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Sorgen vor Rezession – welche Länder sind besonders vom Abschwung bedroht?

Seit dem Dezember 2018 wird in Ökonomenkreisen über die Möglichkeit einer Rezession gesprochen, was angesichts des längsten Aufschwungs in einem Jahrhundert nicht verwunderlich wäre.

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Doch welche Länder aus den 164 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation WTO wird es zuerst treffen? Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit diejenigen, die große Verquickungen mit dem Welthandel als Exportstaaten aufweisen. Anders Binnenkonsumländer wie die USA, deshalb auch die großen Töne des Dealmakers aus den USA angesichts seiner Inlandskonjunkturdaten.

Länder wie Deutschland, China, Südkorea, Schweiz, Singapur, Italien, Japan oder Irland, die nach einer Liste der Weltbank ein hohes Leistungsbilanzdefizit haben und auch teilweise im Fokus der US-Regierung stehen. Wie wir gestern am Einkaufsmanagerindex in Großbritannien gesehen haben, sieht es für dieses Land auch nicht besonders gut aus – aber auch aus anderen, bekannten Gründen.

Aber das ist natürlich keine Rangliste, zu verschieden sind die Volkswirtschaften in ihrem Inneren aufgebaut. Nur hat die Exportquote eines Landes derzeit großes Gewicht, abzulesen an den Einkaufsmanagerindizes der Top-Ausfuhrstaaten Deutschland und Südkorea.

Länder wie die Türkei und Italien sind oder waren bereits in der Rezession, allerdings vorwiegend aus politischen Gründen.

Eine große Frage ist aber auch, wann erwischt es Australien, „the Lucky country“, welches nun schon seit dem Finanzjahr 1991/92 schon keine Rezession mehr erlebt hat. Nicht einmal 2008 als die Finanzkrise die großen Industriestaaten in den Abschwung getrieben hat. Jetzt sieht sich Down Under mit Gefahren bedroht und die gehen von China aus. Dem Land, welches mit seinem Rohstoffhunger für unentwegt Nachfrage in Australien gesorgt hat. Diese Nachfrage ist mit dem Rückgang der Infrastrukturprogramme in China zurückgegangen, geschätzte 65 Millionen leerstehende Wohneinheiten sind Warnung genug.

Außerdem hat sich Australien zusammen mit Neuseeland den Zorn des Reichs der Mitte zugezogen, durch den totalen Boykott von Huawei, auch beim Aufbau des 5G-Netzes. Folgen sind Vergeltungsmaßnahmen Chinas. So erhöhten chinesische Häfen ihre Löschzeit für australische Kohleschiffe von 25 auf 45 Tage, zugleich wurde die Einfuhr von Kohle aus Australien in einigen Häfen begrenzt. Kommt das Ende des Superzyklus?

 

Wie steht es um Deutschland?

Während man im Ausblick der EU-Kommission für den Euroraum als Ganzes für 2019 noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent rechnet, sind es für Deutschland gerade noch 0,5 Prozent. In dieser für gewöhnlich nicht pessimistischen Schätzung ist aber gewiss noch keinerlei Eskalation des Handels beinhaltet.

Makaber: Aus dem Wachstumstreiber der letzten Jahre wird plötzlich wieder der schwache Mann Europas, wenn man den Schätzungen der großen Institute Glauben schätzen mag. Selbst die Bundesregierung ist bereits bei 0,5 Prozent gelandet, nach ständigen Revisionen nach unten, beginnend im Herbst 2018. Das große Gegengewicht zur Industrie bilden seit geraumer Zeit Dienstleistungen, Bau und Arbeitsmarkt (mit ersten Stagnationssignalen) und der sehr stabile Konsum.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat es in ihrem Frühjahrsgutachten 2/2019 in einem Satz zusammengefasst. Die deutsche Wirtschaft tritt seit dem Sommer 2018 auf der Stelle.

 

Fazit

Auch wenn ein wichtiger Kommentator in unserem Forum (aus Südtirol) zu Recht behauptet, dass man an der Börse kaum etwas zuverlässlich prognostizieren kann und damit auch die Behauptung von mir, der Juni würde ein sehr wichtiger und spannender Monat, reichlich gewagt sei. Trotzdem. Die neuen Zölle gegenüber Mexiko ab 10.Juni und deren Ausweitung ab 1.Juli, das Auslaufen der Deadline gegenüber China mit der Einführung der vollen Zolbelastung (325 Mrd.$), der G20-Gipfel am 28./29. Juni in Osaka, das hat schon irgendwie Endspielcharakter.

Sollte all dies ohne einem Einlenken, einer spürbaren Kompromissbereitschaft bis Monatsende weitergehen, wird sich das Weltpendel sehr stark in Richtung Abschwung bewegen – mit entsprechenden Folgen an den Börsen. Aber es gibt ja noch die US-Notenbank, die sich aber in Kürze in irgendeiner Form auf „dovishe“ Art äußern müsste, ohne weitere Glaubwürdigkeit zu verspielen.

 

Von Ottocarotto – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5545722



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4 Kommentare

  1. „Länder wie Deutschland, China, Südkorea, Schweiz, Singapur, Italien, Japan oder Irland, die nach einer Liste der Weltbank ein hohes Leistungsbilanzdefizit haben“

    LB-Überschuss, nicht -defizit.

    1. @ tm. Korrekt. Sorry für den Schreibfehler.
      Danke

  2. @Wolfgang
    Trotz Wirtschaftswachstum verlor der ASX 2008 mehr als 50%.

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