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Thorsten Polleit: EZB hält Kurs – die Entwertungspolitik geht weiter

Markus Fugmann

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Eine Kurzeinschätzung von Thorsten Polleit

Keine Überraschung auf der heutigen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Rat der Geldbehörde hat den Leitzins unverändert gehalten: Der Hauptrefinanzierungszins liegt unverändert bei 0,0%, der Einlagenzins bei minus 0,4%.

Der Rat sieht allerdings keine „Abwärtsrisiken“ mehr für die Euro-Wirtschaft. Gleichzeitig sieht er jedoch im jüngsten Inflationsanstieg noch keinen aufwärtsgerichteten Inflationstrend – und damit auch keinen Anlass, die Geldpolitik zu straffen.

Die Schuldpapieraufkäufe gehen weiter: Gekauft werden pro Monat 60 Mrd. Euro, und dadurch wird die Euro-(Basis-)Geldmenge in gleichem Umfang erhöht – bis Dezember 2017 oder bei Bedarf auch darüber hinaus.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte auf der Pressekonferenz, der Ausstieg aus den Wertpapierkäufen („Tapering“) sei im Rat nicht diskutiert worden.

Die EZB hat zudem für das laufende Jahre die Prognose für die Inflation der Konsumentenpreise gesenkt. In 2017 soll sie nur noch 1,5% betragen von zuvor geschätzten 1,7%, und in 2018 soll sie auf 1,3% fallen gegenüber den bisher prognostizierten 1,6%. Auf diese Weise erlaubt sich die EZB quasi selbst, die Zinsen niedrig zu halten.

Für Sparer und Anleger bedeutet das, dass die meisten Zinsen im Euroraum nach Abzug der Inflation weiterhin negativ bleiben. Mit anderen Worten: Die Entwertung des Euro und der in Euro ausgewiesenen Ersparnisse geht weiter.

Berücksichtigt man zudem, dass eine erhebliche Zeitverzögerung zwischen Geldmengenausweitung und Preisauftrieb besteht, so ist es sehr wahrscheinlich, dass die EZB zu spät (wenn überhaupt) auf die geldpolitische Bremse treten wird: Denn wenn sie ihre Geldpolitik an der laufenden Inflation orientiert, ist es schon zu spät zu reagieren, wenn die Inflation anzieht.

Zudem ist zu beachten, dass die wahre Inflation schon in vielen Bestandsgütermärkten in Erscheinung tritt. Zu denken ist beispielsweise an die merklich steigenden Preise für Häuser, Grundstücke und Aktien in vielen Ländern im Euroraum. (Das ist die Vermögenspreisinflation).

Blickt man auf die Kredit- und Geldmengenentwicklung, so deutet einiges darauf hin, dass die Inflation im Euroraum künftig stärker ausfallen dürfte, als es den Sparern und Geldhaltern lieb sein kann – vor allem dann, wenn die EZB an ihrem aktuellen Kurs festhält.

Im April 2017 betrug die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 4,9%, die der Geldmenge M1 sogar 9,2% – und damit lagen sie deutlich über der Wachstumsrate der Realwirtschaft.

Hinter dem kräftigen Geldmengenwachstum verbarg sich vor allem eine beträchtliche Kreditausweitung an die Euro-Staaten: Sie nahm um 9,7% gegenüber dem Vorjahr zu, das Kreditwachstum an den privaten Sektor nur um 2,9%. Die Geldmengenvermehrung scheint also im Kern aus einer Monetisierung von Staatschulden zu stammen – einer Geldschöpfung, der keine produktive Leistung gegenübersteht, und die sich als besonders preistreibend erweisen sollte.

Unter diesen Bedingungen bleibt Gold eine attraktive Alternative für Sparer und Anleger aus dem Euroraum. Die „Währung Gold“ kann durch geldpolitische Maßnahmen nicht entwertet werden. Gleichzeitig trägt sie – anders als Bankeinlagen und Anleihen – kein Zahlungsausfallrisiko. In Zeiten wie diesen macht es Sinn, Gold als Versicherung für das Portfolio einzustufen – eine Versicherung mit Wertsteigerungspotential.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    gerd

    8. Juni 2017 17:04 at 17:04

    Dieser „Rat der Geldbehörde“ gehört doch allesamt vor Gericht und dann hinter Gitter. Und alle die Politiker auch, die dafür gesorgt haben, dass dieser Rat was zu sagen hat und dass er nicht abgesetzt wird.

    Der Gesamtheit der Bürger, der Geldbesitzer, der Sparer ist es nämlich überhaupt nicht möglich, sich dieser zerstörerischen Machenschaften zu entziehen. Selbst wenn sie wollten. Der Einzelne kann, aber nicht alle.

    Das heißt, nur der einzelne kann sein Geld dort anlegen, wo es nicht oder weniger entwertet wird. (Falls kein Schwan dazwischen schwimmt).
    Nehmen wir mal nur beispielhaft die Aktie. Die bekommt der einzelne nur, wenn ein anderer sie verkauft. Mithin sitzt der andere nun auf dem Geld, welches von der EZB gerade vernichtet wird.
    Und es gibt keine Ausweichmöglichkeit. Makroökonomisch betrachtet gibt es kein Entrinnen. Irgendjemand muss zwangsläufig im Besitz der Geldmenge sein.
    Selbst wenn 3,5 Mrd. Menschen plötzlich ihr Bargeld loswerden wollten und andere Assets anstreben. Das geht nur, wenn die anderen 3,5 Mrd. ihnen diese verkaufen (Grob gesagt). Dann würden aber diejenigen wiederum auf dem Geldbeständen sitzen. U.s.w.

    Danke EZB-Rat.
    Danke Politiker, dass ihr sowas zulasst.
    Danke Wähler, dass ihr solche Politiker weiterhin wählt.

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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