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Schweizer Franken-Schock ist in der Schweizer Realwirtschaft angekommen

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Ein halbes Jahr nach der drastischen Aufwertung des Schweizer Franken am 15.01.2015 kann man ein erstes Zwischenfazit ziehen. Der Schweizer Franken-Schock ist in der Schweizer Realwirtschaft angekommen.

SNB-Direktorium-Wächter-über-den Schweizer Franken
Wächter über den Schweizer Franken: Das Direktorium der Schweizer Nationalbank.
Foto: Schweizer Nationalbank

Der Industrie macht der starke Schweizer Franken zu schaffen

Gestern meldete der Schweizer Maschinenbauer Georg Fischer Zahlen für das 1. Halbjahr 2015. Obwohl das Unternehmen weiterhin Gewinn erwirtschaftet, ist der Umsatz um 4% gesunken. Die Aufwertung des Schweizer Franken am 15.01.2015 habe das Unternehmen 7% des Umsatzes gekostet. Demnach wäre man also im Plus gewesen, wenn die Schweizer Notenbank bei der 1,20-Schwelle geblieben wäre. Die Schweizer Mitarbeiter der Firma arbeiten jetzt pro Woche vier Stunden mehr, um die Produktivität zu steigern und gegen dem Währungseffekt entgegenzuwirken. Fraglich, ob das dauerhaft ausreicht.

Das Basler Gebäudetechnikunternehmen Sauter reagierte auf den stärkeren Schweizer Franken mit der Ausweitung der Wochenarbeitszeit um 3,2 Stunden sowie einer 5% Lohnkürzung. Trotz dieser Maßnahme verlagert man demnächst 200 Arbeitsplätze nur ein paar Kilometer über die Grenze nach Freiburg. Der schwache Euro soll die Produktion wohl wieder richtig konkurrenzfähig machen. Auch der Hörgerätehersteller Sonova hat angekündigt im nächsten Geschäftsjahr 100 Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, zu den bereits bestehenden Standorten in Großbritannien und China. Die Frage ist: Ziehen die Mitarbeiter mal eben so um nach Großbritannien oder China? Wohl kaum!

Der Schweizer Ökonom Franz Jäger sagte gestern der „Handelszeitung“ auf die Feststellung angesprochen, dass der Schweizer Export sich doch immer noch wacker schlägt:

„Natürlich kann der schweizerische Produktivsektor auch künftig florieren, aber das wird sich immer mehr ausserhalb der Schweiz abspielen. Das Resultat ist eine zunehmende Verlagerung von Wertschöpfungspotenzialen und Arbeitsplätzen. Namhafte Unternehmer sagen mir, dass sie keinen anderen Ausweg als die Auslagerung von Teilen ihrer Produktion oder gar der ganzen Firma sehen. Selbst gesunde Strukturen gehen weg und werden wohl kaum je zurückkommen. Eine schleichende Deindustrialisierung hat jetzt begonnen und wird sich verstärken.“

EURCHF
Seit Ende des festen Wechselkurses von 1,20 im Euro vs Schweizer Franken interveniert die Schweizer Notenbank flexibel. Der neue inoffizielle „feste“ Kurs liegt, wie der Chart es zeigt, seitdem auf dem Niveau rund um die Marke 1,05.

Der Uhrenhersteller Swatch vermeldete letzte Woche bei der Vorstellung seiner Halbjahreszahlen, dass der Frankenschock vom 15.01.2015 im Umsatz mit 1,4% negativ zu Buche schlug. Obwohl Swatch selbst zulegen konnte, sei der Export der gesamten Schweizer Uhrenindustrie derzeit rückläufig, so Swatch. Die Firma selbst kann sich dank seiner großen Gewinnmargen (das Apple der Uhrenindustrie) noch am Markt behaupten, kann aber den Währungseffekt deutlich messen.

Die Firma Schlatter, ein Hersteller für Webmaschinen und Schweißanlagen, sah sich genötigt im Mai eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Grund hierfür war laut dem Unternehmen, dass man Zeit gewinnen wolle sich dem aufgewerteten Wechselkurs anzupassen. Mit dem frischen Geld habe man Luft Kostensenkungen und Restrukturierungen durchzuführen (so bezeichnet man im Allgemeinen die Kosten für Abfindungen bei entlassenen Mitarbeitern).

Exporte rückläufig

Wie gestern veröffentlichte amtliche Daten belegen, gingen im 1. Halbjahr 2015 Im- und Exporte der Schweiz spürbar zurück.

Starker Schweizer Franken belastet Exporte
Grafik: Eidgenössische Zollverwaltung

Gestern veröffentlichte Zahlen der Schweizer Zollverwaltung zeigen einen Außenhandelsrückgang im 1. Halbjahr 2015 gegenüber den beiden vorigen Halbjahren in 2014. Exporte -2,6%, Importe -7,4%. Zitat aus dem gestrigen Außenhandelsbericht:

„Die Entwicklung auf den für die Schweiz wichtigsten Absatzmärkten verlief gegenläufig: während der Versand nach Nordamerika um 5 % (USA: + 6 %; v.a. Präzisionsinstrumente und Maschinen) bzw. nach Asien um 3 % zunahm, gingen die Ausfuhren nach Europa (Anteil 57 %) um 6 % zurück. Hier verringerte sich der Umsatz in Österreich um 14 % und in den grossen Volkswirtschaften wie die Niederlande, Italien, Deutschland (- 1,4 Mrd. Fr.) und Frankreich zwischen 6 und 10 %.“

Schweiz Außenhandel
Grafik: Eidgenössische Zollverwaltung

Der Rückgang beim schweizerischen Export betrifft also vor allem die Euroländer, gegen deren Währung Euro der Schweizer Franken ja seit Januar so massiv aufwertete.

Schweizer Franken beschert SNB fetten Verlust

Auch kuriose Auswirkungen bringt der „Franken-Schock“ mit sich. Die Schweizer Nationalbank, an der die Schweizer Kantone (Bundesländer) direkt beteiligt sind, hat durch die Aufwertung des Franken massive Verluste angehäuft (1. + 2. Quartal insg. 50 Milliarden Franken) und ist wirft auf absehbare Zeit keine Gewinne mehr ab, die sonst immer auch an die Kantone als Anteilseigner ausgeschüttet wurden. Hier fehlt also erst mal auf lange Zeit Geld in der Kasse.

Arbeitslosigkeit

Noch haben Stellenverlagerungen ins Ausland die Arbeitslosenquote in der Schweiz nicht beeinflusst. Dies dürfte aber nur dem Umstand geschuldet sein, dass so eine Stellenverlagerung ins Ausland eben dauert. Eine spürbare Veränderung dürfte man Anfang 2016 sehen können. Mit Stand Ende Juni lag die Arbeitslosenquote in der Schweiz bei immer noch „nur“ 3,1% (selbes Niveau wie 2013 und 2014). Bisher also immer noch paradiesische Zustände gegenüber den Nachbarn rundherum. Das wird sich wahrscheinlich in 2016 ändern, wenn neue Produktionslinien im Ausland aufgebaut und Jobs verlagert werden.

Hier weitere Hintergründe zur Aufhebung der 1,20 Schwelle am 15.01.2015.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Hinterfrager

    22. Juli 2015 15:51 at 15:51

    Tja, so ist das nun einmal, wenn sich Mister Market letztlich auch hier gegen eine zuvor über Jahre massiv durchgehaltene Marktmanipulation durchsetzt! Den Schweizer Unternehmen wird das kurzfristig ziemlich wehtun, aber eine aufgewertete Währung forciert eben auch in einem nächsten Zyklus wiederum Innovationen, Produktverbesserungen umnd damit auch eine mittelfristig verbesserte Wettbewerbsfährigkeit. Vom weltweiten Ruf der Schweizer Wirtschaft, u.a. unter den Aspekten Qualität, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit bei Zahlungsverkehr und Rechtsrahmen, einmal ganz abgesehen…

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Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

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am

Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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