stabilität ist eine Denkweise in Deals nicht hinreichend. Wir brauchen keine Lösungen, bei denen der eine verliert, wenn der andere gewinnt. Das mag in der Grundstücksbranche anders sein. Aber die Welt braucht Win-Win-Situationen. Die sind besser und stabiler.“

Also sagt Schäuble faktisch zu Trump: was am Immobilienmarkt funktionieren könne, geht nun einmal in der Weltpolitik nicht – mithin habe Trump, so kann man die Schäubles Aussage deuten, noch nicht begriffen, dass er nun in einer anderen, viel höheren Liga spielen muß!

So oder so: die Strategie Schäubles, der Bundesregierung insgesamt, ist der Verweis darauf, dass man selbt mit der EZB-Politik nicht glücklich sei, aber sie sei eben nun einmal eine unabhängige Institution, und das sei auch gut so:

„Auch in Washington wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die europäische Geldpolitik nicht von der Bundesregierung gemacht wird, sondern von der Europäischen Zentralbank.“

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    leser

    6. Februar 2017 11:28 at 11:28

    So schiebt man den schwarzen Peter hin und her, trinkt anschließend gemeinsam einen Champagner und klopft sich auf die Schultern. Niemand ist für irgend etwas verantwortlich und nichts hat mit nichts zu tun.

  2. Avatar

    frank.trg

    6. Februar 2017 11:50 at 11:50

    Das ist eine billige Ausrede. Das ist wie mit den Flüchtlingen die irgendwo in Süditalien ankommen, das war lange Zeit eine bequeme Lösung für Deutschland. Nun bezahlen wir den Preis für dieses lange Wegschauen… Natürlich ist Deutschland für die Euro-Politik mitverantwortlich, aber man kann die Schuld natürlich schön einfach auf die EZB schieben. Andererseits zeigt sich einmal mehr dass der Euro gescheitert ist. Deutschland und Griechenland können nicht beide eine gemeinsame Währung haben, das funktioniert nicht.

  3. Avatar

    Toni

    6. Februar 2017 13:30 at 13:30

    Jedes Mitglied dieser wahnwitzigen Organisation (EU) hat irgendwo mal profitiert, die verschuldeten Hochzins -Südländer von tiefen Zinsen u.steigenden Börsen u.Deutschland vom tiefen Euro.In Brüssel hat man mit einem riesigen Büroapparat unwichtige Sachen wie Gurkenkrümmung ,Glühlampen oder Lärmnormen für Staubsauger Zeit vertrödelt u. dies als europäisches Problem wahrgenommen. Leider haben die gleichen Leute den Schutz der EU Aussengrenzen als regionales Problem bezeichnet und dies den hochverschuldeten Anrainerstaaten Griechenland ,Italien u.s.w. Überlassen ,die Folgen erleben wir jetzt u. Alles wird noch viel schlimmer u.am Schluss gehen leider alle Nettozahler auch zugrunde.Fehlt noch dass der gescheiterte EU Bürokrat Schulz deutscher Kanzler wird und die Umverteilung noch schneller geht ,dann geht der ganze Zerfall der EU noch ein bisschen schneller!!

  4. Avatar

    Dreistein

    6. Februar 2017 13:34 at 13:34

    Und doch kann es funktionieren wenn der dumm Deutsche weiter seine Waren verschenkt natürlich über den Steuerzahler (siehe auch Target 2) der dafür haftet, und der Dummdeutsche auch noch mehr in die EU einzahlt. So wird der Dummdeutsche-Steuerzahler gleich zweimal richtig abkassiert und die Konzerne machen den dreifachen Gewinn, indem sie billig die Rohstoffe einkaufen und durch die tollen Arbeitslöhne Kosten einsparen und günstig ihre Ware anbieten können. Wer nichts oder sogar ein Minus hat ist der kleine Arbeiter, der keine oder eine kleine Lohnerhöhung bekommt die ihm durch die ansteigende Inflation aufgefressen wird. Sollten die Energiepreise weiter ansteigen bekommen wir eine Inflation von 6-8% und nach der Wahl noch eine nette kleine Steuererhöhung geschenkt.

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Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Türkische Lira verliert spürbar – warum das kein gutes Zeichen ist

Redaktion

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Türkei Flagge

Die türkische Lira verliert heute spürbar gegenüber US-Dollar und Euro. US-Dollar vs Lira steigt gegenüber Freitag Abend von 7,62 auf 7,78. Euro vs Lira steigt von 9,02 auf 9,24. Das entscheidende bei diesen Kursbewegungen ist: Die Kursgewinne für die türkische Lira, die seit letztem Donnerstag entstanden, sind jetzt wieder verpufft. Denn wir erinnern uns: Am letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank den Leitzins um gigantische 4,75 Prozentpunkte auf 15 Prozent angehoben, um endlich die Inflation in der Türkei einzudämmen. Gut, genau diese Höhe der Zinsanhebung war erwartet worden – aber sie war durch die steigende türkische Lira in den beiden Wochen vorher schon gut eingepreist worden. Dennoch dürfte es aktuell für die Lira-Bullen am Devisenmarkt deprimierend sein, dass diese drastische Zinsanhebung nicht in einer schnell weiter aufwertenden Lira mündet.

Im folgenden Chart sehen wir den Kursverlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die aktuelle Lira-Abwertung ist derzeit auch deswegen so auffällig, weil gerade heute der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) im Chartverlauf ganz klar verliert, und ein Tief aus den letzten Tagen nach unten durchbrochen hat. Also: Der US-Dollar ist heute ganz eindeutig der Verlierer, kann aber gegen die türkische Lira klar gewinnen. Daran sieht man, dass es sich wohl um eine eigenständige Schwäche der Lira handelt!

Türkische Lira immer noch unter Druck durch physische Verkäufe im Inland?

Das andere schlechte Zeichen für die türkische Währung ist, dass türkische Bürger und Unternehmen die Lira-Stärke der letzten Tage offenbar dafür nutzen um ihre Bestände in US-Dollar und Euro weiter aufzubauen, wofür natürlich die türkische Lira verkauft werden muss. Denn nur mit Markttechnik und Gewinnmitnahmen aus den letzten Tagen ist diese aktuelle Lira-Abwertung nur schwerlich zu erklären. Laut aktuellen Berichten bestehen jetzt 57 Prozent aller Bankguthaben in der Türkei aus Fremdwährungen – im Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. Und die türkischen Sparer würden immer noch relativ geringe Zinserträge in Lira erhalten in Relation zur hohen Inflation.

Das würde natürlich erklären, dass man die Flucht in Fremdwährungen weiter bevorzugt. Die Umsätze in der Lira am internationalen Devisenmarkt waren heute Vormittag eher dünn. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass Bürger und Unternehmen in der Türkei eben diese Lira-Stärke seit letztem Donnerstag nutzten um auch heute am Montag türkische Lira gegen US-Dollar und Euro zu tauschen. Ist kaum großes Volumen am internationalen Devisenmarkt in der Lira vorhanden, kann so ein physischer Kaufdrang den Kurs spürbar beeinflussen. Es ist gut möglich, dass die Lira deswegen heute diese Abwertung vollzieht.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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Allgemein

Brexit-Einigung? Wie das Pfund letztlich auch auf den Goldpreis abstrahlen kann

Claudio Kummerfeld

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Das Brexit-Wort über dem Union Jack

Auch wenn die Brexit-Verhandlungen jüngst wegen einem Corona-Fall in der EU-Delegation unterbrochen wurden, so legt ein ganz aktueller Artikel im „The Guardian“ nahe, dass der Brexit-Deal zwischen Großbritannien und der EU doch noch ein Erfolg werden könnte. Über die wichtigsten Punkte gäbe es bereits Einigungen. Also, nehmen wir jetzt mal an, dass wirklich dieses kleine Wunder geschieht, und man sich in den nächsten Tagen wirklich noch auf einen Brexit-Deal einigt.

Brexit-Deal bringt Pfund spürbar nach oben?

Dann, da ist sich die Analystengemeinde relativ einig, sollte dies für das britische Pfund eine spürbare Aufwertung gegenüber US-Dollar und Euro bedeuten. Denn bei einem geregelten und relativ zollfreien Handel mit dem Kontinent wäre das ein kräftiger Pluspunkt für die britische Wirtschaft! Aber kommen wir zu den möglichen Folgewirkungen, die sich bis zum Goldpreis erstrecken können.

Der Dollar-Index ist ein Währungskorb des US-Dollar gegenüber anderen weltweit wichtigen Währungen wie dem Euro, Pfund, Schweizer Franken, Yen usw. Der Euro stellt in diesem Korb gegenüber dem US-Dollar das Schwergewicht dar mit 57,6 Prozent Gewichtung. Das britische Pfund ist in diesem Korb mit 11,9 Prozent Anteil vertreten. Dennoch: Sollte das Pfund dank Brexit-Einigung plötzlich kräftig aufwerten, könnte dies den Dollar-Index spürbar runterziehen.

Fallender US-Dollar bringt Goldpreis zum Steigen

Und ein fallender US-Dollar bedeutet grundsätzlich eine Aufwertung für alle Assets, die global hauptsächlich in US-Dollar gehandelt werden, wie der Ölpreis und auch der Goldpreis. Letzterer ist seit Monaten äußerst sensibel in Bezug auf Bewegungen im US-Dollar. So kann eine kräftige Aufwertung im britischen Pfund daher über einen schwächeren US-Dollar zu einem steigenden Goldpreis führen. Soweit das Szenario. Ob es so kommt, und ob das mit dem Brexit-Deal überhaupt etwas wird… das kann Stand jetzt wohl nicht mal die beste Glaskugel sagen. Im Chart sehen wir den Verlauf des Pfund gegen den US-Dollar seit Mitte 2017.

Chart zeigt Pfund gegen US-Dollar seit dem Jahr 2017

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