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Tesla: Die Jagd auf Elon Musk ist eröffnet – Volkswagen bald vorne?

Die Aktie des Jahres 2020, Tesla, verliert weiter, mittlerweile schon ein Viertel ihres Börsenwertes – und die deutschen Autowerte holen mächtig auf, Volkswagen allein 13 Prozent in der letzten Woche, auf eine Marktkapitalisierung von 103 Milliarden Euro. Auslöser war die Meldung, dass der deutsche Automobilprimus seine neuen Fahrzeuge (ID.3 und ID.4) mit der so genannten Over-the-Air-Technik ausstatten wird, bei der über das Internet Updates erfolgen und Werkstattbesuche diesbezüglich wegfallen können. Ein bisher großer Pluspunkt für die Amerikaner.

Die Automobilproduktion des Jahres 2020

Das Coronajahr 2020 stellte die Automobilkonzerne vor große Herausforderungen: Einerseits den großen Nachfrageeinbruch zu verkraften, aber andererseits viel Kapital einzusetzen, um den Umbruch in der Antriebstechnik zu stemmen. Davon unbeeindruckt Tesla mit der Steigerung auf 500.000 Einheiten, mit vier Quartalen in der Gewinnzone (allerdings durch die Verköufe von CO2-Emissionsrechten).

Volkswagen hingegen hat trotz des heftigen Umsatzrückgangs noch 10 Milliarden Euro Gewinn eingefahren – Kapital, welches man für die Zukunftsinvestitionen verwendet. Nach 19,3 Milliarden Euro im Jahr 2019, daran sieht man (noch) die Dimensionen der Gewinne mit den Verbrennern, die man im Elektrobereich erst einmal erreichen muss, auch Tesla. Dass man dies von der Firma von Elon Musk nicht überall erwartet, zeigt der Anleihemarkt, wo für eine Anleihe bis 2025 – 4,4 Prozent Rendite geboten werden musste, vier Mal soviel wie für einen gleich lang laufenden VW-Bond.

Wenn man sich die Produktionszahlen des letzten Jahres ansieht, so wird ersichtlich, wie schwer es für ein Unternehmen sein wird, um in eine Bewertung von 700 Milliarden Dollar hineinzuwachsen. (in Mio. Fahrzeugen)

Toyota: 9,53, Volkswagen 9,51, General Motors 6,80, Honda 4,79

FCA 4,42, Ford 4,19, Nissan 4,03, Hyundai 3,74, Suzuki 2,85, Daimler 2,84, PSA 2,51, PSA 2,51, BMW 2,32, Geely 1,32, Mazda 1,24, Misubishi 1,13, Tesla 0,50

Tesla und die Bewertungen der Automobilkonzerne

Im Jahr des totalen Überschwangs für Tesla, 2020 sowie im Monat Januar 2021, hatte sich die Aktie des E-Autopioniers mehr als verachtfacht, der Börsenwert für Tesla knapp 700 Milliarden Euro erreicht, gegenüber etwa 86 Milliarden bei Volkswagen. Im Übrigen war die Firma damit fast so hoch bewertet, wie all die oben aufgeführten Automobilproduzenten zusammen. Jetzt hat sich diese Schere deutlich verkleinert:

Ende der letzten Woche betrug der Börsenwert Teslas noch 499,78 Milliarden Euro, Volkswagen kam bereits auf fast 104 Milliarden, selbst Daimler war bereits mit knapp 76 Milliarden Euro bewertet. Ist das schon die Wiederauferstehung der alten Autoindustrie, die so stark investiert in die Elektroindustrie, nachdem man über Jahre sehr zögerlich mit dem Umbruch in der Antriebstechnik inklusive der Softwareentwicklung umgegangen war?

In einer sehr beachteten Studie der Schweizer UBS wird die neue Plattformstrategie von Volkswagen (mit ID.3, ID.4, ID.5) gelobt, aber gleichzeitig darauf hingewiesen, wo der große Vorsprung von Tesla immer noch ist: bei der Batterie und der Software. Die Batterie koste bei Volkswagen noch 1300 Dollar mehr als bei Tesla, im Bereich der Software läge man noch zwei Jahre hinter den Amerikanern zurück, so die Analyse. Aber auch hier forciert der deutsche Großkonzern. Wie VW-Chef Diess angekündigt hat, wurde ein neues Programm gestartet, mit dem Ziel die Firma in einen Automobil-Softwarekonzern zu entwickeln. Demnächst durch Software-Updates und dem Hinzubuchen von Extras ohne Umbau in der Werkstatt.

Der Studie zufolge stehe dem Automobilsektor ein großer Digitalisierungsschub bevor. Zum Ende des Jahrzehnts sollen 1,89 Billionen Dollar mit Auto-Software umgesetzt werde, was bereits deutlich über den Erträgen der gesamten Umsätze mit Verbrennern in der Gegenwart (1,77 Billionen Dollar) wäre. Die Analyse sieht für 2025 bei Tesla bereits einen Gewinn von neun Milliarden Dollar nur durch den Verkauf von Software vor, die Firma könnte auf einen Gewinn von 20 Milliarden Dollar kommen. Sehr gewagt, im Hinblick auf dem langsamen Fortschritt bei der gegenwärtigen Profitabilität. Wie oft hat man in China bereits innerhalb eines Jahres die Preise für das Model 3 senken müssen?

Zudem kommt Volkswagen in der Studie sehr gut weg, mit seiner neuen Plattform „Modularer E-Baukasten“. Zukunftsweisend für andere Konzerne. Volkswagen wird für seine neue Strategie von einigen Analysten deutlich hochgestuft, vor allem, wenn es gelingen sollte, die Ertragsperle Porsche an die Börse zu bringen. Die Kursziele für die Aktie werden bereits auf 400 Euro hochgesetzt, der Wert der Beteiligungen läge sogar noch darüber.

Das Fazit der Analyse lautet deshalb nicht: Es wird nicht Tesla alleine sein, sondern Tesla und die alte Industrie in neuem Gewand.

Fazit

Wird das Automobil-Urgestein Volkswagen tatsächlich zum ersten Jäger von Tesla – auf dem E-Autosektor? Oder ist der große Ansturm in Europa auf den ID.3 von VW nur eine Momentaufnahme und den großen Fördergeldern geschuldet? Die Zulassungszahlen in Europa zeigen aber einen eindeutigen Trend. Tesla hat sicherlich den großen Vorteil seiner Software, aber die bisherige (Höchst-)Marktkapitalisierung von 850 Milliarden Dollar, die etwa der Summe fast aller Hersteller der 67 Millionen verkauften Pkw vor der Corona-Krise entsprach, würde ganz einfach bedeuten, dass so ziemlich alle Geschäftsmodelle der Autofirmen in der Zukunft scheitern müssten, Tesla zur mit Abstand größten Automobilmarke der Welt generieren werde.

Eines zeigt sich schon nach wenigen Wochen im neuen Jahr. 2021 ist in vielen Dingen ganz anders als das Börsenjahr 2020. Nicht nur im letzten Jahr haben sich viele Shorties mit Tesla eine blutige Nase geholt, in diesem Jahr könnte es andersherum sein – wenn sich die Shortseller noch trauen. Eine große Korrektur hat allerdings bereits stattgefunden.

Tesla wird gejagt von Volkswagen



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1 Kommentar

  1. So nun zahlt sich der verdammte Short doch mal noch aus.

    Damit wäre dann auch die hier postulierte Theorie abgehackt das Tesla mit Bitcoin korrelieren würde….

    Tesla ist Hoffnungslos überbewertet und kann gar nie in diese Bewertung wachsen, schlicht unvorstellbar.

    Das unbegrenztes Geldmengenwachstum zur Inflation führt ist klar und der UseCase von Bitcoin, einige sahen es schon vor 10 Jahren, Pioniere wie Elon (was er zweifellos ist) haben es dieses Jahr erkannt….und Boomer leugnen die Realität…

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