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Das Jahrzehnt der Knappheit Strompreis: Neues Allzeithoch für Deutschland und Frankreich – „böses Erwachen“

Wir werden Zeitzeugen einer Zeitenwende

Neues Allzeithoch beim an der Börse gehandelten Strompreis für Deutschland und Frankreich: so steigt der Strompreis für Deutschland auf 725 Euro pro Megawattstunde, für Frankreich auf immense 870 Euro die Megawattstunde – während der Gaspreis ebenfalls weiter steigt. Zum Vergleich: in den Jahren 2010 bis 2020 lag der Strompreis durchschnittlich bei 41 Euro pro Megawattstunde – hat sich also etwa für Frankreich mehr als verzwanzigfacht, für Deutschland mehr als verfünzehnfacht.

All das bringt besonders energieintensive Unternehmen weiter in Bedrängnis: so sind vor allem (aber nicht nur) wegen dem gestiegenen Strompreis die Erzeugerpreise in Deutschland um 37,2% gestiegen. Hinzu kommt der Anstieg beim Gaspreis, der heute über die Marke von 300 Euro steigt (beim TTF September-Kontrakt). Für Deutschland, das im Jahr ca. 1 Terawattstunde an Gas verbraucht, bedeutet das Kosten von etwa acht Prozent des deutschen BIP – in den Jahren zuvor war es noch weniger als 1% des deutschen BIP gewesen!

Dabei gibt es einen Zusammmenhang zwischen dem Strompreis und dem Gaspreis – denn derzeit wird in Deutschland viel Gas zur Stromproduktion verwendet, wobei dann dieser Strom zum Teil nach Frankreich exportiert wird. Frankreich wiederum leidet wie viele andere Länder derzeit unter einer Dürre, sodass vor allem Wasserkraft weniger zur Stromerzeugung beiträgt als „normalen“ Zeiten. Hinzu kommen Probleme mit Frankreichs Atomkraftwerken, die derzeit weniger Strom liefern aufgrund von verschleppten Wartungsarbeiten und technischen Problemen.

Strompreis und deutsche Wirtschaft: „böses Erwachen“

Kann die deutsche Wirtschaft einen derart hohen Strompreis auf Dauer verkraften? Wohl kaum – zumindest nicht, wenn der Staat nicht helfend einspringt. So entspricht der aktuelle Strompreis einem Ölpreis von sage und schreibe 1000 Dollar – und das ist auf Dauer nicht zu schultern für viele Unternehmen. Kein Zufall, dass nach einer aktuellen Umfrage knapp über 42% der deutschen mittelständischen Unternehmen ihre Existenz in Gefahr sehen (siehe hierzu auch das Video „Energiekrise und Inflation: Deutscher Mittelstand vor Kollaps!“).

Die derart gestiegenen Energiepreise sorgen nicht nur für die Abwanderung von deutschen Firmen ins Ausland, sondern vor allem auch für eine absehbare Rezession bzw. Stagflation der deutschen Wirtschaft insgesamt. Laut Einschätzung des ifo Instituts dürfte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal um 0,5% schrumpfen – auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht von einer Rezession im aktuellen Quartal aus.

„Jahrzent der Knappheit“ und Inflation

Hoffnungen auf eine schnell sinkende Inflation dürften daher wohl bald ad acta gelegt werden müssen. Viele energieintensive Firmen fahren bereits ihre Produktion zurück – wodurch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch einmal größer wird (ausser die Nachfrage bricht dramatisch ein). Der Rohstoffexperte Jason Bloom von Invesco erwartet daher ein „böses Erwachen“. Er spricht von einem „Jahrzehnt der Knappheit“ mit dauerhaft hohen Rohstoffpreisen und damit anhaltender Inflation.

In diesem Umfeld müssen daher die Notenbanken die Zinsen weiter anheben, schon um die weiter steigenden Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Die Zeit des ultrabilligen Geldes ist damit ebenso vorbei wie das noch vor kurzem geltende Motto: „alles ist zu jeder Zeit verfügbar“.

Wir werden also Zeitzeugen einer Zeitenwende..

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16 Kommentare

  1. Wieso sollte da jemand „böse Erwachen“? Das Ziel der grünen Khmer ist seit Jahrzehnten der feudaltotalitäre Elendsstaat. Und das unter zunehmender begeisterter Zustimmung der überwältigenden Mehrheit in Deutschland (andere Länder kann ich nicht beurteilen).
    Zu dieser überwältigenden Mehrheit gehört auch praktisch die gesamte Wirtschaft. Es wird also Zeit die ersten Jubelzüge für die Regierung zu initiieren. Endlich, endlich werden die feuchten Träume, gerade auch der Wirtschaft, wahr.

    Und immer diese unsinnige Diskussion von „Energie- und Rohstoffpreisen“. Die sind irrelevant, denn im angestrebten Mittelalter werden weder Energie, noch die allermeisten Rohstoffe benötigt.

  2. Mit der Verdoppelung der „Erneuerbaren“ aus Wind und Sonne, verdoppelt sich auch das Problem, dass bei genügend Wind und Sonne Geld dafür bezahlt wird, dass Jemand die Energie aus Deutschland abnimmt. Und bei Dunkelflauten werden dann doppelt so viele grundlastfähige Kraftwerke (vorzugsweise Gas) benötigt, um die Versorgung zu garantieren. Und LNG ist eben sehr, sehr teuer.
    Gut, grüne Träumer spinnen von tausenden von riesigen Speichern.
    Ja, versucht doch mal einen Einzigen in Deutschland zu bauen.
    Wieviel tausend Jahre soll das dauern. Die Schweiz hat einen einzigen gebaut; es hat 14 Jahren Bauzeit benötigt.
    Man — richtet Deutschland ohne N2 hin, fahrt es an die Wand, aber hört doch endlich mit dem dämlichen Gelaber auf, dass etwas mit dem weiteren Ausbau mit Wind und Sonne ohne tausende von riesigen Speichern etwas positives bei der Energiewende herauskommt.
    Es wird nun sehr teuer, und es muss bezahlt werden, da hilft kein jammern.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut
      Verlieren Sie jetzt komplett den Bezug zur Realität?

      Bis es soweit ist, dass die doppelte Leistung Erneuerbarer installiert ist, gibt es auch schon viel mehr Elektrolyseure, Smart-Grids, DSM und Kurzzeitspeicher für die Überschüsse, außerdem einen gestiegenen Stromverbrauch durch Elektrifizierung im Verkehrs- und Gebäudesektor. Nebenbei bemerkt, war in 2021 der deutsche Day-Ahead Großhandelsstrompreis nur in 139 der 8.760 gehandelten Stunden negativ. In 2022 waren es bisher 40 Stunden. 2020 waren es noch 298 Stunden. Die Tendenz ist also extrem rückläufig, trotz Ausbau und witterungsbedingtem Anstieg der Produktion.

      Wenn in Ihren gefürchteten Dunkelflauten, wie beispielsweise am historischen Lieblings-Ausnahme-Tag 16.11.2021, nur 5 GW Leistung zur Verfügung stehen, wären es bei doppelter Anzahl doch 10 GW, oder täusche ich mich da etwa? Also warum sollten wir dann doppelt so viele „grundlastfähige“ Kraftwerke benötigen? Es sei denn, wir würden auch doppelt so viel Strom verbrauchen, was dann aber Ihre erste Aussage zu den negativen Preisen ad absurdum führt. Außerdem wären es nicht doppelt so viele Kraftwerke, die vorhandenen Reserven müssten kurzzeitig nur mit höherer Auslastung laufen.

      Sie bezichtigen andere des „dämlichen Gelabers“, verbreiten aber selbst von Tag zu Tag mehr und immer haarsträubenderen Unsinn.

      1. Ja, das sind so die Träume.

        1. Ich frage mich nur, wie bescheuert die Schweizer sein müssen, wenn Sie gigantische Projekte zur Energiespeicherung nicht nur vorhaben, sonder auch schon teilweise verwirklicht haben.
          Wo ist denn in Deutschland nur ein einziges Projekt zur Energiespeicherung wenigstens in der Planung, womit z. B. ein Stahlwerk oder eine Aluminiumhütte 5 Tage Dunkelflaute überbrücken kann?
          Nur ein einziges Werk.
          Wer dafür Wasserstoff speichern will, muss bei den Verlusten schon 3x soviel Windräder aufbauen, damit der Lichtbogen im Stahlwerk nicht nur kurz aufflackert.
          Das sind alles Träumereien, und könnten, wenn überhaupt, nur mit ca. hundert Atomkraftwerken in Deutschland funktionieren, die rund um die Uhr Energie liefern; auch dann für grünen Wasserstoff.
          Solange muss Energie im Ausland eingekauft werden, und die Strom- und Gastrechnung wird sich mindestens verdreifachen.
          Aber träumt ruhig weiter.

          Viele Grüße aus Andalusien Helmut

      2. @Jonas Tobsch: Es gibt keine Speicher, kein Smardgrid, keine Netze und keinen Wasserstoff.

        Und bald gibt es auch keine Industrie mehr, welche das Alles benötigen würde.

        Die sind dann pleite oder abgewandert.

        Es geht inzwischen um die nackte Existenz und die ganze Welt lach inzwischen über uns!

      3. „am historischen Lieblings-Ausnahme-Tag 16.11.2021“

        Sie wissen doch selber, dass dieser Tag nur ein Beispiel war und es allein im zurückliegenden Jahr etliche Tage Gab, an denen ca. 60-70 GW aus nicht erneuerbaren erzeugt werden mussten:

        z.B.

        7 Oktober 2021
        3. November 2021
        21. Dezember 2021
        10 Januar 2022

        https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/26.08.2021/26.08.2022/today/

        Aber machen Sie sich keine Mühe. Passt ja nicht zu Ihrer Ideologie.

        „Leistung zur Verfügung stehen, wären es bei doppelter Anzahl doch 10 GW, oder täusche ich mich da etwa?
        Sie täuschen sich nicht und scheinen ein wahres Genie zu sein.

        Sie haben richtig erkannt, dass bei einer installierten Leistung der Erneuerbaren von dann ca. 280 GW nur 10 GW erzeugt werden würden. Wooowwww 10 GW.

        Bei einem Stromverbrauch von ca. 70 GW in Deutschland, Tendenz steigend, müssten immer noch um die 60 GW aus sonstigen Kraftwerken oder Speichern kommen. Das hilft garnicht so viel wie suggeriert und erzeugt zunächst einmal einen enormen Investitionsbedarf. (
        Aber was kümmert einen Ideologen schon Kosten, bezahlen müssen ja eh andere)

        Und nennen Sie das Kind doch bitte beim Namen!!

        „die vorhandenen Reserven müssten kurzzeitig nur mit höherer Auslastung“

        Bei den vorhandenen Reserven wird es sich ab 2023 hauptsächlich um die mit am klimaschädlichsten Kraftwerke handeln die es gibt, Braunkohlekraftwerke.

        Und die werden auch nicht nur kurzfristig gebraucht.

    2. Na, ja wenn die EU innterhalb von 12 Jahren die Geldmenge versechsfacht, dann weiß auch jeder Laienvolkswirt, dass eine Hyperinflation ins Haus steht.

      Fatal ist natürlich dass sich die US Vasallen in dieser Situation zutrauen den Energielieferanten massiv zu sanktionieren.

      Das Ende der EU wird nicht gleich kommen, aber dann überraschend schnell. Und vom so genannten CIA Friedensprojekt wird nur noch Mißgunst und Neid bleiben.

  3. Köstlich, Herr DENKSELBST, SELBER DENKEN.
    Es führt über den Main,
    Eine Brücke aus Stein,
    Wer darüber geh’n will,
    Muss im Tanze sihich drehen.
    FALLA LALLA LA FALL A LA LAAAAAAA……….?

    Und ein Bursch, ohone Schuh
    Und den Kittel dazu…….entschuldigung.
    Bin abgedriftet.

  4. Die Qualität der Kommentare korreliert negativ mit der Inflationsrate.
    Selbst der Humor, ein untrügliches Zeichen von Intelligenz, ist den meisten Schreibern abhanden gekommen. Manche besaßen ihn von Anfang an nie.
    Einfach traurig.

  5. Die Art der Erzeugung des Primärenergiebedarfs hat sich tatsächlich in den letzten Jahren erheblich verändert. Immerhin wurden ca.16% von den „erneuerbaren“ zugesteuert. Da ist die Wasserkraft auch dabei. Der Gasanteil wurde aber auch erhöht und das bei leicht fallendem Energiebedarf. Wie das bei stark reduzierten Gaslieferungen funktionieren soll ist mir schleierhaft.Gas ist alternativlos für die stoffliche Verwendung (Medikamente, Dünger, Kunststoffe…). Daher ist es möglichst zu schonen und ALLE wirklich alle Möglichkeiten anderer Energieerzeugung müssen ausgeschöpft werden. Darauf ist maximales Augenmerk zu richten und nicht auf Wasserstoff, der für die aktuelle Lage zu spät kommt.
    Atomkraft, kleinen Wasserķraftwerken das Leben nicht schwer machen, Balkonkraftwerke fördern und nicht behindern – was weiß denn ich schon. Wer hat den all die teuren Berater zur Seite. Da ist nichts zu hören oder zu sehen.

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