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Scholz blockt Nord Stream 2 – Putin-Aussage – Gaspreis steigt 11 Prozent

Olaf Scholz

Die deutsche Bundesregierung legt die Zertifizierung der Gas-Pipeline Nord Stream 2 laut aktuellen Meldungen auf Eis – als Reaktion auf die russischen Anerkennung der Donbass-Gebiete als unabhängige Staaten. Wichtig: Vorhin hatte Wladimir Putin bereits vor der deutschen Absage an diese fertiggestellte Gas-Pipeline in der Ostsee verkündet, dass Russland weiterhin ununterbrochen Gas und Flüssiggas liefern werde. Aber die Gemengelage ist aktuell äußerst labil. Wird der Westen heute weitere Sanktionen verhängen, und wird Russland dann seine Meinung zu den Gas-Lieferungen ändern? Der Preis für europäisches Gas am Terminmarkt (Dutch TTF März-Lieferung) steigt jedenfalls gegenüber gestern um 11,17 Prozent auf 80,67 Euro. Vor allem seit dieser Verkündung von Olaf Scholz zu Nord Stream 2 legt der Gaspreis um mehr als 3 Euro zu.



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15 Kommentare

  1. Schon die erst jetzt beginnenden Diskussionen—welche Sanktionen schon und welche nicht, gegen wen und gegen wen nicht, Swift ja oder besser doch nicht, weil halt doch etwas hart. Vielleicht doch nur ein paar Oligarchenkonten einfrieren und Immobilien enteignen—zeigen, dass die EU keinen Plan hat und schlicht und einfach nicht weiß, was sie machen soll. Und sie will auch nicht richtig. Vielleicht zu Recht.
    Der Spanier, Italiener, Deutsche usw. denkt, Putin ist ja schließlich nicht in mein Reihenhaus einmarschiert und hat mir den Garten kaputt gemacht.
    Und frieren will ich auch nicht oder das geliebte Gefährt in der Garage stehen lassen müssen.
    Typisches Primatenverhalten.
    Abgesehen davon sind Sanktionen ganz schlechte Karten, wenn der andere einen Revolver hat.

  2. Sanktionen bei 6% Inflation-Einfach nur idiotisch!

  3. Wer hat’s schon immer gewusst und regelmäßig eindringlich gewarnt?

    Im Jahr 2016 schrieb Jürgen Trittin:
    Mehr Energieunabhängigkeit gibt es nur, wenn wir weg kommen von fossilen Energien. Eine Studie des Fraunhofer Instituts hat schon vor fast 2 Jahren nachgewiesen, dass durch Fortschritte bei der Gebäudedämmung Deutschland so viel Gas einsparen könnte, wie es heute aus Russland importiert. Nord Stream 2 ist eine Wette auf das Scheitern der europäischen Klimaschutzpolitik. Es ist paradox: Scheitert der Klimaschutz rechnet sich Nord Stream 2.

    2020 sagte Nouripour:
    Wäre die Energiewende nicht verschleppt worden, wäre Nord Stream 2 kein Thema.
    https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/fall-nawalny-ein-ende-von-nord-stream-2-waere-kein-ende-der-energie-abhaengigkeit-von-russland/

    2013, Claudia Kemfert, parteilos, engagiert und kompetent in vorbeugendem Klimaschutz:
    Als Deutschland vor mehr als 15 Jahren entschieden hat, eine direkte Pipeline nach Russland zu bauen, haben wir vom DIW Berlin darauf hingewiesen, dass dies ein großer Fehler ist, der sich rächen könnte. Und genau das ist nun eingetreten: Die Pipeline verschärft die geopolitische Krise.

    Oktober 2021, Robert Habeck:
    Wir sind abhängig von Russland, Russland drosselt die Gaszufuhr. Die Speicher sind nicht voll und die Nachfrage ist hoch.
    Selbes Datum, Peter Altmaier:
    Es gibt eine hohe Versorgungssicherheit in Deutschland. Die Gasspeicher sind zu etwa 75 Prozent gefüllt. Es gibt bei Gasimporten keine einseitige Abhängigkeit von Russland.
    https://www.rnd.de/politik/robert-habeck-gruene-ueber-gaslieferungen-russland-scheint-pokerspiel-zu-spielen-M5UGA4D5VNLXGMQ6XXZGXB3SYY.html

    Greenpeace trifft wie so oft den Nagel auf den Kopf, hier sollten sich all die Profis aus den Wirtschafts- und Finanzwelten ein paar saftige Scheiben in punkto Kompetenz und Durchblick abschneiden.
    https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/erneuerbare-energien/schwarzbuch-versorgungssicherheit
    https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/erneuerbare-energien/gruene-inflation-mythos

    1. @leftutti, super! Aber was machen wir wenn der Wind nicht weht? Wieviele Windanlagen brauchen wir? Exakt ein Kilometer Abstand zwischen Windanlagen, und das über ganz Deutschland verteilt. Welcome to reality..

      1. @Markus Fugmann, wie Du sehen kannst, beziehen sich die genannten Aussagen auf die Unabhängigkeit von russischem Gas, nicht auf eine 100%ige Substitution der kompletten Energieversorgung durch Erneuerbare. Alleine schon die Lösung der Defizite bei der Gebäudedämmung enthalten in etwa dieses Potenzial. Passiert ist hier nur wenig, gelabert wurde dafür viel, genau wie in den anderen Sektoren.

        Frau Kemfert bezieht sich auf einen Zeitraum von 15 Jahren, der einfach verschlafen und verschleppt wurde. Welches Potenzial dabei ungenutzt blieb, lässt sich an folgender Grafik erahnen:
        https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Bilder/Grafiken_erneuerbare_Energien/Diagramm-06.png;jsessionid=2133BDFF41EBD738233BD9708CC5819F?__blob=poster&v=29

        Wie gefühlt schon 1.000 Mal kommuniziert wurde, wird ein Bedarf von 2 bis 4% der Landesfläche angenommen. Das Potenzial (ausreichend Wind, ausreichend Abstand) liegt bei etwa 12%. Aber es gibt auch noch Geothermie und Photovoltaik. Über Geothermie ließen sich 5 % des deutschen Wärmebedarfs für Raumwärme und Warmwasser und etwa 1,5% des Strombedarfes decken. Nicht viel, aber immerhin ein weiterer Schritt weg von Russland. Zur PV: Alleine auf ungenutzten geeigneten Dächern schlummert ein Potenzial von fast 900% gegenüber dem derzeitigen Stand. Das theoretische Flächenpotenzial für Photovoltaik an Fassaden ist nochmal doppelt so groß wie das auf Dächern, von Agrophotovoltaik ganz zu schweigen.
        https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/solar/das-potenzial-fuer-integrierte-photovoltaik-ist-riesig/

        Ich lasse mir regelmäßig zu meiner eigenen Auswertung auch die von Bekannten zuschicken. Selbst im Januar, als fast nie die Sonne schien, wurde überall ein Gesamtertrag erwirtschaftet, der den Eigenverbrauch übersteigt. In den gigantischen Überschüssen von Frühjahr bis Herbst schlummert ein riesiges Potenzial für Power-to-X. Welcome to reality.
        Natürlich kann nicht alles von heute auf morgen umgestellt und ersetzt werden, natürlich brauchen wir dezentrale Strukturen und Sektorenkopplung. Wir brauchen Speicher und es bedarf einer gewissen Übergangszeit. Aber wir reden an dieser Stelle ja schließlich vom Anteil an russischem Gas und eben jener Übergangszeit, die mindestens fahrlässig verpennt wurde.

        1. „Natürlich kann nicht alles von heute auf morgen umgestellt und ersetzt werden, natürlich brauchen wir dezentrale Strukturen und Sektorenkopplung. Wir brauchen Speicher und es bedarf einer gewissen Übergangszeit. Aber wir reden an dieser Stelle ja schließlich vom Anteil an russischem Gas und eben jener Übergangszeit, die mindestens fahrlässig verpennt wurde.“

          Das ist schon richtig, wird aber hunderte Milliarden an Investitionen benötigen. Die Regierungen unter Frau Merkel haben da einiges verpennt. Aber der Wähler wollte es aber auch so.

          Die rein ökonomisch passende Zeit für all die noch notwendigen Investitionen in die Erneuerbaren wäre diejenige gewesen, als die Finanzierungsbedingungen extrem günstig waren.

          Nun steigt die Inflation und die Finanzierungsbedingungen werden Tendenziell schlechter werden. Und weiter Investitionen in die Substitution der konventionellen Energiequellen werden zu einem noch stärkeren Anstieg der Inflation und damit letztendlich für tendenziell schlechtere Finanzierungsbedingungen sorgen.

          Welcome to reality ;-)

          Schuld an der Situation sind wohl die Regierungen (vor allem CDU und SPD) der letzten ca. 15 Jahre (unter Merkel). Deren Politik passte nicht zur Politik des billigen Geldes der EZB. So wie dies auch den Klagen der EZB der letzten Jahre zu entnehmen war. Die flehten ja geradezu um eine inflationäre Fiskalpolitik der Regierungen. Nun kommt diese zur falschen Zeit.

          Das Problem ist nun, dass man jetzt eine inflationäre Fiskalpolitik seitens der Regierung anstrebt, mit durchaus löblichen Zielen des Klimaschutzes und der sozialen Gleichheit. Diese kommen nun aber rein Ökonomisch zur falschen Zeit, da wir nun schon aus anderen Gründen ein inflationäres Umfeld haben und durch die Maßnahmen die Inflation noch weiter anheizen werden.

          Das ist ein Problem der Energiewende. Theoretisch gut, aber Praktisch kommt die Einsicht zur falschen Zeit bzw. leider zu spät.

          1. @Ökonom, da gehen wir doch in vielen Punkten schon sehr konform. Probleme wird es immer geben, und es ist nie zu spät. Denn die Welt wird sich weiter drehen und Probleme lassen sich lösen. Rein ökonomisch ist immer die falsche Zeit, diese Ausrede wird doch bereits benutzt, seit jemand zum ersten Mal die Worte Energiewende und Klimaschutz ausgesprochen hat. Die günstigsten Finanzierungsbedingungen wurden leider nicht genutzt, doch glauben Sie ernsthaft, dass nicht auch fossile Energieträger die Inflation auf lange Zeit mindestens ebenso anheizen werden, im wahrsten Sinne des Wortes? Wie lange und auf was sollen wir denn noch warten?

        2. Sehr gut @leftutti, und absolut richtig. Da gibt es keine zwei seriösen Meinungen! Und wer sich mit dummen Ausreden gegen die günstigste und sauberste Form der Energieerzeugung wendet, soll sich auch nicht über Preisexplosionen und Abhängigkeiten von unzuverlässigen und verlogenen Völkerrechtsverbrechern und Erpressern beklagen. Die ganze Entwicklung war längst absehbar und wurde zur Genüge kommuniziert. Und statt sich nun über die günstigsten Energiepreise und einen hohen Autarkiegrad zu freuen, wurden wir von Ignoranten schnurstracks ins Dilemma katapultiert. Doch die Propagandamaschine werkelt fröhlich weiter und prügelt unvermindert auf ein abstraktes und wahnhaft konstruiertes Feindbild ein, das längst die einzig praktikable Lösung eines sich mehr und mehr aufschaukelnden Netzwerkes aus Problemen (Klima, Umwelt, Entsorgungsfrage, gesundheitliches Gefährdungspotenzial, Folgekosten, externe Kosten, gesamtgesellschaftliche Kosten, Inflation, politische Abhängigkeiten) sein kann. Jetzt müssen wir da leider durch und den Weg des maximalen Schmerzes gehen.

          1. @Sandra, immer dann, wenn jemand glaubt, er sei im Besitze der absoluten Wahrheit, wird es gefährlich!
            Das zeigt Ihr Satz: „Da gibt es keine zwei seriösen Meinungen!
            Ich kenne fast kein Thema, bei dem es nicht „mindestens zwei seriöse Meinungen“ geben würde!
            Auch die Windkraft ist letztlich hochsubventioniert, das nur am Rande..

          2. Hallo Herr Fugmann, bitte vielmals um Entschuldigung, wenn ich gefährlich werde ;-)
            Spaß beiseite, ich habe mich wohl in der Kürze der Zeit nicht präzise genug ausgedrückt. Dieser Satz, der in der Kritik steht, sollte sich a) nur auf den zweiten Kommentar des Lesers beziehen, was die Antworthierarchie auch nahelegt. Und b) speziell auf die abschließenden Sätze, was von mir leider versäumt wurde zu zitieren oder anderweitig herauszuheben. Dafür bitte ich um Nachsicht!
            „Natürlich kann nicht alles von heute auf morgen umgestellt und ersetzt werden, natürlich brauchen wir dezentrale Strukturen und Sektorenkopplung. Wir brauchen Speicher und es bedarf einer gewissen Übergangszeit. Aber wir reden an dieser Stelle ja schließlich vom Anteil an russischem Gas und eben jener Übergangszeit, die mindestens fahrlässig verpennt wurde.“
            Welche zweite seriöse Meinung sollte es dazu geben?

            Ebenfalls nur am Rande:
            Für die bloße Errichtung von Windkraftanlagen gibt es kein Geld und keine Subventionen – sondern der Betreiber muss in Vorleistung gehen und die Anlage bezahlen – aus Krediten oder eigenem Kapital. Er trägt somit das volle unternehmerische Risiko. Daher hat er jedes Interesse daran, dass die Anlage so viel Strom wie möglich produziert, denn dieser Strom wird tatsächlich teilweise durch die EEG-Umlage vergütet, allerdings bei weitem nicht so hoch, wie man meinen könnte. Die EEG-Umlage ist im Wortsinn keine Subvention – denn Subventionen werden vom Staat aus Steuergeldern bezahlt. Die EEG-Umlage dagegen wird von den Stromkunden an die Energieversorger bezahlt, welche sie an die Energieerzeuger weitergeben – der Staat ist bei diesem System außen vor. Dementsprechend wurde bereits 2001 vom Europäischen Gerichtshof festgestellt, dass die EEG-Umlage keine staatliche Beihilfe darstellt. Der Windstromerzeuger verkauft seinen Strom selbst an der Börse, und bekommt vom Netzbetreiber nur den Differenzbetrag zwischen dem Verkaufserlös und der festen Vergütung. Dies nennt man Marktprämie und ist bei Windstrom das vorherrschende Verfahren (93%). Sind die Börsenstrompreise also hoch und liegen über der fest vereinbarten Vergütung, ist gar nichts zu entrichten. Sind die Börsenstrompreise extrem niedrig, müssen Stromkunden besonders viel an EEG-Umlage entrichten, während die Energieversorger gleichzeitig unverschämte Gewinne machen. Dies ist jedoch ein systemimmanenter Fehler der Strombörse an sich und nicht den Erneuerbaren zuzuschreiben. Ganz im Gegenteil…

          3. @Sandra, danke für den Versuch einer sachlichen Diskussion! Zu der Wind-Thematik – das ist eine indirekte Subvention:
            https://www.focus.de/finanzen/steuern/jetzt-auch-noch-benzin-waehrend-energiepreise-explodieren-laesst-sich-ampel-mit-hilfsgeldern-verdaechtig-lange-zeit_id_58135748.html?poc=0.5159505903231372

            „Habeck lässt Windenergie-Branche kräftig abkassieren
            Doch nicht nur das EEG-Konto ist prall gefüllt: Wegen der hohen Strompreise machen vor allem die Betreiber von Windkraftanlagen derzeit außerordentlich Kasse. Während die Strom-Verbraucher bei niedrigen Börsenpreisen die Vermarktung des Windstroms mitfinanzieren, bekommen sie jetzt von den fetten Erlösen der Windmüller nichts zurück. Ein Branchen-Insider schätzte zuletzt für FOCUS Online die Mitnahme-Effekte der Öko-Energie-Branche für das Jahr 2022 auf rund 9,1 Milliarden Euro. Der Stromverbraucher sieht davon jedoch nichts. Geld, das ihnen jedoch zustehen würde.“

          4. Hallo Herr Fugmann, hoffentlich habe ich Sie nicht unbeabsichtigt erzürnt, Sie klingen entgegen Ihrer sonstigen fröhlichen und humorvollen Art etwas angefressen und sarkastisch, was ich ehrlich und ohne Hintergedanken sehr bedauere.

            Ich verstehe nicht ganz, was Sie mir mit dem FOCUS-Zitat genau sagen wollen. Das entspricht doch inhaltlich exakt dem, was ich selbst geschrieben habe, trotz der sehr tendenziösen, publikumswirksamen Schlagseite des FOCUS-Artikels: Bei hohen Börsenpreisen machen die Energieversorger, was ja bei Direktvermarktung die Windkraftbetreiber sind, unverschämte Gewinne. Bei extrem niedrigen Börsenpreisen wird eine verhältnismäßig hohe EEG-Umlage fällig, jenseits dieser beiden Extreme entfällt sehr oft die EEG-Umlage und die Gewinne sind angemessen und akzeptabel.

            Was der FOCUS allerdings zu erwähnen und zu recherchieren vergisst: Selbiges gilt uneingeschränkt auch für alle anderen Kraftwerksbetreiber bei hohen Börsenpreisen. Da kann kein Habeck etwas dafür und auch kein Windkraftbetreiber. Wie ich bereits erwähnt habe, liegt das Problem ursächlich und einzig in der systemimmanenten Fehlkonstruktion der Strombörse, einer grundsätzlichen Absurdität, die im EEG-Paradoxon gipfelt. Für die investigativen, mühsamen und jahrlangen Recherchen dazu kann man der lieben und hoch geschätzten Kollegin Tina Ternus nicht genug danken*.

            Um dieses Paradoxon zu verstehen, müsste man sich näher mit einem mittel komplexen und ziemlich trockenem Thema befassen, was dem FOCUS und seiner Zielgruppe allerdings sehr zuwider laufen dürfte.

            Um es einmal kurz zu umreißen, müssen wir uns die jahrelange Normalsituation vor der Gaspreisexplosion einmal ansehen.
            Am Anfang steht die Frage: Warum ist der Strom an der Strombörse eigentlich so günstig, dass die Erlöse aus dem Stromverkauf nicht ausreichen, um die prinzipiell sehr günstigen erneuerbaren Energien voll zu finanzieren? Offenbar erzielt Windstrom einen geringeren Preis als im Jahresmittel nötig, um sich trotz niedrigster Gestehungskosten zu rentieren. Und warum ist Strom für den Endverbraucher dann so teuer?

            Der Grund dafür ist die Art und Weise, wie die Strombörse funktioniert: Jedes Kraftwerk bietet an der Börse stündlich seinen Strom zu einem Preis pro kWh an, der gerade ausreicht, um eine weitere kWh zu produzieren – die sogenannten Grenzkosten. Die eigentlich relevanten Vollkosten, also inkl. Abschreibungen für die Kraftwerke, Wartung, Rückbau oder Ewigkeitskosten sind darin nicht enthalten, sondern nur die Kosten für Betriebsmittel (z.B. Kohle, Öl und Gas) und Personal. Windstrom hat allerdings Grenzkosten von 0 Euro – der Wind ist kostenlos. Daher wird Windstrom bei günstigen Bedingungen, also viel Wind, an der Börse umsonst angeboten. Was bedeutet, dass immer dann ein Teil des Strombedarfs rechnerisch „kostenlos“ gedeckt wird.

            Was darüber hinaus an Energie noch benötigt wird, wird von den jeweils günstigsten anderen Kraftwerken geliefert, und das teuerste von diesen – so abartig funktioniert leider die Strombörse – legt dann den Preis für alle Kraftwerke fest – auch für den Windstrom. Der wird also für Null eingekauft und für teures Geld zum Grenzkostenpreis des zweit teuersten Kraftwerks wieder verhökert. Da die erneuerbaren Energien leider noch nicht ausreichen, um den Bedarf komplett zu decken, kommen immer andere Kraftwerke beim Börsenpreis zum Zuge, bestimmen also somit den Preis an der Börse. Je mehr Strom die Erneuerbaren liefern können, desto weniger dieser anderen Kraftwerke können ihren Strom verkaufen, desto mehr öffnet sich die Schere zwischen realen Erzeugerpreisen und Börsenpreisen. Zu lösen wäre dieses Dilemma, wenn die Kraftwerke ihren Strom zu Vollkosten anbieten müssten. Dann könnte man sowohl Einspeisevorrang als auch EEG-Umlage zumindest für neue Kraftwerke ohne alte Verträge streichen, und die Windräder würden sich vollständig und problemlos über die Strombörse finanzieren – denn da ihre Vollkosten sehr viel geringer als die für fossile Energien oder Atomstrom sind, würden sie trotzdem vorrangig zum Zuge kommen.

            Fazit
            Erneuerbare Energien wurden durch die zwangsweise Vermarktung an einer Strombörse, die sich an Brennstoff- und CO2-Kosten orientiert, schlagartig entwertet. Die sinkenden Börsenpreise trieben bisher ständig die EEG-Umlage nach oben. Mit zunehmendem EEG-Strom sinken die Börsenpreise umso schneller und steigt die EEG-Umlage umso stärker. Die EEG-Umlage deckt am Ende die Differenz zwischen den teuren Vollkosten für konventionelle Energien und dem Börsen-Spottpreis (nicht zu verwechseln mit Börsen-Spot-Preis) für erneuerbare Energien ab. Die Strombörse muss auf Vollkosten umgestellt und das EEG abgeschafft werden – dann wird auch der Strompreis für die Verbraucher massiv sinken (sofern die großen vier Oligopolisten mitspielen), denn schon lange sind Erneuerbare die günstigste Energiequelle.

            * https://www.erneuerbareenergien.de/technik/windtechnik/aktivistin-tina-ternus-ueber-umlage-kohle-und-kampagnen-gottgegeben-und-totgeschwiegen
            https://photovoltaikbuero.de/pv-buero-blog/preistreiber-eeg-paradoxon/

          5. @Sandra Scheubeck, danke für den Input und all die zusätzlichen Informationen.
            Leider sind die Reaktionen und Antworten bei diesem Thema zumeist emotional bis zynisch, und driften von sachlich-wissenschaftlicher Ebene trotz nachweisbarer Zahlen und Fakten gerne in eine Art eigener absoluter Wahrheit ab. Ich würde die zwar nicht als gefährlich bezeichnen, eher als etabliertes und internalisiertes Meinungsbild, denn dafür ist sie längst zu omnipräsent, zu normal, zu sehr nicht länger hinterfragte Gewohnheit.

            Wissenschaftler liefern ständig Zahlen, die sofort auf eine Industrie prallen, die vor Rezession warnt. Wissenschaftler erarbeiten Lösungen dazu, die sofort auf eine andere Industrie prallen, die vor Arbeitsplatzverlust und Abwanderung warnt. Irgendeine Industrie, irgendein Ökonom warnt immer vor Veränderungen, vor allem, wenn es um selbst verursachte Schäden und deren Entsorgung geht. Oder um Gewinne auf Kosten Anderer. Oder gar um die Befindlichkeiten von Aktionären, die gewohnheitsmäßig an der Fahnenstange lutschen, weil doch AGs und exponentielles Dauerwachstum an den Börsen das Geilste sind, was je ein menschlicher Investor erlebt hat.

            Wissenschaftler präsentieren Fakten, Zahlen und Quellen am laufenden Band und prallen auf eine kaum zu überwindende Skepsis gegenüber Veränderungen. Auf eine zutiefst verankerte Ablehnung, die sich am Ende nicht einmal scheut, sogar vom FOCUS und dessen nicht genannten Branchen-Insidern verkaufte Schätzungen in beeindruckender Dimension für das laufende Jahr 2022 als Zukunftsprognose und eingepreiste Wahrheit zu verbreiten. Es ist sehr mühsam und fast schon eine missionarische Aufgabe, das Thema vom puren Feindbild hin zum harmlosen Sachthema zu transportieren, um überhaupt einmal frei darüber diskutieren zu dürfen.

  4. Alles Blödsinn ,Ablenkung auf ganzer Linie ! Die TÄTER haben durch ihre einzigartige Coronaneukreditgeldmenge sprich GELDDRUCKORGIE die Menge so extrem überdehnt,daß sie aus dem Bankenreservekreislauf ausgebrochen ist ! Die Preisspiralen und Lockdown-Lieferkettenverknappung sind ganz allein Politikergemacht und vom Bankensystem erzwungen.Und jetzt betrügt man nach Corona zum zweiten mal
    den kleinen Mann. Das Ukrainetheater ist ein purer Taschenspielertrick ,um wieder die Leute abzukassieren.
    Wieder gucken alle in die falsche Richtung. Die Grünen nutzen natürlich die Gelegenheit,klar.
    Solange nicht klar die globale Liefermengenreduktion nachgewiesen wird,sondern sich alles um Energiemehrnachfrage (China /Neukreditzyklus/Coronaende etc) dreht ,steht mein Argument.
    Putin will die NATO nicht in seinem Vorgarten ,thats it. Putin wird die Ukraine nicht schlucken,was hat er davon ?? Der will Öl und Gas verticken und nicht Krieg spielen .Die Frage ist wer will ihn beim verticken behindern ? Cui bono. Man kommt halt immer auf der selben Etage aus dem Fahrstuhl.

    1. Sieh an Herr Klempner, ein voller Griff ins Klo…

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