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Skandal: Griechenland Banken-Rekapitalisierung ein Witz

Von Claudio Kummerfeld

Es ist beschlossene Sache. Griechenland erhält vom ESM weitere 86 Milliarden Euro um damit die nächsten drei Jahre über die Runden zu kommen. Wie die Banken-Rekapitalisierung ablaufen soll, kann man getrost als Witz bezeichnen.

ESM Chef-Klaus-Regling-mit-Eurogruppen-Chef-Jeroen-Dijsselbloem Hauptakteure bei Griechenland-Paket
Eurogruppen-Chef Dijsselbloem und ESM-Chef Regling, zwei der Hauptakteure rund um das 3. Griechenland-Paket. Foto: ESM

Banken-Rekapitalisierung

Als Soforthilfe sollen sofort nach Inkrafttreten des 86 Milliarden Euro-Rettungspakets 10 Milliarden Euro hieraus in die griechischen Banken gepumpt werden um sie zu rekapitalisieren, also ihre Kapitalbasis wieder auf ein gesundes Fundament zu stellen. In einem weiteren Schritt sollen bis Ende des Jahres weitere 15 Milliarden Euro fließen. Nebenbei: Wir hatten letzte Woche schon berichtet, dass die EZB als Bankenaufseher bestätigt hatte, dass man selbst noch gar nicht weiß, wie hoch der aktuelle Geldbedarf der Banken in Griechenland ist – man prüfe gerade, was noch mehrere Wochen dauern könne. Wie können Eurogruppe und ESM das denn schon vor der EZB wissen?

Wenn die 25 Milliarden an die Banken fließen, erhält der jetzt gerade zu gründende Privatisierungsfonds große Anteile an den griechischen Banken als Ausgleich für die Geldspritze. Später dann nach hoffentlich erfolgreicher Sanierung soll der Privatisierungsfonds nach eigenem Ermessen zu höheren Preisen irgendwann einmal diese Anteile für möglichst auch 25 Milliarden Euro (oder vielleicht mehr?) wieder verkaufen.

Ein merkwürdiger Kreislauf

Zitat Eurogruppe vom 14.08.2015 zum Privatisierungsfonds für Griechenland:

„The Eurogroup expects the Greek government to endorse the plan for this fund by the end
of October 2015 so that it can be operational by the end of the year. Its task will be to quickly identify, transfer over the lifetime of the programme, and manage valuable Greek assets through privatisation and other means, including minority shareholdings and to increase their value on a professional basis. This will include the shares in Greek banks after their recapitalisation, thus also enhancing banks‘ governance. This should ensure that a targeted value of EUR 50 bn can be realised, by putting the assets on the market, of which EUR 25bn will be used for the repayment of recapitalization of banks…“

Es soll also ein Kreislauf gebastelt werden, der sich irgendwie selbst finanzieren soll? Oder wie soll man das sonst noch ausdrücken? An irgendeiner Stelle muss von außen Geld reinkommen. Und diese Stelle wären die griechischen Banken, die nach ihrer prognostizierten Gesundung wieder an Börsenwert zulegen sollen. Dann könnte der Privatisierungsfonds seine Anteile an den Banken mit großem Gewinn am freien Aktienmarkt verkaufen und bekäme so Geld in die Kasse, das man der Schuldentilgung des griechischen Staates zuführen könnte. Könnte, hätte, wenn und aber usw… es basiert also letztlich alles auf der Annahme, dass die griechischen Banken nach einer Kapitalspritze von insg. 25 Milliarden Euro bis Ende 2015 ab 2016 wieder kräftig gesunden und sich wieder Privateigentümer finden, die Anteile kaufen, zu deutlich höheren Preisen als jetzt. Das setzt voraus, dass sie an einen funktionierenden Bankenmarkt in Griechenland glauben, der auch ohne die ELA-Notkredite der EZB leben kann.

Das Problem mit den ELA´s

Die ELA´s sind eine Art Dispo der EZB, sehr kurzfristige Kredite, um einer eigentlich gesunden europäischen Bank für eine ganz kurze Zeit zu helfen. Die EZB hatte diese Kredite in den letzten Monaten immer weiter raufgeschraubt. Jetzt müsste die EZB eigentlich langsam die ganze ELA-Kreditlinie einstampfen und die vollen 90 Milliarden Euro von den griechischen Banken zurückfordern. Das würde die 25 Milliarden Euro für die Banken-Rekapitalisierung natürlich ad absurdum führen. Aber selbst wenn die EZB stillschweigend die 90 Milliarden ELA-Kreditlinie dauerhaft aufrecht erhält: Diese Summe steht als Schuld gegenüber der EZB dauerhaft in den Büchern der griechischen Banken. Welcher Privatinvestor würde dann überhaupt eine griechische Bank kaufen wollen? Wie sollte er auf die Idee kommen so eine Bank hätte einen realen Wert höher als einen symbolischen Euro?

Die Bank wäre zwar vorher mit ein paar Spargroschen aus dem ESM-Topf am Leben gehalten worden, die ELA´s wären aber immer noch da. Eine Illusion, oder besser gesagt ein Witz, wenn man glaubt die griechischen Banken könnten wie von der Eurogruppe errechnet 25 Milliarden als Erlös für den Privatisierungsfonds einbringen und damit zur massiven Schuldentilgung für Griechenland beitragen. Die Rechnung kann hinten und vorne nicht stimmen! Man könnte fast vermuten Jeroen Dijsselbloem und Klaus Regling wissen, was sie da tun…



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4 Kommentare

  1. „Man könnte fast vermuten Jeroen Dijsselbloem und Klaus Regling wissen, was sie da tun…“

    JA, betrug am wähler … ;)

  2. Was ich mich schon länger frage ist :Warum lachen&grinsen Poli-ticker eigentlich immer?Haben die stets ein Sextoy(je nach Geschlecht)irgendwo stecken,oder wollen sie damit ausdrücken,dass sie unsere Nöte&Wünsche eher belustigen!Ich bin konservativ,nicht engstirnig&einzig&allein auf den eigenen Vorteil schauend erzogen worden.Wenn ich das Wort Fraktionszwang höre,fühle ich mich wie in Nordkorea!Eine „funktionierende Demokratie,aus vom Volk gewählten Abgeordneten,ist das Beste,was möglich ist.Ist es so abwegig,ca 600 intelligente Menschen in einem Parlament zu haben,welche allein anhand ihrer Intuition&ihres Gewissens ihre Meinung zu irgendwas äussern?Parteien sind demokratieschädlich,es lebe die Personaldemokratie.

  3. Hallo Chris,
    Politik an sich scheitert gerade als Regierungsprinzip für Menschen, weil Politik nichts anderes ist, als eine Mehrheitsbeschaffung. Daher ist die griechische Silbe „Poly“, (Viele Mehrere) im Wort zu finden. Das Gesetz der Mehrheit ist jedoch nichts anderes, als das Gesetz des Stärkeren in einem anderen Gewand, und dabei gehen die Interessen des Einzelnen Menschen drauf, und das merkt jeder, der kein Herdentier, sondern ein Individuum ist.

    Da bietet sich die Frage an, besteht die Gattung Mensch nun eher aus Individuen, oder aus einer Herde? Nun geboren wird der Mensch individuell, denn er hat keine Zeit wo alle geboren werden. Und da der Mensch zwar eine Bewußtheit über sich selbst als Individuum hat, aber keine Bewußtheit über die Herde, sondern über das, was die Herde will, nur spekulieren kann, würde ich sagen, ist der Mensch vorrangig wohl ein Individuum allerdings mit einem sozialem Bedürfnis von Gemeinschaft.

    Folglich dürfte eine Regentschaft nicht politisch sein, da sie dem Wesen des Menschen als Individuum nicht gerecht werden kann. Gibt es eine unpolitische Regentschaft? Warum nicht? Regenten könnten durchaus aufpassen, daß die Rechte der Individuen gewahrt bleiben und Mehrheiten aufgrund von Mehrheiten nicht mehr Recht bekämen.

    Dann würde auch nicht mehr geschlußfolgert, das mehr Geld, Anspruch auf mehr Geld hat, denn es liegt auch eine gewisse Logik darin, es so zu sehen, das diejenigen, die mehr Geld haben, ja eh schon mehr Geld haben, also eher die Anderen etwas benötigten.

    Ein politisches System, wird also immer den Mehreren und viel Habenden, ein noch mehr zusprechen, da es, weil politisch, dem Mehrheitsprinzip folgt.

    Beste Grüße

    1. Danke Argonautiker!Ich bin eher der gefühlsneutrale,nüchterne Autist.Eine Äusserung wie diese ist deshalb eher ungewöhnlich.Dass es noch andere Denker in unserer Muttikratie gibt,reisst mich aus meiner Hoffnungslosigkeit,welche die meisten anderen Threads,die ich lese,ergeben.Manchmal möchte ich auswandern.Nur wohin?Es böte sich ausschliesslich Nordeuropa(Norwegen,Schweden,Finnland,Dänemark)an,das haben aber schon zuviele vor mir geschnallt!Also heisst die Parole:Hier bleiben & Last Man Standing geben.

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