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Tsipras wollte Drachme einführen, Abfuhr von Putin

Von Markus Fugmann

Nach einem Bericht der griechischen Zeitung „To Vima“ wollte Tsipras und andere führende Syriza-vertreter die Drachme wieder einführen. Demnach habe Tsipras in Moskau, Peking und Teheran nach Dollar-Krediten angefragt, die dann die Einführung der Drachme absichern sollten.

Tsipras hatte zuvor in einem Interview mit dem griechischen Fernsehsender ERT gesagt, dass, wenn man eine eigene nationale Währung einführen wolle, man dazu (Fremd-)Währungsreserven brauche. Seit Beginn 2015 habe Tsipras in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Syriza-Politikern (Panos Kammenos, Yiannis Dragasakis, Yanis Varoufakis, Nikos Pappas, Panagiotis Lafazanis) diesen Plan entwickelt. Vorbild sei die Slowakei gewesen – nach deren Lösung von der Tschechoslowakei.

Schon bei seinem Moskau-Besuch habe Tsipras diesen Plan Putin vorgstellt – die Antwort war jedoch vage unter Hinweis auf das russische Engagement für die South Stream-Pipeline. Tsipras hatte sich, so berichten Insider, während seines Moskau-Besuchs sehr kritisch über die Politik der Europäischen Union gegenüber der Ukraine geäußert.

Das aber hat alles nicht geholfen: noch in der Nacht des Referendums am 05.Juli habe Putin dann klar gemacht, dass er nicht bereit sei, die Einführung der Drachme durch einen Kredit von zehn Milliarden Dollar zu unterstützen. Ebenfalls nach Angaben von Insidern wollte Varoufakis dennoch die Wiedereinführung der Drachme, sei jedoch bei einer internen Abstimmung mit 2:4 Stimmen gescheitert. Dies sei dann der Grund seines Rückzugs als Finanzminister am Folgetag gewesen.

Tsipras aber sei nach der Abfuhr aus Moskau (aus Peking und Teheran kamen gar keine Antworten auf die Bitte der Griechen) gezwungen gewesen, der Vereinbarung mit den Gläubigern zuzustimmen. Nach dem Bericht der Zeitung „To Vima“ haben 17 Abgeordnete der oppositionellen Nea Democratia eine Brief an Tsipras gesendet mit der Bitte, Auskunft zu geben, ob die dort berichteten Darstellungen der Wahrheit entsprechen.

Heute steht für Tsipras übrigens die nächste Bewährungsprobe an: er muss weitreichende Reformen des Bank- und Justizwesen durchs Parlament bringen. Der Sprecher der Syriza-Fraktion, Nikos Filis, warnte:

„Sollten wir nicht mindestens 120 Stimmen bekommen (von den Syriza-Abgeordneten), werden wir so nicht weiterregieren können“.

Zuletzt hatten über 30 Syriza-Abgeordnete bei der Abstimmung im Athener Parlament letzten Mittwoch über die Vereinbarung mit den Gläubigern mit „nein“ gestimmt.



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4 Kommentare

  1. „Zuletzt hatten über 30 Syriza-Abgeordnete bei der Abstimmung im Athener Parlament letzten Mittwoch über die Vereinbarung mit den Gläubigern mit „nein“ gestimmt.“

    … und diese hat man ja schon ausgewechselt, also alles paletti.

    Die Abfuhr war meines Erachtens nicht mal politisch, sondern schlicht deswegen, weil Russen mit Puppen und Verrätern nicht zusammenarbeiten. Du kannst keinen Wendehals unterstützen, der dir morgen die Hand abbeißt, mit der du ihn fütterst.

  2. Ergänzung zu oben: das setzt voraus, dass Russland nicht nur den bösen Cop spielt und Teil der Globalisten-Clique ist. Die Option ist ebenso möglich, bisher kann ich nichts ausschließen.

  3. Die Geschichte habe ich seit der Wahl Tsipras vermutet. Putin hat – was hier nicht steht aber ganz sicher auch der Fall war – Tsipras zugesagt, dass Geld zu geben, mit dem Ziel die EU zu schwächen und um dann im letzten Moment – sprich dem 5. Juli – sein Versprechen zurück zu ziehen. Die einzige Frage die noch zu beantwortet bleibt, ist, ob Tsipras, wenn er die erste Kredittranche von der EU bekommen wird, diese nicht benützen wird, um die Drachmen nichts desto trotz einzuführen….?

  4. sorry Herr Tsipras hat schlicht und einfach sein Volk verraten –
    das Referendum war „für die Katz“ und ein reines Showprogramm

    CUI BONO???

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