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Trotz Aktien-Rally: Flash-Crash an Chinas Future-Markt

FMW-Redaktion

Der Shanghai Composite hat mit einem Gewinn von 3,3% den größten Anstieg seit März verbucht. Überschattet aber wird diese Rally von einem Zwischenfall am Future-Markt, als es plötzlich zu einem Flash-Crash des CSI300-Futures kam (der CSI300-Future ist der Future auf den CSI300-Index, der die 300 größten Aktienwerte Shanghais und Shenzhens abbildet). Der CSI300-Future kollabierte plötzlich um 10% – der Handel wurde dann wegen „limit down“ (also dem Erreichen der maximalen Verlustgrenze innerhalb eines Handelstages) kurz ausgesetzt. Dann aber ging es in rasendem Tempo nach Wiederaufnahme des Handels wieder um 10% nach oben – und das innerhalb nur einer einzigen Minute! Laut Insidern untersucht die China Financial Futures Exchange derzeit den Vorfall.

Was war da los? In einem Umfeld, das klar positiv ist (Spekulation, dass Chinas A-Aktien in den MSCI-Index aufgenommen werden) kommt es normalerweise nicht zu einem Flash-Crash, wie er sich heute ereignete. Einer der Gründe ist sicher die stark ausgedünnte Liquidität an Chinas Future-Märkten seit den Interventionen durch Chinas Regierung (Leerverkaufsverbote etc.) im letzten Sommer. A propos Sommer: noch im Juli letzten Jahres waren die Aktienindex-Futuremärkte hoch liquide in China, das Volumen so hoch wie nirgends sonst auf der Welt.

Das aber ist vorbei – das zeigt nicht zuletzt der heutige Vorfall! So hat das Handelsvolumen an Chinas Future-Märkten um 90% abgenommen seit dem Hochpunkt im Sommer 2015: damals wurden Leerverkäufer am Future-Markt von den Behörden für den Crash im Sommer verantwortlich gemacht, die Margins stark nach oben gesetzt etc. Die Auswirkungen dieser Politik sind nun klar ersichtlich geworden – man stelle sich einmal vor, der Dax würde an einem Handelstag 3% steigen, zwischenzeitlich der Dax-Future aber nachrichtenlos um 10% einbrechen!

Noch ist die Ursache des Flash-Crashs unklar – Insider vermuten aber eine große Hedge-Position oder einen „fetten Finger“ (also eine aus Versehen zu groß eingegebene Order) als Auslöser in einem ohnehin volumen-armen Markt.

Unterdessen scheinen viele Player am Markt in Richtung auf fallende Kurse positioniert zu sein – so ist das Short-Volumen bei einem der größten in Hongkong gehandelten ETFs auf den Aktienmarkt Chinas auf einem Stand, wie es zuletzt kurz vor dem Crash im Sommer 2015 war. Offenkundig spielen viele Spekulanten ihre Erwartung eines fallenden Yuan gegenüber dem US-Dollar (vermutete Zinsanhebungen durch die Fed) in Form von Wetten auf fallende Aktienkurse – das Short-Volumen hat sich innerhalb diesen Monats verfünfacht! Das dürfte dann auch einer der Gründe für die heftige Rally des Shanghai Composite heute sein – Short-Eindeckungen nach dem Bericht von Goldman Sachs, wonach eine Aufnahme von Chinas A-Aktien in den MSCI bald bevorstehen dürfte..



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1 Kommentar

  1. Die Ausreden für derartige Vorfälle werden auch immer skuriler. Irgendwann war es der Flügelschlag eines Schmetterling in Afrika, welcher den Orkan verursachte.

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