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Schwedische Notenbank: Dramatische Überschuldung der Konsumenten Kernproblem des Landes, nimmt sogar noch weiter zu

Während in der Eurozone die Probleme im fehlenden Wachstum in den Mittelmeer-Ländern zu suchen sind, haben die Schweden (in der EU, aber nicht in der Eurozone) ganz andere Probleme. Die Immobilienpreise in Skandinavien gehören zu den höchsten der Welt. Und nicht nur das. In Schweden sind die...

FMW-Redaktion

Während in der Eurozone die Probleme im fehlenden Wachstum in den Mittelmeer-Ländern zu suchen sind, haben die Schweden (in der EU, aber nicht in der Eurozone) ganz andere Probleme. Die Immobilienpreise in Skandinavien gehören zu den höchsten der Welt. Und nicht nur das. In Schweden sind die Zinsen seit geraumer Zeit extrem niedrig. Der Leitzins der Notenbank liegt derzeit sogar bei -0,5%. Was passiert daher? Nicht nur, dass die Konsumenten extrem günstig an Immobilienkredite kommen – auch der sonstige Konsum explodiert immer weiter, und hat schon jetzt zu einer brutalen Überschuldung geführt.

Die schwedische Notenbank „Riksbank“ fühlte sich jüngst sogar dazu genötigt in einer gesonderten Veröffentlichung darauf hinzuweisen, dass diese dramatische Verschuldung der Bürger das Kernproblem des Landes sei. Hier wichtige Zitate:

High and rising household indebtedness poses the greatest risk to the Swedish economy.

A slower rate of increase of household indebtedness is needed for stability

Household debt continuing to increase faster than incomes

Man sollte sich festhalten bei den folgenden Zahlen. Die Gesamtverschuldung der schwedischen Konsumenten in Relation zum Jahreseinkommen (DTI) nach Steuern liegt momentan bei 338% im September nach 326% ein Jahr zuvor. Der Wert an sich ist schon dramatisch. Aber: Die Verschuldung wachse momentan noch schneller als die Einkommen, so die Riksbank. Zu einem richtigen Problem wird so ein wackliges Kartenhaus erst dann, wenn die Zinsen steigen. Das sah man am deutlichsten bei den steigenden Zinsen in den USA – sie brachten dem völlig kaputten Immobilienmarkt ab 2007 den endgültigen Kollaps.

Laut Riksbank haben im laufenden Jahr 260.000 schwedische Haushalte ein DTI von mehr als 600%, was ein Zuwachs von 27.000 Haushalten gegenüber dem Vorjahr darstellt. 260.000 Haushalte hört sich nicht nach viel an, aber Schweden hat nur 10 Millionen Einwohner. Multipliziert man diese Zahl mit dem Faktor 8, um auf deutsche Größenordnungen zu kommen, wären das 2,08 Millionen Haushalte in Deutschland, die so dramatisch überschuldet wären. Laut Riksbank steigen die Schulden-Relationen (DTI) in Schweden derzeit durch die Bank bei allen Alters- und Einkommensgruppen weiter an.

Die Headline eines weiteren aktuellen Berichts der Riksbank zeigt, dass man schon zufrieden wäre, wenn das Wachstum der Verschuldungsraten sich verlangsamen würde. Das wäre nötig für eine Verbesserung der Finanzmarktstabilität in Schweden. Folgender Originaltext der Riksbank zeigt: Nach jahrelangen kräftigen Preisanstiegen sind die Immobilienpreise in den letzten Monaten gefallen. Aber die Schulden der Konsumenten steigen weiter. Ein vergleichbares Szenario mit den USA bis 2007. Aber die Riksbank erwartet mittelfristig moderat weiter steigende Preise.

Swedish housing prices have risen sharply for a long time and are high in a historical perspective. Ever higher housing prices have contributed to a rapid rise in household borrowing in Sweden. Since the middle of the summer, however, the rise in housing prices has slowed down. In September and October, prices fell in comparison with the previous month. The Riksbank’s assessment is that housing prices will continue to increase in the next few years, but at a slower rate, as the supply of housing is increasing and mortgage rates are expected to rise. A slower rate of price increase for housing is positive and the Riksbank deems that it will contribute to a more stable development on the housing market and a slower rate of increase in household debt.

Die Riksbank warnt sogar ganz offen vor einem systemischen Risiko am schwedischen Bankenmarkt, da diese Banken im heimischen Immobilienmarkt kräftig engagiert seien. Zudem seien die Banken untereinander verbunden. Ein Absturz in Hauspreisen könnte es für Konsumenten schwieriger machen Kredit zu bekommen. Zitat:

The banking system’s exposure to property makes it vulnerable

There are also significant vulnerabilities and risks in the Swedish banking system. This is partly connected to the banks having major exposures to the property sector. This makes the banks sensitive to larger falls in housing prices, as this could affect confidence in them, making it more difficult and expensive to find funding. The major banks are also closely interconnected and have significant exposures towards each other, in part because they own each other’s securities.

Die Schlussfolgerung daraus lautet? Ein Zusammenbruch kann jederzeit passieren, wenn die Notenbank so offen vor diesen Problemen warnt. Aber nein, wir wollen nicht für heute oder morgen den Weltuntergang in Schweden heraufbeschwören. Es ist ein Szenario, das in Kürze eintreten kann, mittelfristig oder auch erst in Jahren. Das ist das Problem mit Blasen. Niemand weiß genau, wie lange sie halten. Aber bei dem Verschuldungsnivau, da ist es schon ziemlich offensichtlich, dass die Blase irgendwann platzt.


Die schwedische Nationalflagge. Gemeinfrei



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