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S&P 500 und Nasdaq: Die große Enthebelung hat begonnen

Die Finanzmathematik - von ihrer schrecklichen Seite

S&P 500 Nasdaq Margin Debt

Seit Jahresbegeinn ist vor allem der US-Tech-Index Nasdaq, aber auch der breit gefaßte Leitindex S&P 500 unter Druck – denn die große Enthebelung beim Margin Debt hat begonnen!

Derzeit scheinen sich die Wolken am globalen Konjunkturhimmel immer mehr zu verdunkeln. Ob die Inflation in all ihren Facetten, Zinssorgen, Ukrainekrieg, Chinas Wirtschaftsprobleme mit den Lieferkettenanspannungen, Engpässe bei der Lebensmittel- und Energieversorgung, die Auflistung Liste könnte noch viel länger fortgesetzt werden.

Aber ganz besonders scheint sich die Lage für den US-Aktienmarkt einzutrüben, der vor Kurzem noch die gigantische Summe von fast 50 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung erreicht hatte. Natürlich mit großer Unterstützung der eigenen Notenbank, die mit ihrer Aufsicht dem billigen (kostenlosen?) Aktienhandel und natürlich auch mit extrem billigen Geld bei der Hebelung von Wertpapiers Vorschub geleistet hat. Seit geraumer Zeit steigen jedoch die Kapitalmarktzinsen, der sogenannte Margin Debt geht seit November 2021 sukzessive zurück.

Ab einer gewissen Fallhöhe ist dies ein relativ sicheres Zeichen, dass es an den verschiedenen Aktienmärkten „scheppern“ wird.

S&P 500, Nasdaq und Margin Debt – im Gleichlauf

Auch wenn die Daten der FINRA (Financial Industry Regulatory Authority, eine staatlich authorisierte Organisation, die US-Broker überwacht) über die Höhe der Kredite auf Wertpapierdepots immer schon ein paar Wochen alt sind, haben diese langfristig doch eine hohe Aussagekraft über den Zustand der Märkte. Denn die großen Einbrüche bei S&P 500 liefen in den letzten Dekaden stets leicht zeitversetzt zu den Enthebelungen. Im April ging es weitere 3,3 Prozent nach unten, aber was geschieht gerade jetzt, in der Phase der großen Unruhe (Turmoil)?

Margin Debt und S&P 500

Die letzten drei (zinsinduzierten) Einbrüche haben es gezeigt: Desto steiler der Anstieg der Kreditaufnahme, umso heftiger der Absturz. 1999/2000 liefen Margin Debt und S&P 500 (und Nasdaq) fast parallel nach Süden, bei der Finanzkrise 2007 lag das Kredit-Top drei Monate vor dem Aktienhoch.

Bei spiegelbildlicher Darstellung wird die Korrelation zwischen dem Leitindex und der Kreditaufnahme bei den Wertdepots noch deutlich sichtbarer.

S&P 500 und Nasdaq und Margin Debt invers

Fazit

Im Oktober 2021 erreichte der Margin Debt mit 935 Milliarden Dollar sein Allzeithoch – kam anschließend nicht der große Auftrag von Präsident Biden an die Fed? – anschließend ging es in Schüben nach unten. Im April lagen diese Kredite noch bei 772 Milliarden Dollar.

Kein Wunder, die Zinskonditionen dürften sich seither mehr als verdoppelt haben, seit Jahresanfang ging mit den Kapitalmarktzinsen schon von 1,65 bis auf 3,20 Prozent in der Spitze nach oben. Das Schreckgespenst für die teilweise gierigen, aber auch unerfahrenen Anleger heißt hier Margin Call, also die ungeliebte Post des Brokers mit der Aufforderung zum Ausgleich des Depots, wenn dieses durch Kursrückgänge in Schieflage geraten ist.

Das große Wehklagen entsteht bei größeren Marktturbulenzen aber dann, wenn die Teilnehmer notgedrungen einen Teil des geschrumpften Depots verkaufen, dann aber feststellen, dass sich die Beleihungsgrenze ein weiteres Mal nach unten bewegt hat. Die Finanzmathematik – von ihrer schrecklichen Seite. Aber schlussendlich ist dies eine Erklärung dafür, warum es bei den großen Schwächephasen bei Indizes wie dem S&P 500 und dem Nasdaq so sturzbachartig nach unten geht. „Und ewig droht der Margin Call!“

Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf mehrere Börsentage mit Schwankungen von über drei Prozent, im Jahr 2022, dem des monetären Klimawandels, wie diese Jahrhundert-Statistik im Tweet von Charlie Bilello nahelegt:

S&P 500 Drawdowns Bilello



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